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Etta Wilken (Hrsg.): Unterstützte Kommunikation

Cover Etta Wilken (Hrsg.): Unterstützte Kommunikation. Eine Einführung in Theorie und Praxis. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2002. 255 Seiten. ISBN 978-3-17-016732-2. 24,80 EUR.

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Zum Thema des Buchs

Seit den 80er Jahren bemühen sich in Deutschland insbesondere Sonderpädagogen darum, alternative Kommunikationsmöglichkeiten für Menschen aufzuzeigen, die sich nicht lautsprachlich verständigen können. Es entstand eine Fülle von Veröffentlichungen, die sich mit körpereigenen Kommunikationsformen (wie der Gebärdensprache), mit Bild- und Symbolsystemen und mit technischen Hilfsmitteln, den sogenannten Talkern, beschäftigen.

Überblick und Inhalte

In dem vorliegenden Buch stellt Frau Prof. Dr. Etta Wilken elf Aufsätze zusammen, die zum Teil in ähnlicher Form bereits veröffentlich sind, zum Teil aber auch neue Gesichtspunkte darstellen. Folgende Aspekte werden berücksichtigt:

  • Diagnostische Ansätze zur Einschätzung der Verständigungsfähigkeit nicht sprechender Kinder werden von Gudrun Kane vorgestellt.
  • Im Bereich der Frühförderung werden Gebärden-unterstützte Kommunikation von Etta Wilken, Spracherwerbsprobleme unter besonderer Berücksichtigung logopädischer Gesichtspunkte von Horst Konrad und frühe Kommunikationshilfen insbesondere für körperbehindert Kleinkinder von Ursi Kristen dargestellt.
  • Der Einsatz von Unterstützter Kommunikation an Schulen wird für den Bereich der Sonderschulen von Dr.Ursula Braun und Martin Baunach behandelt und bezüglich der Integration nicht oder kaum sprechender Kinder an der Regelschule von Nina Hömberg.
  • Mit der Förderung der Kommunikation von Menschen mit Autismus beschäftigen sich Anne Häußler, indem sie den TEACCH-Ansatz vorstellt,Christiane Nagy, die Gestützte Kommunikation mit ihrem Sohn schildert, und Susanne Nußbeck, die das Konzept der Gestützten Kommunikation kritisch reflektiert.
  • Kommunikative Förderung von erwachsenen nicht oder kaum sprechenden Menschen, die in einem Wohnheim leben, ist das Thema von Allmuth Bober.
  • Der Aufbau einer Beratungsstelle und deren Bedeutung für die Eltern nicht oder noch nicht sprechender Kinder wird von Stefan Geiger beschrieben.

Dem Werk ist eine gekürzte Fassung des Glossars beigefügt, das Allmuth Bober und Thomas Franzkowiak zusammen mit dem Arbeitskreis zur Erarbeitung eines Lehrganges für Unterstützte Kommunikation erstellt haben, um die Terminologie in diesem Fachgebiet zu vereinheitlichen.

Das Buch trägt der Aktualität des Themas Autismus Rechnung, indem es dort einen deutlichen Schwerpunkt setzt. Drei Artikel beschäftigen sich mit der Thematik und stellen das Für und Wider der Gestützten Kommunikation sowie eine alternativen Ansatz zur Förderung der kommunikativen Fähigkeiten (TEACCH) von Menschen mit Autismus dar.

Diskussion

Besonders hervorzuheben ist der Artikel von Allmuth Bober über erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung, die in einem Wohnheim leben. Hier wird ein Themenbereich angesprochen, der bisher in der deutschsprachigen Literatur , die ja von sonder(schul)pädagogischen Themen dominiert wird, wenig Beachtung findet. Die Autorin trägt sehr systematisch und umfassend Informationen zu diesem Bereich zusammen.

Auch die Darstellung des Aufbaus einer Beratungsstelle und die Problematik der Eltern nicht oder noch nicht sprechender Kinder von Stefan Geiger ist ein bisher nur wenig beachteter Aspekt.

Die Publikation ist hilfreich, um sich eine umfassende Orientierung über die Arbeit mit Unterstützter Kommunikation bei Personen zu verschaffen, die seit ihrer Geburt ohne bzw. mit wenig Lautsprache kommunizieren. Sie ist über die Zusammenstellung interessanter bereits erschienener Artikel hinaus eine wertvolle Ergänzung der vorhandenen Literatur.

Alle mitwirkenden AutorInnen sind ausgewiesene Fachleute im Bereich der Unterstützten Kommunikation und verfügen über langjährige Erfahrungen.

Fazit

Das vorliegende Buch bietet somit tatsächlich eine Einführung in Theorie und Praxis der Unterstützten Kommunikation. Es ist für jene geeignet, die sich einen schnellen Überblick über dieses relativ neue Gebiet der Sonderpädagogik verschaffen wollen; es weist auf verschiedene Einsatzbereiche von Unterstützter Kommunikation hin, und es bietet auch Fachleuten, die außerhalb von Schule tätig sind, interessante Hinweise. Darüber hinaus gibt es Informationen zum aktuellen (Streit-)Thema der Gestützten Kommunikation.


Rezension von
apl. Prof. Dr. Susanne Wachsmuth
Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Heil- und Sonderpädagogik Geistigbehindertenpädagogik


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Zitiervorschlag
Susanne Wachsmuth. Rezension vom 18.08.2002 zu: Etta Wilken (Hrsg.): Unterstützte Kommunikation. Eine Einführung in Theorie und Praxis. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2002. ISBN 978-3-17-016732-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/455.php, Datum des Zugriffs 20.10.2020.


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