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Walter Hollstein, Michael Matzner (Hrsg.): Soziale Arbeit mit Jungen und Männern

Cover Walter Hollstein, Michael Matzner (Hrsg.): Soziale Arbeit mit Jungen und Männern. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2007. 356 Seiten. ISBN 978-3-497-01895-6. D: 34,90 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 50,50 sFr.
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Thema

Schon seit der Antike gelten Männer als uneingeschränkt potent: in sozialer, politische, sexueller, gesundheitlicher und besonders beruflicher Hinsicht.

Die historisch gewachsene Rolle der Männer sieht Leistungszwang, Machtstreben, Konkurrenz, Stärke und selbstverständlich das erfolgreiche Bestehen dieser Herausforderungen vor. Dabei wird traditionellerweise verleugnet, dass Männer mit ihrer Männlichkeit auch Probleme haben, im öffentlichen Bereich ebenso wie im privaten. Männer werden zunächst nicht als Männer mit geschlechtspezifischen Eigenschaften betrachtet, sondern als ein neutraler Mensch, der den Rollenerwartungen gerecht werden muss. Zusätzlich kommt hinzu, dass die meisten Männer nicht bereit sind, sich mit ihrer Rolle und ihren Problemen auseinander zu setzen. Zunehmend schärft sich das Bewusstsein für typisch männliche Probleme und die Wahrnehmung derselben.

Entstehungshintergrund

Während Frauen in ihrer Auseinandersetzung mit den Rollenerwartungen und ihrer Emanzipation vielfältige soziale Hilfe bekommen, sind Männer in der sozialen Arbeit noch immer ein Randthema. Auch fehlt bislang eine systematische theoretische Erarbeitung des Gegenstandsbereiches der sozialen Arbeit mit Jungen und Männern bzw. der sozialen Arbeit zum Thema Männlichkeit.

Inhalt

Das Buch beschäftigt sich mit zwei Kernbereichen:

  1. Im ersten Hauptteil diskutieren verschiedene ExpertInnen die potenziellen Problem- und Handlungsbereiche einer männerspezifischen Sozialarbeit. Dabei werden Aspekte thematisiert wie Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, Beziehungsfähigkeit, Gewalttätigkeit oder Sucht.  Zum Einen wird die quantitative und qualitative Betroffenheit von Jungen und Männern dargestellt und der potentielle Hilfebedarf ermittelt. Zum Anderen wird aber auch der Zusammenhang zwischen dem männlichen Geschlecht und der besonderen Art mit kritischen Lebenssituationen umzugehen gezeigt.
  2. Im zweiten Hauptteil werden beispielgebende Projekte und Ansätze der Sozialen Arbeit mit Jungen und Männern vorgestellt und wissenschaftlich diskutiert. Zugleich wird dargestellt, auf welche Weise mit Jungen und Männern sinnvoll gearbeitet werden kann. Dabei werden Maßnahmen gezeigt, wie typisch männliche Probleme erfolgreich thematisiert und behandelt werden können, wie z.B. eine männergerechte Beratung ablaufen kann.

Das Schlusskapitel zieht das Fazit der vorangegangen Betrachtungen und gibt einen Ausblick auf die Möglichkeiten, Jungen und Männer zukünftig besser in die Wissenschaft, die Ausbildung und die Praxis der Sozialen Arbeit zu integrieren.

Den beiden Hauptteilen sind drei einleitende Kapitel vorangestellt:

  1. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit Jungen und Männern als vernachlässigtes Geschlecht in der Sozialen Arbeit; dies wird an Hand von Ergebnissen einiger statistischen Erhebungen zur Verteilung sozialer Hilfeleistungen seit Beginn des 20. Jahrhunderts belegt und schlägt dann den Bogen zu Männern heute in sozialen Berufen und als professionelle Hilfeleister für Männer und als Empfänger Sozialer Arbeit.
  2. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den Ambivalenzen der männlichen Rolle: einerseits wird Mann-sein zugleich mit Macht-haben verstanden, andererseits verurteilt die traditionelle Männerrolle zur Ohnmacht in zwischenmenschlichen und sozialen Bereichen, zugleich wird beschrieben, wie Männer diese traditionelle Rolle lernen.
  3. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den Methoden und Arbeitsformen der Sozialen Arbeit mit Jungen und Männern und gibt einen tabellarischen Überblick über die Bereiche der Sozialen Arbeit, auf die im Umgang mit Jungen und Männern verstärkt Gewicht gelegt werden muss sowie mögliche Maßnahmen, mit diesen Problembereichen umzugehen.

Zielgruppe und Anwendungsmöglichkeiten

Das Buch liefert für Fachleute und professionelle Helfer wichtige Informationen und Denkanstöße, verbunden mit Beispielen über mögliche Maßnahmen, so dass das Buch auch als Leitfaden für die Soziale Arbeit in der Praxis genutzt werden kann.

Zugleich gibt es aber dank der leicht verständlichen Formulierungen auch für interessierte und etwas vorgebildete Laien einen guten Überblick über das Thema.

Fazit

Das Buch beschäftigt sich mit einem bisher noch weitgehend unbeachteten Randthema der professionellen Sozialen Arbeit und leistet so einen wichtigen Beitrag dazu, dieses Thema in die wissenschaftliche Diskussion zu bringen.


Rezensentin
Dipl. Pädagogin Lorena Rautenberg
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Zitiervorschlag
Lorena Rautenberg. Rezension vom 02.10.2007 zu: Walter Hollstein, Michael Matzner (Hrsg.): Soziale Arbeit mit Jungen und Männern. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2007. ISBN 978-3-497-01895-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4512.php, Datum des Zugriffs 18.11.2019.


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