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Ingeborg Hedderich: Unterstützte Kommunikation in der Frühförderung

Cover Ingeborg Hedderich: Unterstützte Kommunikation in der Frühförderung. Grundlagen - Diagnostik - Beispiele. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2006. 271 Seiten. ISBN 978-3-7815-1412-6. 24,00 EUR.
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Thema

Das in dem Fachgebiet der Unterstützten Kommunikation bekannte Forschungsdefizit bildet den Ausgangspunkt für die Entwicklung dieses Lehrbuchs von Hedderich, das die Zielsetzungen verfolgt, die im einführenden ersten Kapitel dargestellt sind:

  1. Es soll ein Beobachtungsinventar entwickelt werden,
  2. exemplarisch sollen Förderverläufe dokumentiert werden und
  3. es soll ein Lehrvideo entwickelt werden.

Aufbau …

Die vorliegende Schrift gliedert sich in fünf Kapitel. Kapitel 6 und 7 bilden Literatur und Anhang.

… und aus gewählte Inhalte

  • Im zweiten Kapitel werden theoretische Grundlagen der Unterstützten Kommunikation erörtert, wobei ein Schwerpunkt auf konstruktivistische und öko-systemische Perspektiven gelegt wird. Dementsprechend werden Annahmen für ein subjekt- und sozialorientiertes Menschenbild aufgestellt. Eine kurze Betrachtung von Annahmen zur kindlichen Entwicklung führt über in eine umfassende Darstellung des Systems der Frühförderung inklusiver rechtlicher, konzeptioneller und inhaltlicher Aspekte dieses bundesweiten Systems. Das Fachgebiet der Unterstützten Kommunikation wird mit Definitionen zur Begrifflichkeit, einigen frühkindlichen entwicklungspsychologischen Aspekten und konzeptionellen Gesichtspunkten, hier u.a. externe Kommunikationsformen, dargestellt. Die allgemein bekannten Grundhaltungen zur Unterstützten Kommunikation, wie Voraussetzungslosigkeit oder multimodaler Ansatz werden als Grundlagen hervorgehoben.
  • Im folgenden dritten Kapitel wird das Beobachtungsinventar Kommunikative Kompetenz und Bedürfnislage dargestellt. Zu den theoretischen Annahmen zählen hier eine förderdiagnostische Ausrichtung, eine Kompetenzorientierung sowie eine Orientierung am Partizipationsmodell. Die Datenerhebung ergibt sich durch Beobachtung und ergänzende Befragungen. Im Mittelpunkt steht die Erhebung von Informationen zu kommunikativen Fähigkeiten inklusive der Entwicklungsbereiche bzw. Aspekte Soziale Kompetenz, Kognition, Wahrnehmung, Motorik, Lebensalltag und Partizipation sowie Persönlichkeit von nicht bzw. kaum sprechenden Kindern im Vorschulalter. Es findet keine Orientierung an Normen statt. Die Durchführung des Inventars soll nach Möglichkeit mit unterschiedlichen Spielmaterialien begleitet werden. Der Erhebungszeitraum sollte nach Angaben der Autorin mehr als ein Tag betragen. Die zu bearbeitenden Beobachtungsaufgaben aus den Entwicklungsbereichen sind bis auf den Bereich kommunikative Kompetenz und aktive Sprache hierarchisch aufgebaut. Insgesamt sind 94 Aufgaben - jeweils mit kurzen erklärenden Anweisungen - und ein Bogen zur Erfassung der kindlichen Lebensumwelt zu bearbeiten. Das Beobachtungsinventar bietet die Möglichkeit einer dreigliedrigen Bewertungsskala sowie der Darstellung von drei Beobachtungszeitpunkten.
  • Das vierte Kapitel dokumentiert unter der Anwendung des entwickelten Beobachtungsinventars fünf Förderverläufe von Kindern im Alter bis 6 Jahren. Umfassend und detailliert wird das Verfahren angewendet und mit Fördereinheiten dargestellt. Die Förderung wird - u.a. begründet durch die Anwendung des Inventars - als positiv bewertet, wobei es der Autorin nicht um das quantitative Messen von Fördereffekten geht, sondern um eine Bewertung innerhalb der individuellen Bezugsnormen. Die Begleit-DVD bietet einen guten Einblick in die Fördersituation eines Kindes.
  • Die abschließenden Betrachtungen thematisieren organisatorische Rahmenbedingungen und sechs Grundprinzipien der Förderung im Bereich der Unterstützten Kommunikation, wobei Interdisziplinarität als ein zentraler Aspekt hervorgehoben wird.

Zielgruppe

Das Buch richtet sich in erster Linie an Studierende der Heilpädagogik mit Schwerpunkt Frühförderung. Sicherlich lässt sich das Beobachtungsinventar auch im schulischen Bereich in der Eingangsphase im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung einsetzen. Somit richtet sich dieses Lehrbuch auch an Studierende der Sonderpädagogik mit Schwerpunkt Schule und den Förderschwerpunkten Geistige Entwicklung und körperliche und motorische Entwicklung sowie praktisch Tätige, die sich in den Fachbereich der Unterstützten Kommunikation einarbeiten wollen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Autorin der Hauptzielsetzung, ein Lehrbuch für die Frühförderung mit Schwerpunkt Unterstützte Kommunikation, das Basiswissen transportiert und in die Anwendung eines diagnostischen Verfahrens einführt, gerecht wird. Die dargestellte Theorie steht im Kontext der beiden relativ großen "praxisrelevanten" Kapitel - der Beschreibung des Beobachtungsinventars und der Dokumentation der Förderverläufe. Die Begleit-DVD und die im Anhang beschriebenen Materialien werden dem didaktischen Anspruch dieses Lehrbuches ebenfalls gerecht, wobei angemerkt sei, dass derzeit u.a. im technischen Bereich der Kommunikationshilfsmittel viele neue Hilfsmittel entwickelt und angeboten werden.

Das Beobachtungsinventar bietet die Möglichkeit, einen komplexen Bereich - kommunikative Fähigkeiten im Kontext der frühkindlichen Entwicklung - in einem relativ angemessenen und zeitlich machbaren Umfang systematisch zu erfassen, wohl bemerkt nicht im Sinne einer testdiagnostischen Ausrichtung, sondern im Sinne einer individualisierten Förderplanarbeit.


Rezension von
Dr. Malte Kolshorn
Schulleiter, Förderzentrum für körperliche und motorische Entwicklung in Kiel
Lehrbeauftragter an der Universität Flensburg, Heilpädagogisches Institut
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Zitiervorschlag
Malte Kolshorn. Rezension vom 24.01.2008 zu: Ingeborg Hedderich: Unterstützte Kommunikation in der Frühförderung. Grundlagen - Diagnostik - Beispiele. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2006. ISBN 978-3-7815-1412-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4544.php, Datum des Zugriffs 21.10.2020.


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