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Alexander Schimansky: Die Moderationsmethode [...] (Gruppenarbeit)

Rezensiert von Dipl. Päd. Martin Zauner, 27.06.2007

Cover Alexander Schimansky: Die Moderationsmethode [...] (Gruppenarbeit) ISBN 978-3-89967-312-8

Alexander Schimansky: Die Moderationsmethode als Strukturierungsansatz effektiver Gruppenarbeit. Eine feldexperimentelle Evaluation. Pabst Science Publishers (Lengerich) 2006. 244 Seiten. ISBN 978-3-89967-312-8. 25,00 EUR.
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Thema

Die Moderationsmethode, die auch unter den Bezeichnungen Metaplan®-Technik, MODERATIOnsMETHODE(TM) oder Neuland-Moderation® firmiert und mittlerweile seit über 35 Jahren angewandt wird, ist definitiv etabliert und gilt als hoch effizient und effektiv. Es steht quasi konventionell die Überzeugung, gerade bei komplexeren Fragestellungen die Gruppen(zusammen-)arbeit mit der Methode der Moderation noch einmal effektivieren zu können. Das weiß man irgendwie und aus Erfahrung, nur: weiß man es wirklich? Bislang verdankt die Moderationsmethode ihr aufschließendes Image eher 'psychologischen Komponenten', ein umfassender empirischer Nachweis fehlt oder hat gefehlt. Genau hier setzt Schimansky nämlich an und liefert dieses 'Missing Link'.

Aufbau und Inhalt

Das Buch beschäftigt sich mit der empirischen Überprüfung der Qualitäten von Moderation. Als Bezugsmodell zur Operationalisierung greift der Autor auf das "Modell effektiver Zusammenarbeit in Gruppen" von Wolfgang Scholl (2003) zurück, das relativ gut abgesichert Ursachen und Wirkungen von Gruppenarbeitsprozessen darstellt.

Die empirische Überprüfung geschieht mittels eines Feldexperiments an 10 Berliner Oberschulen, an dem in einer Hauptuntersuchung insgesamt 657 Schüler der 11. Jahrgangsstufe teilgenommen haben. Diese Schüler wurden auf 114 Kleingruppen mit jeweils ca. sechs TeilnehmerInnen verteilt. In vierstündigen Workshops sollten Verbesserungskonzepte für die Schulen erarbeitet werden.

Wie geht Schimansky vor? Er lässt die Moderationsmethode gegen fünf Konkurrenten antreten, wobei diese (fünf) ebenso wie die Moderation als unabhängige Variablen ihren Einfluss auf Gruppenprozesse und -ergebnisse unter Beweis stellen sollen. Die grundlegende Alternativhypothese ist logischerweise die, dass "Moderation" eben den Konkurrenten überzufällig deutlich überlegen ist. 

Es stellten sich dem Wettbewerb auf der einen Seite natürlich

  1. die vollständige Moderationsmethode und andererseits, sozusagen als Antagonist,
  2. die freie unstrukturierte Diskussion. Des weiteren traten vier Teildisziplinen der Moderation an, nämlich
  3. die Diskussion mit vorgeschalteter Einzelarbeitsphase,
  4. die Diskussion mit kontinuierlicher Visualisierung,
  5. die moderierte Diskussion und
  6. die Diskussion anhand eines vorgegebenen Problemlöseschemas.

Auf diese Weise konnten auch Effekte von Teildisziplinen der Moderationsmethode gegriffen und in ihrer Wirkung auf den Gesamteffekt beleuchtet werden.

Hauptziel der Untersuchung war die detaillierte Überprüfung der Qualitäten von Moderation gegenüber der Konkurrenz. Quasi als Nebeneffekt konnte das große Datenmaterial noch für die Untersuchung von in Scholls Modell postulierten Effektzusammenhängen Verwendung finden.

Das Buch gliedert sich in vier Hauptkapitel:

  1. Theorie,
  2. Methodik der Untersuchung,
  3. Ergebnisdarstellung
  4. und Diskussion der Ergebnisse.

Das Theoriekapitel (Kap.2) liefert einen detaillierten Überblick über einerseits die Moderationsmethode und andererseits das "Modell effektiver Zusammenarbeit in Gruppen". Des weiteren werden die Untersuchungshypothesen aufgestellt.

Die drei anderen Kapitel behandeln die jeweils in der Überschrift genannten Bereiche.

Diskussion

Was bietet das Buch nicht? Das ist schnell gesagt. Es handelt sich hier nicht oder nur bedingt um ein Werk, das als Einführung in die Moderationsmethode dienen kann - und das möchte es auch gar nicht sein.

Was bietet es also? Es handelt sich um eine Dissertation. Im Zentrum steht die streng wissenschaftliche Überprüfung der Wirkungsunterschiede der Moderationsmethode gegenüber anderen Vorgehensweisen. Sehr gut gefällt dabei schon einmal die klare, schnörkellose und doch ansprechende Formulierung, die so ganz auf die verbreitete wie überflüssige Encodierung à la "was bin ich wissenschaftlich, da kompliziert verpackt" verzichtet. Das Buch ist sprachlich gut verständlich geschrieben, der Leser wird auf nachvollziehbare Art durch die Untersuchung begleitet.

Es handelt sich desweiteren zweifelsohne um eine empirische Untersuchung auf höchstem Niveau, der neben der klaren theoretischen Orientierung eine akribische Operationalisierung des Themas inkl. der Beachtung "aller" Eventualitäten, die das Ergebnis verfälschen könnten, zu Grunde liegt. Sehr interessant, sehr aufwändig, respekteinflößend. Definitiv weiß der interessierte Leser nach Beendigung der Lektüre Dinge, die sich vorher in dieser Konnotation nicht oder nicht so oder nicht in der Detailtiefe erschlossen hatten. Allerdings stellt sich hier eben die Frage nach dem geeigneten Leser.

Zielgruppe

Wer sollte oder könnte dieses Buch lesen? Wie oben angegeben erschließt es nur marginal das "How-to-Do-Spektrum" der Methode.  Trotzdem möchte der Rezensent gerade auch die Gruppe der Praktiker zur Lektüre einladen, insgesamt aber einfach alle, die sich für Moderation und ihre Effekte interessieren: Dozenten, Wissenschaftler, Personen in Führungs- und Leitungspositionen, die sich z.B. mit dem Gedanken einer stärkeren Implementierung von Moderation in der jeweiligen Institution tragen und andere mehr.

Wichtiger scheint die Frage danach, was potentielle Leser ggf. mitbringen sollten. Da erschließen sich zwei Optionen: entweder verfügen Sie (als Leser) über fundiertes Wissen auf dem Gebiet der empirischen Sozialforschung und können mit Begriffen, wie Produkt-Moment-Korrelationen, Reliabilitätskoeffizent oder auch Multikolinearität jonglieren, oder aber, und das ist wertfrei gemeint, Sie bringen den Glauben und das Vertrauen mit, dass das, was da geschrieben steht, schon richtig sein wird und sicher dem Beleg des jeweiligen Arguments dient. Aber auch diese Gruppe wird das Buch ohne größere Schwierigkeiten verfolgen können, gerade das eine oder andere Detail wird sich Ihnen nicht erschließen. Das behauptet der Rezensent, der erklärtermaßen selbst nur bedingt Empiriker ist, das Buch aber mit großem Interesse und Nutzen gelesen hat.

Fazit

Es handelt sich bei diesem Buch sicher um eines, auf das gewartet wurde, schließt es doch das beschriebene Missing Link. Wer aber auf das Buch gewartet hat, kann nur individuell bzw. subjektiv beantwortet werden.

Rezension von
Dipl. Päd. Martin Zauner
Dipl.Päd.(univ), Dipl.Sozialpäd.(FH), Mediator (BM), AkadOR an der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (Lehrgebiete: Gruppenarbeit, Teamführung /-entwicklung, Mediation, Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, Schulsozialarbeit)
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Zitiervorschlag
Martin Zauner. Rezension vom 27.06.2007 zu: Alexander Schimansky: Die Moderationsmethode als Strukturierungsansatz effektiver Gruppenarbeit. Eine feldexperimentelle Evaluation. Pabst Science Publishers (Lengerich) 2006. ISBN 978-3-89967-312-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4579.php, Datum des Zugriffs 07.08.2022.


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