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Wilfried Nodes (Hrsg.): Masterstudiengänge für die Soziale Arbeit

Cover Wilfried Nodes (Hrsg.): Masterstudiengänge für die Soziale Arbeit. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2007. 169 Seiten. ISBN 978-3-497-01910-6. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 34,70 sFr.

Herausgegeben vom Deutschen Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. (DBSH).
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Thema

In der Bundesrepublik Deutschland finden berufliche Qualifizierungen für soziale Berufe auf qualitativ sehr unterschiedlichen Ebenen und in hochgradig segmentierten Zuständigkeiten statt. Das Spektrum reicht von Kurzausbildungen, ein- oder mehrjährigen Fachschulbesuchen, Kollegabschlüssen mit Doppelqualifikation, Kursprogrammen von Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien bis hin zu Studiengängen an Berufsakademien, Fachhochschulen und Universitäten. Keineswegs als Vielfalt in der Einheit, sondern als weitgehend unverbundenes Nebeneinander realisieren sich die Angebote unterschiedlichster Träger und Interessengruppen; die in zahlreiche Einzelakteure zersplitterte Ausbildungslandschaft dokumentiert zugleich den in der Literatur häufig diskutierten semi-professionellen Charakter sozialer Berufe. Nach wie vor fehlt es diesen an einem gemeinsamen Professionsverständnis und einem Konsens, der intersubjektiv verbindliche Regeln und Standards über den Inhalt und den Verlauf der Ausbildung formuliert. Und ebenso fehlt es an einer fachlich anerkannten Definitions- bzw. Regelungsinstanz, die die Einhaltung solcher vereinbarter Standards überwacht und hierüber Einfluss auf die Berufszulassung ausüben könnte. Dass hierzu bisherige bürokratische Instanzen ungeeignet sind, dürfte weitgehend unumstritten sein.

An dieser Ausgangslage hat auch die Anfang der 1970er Jahre beginnende Akademisierung der Sozialberufe nur wenig geändert, denn dieser Reformprozess begrenzte sich im wesentlichen auf die Berufsgruppen der Sozialarbeiter/Sozialpädagogen sowie der Diplompädagogen. Für die Ausbildung sozialer Berufe bedeutsamer sind jedoch unverändert Berufsfachschulen, Fachschulen und Fachakademien. Es sind dies fast 700 Einrichtungen, die neben 192 akademisch angesiedelten Studiengängen, zum fachlichen Nachwuchs für sehr unterschiedliche soziale Berufe beitragen. Die Debatte zur Angemessenheit und Sinnhaftigkeit dieser segmentierten Ausbildungslandschaft wird seit mehreren Jahrzehnten geführt, verbunden mit der Forderung nach einer grundlegenden und akademisch basierenden Reform der sozialen Berufsausbildung. Expertisen und Vorschläge hierzu liegen in einer kaum noch zu übersehenden Zahl vor, gleichwohl haben diese an den genannten Grundproblemen bislang nur wenig ändern können.

Eine neue Ausgangslage ist allerdings seit Ende der 1990er mit dem Bologna-Prozess entstanden; dieser könnte durchaus mit der Chance einer substanziellen Hochschulreform verbunden sein. Denn mit der Einführung eines gestuften Studiensystems (Bachelor - Master - Doktorat) soll nicht nur eine stärkere Berufsorientierung des ersten Studienabschlusses (Bachelor) erreicht werden, sondern ebenfalls auch eine Gleichwertigkeit der Hochschulabschlüsse. Die bislang praktizierte unterschiedliche Bewertung von FH-Diplomen einerseits und Universitätsabschlüssen andererseits wird damit mit den neuen Hochschulgraden überwunden. Auch wenn von dieser Konvergenz die Promotion für die Fachhochschulen auch weiterhin ausgenommen ist und den   universitären Hochschulen vorbehalten bleibt, so führt die neue Studienstruktur erstmals zu einer schon lange geforderten Gleichwertigkeit der Hochschulabschlüsse. Zudem fordert der Bologna-Prozess eine weiterreichende Verzahnung mit beruflichen Qualifizierungen und deren Anschlussfähigkeit zu akademischen Studiengängen. Es ist dies eine Option, die zumindest für die bisherige Hochschulentwicklung in Deutschland unüblich war. Angesichts der heterogenen und zersplitterten Ausgangslage im Bereich der Qualifizierung für soziale Berufstätigkeiten sind diese neuen Rahmenbedingungen zu begrüßen, ermöglichen sie doch neue Gestaltungsspielräume für eine dringend notwendige Ausbildungsreform in diesem Bereich. Denn das durchschnittliche Qualifikationsniveau von sozialpflegerischen Berufen ist vergleichsweise gering. Nicht mehr als 14 % der Beschäftigten verfügen nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) über eine fachbezogene akademische Ausbildung. Und in besonders signifikanter Weise zeigt sich im Bereich der Frühpädagogik und Kindergartenerziehung ein im Vergleich zu anderen europäischen Ländern bestehender Nachholbedarf bei der akademischen Ausbildung sozialpädagogischer Fachkräfte. 

Wie sehr der Bologna-Prozess inzwischen diese tradierten Qualifikationsstrukturen von Sozialer Arbeit  in Deutschland tangiert, zeigt die hier besprochene Veröffentlichung. Deutlich werden substanzielle Veränderungen in der Ausgestaltung von Studiengängen der Sozialen Arbeit, die zwar in die prinzipiell richtige Richtung laufen, jedoch gerade wegen der damit auch einhergehenden Gefahr des schlichten Etikettenwechsels eines kritischen Monitorings bedürfen.

Autor und Hintergrund

Wilfried Nodes, Jahrgang 1957,  ist Dipl.-Sozialpädagoge und Diplom-Supervisor. Nach beruflichen Erfahrungen in der Beratungsarbeit, in interkulturellen Arbeitsfeldern, der politischen Bildung und Organisationsentwicklung, arbeitet er seit mehreren Jahren als Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim DBSH e.V. Hier ist er u.a. verantwortlich für die Zeitschrift "Forum Sozial". Neben seiner Tätigkeit als Referent des DBSH nimmt Wilfried Nodes Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen wahr.

Inhalt

Mit der vorliegenden Veröffentlichung werden für die Soziale Arbeit relevante Masterstudiengänge an deutschen Hochschulen vorgestellt und in übersichtlicher Form präsentiert. Erfasst sind Masterprogramme von staatlichen und kirchlichen (Fach)Hochschulen, inhaltsähnliche Studiengänge von privaten Hochschulen bleiben unberücksichtigt. Die Veröffentlichung gliedert sich in die Themenbereiche

  • Neue Studiengänge in der Sozialen Arbeit - Neue Chancen zur Professionalisierung
  • Übersicht der Studiengänge
  • Auswertung

Der erste Teil informiert in einem kurzen Textabschnitt über Bedingungen und Strukturen von Bachelor und Master, die Modularisierung des Studiums, der Akkreditierung, die Anschlussfähigkeit des Masterstudiums an das FH-Studium, die Anerkennung des Masterabschlusses als Zugangsvoraussetzung für den Höheren Dienst sowie die Möglichkeiten zur Pomotion. Ebenso werden Hinweise zur Erstellung der präsentierten Übersicht genannt. Mit kurzen Erläuterungen wird auf knapp 15 Seiten in das Thema eingeführt und ein erstes Orientierungswissen angeboten.

Kern und Hauptteil der Veröffentlichung bildet die Übersicht von Masterstudiengängen in Deutschland. Basierend auf einer im Sommer 2006 durchgeführten Befragung aller Fachhochschulen und Universitäten mit Studienangeboten der sozialen Arbeit sowie einer im vierten Quartal 2006 realisierten Internetrecherche werden im Rahmen von knapp 130 Seiten über insgesamt 111 die Soziale Arbeit betreffende Masterprogramme präsentiert. Die Darstellungen folgen einem einheitlichen Muster und enthalten Angaben zu folgenden Punkten: Anschrift, Studiengangskoordination, Abschlussbezeichnung (Diploma Supplement), Gebühren, Konsekutiv, Akkreditierung, Gutachten, Höherer Dienst, Semesterzahl, ECTS-Punkte, Module/Schwerpunkte, Zeitaufwand, Zugangsvoraussetzungen, Termine.

Der dritte Teil der Veröffentlichung kommentiert die vorliegenden Informationen unter ausgewählten Aspekten, lokalisiert fachinhaltliche Schwerpunkte der Studienangebote und befasst sich in kritischer Weise mit den Fragen  Preisgestaltung und Transparenz. Auf wenigen Seiten erfolgen erste skizzenhafte Anmerkungen, die zu einer intensiveren Beschäftigung motivieren sollen.

Erster und dritter Textteil sind versehen mit insgesamt 17 Tipps an den Leser und sollen diesem eine Orientierung und Bewertung der vorliegenden Informationen zu den Studiengängen ermöglichen. Einige Beispiele dieser Empfehlungen:

  • "Prüfen Sie, ob zu dem von Ihnen gewünschten Themengebiet nicht auch ein konsekutiver Masterstudiengang angeboten wird, der Ihnen den Abschluss zu wesentlich niedrigeren Studiengebühren ermöglicht." (S. 19)
  • "Ist Ihr Interesse an einem Masterstudiengang vor allem dadurch geprägt, dass Sie eine wissenschaftliche Laufbahn bzw. eine Promotion anstreben, überprüfen Sie, sofern das MA-Studium nicht an einer Universität erfolgt, ob die jeweilige Fachhochschule mit Lehrenden der Universität vernetzt ist oder ob Sie selbst in der Lage sind, entsprechende Kontakte zu einer Universität aufzubauen..." (S. 23)
  • "Prüfen Sie, ob in den Modulhandbüchern Auskunft über Lernbereiche gegeben wird, die wirklich relevant für Ihre Praxis sind." (S. 159)
  • "Begnügen Sie sich nicht mit bunten Faltblättern oder Werbebroschüren. Bitten Sie die Hochschulen nicht nur um eine Kopie des Modulhandbuchs, sondern auch um Studienplan, Studien und Prüfungsordnung, das (kommentierte) Vorlesungs-/Veranstaltungsverzeichnis und das Verzeichnis der Lehrenden, nebst Angaben zu deren Qualifikation und der von ihnen angebotenen Veranstaltungen. So können Sie auch herausfinden, ob das jeweilige Angebot von der gesamten Hochschule getragen wird oder ob nur ein oder zwei Lehrende nebst Umfeld das Studien gestalten." (S. 164)

Verbunden mit der präsentierten Übersicht der Studiengänge ermöglichen die Tipps eine kritische Bewertung aus der Sicht potentieller Interessenten und Bewerber. Dies ist auch dringend geboten, da sich nicht selten Studienangebote bei näherem Hinsehen eher als ein geschickt inszeniertes Aufspringen auf eine Modewelle erweisen, denn als seriöses und fachlich ausgewiesenes Studienangebot.

Zielgruppen und Fazit

Die insgesamt 169 Seiten umfassende Veröffentlichung richtet sich vor allem an Absolventen grundständiger Studiengänge, die an einem berufsbegleitenden oder konsekutiven Masterprogramm der Sozialen Arbeit interessiert sind. Hierfür bietet die vom DBSH vorgelegte Publikation einen aktuellen und informierenden Überblick und Entscheidungshilfen. Bedeutsam ist diese Veröffentlichung um so mehr, als es bislang an zusammenfassenden Übersichten zum "Master in der Sozialen Arbeit" fehlt. Die von Winfried Nodes akribisch verfasste Dokumentation schließt damit eine schon länger bestehende Informationslücke. Dass diese bislang bestehende Leerstelle mit berufspolitischem Interesse besetzt wird, ist erfreulich und markiert einen weiteren Schritt des DBSH, sich als berufspolitischer Fachverband zu profilieren.


Rezension von
Prof. Dr. Karl-Heinz Boeßenecker
bis 2009 Leiter des FSP Wohlfahrtsverbände / Sozialwirtschaft der Hochschule Düsseldorf; Prof. am Zentrum für Planung und Organisation sozialer Dienster, Universität Siegen; Prof. für Sozialmanagement an der Hochschule des DRK Göttingen (nicht mehr bestehend!); hauptamtlicher Dekan a.D./Vizepräsident und Professor für Verwaltungs- und Organisationswissenschaften an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW), Fakultät Wirtschaft und Soziales, seit 2011 im Ruhestand. Lehrbeauftragter an der Leuphana Universität Lüneburg. Nebenberuflicher Direktor am Institut für Zukunftsfragen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft – IZGS - der Evangelischen Hochschule Darmstadt, www.izgs.de. Inhaber und Leiter des Instituts für sozialwissenschaftliche Politik- und Organisationsberatung – ISP – Köln
Homepage www.izgs.de
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Zitiervorschlag
Karl-Heinz Boeßenecker. Rezension vom 02.06.2007 zu: Wilfried Nodes (Hrsg.): Masterstudiengänge für die Soziale Arbeit. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2007. ISBN 978-3-497-01910-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4738.php, Datum des Zugriffs 06.07.2020.


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