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Adrian Fisher: Labyrinthe und Irrgärten. Das grosse Spiel- und Erlebnisbuch

Cover Adrian Fisher: Labyrinthe und Irrgärten. Das grosse Spiel- und Erlebnisbuch. AT Verlag (München) 2006. 264 Seiten. ISBN 978-3-03-800298-7. 24,90 EUR, CH: 39,90 sFr.

Originaltitel: Mazes and labyrinths.
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Thema

Labyrinthe, Irrgärten, Spiralen, Kreise sind uralte Symbole, die weltweit und zu allen Zeiten von Menschen hergestellt und Menschen fasziniert haben. In den allermeisten Fällen dienen sie religiösen und rituellen Zwecken, vorchristlichen und christlichen, wobei natürlich ein Unterschied besteht zwischen Labyrinth und Irrgarten. Es ist eigentlich der einzige Vorwurf, dem man diesem Buch machen kann, dass es diese Unterscheidung nicht sonderlich ernst nimmt und die Möglichkeiten von Labyrinthen vernachlässigt. Nach der sehr lesenswerten Einleitung folgen drei große Kapitel: vertikale Irrgärten, horizontale Irrgärten und Schnellirrgärten.

Inhalt

  • Zurück zur Einleitung. Es ist sehr wohltuend, dass der Autor diese Ursymbole der Menschheit eher als Architekt, Gartenbauer und Künstler betrachtet. Daher kommt in diesem Text niemals der Verdacht auf, dass Spielen und Ritualen in Irrgärten und Labyrinthen ein esoterisches Denken zu Grunde liegt. Sehr erhellend ist auch die Anmerkung, dass es je nach Kulturen und Zeitaltern unterschiedliche Präferenzen gibt. So ist England durch seine Heckenirrgärten bekannt, in Japan werden hölzerne Stellwände favorisiert und Amerika ist das Ursprungsland der Maisirrgärten. Jean Houston nahm sogar tragbare Labyrinthe mit in Gefängnisse, um Gefangenen diese Erfahrung zu ermöglichen. Und natürlich wimmelt es von Irrgärten in Kinder- und Jugendbüchern, in Mythen und Sagen; wir sehen sie in Filmen und auf Jahrmärkten in Form von Spiegelkabinetten, Es muss eine ungeheure Lust bereiten, sich zu verirren, sich zu orientieren, ein System zu durchschauen und dann den Ausgang zu finden.
  • Die übliche Form des Irrgartens ist vertikal, die Wände sind Hecken oder aus Steinen und Ziegeln gebaut. Sie versperren „die Sicht und wecken so das Verlangen, das Verbotene und Unsichtbare zu erforschen ...“ (S. 21). Seit dem 15. Jahrhundert sind Irrgärten mit Hecken aus Eiben, Buchs oder Liguster nachzuweisen. Besonders in Italien waren Sie ein Vergnügen der Gelehrten und des Adels, später dann wurde England das Eldorado des kontrollierten Verirrens. Heute finden sich Heckenirrgärten in Besucherparks, Zoos und in privaten und Botanischen Gärten. Mit wenig Text, ansprechender Gestaltung und vielen Bildern lädt uns der Autor in seine Zeitreise durch Heckenirrgärten ein. Dabei gibt es Weglängen von bis zu drei und mehr Kilometer (S. 61 und 73). Manchmal ergänzen faszinierende Ideen den Irrweg in die Mitte. So können im "Golden Jubilee" - Irrgarten (Hampshire / England) die Besucher durch zwei bunt bemalte Sprachrohre quer durch den Irrgarten miteinander sprechen (S. 87). Stellwandirrgärten sind rasch aufzustellen, können verändert und transportiert werden. Mit Brücken geht es dann in die dritte Dimension. In Worcester / England  gibt es auch für blinde Menschen einen Irrgarten (S. 116). Durch unterschiedliche Holzzäune und unterschiedliche Oberflächen wird ein Orientierungssystem geschaffen. Nach Aussage von Lehrern hat dieser Irrgarten so viel zu bieten wie drei Jahre Schultraining (ebd.). Maisirrgärten schließlich lassen der Fantasie freien Lauf. Sie lassen sich so individuell gestalten, dass sie zu Themenirrgärten werden. Darin liegen sicherlich noch viele ungenutzte pädagogische Potentiale. So gibt es Geschichten wie "Alice im Wunderland", die Wiedervereinigung der Königreiche von Schottland und England, die Schlacht von Trafalgar, die als Irrgärten gehend  erfasst und erlebt werden können. Spiegelkabinette sind ab 1889 in Europa nachzuweisen, darüber hinaus gibt es Irrgärten mit Wänden von denen Wasser rinnt, sogar aufblasbare Irrgärten. Hier schließen sich natürlich auch die Möglichkeiten von Rollenspielen und Fantasy-Geschichten auf.
    1986 verfasste Randoll Coate "Sieben goldene Regeln für den Bau des Irrgartens." Die siebte Regel lautet: "… Sie werden unserer rauen Realität und unserer Welt der hirnlosen Geschwindigkeit eine Oase der Zeitlosigkeit geschenkt haben, ein Paradies der Ruhe, den Stoff für einen Traum." (S. 181) - Irrgärten als besondere Orte des Besinnens, der Nachdenklichkeit, der Meditation.
  • Den horizontalen Irrgärten werden nur mehr 40 Seiten gewidmet, und die Schnellirrgärten werden auf 30 Seiten vorgestellt. Vermutlich sind die vertikalen Irrgärten doch spektakulärer als die anderen Formen. Bei horizontalen Verirrungen wird man durch einen Regelbruch schnell Orientierung finden, beim vertikalen Irrgarten braucht man in größter Verzweiflung manchmal schon ein Mobiltelefon, um Hilfe zu holen. Bei den horizontalen Irrgärten schließlich gelangen wir zu den Labyrinthen (S. 218 ff), die der Meditation, dem Gebet, der Besinnung, auch der Heilung dienen. So ist auf Seite 219 ein Labyrinth abgebildet, das für Krebspatienten geschaffen wurde. Schnellirrgärten schließlich sind die allerneueste Entwicklung. Sie sind Denksportaufgabe, Rätsel und Unterhaltung.

Fazit

Das anregende Buch endet mit einem Glossar, einem Verzeichnis der Irrgarten-Rekorde, weiterführender Literatur und den Irrgartenprojekten von Adrian Fisher. Für Pädagoginnen und Pädagogen beginnt jetzt erst die Denksportaufgabe mit dem Auftrag, wie man Irrgärten und Labyrinthe zu pädagogischem Nutzen einsetzen kann. Adrian Fisher hat mit diesem Buch beste Vorarbeit geleistet.


Rezensent
Prof. Dr. Werner Michl
Homepage www.wernermichl.de
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Zitiervorschlag
Werner Michl. Rezension vom 25.01.2007 zu: Adrian Fisher: Labyrinthe und Irrgärten. Das grosse Spiel- und Erlebnisbuch. AT Verlag (München) 2006. ISBN 978-3-03-800298-7. Originaltitel: Mazes and labyrinths. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4491.php, Datum des Zugriffs 24.09.2017.


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