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Bernd Maelicke (Hrsg.): Lexikon der Sozialwirtschaft

Cover Bernd Maelicke (Hrsg.): Lexikon der Sozialwirtschaft. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2007. 1128 Seiten. ISBN 978-3-8329-2511-6. 98,00 EUR.
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Thema

Die "junge" Sozialwirtschaft befindet sich in Ihrer Theoriebildung in einem seit Jahren andauernden evolutionären Prozess. Einerseits spricht man traditionell von Diensten, Einrichtungen und anderen Unternehmungen, die mittelbar wie auch unmittelbar soziale Zwecke verfolgen, andererseits wegen der zunehmenden Finanzmittelknappheit vom notwendigen Management betrieblicher Prozesse als Steuerungsaufgabe mit betriebswirtschaftlich orientierten Instrumenten. Für die Verknüpfung einer sozialen Organisationsentwicklung mit professionellen Fach- und Führungskräften, die den Sozialbereich hin zu mehr Effizienz und Effektivität prägen, bedarf es unter anderem einer begrifflichen Klarheit zu zentralen Themen der Sozialwirtschaft aus wissenschaftlicher und praxisrelevanter Perspektive.

Inhalt

Das "Lexikon der Sozialwirtschaft" erprobt erstmalig den systematischen interdisziplinären sozialen und wirtschaftlichen Überblick in Deutschland. Bei ca. 800 Stichworten auf über 1.100 Seiten wird schnell deutlich, dass man hier vom üblichen Lexikonstil einer kurzen Begriffsdefinition abgewichen ist und die Stichworte vielmehr nach ihrer Definition regelmäßig in ihren sozialen und wirtschaftlichen Gesamtzusammenhang einordnet. Somit handelt es sich hier um eine Mischung zwischen Lehrbuch und Lexikon.

So wird der Gender-Begriff nicht nur als "das durch soziale Strukturen geprägte Geschlecht" definiert und auf soziale Unterschiede zwischen Frauen und Männern verwiesen, sondern gleichzeitig kritisch beleuchtet, ob "Gleichstellung" an einem männlichen Leitbild zu orientieren ist und nicht an einem eigenen geschlechtsspezifischen Profil. Am Ende einer Begriffsdefinition und -erläuterung werden zumeist weiterführende Literaturhinweise zu den einzelnen Begriffen gegeben.

Grundlagenbegriffe wie

  • Altenhilfe,
  • Anspruchsgruppen,
  • (soziale) Berufe,
  • Betriebswirtschaft,
  • Budgetierung,
  • Case Management,
  • Change Management,
  • (soziale) Dienstleistungen,
  • Europäische Sozialpolitik,
  • Sozialwirtschaft,
  • Sozialmanagement,
  • Sozialgesetzbuch,
  • Sozialarbeit/Sozialpädagogik,
  • (sozialwirtschaftliche) Studiengänge,
  • Organisation,
  • Jugendamt und
  • Theoriebildung zu Sozialmanagement und Sozialwirtschaft bis hin zum
  • Zweckbetrieb

finden sich selbstverständlich und in der Regel ausführlich in diesem sozialwirtschaftlichen Lexikon wieder.

Darüber hinaus werden aktuelle Zeitgeistthemen wie

  • "KonTraG",
  • "Integrierte Versorgung" oder
  • "Fallgruppen" am Beispiel der DRGs

definiert und erläutert. Manchmal würde man sich mehr Schärfe in den Ausführungen wünschen (z. B. Fallgruppen), eine bekannte Gratwanderung zwischen der gebotenen Kürze und dem Anspruch auf angemessene Präzision bei der Lexikonerstellung. Andere Begriffe wie Corporate Governance geraten sehr ausführlich. Das "Persönliche Budget" findet man beispielsweise nur indirekt und sehr kurz unter "Budget".

Eine CD-Version oder ein zusätzliches Glossar könnte hier eine Begriffssuche über das Stichwortverzeichnis hinaus vereinfachen.

Der Ratingbegriff wird richtig dargestellt, sozialwirtschaftliche Bewertungsschwerpunkte wären hier jedoch wünschenswert.

Zielgruppe

Empfohlen werden kann das "Lexikon für Sozialwirtschaft" als Einstiegsliteratur und Nachschlagewerk insbesondere für

  • Studenten aller sozialwirtschaftlichen Studiengänge,
  • Fach- und Führungskräfte in sozialwirtschaftlichen Berufen.

Darüber hinaus können alle Interessierten sich hier schnell einen Überblick über eine sozialwirtschaftlich spezifische Fragestellung verschaffen.

So erscheint der Versuch hier bis auf einige Unschärfen bzw. teilweise zu umfangreiche Darstellungen gelungen, einen schnellen Überblick über die wichtigen Themen der Sozialwirtschaft einschließlich der Nennung weiterführender Literatur zu vermitteln.

Fazit

Dieses Lexikon mit Lehrbuchcharakter stellt einen weiteren Schritt dar, das Wesen der Sozialwirtschaft und angrenzender Fachdisziplinen besser und gezielter zu verstehen.


Rezensent
Prof. Dr. Bernd Schwien
Fachhochschule Nordhausen Sozialmanagement Finanzierung sozialwirtschaftlicher Organisationen


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Zitiervorschlag
Bernd Schwien. Rezension vom 20.01.2008 zu: Bernd Maelicke (Hrsg.): Lexikon der Sozialwirtschaft. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2007. ISBN 978-3-8329-2511-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4729.php, Datum des Zugriffs 28.04.2017.


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