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Bärbel Kerber: Die "Arbeitsfalle" - und wie man sein Leben zurückgewinnt

Cover Bärbel Kerber: Die "Arbeitsfalle" - und wie man sein Leben zurückgewinnt. Strategien gegen die Selbstausbeutung und für ein wertvolles Leben. Walhalla Fachverlag (Berlin) 2002. 239 Seiten. ISBN 978-3-89623-305-9. 19,95 EUR, CH: 33,70 sFr.
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Das Thema

Bärbel Kerber hat ein Buch zur Selbsthilfe und Anregung für alle von Burnout und/oder Arbeitssucht Betroffenen und Gefährdeten geschrieben.

Die Autorin / der Hintergrund

Bärbel Kerber ist promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin und Fachjournalistin mit den Schwerpunkten Arbeitswelt und Psychologie.

Der Inhalt

Während immer mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren oder als gefährdet betrachten, müssen diejenigen, die eine Arbeitsstelle haben, Überstunden machen, immer erreichbar sein, dazu flexibel, schnell und effizient. Nie zuvor war - so Bärbel Kerbers These - die Gefahr, Burnout zu erleiden so gross wie heute.

Mit ihrem Buch will sie dazu Denkanstöße und Selbsthilfeanregungen geben.

In ihrem ersten Kapitel " Die Arbeitsfalle: eine neue Überstundenkultur" legt die Autorin mit vielen Beispielen dar, wie Zeit- und Termindruck im Berufsalltag gestiegen sind, wie schlankes Management und flexible Arbeit zu Überlastung und Vernachlässigung des Privatlebens führen. Besonders Höherqualifizierte, Besserverdienende, IT-ArbeiterInnen, BankerInnen und BeraterInnen trifft die neue Pflicht zu endlosen Überstunden und pausenlosem Engagement für den Job.

Im zweiten Kapitel "Moderne Arbeitswelt: Warum es heute so schwer ist, Feierabend zu machen" werden zunächst die arbeitsintensiven neuen Technologien unter die Lupe genommen, die nicht nur Arbeit einsparen, sondern mit ihrem Stress der ständigen Erreichbarkeit und der Informationsüberflutung zusätzliche Arbeit produzieren.

Neben neuartigen Arbeitsmitteln sind es aber auch psychischen Faktoren, die eine gesundheitsschädliche Selbstausbeutung fördern. Da sind zunächst verführerische moderne Management-Methoden, die den MitarbeiterInnen nur Ziele vorgeben, aber beim Weg zum Ziel völlig freie Hand lassen. Der Wunsch nach Anerkennung und Aufstieg bringt hier viele MitarbeiterInnen dazu, sich selbst über die Grenzen ihrer Gesundheit zu belasten.

Bärbel Kerber zeigt auf, wie die ausgeweiteten Arbeitsstunden im Büro bald die Kontakte auf kollegiale Kontakte beschränken, so dass auch in der Freizeit bald die Arbeit zum Haupt-Thema wird. Aber nicht nur moderne Formen des Viel-Arbeitens, sondern auch das gute alte Arbeitsethos mit seinen verinnerlichten und unhinterfragten Leistungsprinzipien spielt dem Burnout in die Hand.

Aus ihrer Geschlechtsrolle heraus sind Männer besonders gefährdet, weil sie in jedem Fall an ihrer Rolle als Haupternährer der Familie hängen. Frauen dagegen wollen und müssen Familienaufgaben und Karriere miteinander kombinieren und geraten damit in die Stress-Falle.

Im dritten Kapitel "Out of Balance: Warum es Zeit ist, die Notbremse zu ziehen" beklagt Bärbel Kerner zunächst die Kurzsichtigkeit der Unternehmen, die um jeden Preis Stellen einsparen wollen, selbst wenn sie das die Gesundheit ihrer MitarbeiterInnen kostet. Die Gesundheit der MitarbeiterInnen - so Kerners Fazit - sinkt nämlich rapide durch hohe Arbeitsbelastung: VielarbeiterInnen klagen über Schlafstörungen und Schlafdefizit, vielfältige psychosomatische Probleme und Konflikte in Familie und Partnerschaft. Auch gesamtgesellschaftlich entsteht Zündstoff dadurch, dass Millionen Menschen arbeiten möchten und nicht können, während andere für ein hohes Gehalt doppelt und dreifach schuften.

Im vierten Kapitel "Von der Arbeitslast zur Lebenslust - Strategien gegen die Selbstausbeutung" stellt Bärbel Kerner Modelle und Ansätze zur Entschleunigung und Selbstbegrenzung vor. "Weniger ist mehr" und "Downshifting - oder: einfach glücklich", das sind die Untertitel, unter denen die Autorin Für und Wider von Teilzeitarbeit, Sabbatical und Erziehungsurlaub diskutiert. Sie gibt Anregungen, wie die Leserin ihre Lebensprioritäten überdenken und im Alltag schonender mit sich umgehen kann.

Insgesamt ist das Buch journalistisch und unterhaltsam geschrieben. Beispiele und Check-Listen machen die Lektüre kurzweilig. Dabei gelingt es Bärbel Kerber, ihr Thema ernsthaft anzugehen und Gefährdete sehr nachdrücklich auf dringenden Handlungsbedarf hinzuweisen. Mit Hilfe von Selbst-Tests können LeserInnen feststellen, ob für sie die Grenzen der Selbsthilfe erreicht sind und die Notwendigkeit professioneller Hilfe gegeben ist.

Zielgruppen

Das Buch ist zu empfehlen für alle VielarbeiterInnen und ihre LebenspartnerInnen, durchaus auch als Geschenk mit "winkendem Zaunpfahl" für gute Freunde, die aus unserer Sicht zu viel Zeit mit Arbeit verbringen.

Fazit

"Wer bedauert schon auf dem Sterbebett, zu wenig Zeit im Büro verbracht zu haben?" Dieser wunderbare Spruch von Covey bringt Bärbel Kerbers unterhaltsames wie nachdenkliches Selbsthilfebuch gut auf den Punkt.


Rezensentin
Prof. Dr. Lilo Schmitz
Ethnologin und Dipl. Sozialpädagogin
Hochschule Düsseldorf, Lehrgebiet Methoden der Sozialarbeit am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Zitiervorschlag
Lilo Schmitz. Rezension vom 08.10.2002 zu: Bärbel Kerber: Die "Arbeitsfalle" - und wie man sein Leben zurückgewinnt. Strategien gegen die Selbstausbeutung und für ein wertvolles Leben. Walhalla Fachverlag (Berlin) 2002. ISBN 978-3-89623-305-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/468.php, Datum des Zugriffs 22.09.2019.


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