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Nahlah Saimeh (Hrsg.): Maßregelvollzug in Zeiten ökonomischer Begrenzung

Cover Nahlah Saimeh (Hrsg.): Maßregelvollzug in Zeiten ökonomischer Begrenzung. Psychiatrie Verlag GmbH (Bonn) 2007. 336 Seiten. ISBN 978-3-88414-434-3. 19,90 EUR, CH: 34,90 sFr.
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Thema

Zum dritten Mal seit 2005 veröffentlicht der Psychiatrie Verlag Materialien der Eickelborner Fachtagung zu Fragen der Forensischen Psychiatrie. Die seit nunmehr 22 Jahren stattfindende Veranstaltung für Praktiker und Forscher im Maßregelvollzug beschäftigt sich jährlich mit einem Schwerpunktthema.

Die Forensische Psychiatrie hat in den letzten zehn Jahren eine rasante Entwicklung durchlaufen: erhebliche Mittel wurden in bauliche Sicherungsmaßnahmen und Personalausstattung investiert, gleichzeitig hat sich die Patientenzahl in diesem Bereich verdoppelt, womit eine enorme Kostenbelastung der öffentlichen Haushalte verbunden ist. Auch im Maßregelvollzug müssen seit geraumer Zeit Ansätze gefunden werden, die steigenden Kosten zu begrenzen und gleichzeitig das therapeutische Angebot für die Patienten unter den ebenfalls gestiegenen Sicherheitsanforderungen zu gewährleisten. Vor diesem Hintergrund befasste sich die Fachtagung 2007 und die in dem vorliegenden Band gesammelten Beiträge mit verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten, mit Therapieeffizienz und Therapiequalität unter dem Kosten-Nutzenaspekt. Konkrete Konzepte und Maßnahmen aus allen behandelnden und pflegerischen Bereichen werden vorgestellt. Beiträge zur Neurobiologie delinquenten Handelns, zu Grundlagen menschlichen Verhaltens und daraus resultierenden ethischen Fragestellungen machen deutlich, dass die Kostenfrage – auc h- in diesem Bereich nicht einfach durch Einsparmaßnahmen zu beantworten ist.

Autor/Hintergrund

Nahlah Saimeh, Forensische Psychiaterin, leitet die größte Maßregelklinik Deutschlands, das Zentrum für Forensische Psychiatrie in Eickelborn. Als ärztliche Direktorin ist sie Mitveranstalterin der Eickelborner Fachtagung. Im Tagungsband sind Beiträge der Referenten der Veranstaltung versammelt, allesamt ausgewiesen als erfahrene Praktiker und Wissenschaftler der Forensischen Psychiatrie.

Aufbau und Inhalt

Grundlage des Bandes ist die Fachtagung „„Maßregelvollzug in Zeiten ökonomischer Begrenzung – Forensik 2007, 22. Eickelborner Fachtagung“ der Forensischen Klinik Eickelborn/Lippstadt.

Im Tagungsband sind 27 Einzelbeiträge versammelt, welche thematisch nicht gegliedert unterschiedliche Aspekte des „Kostenfaktors Maßregelvollzug“ aufgreifen. Neben Überlegungen zur Modifikation psychoanalytischer Therapieansätze, konkreten Einsparprogrammen im nordrhein-westfälischen Maßregelvollzug, der Einsatz von Selbsteinschätzungsverfahren bzgl. Veränderungen im Therapieverlauf, neurobiologischen Grundlagen abweichenden Sexualverhaltens und der Analyse neuer Kriminalitätsbereiche wie etwa das Internet (Internet Crimes against Children) bietet der Sammelband einen umfangreichen Einblick in unterschiedlichste Diskussionsbereiche der Forensischen Psychiatrie. Aspekte der Kriminaltherapie, Fragen der Therapieevaluation oder Möglichkeiten der Vernetzung Forensischer Psychiatrie mit anderen Versorgungsbereichen (etwa Jugendhilfe oder Allgemeinpsychiatrie) werden kurz angerissen. Einige dieser Beiträge seien hier kurz vorgestellt:

  • Broß beschreibt im ersten Beitrag „Privatisierung öffentlicher Aufgaben“ das Leitthema des Tagungsbandes: Die Steuerungsfähigkeit des Staates und damit das Gemeinwohl sind durch fortschreitende Privatisierung öffentlicher Aufgaben gefährdet.  Er belegt unter Verweis auf eine Vielzahl von Umwandlungen ehemals öffentlicher Aufgaben in private Organsiationsstrukturen (z. B. Verkauf des öffentlichen Schienennetzes in Großbritannien) die Risiken, welche damit Verbunden sind, dass demokratisch nicht legitimierte Institutionen öffentliche Aufgaben übernehmen: die Orientierung an vornehmlich wirtschaftlichen Gesichtspunkten führt zu einer Verschlechterung der inhaltlichen Abläufe, die Steigerung der Effizienz und damit das Erreichen von Einspareffekten lassen sich kaum realisieren, öffentliche Kontrollmaßnahmen lassen sich nur indirekt umsetzen. Schließlich stehen verfassungsrechtliche Aspekte einer Privatisierung des Straf- und Maßregelvollzugs (welcher in einzelnen Bundesländern ja seit Jahren Praxis ist) nach Auffassung de Autors entgegen: Da der Verlust der persönlichen Freiheit eine der stärksten Einschnitte in grundrechtlich garantierte Rechte darstellt, ist die Durchführung des Strafrechts als Ausdruck staatlicher Schutzpflicht eine staatliche Kernaufgabe. Broß fordert folgerichtig, dass die bereits getätigten Privatisierungen im Bereich Straf- und Maßregelvollzug wieder rückgängig zu machen sind.
  • Dönisch-Seidel u. a. gehen in ihrem Beitrag „Vernetzung von forensischer Psychiatrie und Allgemeinpsychiatrie“ auf mögliche Effekte zwischen den beiden Versorgungsbereichen ein. Während in der Allgemeinpsychiatrie in den vergangenen zehn Jahren ein deutlicher Abbau stationärer Betten zu verzeichnen ist, hat sich im gleichen Zeitraum die Patientenzahl im Maßregelvollzug verdoppelt. Die erhöhte Einweisung vornehmlich schizophrener Patienten in den Maßregelvollzug ist zum Teil in einer schlechteren Versorgungsstruktur der stationären Allgemeinpsychiatrie (mit drastischer Verkürzung der Behandlungstage) begründet. Auch Versorgungslücken in der ambulanten Nachsorge führen (so Forschungsergebnisse um die Autorengruppe) zu erhöhter Delinquenz dieser Patientengruppe. Die Autoren fordern spezifische Behandlungsmaßnahmen und Qualitätsmerkmale in der Allgemeinpsychiatrie für Delinquenzgefährdete Patientengruppen, was -mittelfristig- zu einer Entlastung der stationären forensischen Psychiatrie und damit zur Kostendämpfung beitragen kann.
  • Speziell für die Gruppe schizophrener Patienten beschreiben Kutscher und Seifert den Zusammenhang zwischen (allgemeinpsychiatrischen) Versorgungslücken und Zunahme Forensischer Fallzahlen. Daneben bemühen sich die Autoren um die Identifikation von Risikofaktoren, welche helfen sollen, Hochrisikopatienten frühzeitig, also vor Einweisung in den Maßregelvollzug zu identifizieren und angemessen zu behandeln und zu betreuen.
  • Dieser Ansatz wird in einem weiteren Beitrag von Treckmann und Grafe vertieft. „Gewalt in der Vorgeschichte“, „fehlende Medikation“ oder „Komorbidität von Drogenmissbrauch“ werden u. a. als problematische Risikofaktoren benannt.
  • In einem weiteren Beitrag „Es soll gespart werden! Auch bei der forensischen Nachsorge?“ geht die Autorengruppe um Dönisch-Seidel auf die Bedeutung forensischer Nachsorgeprojekte bei der Deliktprävention ein. Stationäre Behandlungseffekte lassen sich durch ambulante Nachsorge sichern, was Wiedereinweisungen verhindert und unmittelbar zu Einspareffekten führt.
  • Therapieevaluation ist der Gegenstand des Beitrags „Hamburger Nachsorgegruppe für Sexualstraftäter“ von Habermann u. a. Das Angebot einer umfangreichen ambulanten Nachsorgetherapie für Haftentlassene Sexualstraftäter wird hier gekoppelt mit einer genauen Messung der Therapieeffekte: Die Einstellung zur Straftat, Opferempathie, Copingstrategien etc. werden zu Beginn, während der Gruppenteilnahme und am Ende durch standardisierte Fragebögen erhoben. Der relativ hohe Personalaufwand für derartige Nachsorgeangebote schlägt sich in positiven Rückfallzahlen nieder. Habermann u. a. belegen in ihrer Studie zu Delinquenzverläufen jugendlicher Sexualmörder die Effektivität therapeutischer Behandlungsmaßnahmen. Durch das (frühzeitige) Angebot kombinierter Unterbringung und Behandlung können progrediente Verlaufsformen verhindert werden. Auch wenn die hier untersuchte Stichprobe sehr klein ist (dabei aber auch dem eher geringen Umfang jugendlicher Sexualdelikte mit Tötung entspricht), findet sich hier ein Beleg, dass reine Haftstrafen eine eher wenig sinnvolle Reaktionsform auf diese Delinquenzform darstellen.
  • Klein beschreibt auf Grundlage der Behandlungspraxis einer süddeutschen frauenforensischen Abteilung, dass für die „Minderheitengruppe Frauen“ im Maßregelvollzug differenzierte Behandlungsangebote entwickelt und umgesetzt werden konnten. Genderaspekte machen sich in der Behandlung von psychisch kranken Straftäterinnen und in deren Anlassdelikten bemerkbar. Um ein speziell auf Frauen zugeschnittenes therapeutisches Angebot umsetzen zu können, bedarf es einer Mindestgröße für Behandlungsstationen und -bereiche, eine Forderung, die sich angesichts der geringen Einweisungszahlen nur schwer realisieren lässt.
  • Einer der umfangreichsten Beiträge des Sammelbandes befasst sich mit Verläufen der Tätertherapie bei sexueller Kindesmisshandlung im Kontrollgruppenvergleich. Die von Klemm vorgestellte Studie belegt zunächst -wenig überraschend- dass einzel- und gruppentherapeutische Behandlungsmaßnahmen günstig auf das Rückfallrisiko wirken. Beachtenswert ist jedoch der Befund, dass kaum Unterschiede zwischen stationär (etwa in Haft) und ambulant (im Rahmen von Weisungen) durchgeführten Therapien fest zu stellen sind. Als besonders günstig erweist sich, so der Autor, die Verknüpfung einer (möglichst kurzen) stationären therapeutischen Initialphase, der eine (ausreichend lange) ambulante Therapiephase folgt. Die hier vorgestellte Studie hat bzgl. Studienaufbau, trotz der ebenfalls transparent gemachten Schwächen, Pilotfunktion für die Evaluationsforschung im Bereich der Sexualstraftäterbehandlung: Längsschnittstudien die längerfristige Therapieeffekte messen (können) und der direkte Vergleich unterschiedlicher Therapiestrategien können zu einer stetigen Verbesserung und Ausdifferenzierung therapeutischer Angebote in diesem Bereich führen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Studie offensichtlich weitgehend ohne öffentliche Fördermittel durchgeführt wurde.
  • Kunert befasst sich in seinem Beitrag mit neurobiologischen Aspekten der dissozialen Persönlichkeitsstörung. Insbesondere hirnorganische Dysfunktionen im Bereich des frontalen Kortex führen neben genetischen Faktoren zu Verhaltensproblemen i. S. dissozialer Strukturen. Kunert referiert den aktuellen Stand neurowissenschaftlicher Forschung und gibt einen vertieften Einblick auf hirnorganische Aspekte im Zusammenhang mit der antisozialen Persönlichkeitsstörung. Auch wenn in dem Beitrag mögliche therapeutische Konsequenzen (etwa in Bezug auf die Beziehungsgestaltung) nicht verfolgt werden, ergeben sich aus der Lektüre umfangreiche Hinweise auf Zugänge und Behandlungsstrategien. Für Interessierte dürfte die mehr als fünfseitige Literaturliste ausreichend vertiefende Hinweise enthalten.
  • Die Gefahr von Rückfalltaten, die Sorge vor dem Versagen der Forensischen Psychiatrie greift Nedopil auf. Sein Beitrag „Forensische Psychiatrie zwischen Angst und Fürsorge“ ist eine tiefgründige Analyse des Paradigmenwechsels in Politik (Sicherheit vor Freiheit), Justiz (Prävention statt Strafe) und Neurowissenschaften (Determinismus statt freier Wille) in den letzten zehn Jahren. Nedopil beschreibt die Konsequenzen für die Forensische Psychiatrie: Folgt der Maßregelvollzug den Vorgaben aus Justiz und Politik, wird sich die Behandlung psychisch kranker Straftäter mehr und mehr zur reinen Sicherungsmaßnahme entwickeln. Vor dem Hintergrund fiskalischer Vorgaben kann diese Entwicklung eine ungewünschte Dynamik nach sich ziehen, was zur Folge hätte, dass die Forensische Psychiatrie ihre medizinische und therapeutische Bedeutung verlieren wird. Vor dem Hintergrund der Kostendiskussion wäre der Maßregelvollzug dann tot gespart. Die einstmals fortschrittliche Trennung des strafrechtlichen Umgangs zwischen psychisch gesunden und kranken Straftätern (Strafe vs. Behandlung) wäre dann ökonomischen Rahmenbedingungen geopfert worden. Ähnlich argumentiert Walter in einem eigenen Beitrag, der im gegenwärtigen kriminalpolitischen Diskurs die Tendenz ausmacht, dass das Verbrechen als Externum ausgegrenzt und „ausgemerzt“ werden soll, dabei übersehen wird, dass es vielmehr selbst ein Bestandteil moderner Gesellschaften ist.
  • Wie neuere neurobiologische Erkenntnisse zur Kostensteigerung im Maßregelvollzug führen könnten beschreiben Prüter und Weber in zwei Beiträgen. Sie referieren Studien welche genetische, neurokognitive, hirnstrukturelle und funktionelle Auffälligkeiten im Zusammenhang mit der dissozialen Persönlichkeitsstörung beschreiben. Derartige biologische Korrelate lassen eine Einordnung der Dissozialität als krankheitswertig logisch erscheinen. Die umgekehrte bisherige -mehrheitliche- Auffassung in Hinblick auf die diagnostische Einschätzung und Beurteilung der Schuldfähigkeit, führt bisher zur Unterbringung dieser Tätergruppe im Strafvollzug. Wenn sich die neurobiologischen Erkenntnisse weiter verdichten, könnte es zum drastischen Anstieg dieser Diagnosegruppe im Maßregelvollzug und damit zu ökonomischen Auswirkungen kommen.
  • Verlässliche Prognoseinstrumente sind Voraussetzung für eine sichere Einschätzung untergebrachter Straftäter hinsichtlich kriminellen Verhaltens. Ross und Pfäfflin berichten über eine europäische Verbundstudie, welches riskantes Sozialverhalten und lebenspraktische Fertigkeiten erfasst und in einem Prognoseinstrument (BEST-Index) zusammenführt. Der BEST-Index erfasst in sechs Skalen insgesamt 150 Verhaltensvariablen. Diese müssen in regelmäßigen Abständen vom Behandlungsteam erfasst und bewertet werden. Auch wenn das Verfahren aufwändig ist, sprechen eine genaue Veränderungsmessung im Therapieverlauf und eine hohe Validität und Reliabilität für die Anwendung des neuen Prognoseverfahrens.
  • Die Herausgeberin des vorliegenden Sammelbandes, Nahlah Saimeh entwirft in ihrem Beitrag „Maßregelvollzug neu denken“ mögliche Aufgabenstellungen und Schwerpunktsetzungen Forensischer Psychiatrie. Die Tatsache, dass es im Maßregelvollzug zu Fehleinweisungen kommt und gleichzeitig in den Justizvollzugsanstalten annähernd die Hälfte der Insassen erheblich Persönlichkeitsstörungen aufweisen verdichtet sie zu der Frage ob für die Anwendung des Maßregelvollzugs nicht vom Zusammenhang „Vorliegen einer psychischen Störung“ und daraus resultierender Verminderung/Aufhebung der Schuldfähigkeit abgesehen werden sollte, um in umfassenderer Weise eine intensive, hoch spezialisierte, zeitlich klar befristete Therapie anzubieten. Davon könnten dann breitere Tätergruppen, auch aus den JVA„s profitieren.
  • Deutlich wird in einem Beitrag des niederländischen Forensikers Schutgens, dass für einzelne Patientengruppen dauerhaft nur die Unterbringung im Maßregelvollzug machbar erscheint, damit erhebliche finanzielle Belastungen für die öffentliche Hand verbunden sind. Dauerhaft rückfallgefährdete Patienten, vor allem Patienten mit sexuell-aggressiven Delikten (auch gegenüber Kindern) werden in den Niederlanden auf sog. „Longstay-Units“ untergebracht. Die dauernde Risikoeinschätzung und eine entsprechende Anpassung des Freiheitsrahmens für diese Patienten sind Aufgabe und Herausforderung für die Behandlungsteams. Eine fürsorgende Begleitung dieser schwierigen Patientengruppe macht den Auftrag und möglicherweise die Grenzen des Maßregelvollzugs deutlich: sieht die Gesellschaft die Notwendigkeit einer solchen -kostenintensiven- Betreuung weiterhin als notwendig an.

Zielgruppen und Diskussion

Der Band wendet sich zunächst an Praktiker und Wissenschaftler im Bereich der Forensischen Psychiatrie. Die Ansätze forensischer Kriminaltherapie, mit Konzepten zur Kriminalprognose und Rückfalleinschätzung haben sich längst auch außerhalb des Maßregelvollzugs etabliert. Von daher erhalten in der Forensischen Psychiatrie tätige einen umfassenden Überblick über aktuelle Fragen und Strömungen innerhalb des Maßregelvollzugs, Mitarbeiter anderer Arbeitsschwerpunkte (Sozialpsychiatrie, Bewährungshilfe, Jugendhilfe) werden zweifelsohne ebenso von der Lektüre profitieren. Die Einzelbeiträge differieren stark hinsichtlich des theoretischen Abstraktionsniveaus, manche Beiträge sind thematisch ausschließlich für Praktiker im Maßregelvollzug interessant, so dass nicht alle Kapitel des Bandes zur Verwendung in Ausbildungszusammenhängen geeignet sind. Dem Psychiatrieverlag gelingt mit der jährlichen Veröffentlichung des Eickelborner Tagungsbandes eine zeitnahe und umfassende Publikation aktueller Forensischer Strömungen und Problemstellungen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Publikationsreihe in den folgenden Jahren fortgesetzt wird.

Fazit

Das Buch gibt einen guten Überblick über aktuelle Fragestellungen, Behandlungsansätze und Strömungen in Praxis und Forschung Forensischer Psychiatrie und angrenzende „Neben„gebiete. Positiv fällt auf, dass die Themenstellung der zugrunde liegenden Fachtagung (Auswirkung ökonomischer Begrenzung auf die Behandlungsrealität im Maßregelvollzug) nicht zu eng aufgefasst wurde. So finden sich neben Überlegungen zur Privatisierung forensischer Psychiatrie Hinweise auf eine stringentere Therapieevaluation (Effizienz und Qualität), Ansätze zur Vernetzung forensischer Psychiatrie und Allgemeinpsychiatrie auch Beiträge zu Diagnose übergreifender Psychoedukation, neurobiologische Grundlagen abweichenden Verhaltens und Hinweise zur Diagnostik und Behandlung „neuer“ Tätergruppen (Internetkriminalität). Insgesamt ein erfreulicher Tagungsband, der beim Leser nicht (wie oft üblich) ein umfassendes Vorwissen voraussetzt, sondern geschickt, durch die Auswahl der Einzelbeiträge einen wertvollen Einblick in den Arbeitsbereich ermöglicht.


Rezensent
Dr. phil. Gernot Hahn
Dipl. Sozialpädagoge (Univ.), Sozialtherapeut
Klinikum am Europakanal Erlangen Forensische Ambulanz
Homepage www.gernot-hahn.de
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Zitiervorschlag
Gernot Hahn. Rezension vom 07.03.2008 zu: Nahlah Saimeh (Hrsg.): Maßregelvollzug in Zeiten ökonomischer Begrenzung. Psychiatrie Verlag GmbH (Bonn) 2007. ISBN 978-3-88414-434-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4564.php, Datum des Zugriffs 17.10.2017.


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