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Angela Hobday, Kate Ollier: Helfende Spiele ( Kinder und Jugendliche)

Cover Angela Hobday, Kate Ollier: Helfende Spiele. Kreative Lebens- und Konfliktberatung von Kindern und Jugendlichen. Juventa Verlag (Weinheim) 2006. 2., aktualisierte Auflage. 133 Seiten. ISBN 978-3-7799-2016-8.

Reihe: Edition sozial. Originaltitel: Creative therapy.
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Thema

Die Autorinnen verfolgen mit dem Buch das Ziel, neue und kreative Ansätze in der Beratung von Kindern und Jugendlichen und in der therapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen anzuregen. Die Anwendung von Spielen erleichtert in vielen Situationen den Zugang zu den Problemen und Gefühlen von Kindern und Jugendlichen. Sie befassen sich mit einer großen Bandbreite von Themen und sind orientiert am Alter und dem Entwicklungsstand der Kinder.

Entstehungshintergrund

Angela Hobday und Kate Ollier sind zwei englische Psychologinnen, die über eine langjährige klinische Praxis in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verfügen. Beide haben eine Vielzahl von Helfenden Spielen entwickelt, die zu Beginn des jeweiligen Beratungsprozesses Nähe und Vertrauen schaffen sollen. Die Autorinnen haben ihre Spiele für sich und für Angehörige verwandter Berufe erfunden. Sie entstanden aus der Notwendigkeit heraus einen anderen Zugang zu Kindern und Jugendlichen zu finden, um deren Gefühle und Probleme mit ihnen diskutieren zu können. Die Ideen für die Spiele stammen in manchen Fällen aus anderen Quellen, beispielsweise aus populären Sendungen und aus der weit verbreiteten Kinderliteratur.

Aufbau und Inhalt

Nach einer Einführung der Autorinnen in die Thematik der Helfenden Spiele wird eine Art Gebrauchsanweisung - man könnte auch sagen Spielanleitung - für die Nutzung des Buches gegeben. Die therapeutische Orientierung von Hobday und Ollier wird benannt: Ihre Arbeit beruht vor allem auf kognitiver Verhaltenstherapie und konstruktiven verhaltensmodifizierten Techniken. Zu den Angaben von Alter und Entwicklungsstand der Kinder werden Aussagen getroffen und die Spiele werden allgemein erläutert. Zur Länge der einzelnen Aktivitäten, benötigten Materialien, den jeweiligen Settings und den Sitzungen werden Anmerkungen gemacht. Es folgen einige allgemeine Tipps für die Arbeit mit Kindern und der Hinweis darauf, sich niemals ausschließlich auf dieses Buch zu verlassen, sondern es als ein zusätzliches Werkzeug einzuordnen.

Die verschiedenen Themenbereiche, in die sich die helfenden Spiele eingliedern werden im folgenden kurz dargestellt:

  • Sich kennen lernen. Die Spiele unter diesem Thema sollen dazu verhelfen, eine tragfähige zwischenmenschliche Beziehung zu dem Kind anzubahnen und es auf die Idee vorbereiten, zusammen mit diesem Erwachsenen über seine Schwierigkeiten zu reden. Eingesetzt werden sollten diese Spiele im Rahmen der anamnestischen und diagnostischen Bestandaufnahme.
  • Gefühle. Hier werden Spiele vorgestellt, die den Kindern und Jugendlichen helfen sollen, ihre Gefühle auszudrücken. Es soll eine Atmosphäre geschaffen werden, in der leichter über Gefühle gesprochen werden kann. Unter anderem durch die gemeinsame Beschäftigung mit einem Spiel kann auch der oftmals als bedrohlich wirkende Blickkontakt vermieden werden.
  • Ich will weiter. Um ein Ziel zu erreichen ist die Motivation der Kinder und Jugendlichen von unschätzbarem Nutzen. Mit den Spielen in diesem Kapitel sollen die Interessen der Kinder und Jugendlichen an der Erreichung eines Zieles aufrechterhalten werden. Das Ziel kann deutlicher in den Blick genommen und formuliert werden.
  • Wie werde ich den Stress los? Kinder mit Angstzuständen leiden unter Stress und bedrückenden Gedanken. Die hier erläuterten Spielen soll ein Weg angebahnt werden, um diese Stressfaktoren zu verlieren.
  • Neue Fähigkeiten lernen. Mit den Spielen zu diesem Thema soll Kindern und Jugendlichen geholfen werden, indem neue Möglichkeiten eröffnet werden mit schwierigen Situationen umzugehen. Es geht hier um Verhaltensprobleme die ihre Ursache darin finden, dass den Kindern und Jugendlichen bestimmte Fertigkeiten fehlen, schwierige Situationen produktiv zu meistern.
  • Bewältigungsstrategien. Hier soll den Kindern und Jugendlichen durch die Spiele ihre eigene Rolle bei der Veränderung ihrer Probleme und ihres Verhaltens verständlich gemacht werden. Es sollen durch die Spiele Handlungen erlernt werden, die dem Kind helfen sollen, seine Probleme zu lösen. Es geht auch um eine Gesichtskreiserweiterung für das Kind, um neue Möglichkeiten zu finden, seine kindliche Welt zu interpretieren und Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln.
  • Abschied nehmen. Der tiefgreifende Kummer, den ein Kind oder Jugendlicher beim Verlust einer wichtigen Bezugsperson empfindet kann sich in Verhaltensproblemen niederschlagen oder zu depressiven Stimmungen führen. Durch die hier vorgestellten Spiele sollen den Kindern und Jugendlichen Handlungen und Rituale nahe gebracht werden, die helfen sich voran zu bewegen, mit den Verlusten fertig zu werden, das Verlorene in guter Erinnerung zu behalten und das Leben weiterzuführen.
  • Verständnis für meine Familie. Die Spiele unter diesem Thema sollen helfen, die Funktionen der eigenen Familie zu verstehen und die Kommunikation zwischen den Familienmitgliedern zu erleichtern. Jedem Familienmitglied soll geholfen werden, auf neue Weise auf die Fertigkeiten und Fähigkeiten zu schauen, die in der Familie zu finden sind. Durch die Spiele soll die Familie als Einheit gestärkt werden.
  • Positive Selbstwertschätzung. Durch diese Spiele sollen selbst kleinste Anzeichen erfolgreichen Handelns von Kindern und Jugendlichen mit einem unterentwickelten Selbstwertgefühl aufgegriffen und thematisiert werden. Hier soll die geringe Meinung des Kindes über sich selbst umgekehrt werden, um anderen Maßnahmen greifen zu lassen und positive Wirkungen erzielen zu können. Das Augenmerk liegt deutlich auf dem Anfangserfolg.
  • Wie man Erfolge misst. Am Ende aller therapeutischen Sitzungen sollte die gemeinsame Arbeit noch einmal überblickt werden um das geleistete zu würdigen. Mit Hilfe dieser Spiele können Veränderungen benannt werden, die stattgefunden haben und es kann das eine oder andere Thema herausgearbeitet werden, für das noch zusätzliche Arbeit erforderlich sein wird. Der gemeinsame Rückblick markiert den Anfang vom Ende der therapeutischen Sitzungen.

Zielgruppen

Klinische Psychologen/innen, Sozialarbeiter/innen, Sozialpädagogen/innen, Psychagogen/innen, Kinder-Therapeuten/innen, Lehrer/innen in Klassen mit behinderten Kindern, Berater/innen, Erziehungsberater/innen, Familientherapeuten/innen und Gesundheitsberater/innen.

Diskussion

Ich halte dieses Buch für sehr gut lesbar und anwendbar. Es gibt einen interessanten und praxistauglichen Einblick in die therapeutische Spielarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Es werden für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen in Konfliktsituationen hilfreiche Ideen und Anregungen formuliert und die Spielanleitungen sind gut nachvollziehbar. Es bedarf - freilich - guten Vorbereitungen, um solche Spiele anzuwenden. Aber auch darauf machen die Autorinnen aufmerksam. Mir erscheint die fachliche Qualifikation von Hobday und Ollier als deutlich erkennbar.

Fazit

Das Buch "Helfende Spiele - Kreative Lebens- und Konfliktberatung von Kindern und Jugendlichen" ist sehr gut dazu geeignet sich mit dem Thema vertraut zu machen. Es vermittelt in einem kurzen Einstieg einige Grundlagen, die bei der Anwendung von therapeutischen Spielen beachtet werden sollten. Weiterhin werden zu den unterschiedlichsten Themengebieten, die einem im Umgang mit Kindern und Jugendlichen immer begegnen können spezielle Spiele vorgestellt, die sich durch einen hohen therapeutischen und unterstützenden Wert auszeichnen. Die Spiele sind klar und nachvollziehbar erklärt und lassen sich gut anhand der Erläuterungen anwenden. Die benötigten Materialien sind mit alltäglichen Alltagsgegenständen einfach herzustellen und es werden Spiele für Kinder vom Vorschulalter bis hin zur Pubertät vorgestellt.


Rezension von
Dipl. Soz.-Päd Sonja Hees
Leiterin einer integrativen Kindertagesstätte, Fortbildnerin für Erzieher/innen und Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Koblenz im Studiengang „Bildungs- und Sozialmanagement mit Schwerpunkt frühe Kindheit“.


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Zitiervorschlag
Sonja Hees. Rezension vom 11.05.2007 zu: Angela Hobday, Kate Ollier: Helfende Spiele. Kreative Lebens- und Konfliktberatung von Kindern und Jugendlichen. Juventa Verlag (Weinheim) 2006. 2., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-7799-2016-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4506.php, Datum des Zugriffs 08.08.2020.


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