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Carole Archibald: Menschen mit Demenz in Krankenhäusern. Eine Lern- und Arbeitshilfe für Pflegefachkräfte

Cover Carole Archibald: Menschen mit Demenz in Krankenhäusern. Eine Lern- und Arbeitshilfe für Pflegefachkräfte. Kuratorium Deutsche Altershilfe (Köln) 2007. 164 Seiten. ISBN 978-3-935299-96-1. 18,50 EUR.

Übersetzung aus dem Englischen von Britta Wilken Reihe: Türen öffnen zum Menschen mit Demenz, Band 5.
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Thema

Das Krankenhaus stellt für Demenzkranke im mittleren Stadium der Erkrankung eine schier nicht zu bewältigende Reizkonstellation dar. Konfrontiert mit fremden Menschen in fremden Räumlichkeiten, die ungewohnte Verrichtungen ausführen, diese Faktoren werden in der Regel weder verstanden, noch kann man sich an diese Umwelt angemessen anpassen. Überstressreaktionen sind dann oft die Folgen hiervon. Doch nicht nur die Demenzkranken sind im Krankenhaus überfordert, auch das Krankenhaus als Institution ist den Demenzkranken bezüglich einer demenzspezifischen Behandlung und Betreuung nicht gewachsen. Organisation, Arbeitsablauf und Handlungsschwerpunkte im Krankenhaus sind ausgerichtet auf Patienten, die alle diese Funktionsabläufe nicht nur verstehen, sondern zum Zweck ihrer baldigen Heilung und Genesung bei all den Tätigkeitsfeldern der Behandlungspflege und Versorgung mitwirken oder sich doch zumindest kooperativ verhalten.

Da die Demenzkranken nicht mehr zu Anpassungsleistungen an das Krankenhaus fähig sind, verbleibt nur die Anpassung des Krankenhauses an die Patientengruppe der Demenzkranken. Die vorliegende Broschüre kann in diese Kategorie der organisatorischen Einstellung auf die Wahrnehmungs- und Verhaltensstrukturen Demenzkranker im Krankenhaus eingeordnet werden.

Es bedarf noch des Hinweises, dass die schottische Orginalausgabe dieser Broschüre bereits im Jahr 2003 von der Universität Stirling veröffentlicht wurde.

Autorin

Carole Archibald ist ausgebildete Krankenschwester und zusätzlich "Häusliche Gesundheitsberaterin", die seit 13 Jahren für das Dementia Services Development Centre der Universität Sterling in Schottland arbeitet. 2003 hat sie über das Thema "Sexualität und Demenz" promoviert.

Inhalt

Die vorliegende Publikation wird von der Autorin als "Leitfaden" und als "Lern- und Arbeitsbuch" bezeichnet. Es kann somit als eine Art Schulungs- oder Trainingsheft aufgefasst werden. Die Kapitel oder Unterrichtsbausteine sind entsprechend in Einführungstexte, Übungen zuzüglich Erläuterungen und Quellennachweisen untergliedert.

Zu folgenden Themenbereichen sind Unterrichtsbausteine in diesem "Lern- und Arbeitsbuch" enthalten:

  • die Bedeutung der Demenz in der Gegenwart (u. a. demografische Aspekte)
  • Grundlagen über Demenzen (u. a. hirnpathologische Abbauprozesse)
  • Einbeziehung der pflegenden Angehörigen
  • Kommunikation
  • Demenzspezifische Verhaltens- und Reaktionsweisen (das so genannte "herausfordernde Verhalten")
  • Assessment (Erhebungsinstrumente)
  • Schmerzen bei Demenzkranken
  • Essen und Trinken
  • Zusammenfassung

Des Weiteren enthält die Broschüre einen umfangreichen Anhang (28 Seiten) mit u. a. Schulungsplan, Persönlichkeitsprofil, Patienteninformationsblatt, Beobachtungsbögen zum Essverhalten, Tabelle zur Verhaltensauffälligkeit, Mini-Mental State Examination (MMSE), Medikamente und Orientierungsschilder zum Kopieren.

Kritische Würdigung und Fazit                                                                                    

Ein "Lern- und Arbeitsbuch für Pflegefachkräfte"  über die Thematik Demenzpflege sollte die wesentlichen Fakten über diesen Gegenstandsbereich didaktisch gut aufgearbeitet allgemeinverständlich vermitteln. Besonders wenn es sich um Pflegende aus den Krankenhäusern handelt, die mit der Personengruppe der Demenzkranken nicht so vertraut sind wie Pflegende in Alten- und Pflegeheimen.

In dieser Broschüre werden hingegen nur punktuell Inhalte dargestellt, so dass eine eigenständige Aufarbeitung und Vertiefung konkreter Aspekte der Pflege und Betreuung Demenzkranker im Kontext des Krankenhauses kaum möglich sind.

Des Weiteren muss kritisch angeführt werden, dass die wesentlichen Aspekte des Demenzmilieus, die sich teilweise auch in die Krankenhäuser einfügen lassen, nicht in ihrer Bedeutung für die Demenzpflege angeführt werden: u. a. personale und räumliche Stetigkeit, Tagesstruktur mit Komponenten der Sicherheit und Geborgenheit, biografische Orientierung und vor allem demenzspezifische Pflegekonzepte. Ohne einen Verweis auf diese Faktoren, die in den Pflegeheimen größtenteils schon Standard sind, fehlen die entscheidenden Impulse für eine zukünftige Demenzausrichtung der Krankenhäuser. Pflegende aus den Krankhäusern werden somit aus dieser Veröffentlichung wenig Nutzen für ihre Arbeit ziehen können.


Rezensent
Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind
Gerontologische Beratung Haan
Homepage www.gerontologische-beratung-haan.de
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Zitiervorschlag
Sven Lind. Rezension vom 28.12.2007 zu: Carole Archibald: Menschen mit Demenz in Krankenhäusern. Eine Lern- und Arbeitshilfe für Pflegefachkräfte. Kuratorium Deutsche Altershilfe (Köln) 2007. ISBN 978-3-935299-96-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4635.php, Datum des Zugriffs 14.10.2019.


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