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Robert I. Sutton: Der Arschloch-Faktor (Umgang mit schwierigen MitarbeiterInnen)

Rezensiert von Prof. Dr. Jost W. Kramer, 20.04.2008

Cover Robert I. Sutton: Der Arschloch-Faktor (Umgang mit schwierigen MitarbeiterInnen) ISBN 978-3-446-40704-6

Robert I. Sutton: Der Arschloch-Faktor. Vom geschickten Umgang mit Aufschneidern, Intriganten und Despoten im Unternehmen. Hanser Verlag (München) 2006. 192 Seiten. ISBN 978-3-446-40704-6. 17,90 EUR.
Originaltitel: The no asshole rule. Aus dem Amerikan. von Thomas Pfeiffer
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Thema und Zielsetzung

Robert Sutton hat sich geärgert, das wird bereits auf der ersten Seite des Vorworts sehr deutlich. Er ärgert sich über Arschlöcher, Mobber, Menschenschinder, Mistkerle, Tyrannen, Despoten und alle anderen übel agierenden Menschen, mit denen er in Kontakt kommt. Sutton vermutet, dass nicht nur er allein immer wieder solchen Menschen begegnet, sondern dass es allen anderen – und damit auch den Lesern seines Buches – ähnlich gehen dürfte.

Vor diesem Hintergrund verfolgt Sutton mit seinem Buch über den Arschlochfaktor zwei Ziele:

  1. geht es ihm darum aufzuzeigen, welchen Schaden und welche Probleme derartige Menschen bzw. solche Verhaltensweisen in Organisationen hervorrufen;
  2. möchte er Wege aufzeigen, wie man entweder Arschlöcher aus dem Unternehmen raushält oder entfernt oder zumindest solch ein Verhalten unterbindet.

Aufbau und Inhalte

Zur Erreichung dieses Ziels stellt er die Anti-Arschloch-Regel vor. Diese besagt, dass man "herabsetzende und arrogante Widerlinge" (S. X) aus der Gruppe heraushalten solle. Arschlöcher im Suttonschen Sinne sind dabei jene, die permanent fies, gemein und destruktiv sind. Diese gilt es zu unterscheiden von jenen, die einen schlechten Tag oder Moment haben. Typische Strategien destruktiven Verhaltens sind dabei Sutton zu Folge (vgl. S. 4):

  1. "Persönliche Beleidigungen
  2. Verletzung der Privatsphäre
  3. Unaufgeforderter körperlicher Kontakt
  4. Verbale und nonverbale Einschüchterungen und Drohgebärden
  5. Als "sarkastische" Witze und Hänseleien getarnte Beleidigungen
  6. E-Mail-Hassattacken
  7. Angriffe auf den Status des Opfers
  8. Öffentliche Demütigungen oder auf "Statusminderung" abzielende Rituale
  9. Rüdes Unterbrechen
  10. Janusköpfige Attacken
  11. Bewusstes Anstarren
  12. Leute wie Luft behandeln"

Zur Identifikation solcher Unsympathen schlägt Sutton einen zweistufigen Prozess vor: "Erstens, suchen Sie nach Leuten, die andere Menschen beständig demütigen und demoralisieren. Zweitens, fragen Sie sich, ob die Opfer generell weniger Macht und einen geringeren sozialen Rang als ihre Peiniger haben." (S. 18)

Wenn man diese Regel einmal im eigenen Arbeitsumfeld anwendet, dürfte man recht schnell das eine oder andere "Arschloch" im Suttonschen Sinne identifiziert haben. Dabei liegt es eigentlich im Interesse der Organisation, diese Leute aus dem Laden herauszuhalten. Denn sie verursachen nicht nur immenses Leid bei ihren Opfern, auch deren privates und berufliches Umfeld ist betroffen. Darunter leiden zugleich, und das wird merkwürdigerweise viel zu wenig erkannt, Effektivität und Effizienz des Unternehmens. Diesbezüglich entwickelt Sutton sogar ein Schema zur Berechnung der "Arschloch-Gesamtkosten" einer Organisation (vgl. 42).

Hilfreich ist es hingegen für Organisationen, die Arschlöcher am besten von vornherein aus der Organisation herauszuhalten, was gerade bei der Einstellung neuer Mitarbeiter zu berücksichtigen ist, oder bei gegebenem Anlass schnellstmöglich zu entlassen. Auch für die Durchsetzung der Anti-Arschloch-Regel liefert Sutton eine Checkliste, bestehend aus zehn Schritten (vgl. S. 85-87).

Ein großes Problem mit diesen im Prinzip einfachen Regeln ist, dass man selbst zumindest zwischenzeitlich ebenfalls zu den Arschlöchern gehört. Man sollte die Anti-Arschloch-Regel also auch auf sich selbst anwenden. Der wichtigste Schritt dazu ist laut Sutton, zunächst einmal die Gesellschaft anderer Arschlöcher zu meiden, denn: "Eine Horde Arschlöcher wirkt wie ein "Freundlichkeitsvakuum", das aus jedem, der hineingerät, Wärme und Freundlichkeit heraussaugt und durch Kälte und Verachtung ersetzt." (S. 92). Dies kann, wie Sutton explizit feststellt, sogar die Kündigung und Suche nach einem anderen Arbeitsplatz beinhalten. Sollte dies, insbesondere angesichts der derzeit angespannten Arbeitsmarktlage, nicht möglich sein, empfiehlt es sich, zumindest so weit wie möglich auf Distanz zu gehen. Zur Bändigung des eigenen inneren Schweinehundes ist es aber auf jeden Fall erforderlich, sich immer wieder einmal mit den Augen eines anderen, z. B. eines Mitarbeiters oder Untergebenen, zu sehen und zu fragen, ob man denn gerne mit sich selbst zusammenarbeiten würde.

Da es derzeit recht viele Organisationen zu geben scheint, die eher nach einer "Pro-Arschloch-Regel" denn nach einer "Anti-Arschloch-Regel" arbeiten, dürfte vielen direkten oder indirekten Opfern ein Arbeitsplatzwechsel zumindest kurzfristig nicht möglich sein. Diesbezüglich offeriert Sutton einige Tricks, wie man in solchen Organisationen überleben kann. Dazu zählen z. B. ein Wechsel der Perspektive, ein Herunterfahren der Erwartungen, sogar die innere Kündigung gehört dazu, aber auch das Suchen nach kleinen Erfolgen anstelle großer Schlachten.

In seinen Ausführungen unterschlägt Sutton aber auch nicht, dass es Vorzüge haben kann, sich als Arschloch aufzuführen. Beispielhaft hierfür verweist er auf Steve Jobs (Apple), Michael Eisner (Disney) und Larry Ellison (Oracle). Sie und andere zeigen Sutton zu Folge, dass zu den Vorzügen von Gemeinheit der Erwerb von Macht und Ansehen gehören (können). Ein weiterer, Erfolg versprechender Einsatzbereich ist die Einschüchterung von Rivalen. Das Verbreiten von Angst kann sogar, worauf Sutton bereits in einem früheren Buch hingewiesen hatte, ein Instrument der Leistungssteigerung sein – allerdings i. d. R. weder dauerhaft noch in allen Arbeitsbereichen.

Abschließend konstatiert Sutton, dass es insgesamt sinnvoll wäre, die Anti-Arschloch-Regel zu einer eigenen Lebensweise zu erheben. Denn da man selbst – zumindest zeitweise – ein Arschloch ist, macht man anderen das Leben schwer; gleichzeitig gerät man beruflich oder privat immer wieder an entsprechende Menschen oder in entsprechende Situationen, die einem ausgesprochen unangenehm werden können. Dabei liegen die Vorzüge auf der Hand: "Uns allen ist nur eine bestimmte Zeit auf Erden gegeben. Wäre es da nicht wundervoll, wenn wir alle durch unser Leben schreiten könnten, ohne auf Menschen zu treffen, die uns mit ihren entwürdigenden Worten und demütigenden Handlungen niederdrücken?" (S. 184)

Fazit und Anmerkungen

Eine Kommentierung des Buches von Robert I. Sutton gestaltet sich etwas schwierig. Einerseits sind seine Ausführungen gut lesbar, plausibel und bieten für Beruf und Privatsphäre praktische Lebenshilfe. Andererseits nervt nicht nur die konstante Wiederholung des Begriffes "Arschloch" spätestens auf der zehnten Seite, auch wenn er als ein management-wissenschaftlicher Fachausdruck verwendet wird. Noch irritierender aber ist ein anderer Aspekt: Dem Leser – zumindest diesem Rezensenten – drängte sich spätestens nach dem ersten Drittel des Buches der Eindruck auf, das man die Botschaft verstanden habe – alles weitere war Wiederholung, Missionierung oder gar Einhämmern. Kürzer und auf den Punkt gebracht hätte für die Vermittlung der Kernaussage bereits ein Aufsatz gereicht – dann wäre es aber kein Buch geworden.

Fazit: Wichtige Erkenntnis, plausible Argumentation, hilfreiche Hinweise – aber zumindest teilweise auch geraubte Zeit!

Rezension von
Prof. Dr. Jost W. Kramer
Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Hochschule Wismar, Forschungsgruppe für Kooperation, Netzwerke und Unternehmenstheorie Adjunct Professor für Sozialwirtschaft, insbesondere Genossenschaftswesen, Universität Kuopio (Finnland)

Es gibt 49 Rezensionen von Jost W. Kramer.

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Zitiervorschlag
Jost W. Kramer. Rezension vom 20.04.2008 zu: Robert I. Sutton: Der Arschloch-Faktor. Vom geschickten Umgang mit Aufschneidern, Intriganten und Despoten im Unternehmen. Hanser Verlag (München) 2006. ISBN 978-3-446-40704-6. Originaltitel: The no asshole rule. Aus dem Amerikan. von Thomas Pfeiffer. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4480.php, Datum des Zugriffs 23.05.2022.


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