Daniela Flemming: "Keiner ist allein". Demenz und Alzheimer (Angehörige)
Rezensiert von Dipl. Sozialpädagoge Peter Wißmann, 06.05.2008
Daniela Flemming: "Keiner ist allein". Demenz und Alzheimer - Informationen und Hilfen für Angehörige.
Beltz Verlag
(Weinheim, Basel) 2006.
223 Seiten.
ISBN 978-3-407-22895-6.
14,90 EUR.
Reihe: Beltz-Taschenbuch - 895 - Ratgeber.
Thema
Was es bedeutet, wenn ein Familienmitglied an einer Demenz erkrankt, mit welchen negativen und positiven Erfahrungen man dabei konfrontiert wird und was man an Unterstützung wünscht und benötigt, das alles wissen pflegende Angehörige am besten. Aus diesem Grund stellt das Buch "Keiner ist allein" von Daniela Flemming auch eine besondere Art von Ratgeber dar. Grundlage sind Erfahrungsberichte von pflegenden Angehörigen, in denen die oben genannten Fragen aufgegriffen und behandelt werden.
Inhalt
16 Kapitel, das bedeutet 16 Berichte, in denen Probleme realistisch dargestellt werden und nichts beschönigt wird, in denen (fast immer) aber auch Erfahrungen vermittelt werden, die Mut machen und dazu anregen, nicht zu resignieren, sondern auch positive Aspekte wahrzunehmen und sich der Situation so wie sie ist zu stellen.
Anrührend, wenn beispielsweise eine Angehörige berichtet, "dass die Krankheit, und sei sie noch so unerträglich schwer, nicht bestimmend sein darf" und sie als Person weiterleben muss, auch wenn der andere sie verlassen wird. Weil solche und ähnliche Erkenntnisse aber nicht unvermittelt dargestellt werden, sondern immer auch der schwierige Weg deutlich gemacht wird, der ihnen voran ging, wirken sie überzeugend und können sie von anderen Betroffenen als "echt" wahrgenommen werden.
Doch belässt es das Buch nicht bei den für sich schon eindrucksvollen Erfahrungsberichten. Jeder dieser Darstellungen wird ein Sachteil angefügt, in dem über Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten (z.B. Memory-Klinik, Selbsthilfegruppen, Kurzzeitpflege), Wohn- und Betreuungsformen (z.B. Pflegeheim, ambulant betreute Wohngemeinschaft) oder auch (sozial)rechtliche Aspekte (z.B. Pflegeversicherung, Patientenverfügung) informiert wird. Solche Sachinformationen stellen den Inhalt fast jeden Ratgebers für Angehörige und Betroffene dar. Was im vorliegenden Fall aber besonders ist: Die Hinleitung zu diesen Sachinformationen erfolgt in und aus dem vorangehenden Erfahrungsbericht. So wird für den Leser nachvollziehbar, worin die Relevanz dieser Informationen besteht und was sie mit seiner Situation zu tun haben.
Fazit
Ob für einen Angehörigen, der gezielt Informationen sucht, der Aufbau des Buches und die vorangestellte Inhaltsübersicht im gewünschten Maß übersichtlich sind, könnte hinterfragt werden. Wer aber bereit ist, sich als Angehöriger auf die Erfahrungen und Hinweise anderer Betroffener einzulassen, um aus ihnen Impulse zu empfangen und dabei noch wertvolle Sachinformationen zu erhalten, dem wird dieses Buch eine wertvolle Lektüre sein.
Rezension von
Dipl. Sozialpädagoge Peter Wißmann
Geschäftsführer
Demenz Support Stuttgart gGmbH, Zentrum für Informationstransfer
Website
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