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Rolf van Dick, Michael A. West: Teamwork, Teamdiagnose, Teamentwicklung

Cover Rolf van Dick, Michael A. West: Teamwork, Teamdiagnose, Teamentwicklung. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2005. 100 Seiten. ISBN 978-3-8017-1865-7. 19,95 EUR, CH: 34,90 sFr.

Reihe: Praxis der Personalpsychologie - Band 8.
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Thema

In arbeitsteilig organisierten modernen Gesellschaften ist Teamarbeit eine Voraussetzung zur Bewältigung komplexer werdender Fertigungs-, Entwicklungs- und Entscheidungsaufgaben. Team und Teamarbeit sind darüber hinaus ein positiv besetztes Etikett und als Modewort in der Gefahr an inhaltlicher Klarheit zu verlieren. So ist die Zusammenfassung von Mitarbeitern unter der Leitung eines Vorgesetzten nicht gleich ein Team. Auch stellen sich die mit der Teamarbeit vielerorts erwarteten Vorteile nicht von selber ein.

Professionell betriebene Soziale Arbeit setzt das Wissen um die Idee der Teamarbeit, die Vor- und Nachteile ihrer Anwendung, die Analyse der Teamstruktur (Teamdiagnostik) und der Wege zu seiner professionellen Weiterentwicklung voraus.

Entstehungshintergrund

Über Teamarbeit sind in den letzten Jahren zahlreiche Bücher erschienen, die Trainings- und Übungsmanuale, spezifische theoretische Zugänge und Praxisberichte aus verschiedenen Arbeitsfeldern zur Gruppen- und Teamarbeit bieten. Dem Leser erschließt sich dabei nicht immer auf welcher (Erfahrungs-)Grundlage diese Bücher geschrieben sind. Mit Rolf van Dick und Michael West finden sich zwei international renomierte und erfahrene Organisationspsychologen als Autoren. Die Konzeption dieses Buches - in der Reihe "Praxis der Personalpsychologie" des Hogrefe-Verlags erschienen - richtet sich an Praktiker im Personal- und Organisationsbereich, die nach der Lösung von Problemen der Teamarbeit suchen und dabei auf eine theoretische Fundierung und kritische Reflexion von Fragen der Teamarbeit nicht verzichten möchten.

Die Autoren nutzen mit dem Buch die Gelegenheit ihre empirischen Studien und Entwicklungsarbeiten zu Instrumenten der Teamdiagnostik und -entwicklung einer breiteren Öffentlichkeit in gut lesbarer und komprimierter Form nahe zu bringen.

Aufbau

Das Buch enthält vier thematische Kapitel, ein Fallbeispiel und Literaturempfehlungen. Die Kapitel bauen systematisch aufeinander auf. Im ersten Schritt werden begriffliche Grundlagen und die Frage von Vor- und Nachteilen von Teamarbeit behandelt. Im zweiten Schritt stellen die Autoren ein Modell von Teamarbeit vor. Das Kapitel 3 wendet sich dann stärker den praktischen Fragen der Analyse und Diagnostik verschiedener Aspekte der Teamarbeit zu und mündet im Kapitel 4 in die konkrete Anleitung zur Umsetzung von Maßnahmen der Teamentwicklung und Behandlung möglicher Probleme bei ihrer Umsetzung.

1. Begriffliche und konzeptuelle Grundlagen

Der erste Themenbereich zu begrifflichen und konzeptuellen Grundlagen führt in die Voraussetzungen von Teamarbeit und in die Begriffe Team sowie Teamentwicklung ein. Es werden eine Präzisierung des Teambegriffs vorgenommen, das veränderte Vorgehen im Personalmanagement bei Teamarbeit und abschließend die Vor- und Nachteile von Teamarbeit angesprochen. An vielen Stellen (z.B. dem Thema Rückmeldung, Transformation einer Arbeitsgruppe in ein Team, Metaanalyse) finden sich kurze Darstellungen, die durch weiterführende Literaturverweise und einzelne Praxisbeispiele ergänzt werden.

2. Modelle von Teamentwickklung und Teamarbeit

Der zweite Themenbereich zu Modellen von Teamentwicklung und Teamarbeit beginnt mit dem historisch frühen Phasenmodell der Entwicklung bei langfristigen Teams von Tuckmann (1965). Die kritische Reflexion dieses Phasenmodells wird ergänzt durch ein Modell für kurzzeitige Arbeitskontexte (Gesick, 1988). Beide Modelle können eine erste Orientierung für die komplexen Entwicklungsverläufe in der Teamentwicklung geben. Die sich anschließenden Passagen zu Teamrollen gehen auf den Ansatz von Belbin ein. Im Folgenden legen die Autoren einen Schwerpunkt auf die Rolle des Teamleiters und seiner Führungsstile.

Das Input-Prozess-Output-Modell bildet ein allgemeines Rahmenmodell zum Verständnis der Teamarbeit. Hier werden strukturelle Ausgangsbedingungen (z.B. Teamgröße, Qualifikation und kulturelle Unterschiede) benannt und zentrale Prozessfaktoren (z.B. Kommunikation, Partizipation) in Beziehung zu Komponenten des Teamerfolgs (Qualität, Quantität, Zufriedenheit u.a.) gebracht. Vertiefend stellen die Autoren auf West (1990, 1996) zurückgehende Modelle zur Innovation und zur Reflexivität in Teams vor.

3. Analyse und Maßnahmeempfehlung

Teil 3 gilt der Analyse und Maßnahmeempfehlung. Für die bereits behandelten zentralen Begriffe der Teamphasen, der Rolle, des Teamklimas, der Reflexivität, der Führung und der Unterstützung für die Teamarbeit durch das organisationale Umfeld werden Möglichkeiten zu ihrer Bestimmung in einem je konkreten Team bereitgestellt. Neben vorraussetzungsreichen Verfahren (z.B. das Beobachtungs- und Klassifikationssystem für Kleingruppen SYMLOG), die jeweils nur kurz skizziert werden, bieten die Autoren von West und anderen entwickelte Instrumente zur Selbsteinschätzung durch die Teammitglieder an. Zu den beschriebenen Teamaspekten werden Fragebögen geliefert und eine Anleitung zur Selbstauswertung gegeben. Die Ausführungen konzentrieren sich auf Gesichtpunkte der Handhabung und Auswertung der Fragebögen.

4. Handeln im Rahmen der Teamentwicklung

Der vierte Teil nimmt das Handeln im Rahmen der Teamentwicklung in den Blick. Ausgangspunkt stellen Fragen der Transformation einer Gruppe von Mitarbeitern in ein Team dar. Die Autoren führen Voraussetzungen erfolgreicher Teamentwicklung und den Verlauf der Transformation in abgestuften Phasen aus, an dessen Ende die Bildung einer Teamidentität steht. Mit der Zukunftskonferenz, der Gestaltung von Teammeetings, der Analyse von Interessenlagen bei der Teambildung (Stakeholderanalyse) und dem Umgang mit schwierigen Teammitgliedern bekommen die Leser Hinweise auf relevante Methoden zur zielgerichteten Entwicklung von Teamkontexten.

Bevor die Autoren das Fallbeispiel aus der Aston Business School in Birmigham, in der Arbeitsgruppe der Arbeits- und Organisationspsychologie vorstellen, gehen sie auf mögliche Widerstände bei der Teamentwicklung ein.

Fallbeispiel

Das Fallbeispiel beschreibt organisationale Strukturen, Bedingungen und konkrete Formen der Kooperation und der Teamarbeit. Bei einem insgesamt positiven Resümee des Berichts bleibt für Frage der Anwendung des bisher Gelernten nur vergleichsweise wenig Raum.

Abschließend werden von den Autoren weiterführende Literaturempfehlungen gegeben.

Zielgruppen

Das Buch wendet sich an Verantwortliche in der Personal- und Organisationspsychologie. Insbesondere können Betriebswirte, leitende kaufmännische Angestellte und Selbstständige profitieren, die sich einen ersten Zugang zu Anwendungsfragen der Teamentwicklung verschaffen wollen und solche, die - selbst in der Teamarbeit befindlich -  nach Instrumenten zur Diagnose der Teamsituation auf der Basis einer Selbstanalyse suchen.

Diskussion

Mit Rolf van Dick und Michael West liefern zwei international renomierte und langjährig erfahrene Organisationspsychologen Basiswissen für die Teamarbeit. Die Fragebögen sind leicht handhabbar und laden zum Selbstversuch ein. In welchem Umfang dabei externe Hilfe durch Trainer notwendig sein wird, hängt von der aktuellen Teamsituation ab. Hier noch genauer einen möglichen Bedarf und den Gewinn externer Begleitung und deren Gestaltung auszuführen, wäre für den Leser hilfreich.

Für das akademische Studium kann das Buch nur in Kombination mit Grundlagenwerken zu Teamentwicklung (z.B. Thomas & Stumpf, 2003; Gebert, 2004; Högl & Gemünder, 2005) und Handbüchern zum Teamtraining (z.B. Francis & Young, 2002; Gellert & Nowack, 2004; Herwig-Lempp, 2004) verwendet werden.

Der besondere Beitrag des Buches ist die Verbindung aus Grundlagenwissen und den zur Selbstanalyse einladenden Fragebögen zur Teamsituation. Hier liefert das Buch die Fragebögenmanuale, die Auswertungsroutinen und Hinweise zur Interpretation. Zahlreiche relevante Teamaspekte können so exploriert und einer Beurteilung unterzogen werden. Die ausführlichere Darlegung alternativer diagnostischer Strategien (z.B. das Kasseler Kompetenz-Raster; s. Kauffeld, 2003) würde für den interessierten Praktiker eine breitere Entscheidungsbasis für den Einsatz von Selbstexplorations- und Fremdbeobachtungsinstrumenten liefern.

Auf dem Hintergrund des wachsenden Interesses an psychologisch fundierten und theoretisch abgesicherten Fach- und Methodenwissen im Kontext der Teamarbeit hat das Buch seinen Platz. Es ist als erster Zugang und für eine Selbstanalyse der eigenen Teamarbeit bei geringen externen Ressourcen geeignet. Der Umgang mit den vielfältigen Konsequenzen der Teamentwicklung bekommen die Leser nahegebracht, häufig wird es ohne externe Unterstützung jedoch nicht möglich sein die Ergebnisse der Datengewinnung in produktive Maßnahmen der Teamentwicklung umzusetzen.

Fazit

Insgesamt kann der Rezensent das Buch "Teamwork, Teamdiagnose, Teamentwicklung" für den genannten Leserkreis empfehlen.


Rezensent
Prof. Dr. Hans-Jürgen Balz
Dozent für Psychologie (Schwerpunkte Diagnostik und Beratung) an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum
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Zitiervorschlag
Hans-Jürgen Balz. Rezension vom 19.01.2008 zu: Rolf van Dick, Michael A. West: Teamwork, Teamdiagnose, Teamentwicklung. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2005. ISBN 978-3-8017-1865-7. Reihe: Praxis der Personalpsychologie - Band 8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4657.php, Datum des Zugriffs 17.10.2018.


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