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Claudia Quaiser-Pohl, Heiner Rindermann: Entwicklungsdiagnostik

Cover Claudia Quaiser-Pohl, Heiner Rindermann: Entwicklungsdiagnostik. UTB (Stuttgart) 2010. ISBN 978-3-8252-2880-4. D: 21,90 EUR, A: 22,60 EUR, CH: 38,50 sFr.

Reihe: UTB M (Medium-Format).
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Autorin und Autor

Prof. Dr. Claudia Quaiser-Pohl ist Professorin für Entwicklungspsychologie und Psychologische Diagnostik an der Universität Koblenz-Landau.

Prof. Dr. Heiner Rindermann ist Professor für Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie an der TU Chemnitz.

Entstehungshintergrund

Im deutschsprachigen Raum liegen kaum und außerdem meist veraltete Bücher vor, die einen Überblick über verschiedene Aspekte der Entwicklungsdiagnostik bieten. Auch beschäftigen sie sich meist nur mit der Entwicklung bis zum Schuleintritt. Die Autoren des vorliegenden Bandes fassen den Entwicklungsbegriff weiter und berücksichtigen auch noch das Schulalter bis zur Sekundarstufe I.

Das Werk ist als Lehrbuch für Studierende der Psychologie, Pädagogik und Medizin, wie auch für interessierte Praktiker gedacht.

Aufbau

Teil I vermittelt die Grundlagen mit Angaben zu Definition und Intention von Entwicklungsdiagnostik, testtheoretischen Grundlagen und Angaben zur Gestaltung der Testsituation.

Der zweite Teil ist allgemeinen (Kapitel 4 und 5), der dritte Teil speziellen Entwicklungstests (Kapitel 6 bis 10) gewidmet und Teil IV beschäftigt sich mit Entwicklungsdiagnostik in verschiedenen Anwendungsbereichen (Kapitel 11 bis 14). Im Anschluss an jedes Kapitel wird weiterführende Literatur genannt.

Die Kapitel zu den verschiedenen Anwendungsbereichen nennen zunächst die Definition des betreffenden Konstrukts und beschreiben die grundsätzliche Zielsetzung zugehöriger Tests und deren Bedeutung für diagnostische Fragestellungen. Darauf folgen Erläuterungen zu weiteren grundlegenden Begriffen und schließlich die Vorstellung einiger ausgewählter Testverfahren, die die Autoren für einige Inhalte auch einer kritischen Bewertung unterziehen, was gerade für Leser, die sich informieren möchten, sehr hilfreich ist. Diese Angaben werden entweder durch Tabellen ergänzt, die eine Übersicht über gängige Verfahren (Abkürzung, Name, Inhaltsbereich, Durchführungszeit und Altersbereich) zum jeweiligen Bereich bieten oder es werden ausgewählte Tests für den jeweiligen Inhaltsbereich ohne weitere Informationen aufgeführt. Hier wäre gegebenenfalls eine zusätzliche Angabe, ob ein Test als veraltet zu betrachten ist, hilfreich. In den Tabellen sind die meisten der im deutschsprachigen Raum zur Verfügung stehenden Tests aufgeführt, damit sind allerdings leider auch viele nicht mehr als aktuell normiert und damit als nicht mehr zu empfehlen zu betrachten. Auf veraltete Normen wird nur in Zusammenhang mit den ausführlich vorgestellten Tests hingewiesen, sofern es diese betrifft.

Der Lehrbuchcharakter des Buches wird auch durch die Piktogramme in den Randspalten unterstützt. Das Nachschlagen zentraler Begriffe ermöglicht ein Glossar im Anhang.

Teil I- Einführung

Kapitel 1 (C. Quaiser-Pohl) nennt eine Definition von Entwicklungsdiagnostik und deren unterschiedliche Zielsetzungen, z. B. die Feststellung eines Entwicklungsstatus und dessen Veränderungen über einen bestimmten Zeitraum, die Feststellung von individuellen Veränderungsmustern, den Vergleich mit einer statistischen Norm oder einem ipsativen Maßstab zum Entwicklungsfortschritt eines Kindes. Auch zentrale Begriffe, wie das Entwicklungsalter (EA) und der Entwicklungsquotient (EQ), werden eingeführt.

Im zweiten Kapitel (H. Rindermann, Ch. Geiser) werden verschiedene Formen der Datenerhebung (Fragebögen, Verhaltensbeobachtung, unterschiedliche Formen von Tests, kurz vorgestellt. Die Grundlagen der Testentwicklung, die Testgütekriterien, sowie einige statistische und testtheoretische Kennwerte, das Raschmodell und die Grundannahmen der klassischen Testtheorie werden erläutert. Diese Angaben erscheinen angemessen und verständlich für Studierende der Psychologie, für Pädagogen sind sie eventuell zu knapp gehalten. Hier gilt es aber zu berücksichtigen, dass es sich nicht um ein Lehrbuch zur Testentwicklung oder Statistik handelt.

Teil II - Allgemeine Entwicklungstests

Das dritte Kapitel (C. Quaiser-Pohl) des Buches ist der Gestaltung der diagnostischen Situation gewidmet. Diese Hinweise sind ausführlich und anschaulich. In diesem Zusammenhang weisen die Autoren ausdrücklich auch darauf hin, welche Informationen Entwicklungstests nicht erbringen können und ebenso auf mögliche Fehlerquellen. Abschließend, auch dies ist hilfreich und sinnvoll, folgen Tipps zur Interpretation der mit einem Test erhobenen Daten. Die Autoren weisen hier auch auf mögliche typische Fehler hin.

In Kapitel 4 (C. Quaiser-Pohl) werden Screeningverfahren als Kurzverfahren zur Einschätzung des aktuellen Entwicklungsstandes und als Verfahren zur Früherkennung von Entwicklungsrisiken vorgestellt. Neben Screeningverfahren für das Säuglings- und Vorschulalter (Apgar-Index, Denver Scales) wird hier auch die Basisdiagnostik für das Vorschulalter (BUEVA) vorgestellt und kritisch bewertet.

Das fünfte Kapitel (C. Quaiser-Pohl, A. Köhler) beschäftigt sich mit Allgemeinen Entwicklungstests. Nach einer kurzen Erläuterung der verschiedenen Formen von Entwicklungstests, Stufenleiterverfahren, Testbatterien und Inventaren, und dem was sie an Information zum Entwicklungsstand ergeben, werden exemplarisch der Wiener Entwicklungstest (WET) und die Griffiths Entwicklungsskalen (GES) ausführlich vorgestellt und besprochen.

Teil III - Spezielle Entwicklungstests

In Kapitel 6 (H. Rindermann, V. Kwiatkowski) beschäftigen sich die Autoren mit Intelligenztests. Nach einer knappen Einführung in das, was verschiedene theoretische Ansätze und Autoren unter dem Konstrukt der Intelligenz verstehen, führen Rindermann und Kwiatkowski als Definition ein, dass Intelligenz aus ihrer Sicht „denkgestütztes Lösen von neuen Aufgaben und Problemen, schlußfolgerndes Denken, Abstraktion, Verständnis und Einsicht, Erkennen und Herstellung von Struktur und Bedeutung“ (S. 103) beinhaltet.
Im Weiteren arbeiten sie die Bedeutung von Intelligenz in westlichen Industriegesellschaften und die Bedeutung gesellschaftlicher Zusammenhänge für die Wahl der Testaufgaben heraus. In diesem Zusammenhang sprechen sie die Bedeutung der jeweiligen Vergleichsgruppe ebenso an wie das, was in einer Gesellschaft als wertvolle Fähigkeiten erachtet wird und weisen somit auf die Kulturabhängigkeit der Ergebnisse hin. Dazu gehören auch Verhaltensaspekte, neben der damit hochkorrelierten Schulleistung, auf die Intelligenz Einfluss nimmt.
Die Angaben zur Intelligenzdiagnostik beinhalten auch eine Tabelle mit üblichen statistischen Normmaßen für Intelligenz, die gerade für Adressaten, die erst beginnen sich mit diagnostischen Fragestellungen zu befassen, wie Studierende, oder seltener damit konfrontiert sind, wie in der Praxis stehende (Sonderschul-) Lehrer, hilfreich sein dürften.
Die besprochenen Intelligenztests sind: die Matrizentests von Raven (CPM, SPM und APM), die Grundintelligenztest Skala 1 (CFT 1), der Kognitive Fähigkeitstest - Kindergarten (KFT-K) und der KFT 4-12+R, der Hamburg Wechsler Intelligenztest für Kinder (HAWIK III), wobei es etwas erstaunt, dass der HAWIK-IV (2007) nur erwähnt wird, das Adaptive Intelligenzdiagnostikum 2 (AID 2) und die Kaufman Assessment Battery for Children (K-ABC).
Der sog. „Flynn-Effekt“ wird zwar in Zusammenhang damit, dass „die Höhe der Intelligenz nach der Normierung ein reines Abweichungsmaß relativ zu einer Vergleichsgruppe“ (S. 106) darstellt, erwähnt, seine Bedeutung für die unbedingt erforderliche Aktualität eines verwendeten Verfahrens aber leider nicht gesondert angesprochen. So weisen die Autoren auch nicht daraufhin, dass die Normen der K-ABC veraltet sind, auch wenn die überarbeitete, aber nicht neu normierte Auflage von 2001 dies nicht sofort erkennen läßt.
Dieses Kapitel schließt mit einem Absatz zur Förderung der Intelligenz, ein Aspekt der gerade aus Sicht der Sonderpädagogik von hoher Relevanz erscheint.

Kapitel 7 (C. Quaiser-Pohl, A. Köhler) ist den Tests der motorischen Entwicklung gewidmet. Nach einer einführenden Erläuterung der Bedeutung der motorischen Entwicklung für die kindliche Entwicklung insgesamt und der Intentionen der Diagnostik, werden drei ausgewählte Motoriktests vorgestellt und kritisch bewertet: der Körperkoordinationstest (KTK) (1974), die Lincoln-Oseretzky-Skala (LOS KF-18) (1974) und der Motoriktest für vier- bis sechsjährige Kinder (MOT 4-6) (1987). Dabei schneiden der KTK und die LOS KF 18 aus Sicht der Autoren nicht sonderlich gut ab. Der KTK wegen der veralteten Normen und die LOS KF-18 insbesondere wegen der fraglichen Objektivität. Das wirft die Frage auf, warum gerade diese Verfahren ausführlicher vorgestellt wurden und nicht z. B. auch das Diagnostische Inventar motorischer Basiskompetenzen bei lern- und entwicklungsauffälligen Kindern im Grundschulalter (2008), das etwa die selbe Altersspanne abdeckt, wie die LOS KF-18.

Im achten Kapitel (C. Quaiser-Pohl, A. Köhler) wird der Bereich der Sprachentwicklung behandelt. Die Autorinnen verfahren hier wie bei den Angaben zur motorischen Entwicklung. Nach einer differenzierten Darstellung der Komponenten der Sprache und des Verlaufs der Sprachentwicklung gehen sie auf Sprachentwicklungstheorien und in diesem Zusammenhang auch auf die mögliche Verschränkung der Sprach- mit der kognitiven Entwicklung ein.
Als Testverfahren werden der Heidelberger Sprachentwicklungstest (H-S E-T), der Teddy-Test, der Kindersprachtest für das Vorschulalter (KISTE) und der Psycholinguistische Entwicklungstest (PET) vorgestellt.

Das neunte Kapitel (W. Lehmann, I. Jüling) ist der Diagnostik mathematischer Fähigkeiten gewidmet. Neben der Entwicklung mathematischer Fähigkeiten vom frühesten Alter bis zur gymnasialen Oberstufe gehen die Autoren auch auf mögliche geschlechtsspezifische Unterschiede ein.
Der Osnabrücker Test zur Zahlbegriffsentwicklung (OTZ), der Eggenberger Rechentest 1+ - Diagnostikum für Dyskalkulie für das Ende der 1. Schulstufe bis zur Mitte der 2. Schulstufe (Ergebnisteil 1+), der Heidelberger Rechentest (HRT 1-4), das Rechenfertigkeiten- und Zahlenverarbeitungsdiagnostikum für die 2. bis 6. Klasse (RZD 2-6), der Deutsche Mathematiktest für dritte Klassen (DEMAT 3+), der Bruch- und Dezimalrechentest 6 (BDT 6), der Rechentest 9+ (RT 9+) und der Mathematiktest - Grundkenntnisse für Ausbildung und Beruf werden vorgestellt. Die Auswahl der vorgestellten Tests läßt die Frage naheliegend erscheinen, warum dieses Kapitel nicht unter Teil IV (Entwicklungsdiagnostik in verschiedenen pädagogisch-psychologischen Anwendungsbereichen) des vorliegenden Bandes aufgenommen wurde. Die Zusammenstellung legt einerseits den Schwerpunkt auf die Diagnose einer Teilleistungsstörung im Bereich der Mathematik (Dyskalkulie), bietet gleichzeitig aber auch einen Überblick über Verfahren, die bereits vor der Einschulung eingesetzt werden können (OTZ).

Den dritten Teil des Buches schließt das zehnte Kapitel (A. Born) zur Identitätsdiagnostik ab. Die theoretische Grundlage bildet hier der Ansatz und die Definition des Begriffs der Identität von Erikson und dessen Umsetzung in eine empirische Identitätsforschung von Marcia. Nach der Vorstellung beider Ansätze werden zunächst die daraus hervorgegangenen Interviewleitfäden, das Identity Status Interview (ISI) und das Flensburger Identitätsstatus Interview (FISI) ausführlicher vorgestellt. Das ISI ist insofern von Bedeutung, als es für zahlreiche weitere Verfahren als Grundlage diente. Im Weiteren werden folgende Fragebogen zur Identitätsentwicklung vorgestellt: der ADAMS-Fragebogen, die deutschen Übersetzungen des Ego Identity Process Questionaire (EIPQ), die Utrecht-Groningen Identity Development Scale (UGIDS) und der Identity Style Inventory (ISI- 3 und ISI-6G). Neben den erfaßten Inhaltsbereichen werden immer auch die Gütekriterien angesprochen. Alle Verfahren sind für das Jugend- und/oder (frühe) Erwachsenenalter ausgelegt.

Teil VI - Entwicklungsdiagnostik in verschiedenen pädagogisch-psychologischen Anwendungsbereichen

Kapitel elf (H. Rindermann, V. Kwiatkowski) beschäftigt sich mit der Schulfähigkeitsdiagnostik. Hier wird zunächst das Schulreifemodell von Nickel (1990) vorgestellt, demzufolge Schulfähigkeit als interaktionistisches Konstrukt zusammengesetzt aus den drei Teilsystemen Schüler, Schule und weitere Umwelten zu sehen ist. Darauf folgen eine ausführliche Beschreibung der Bedeutung der und zum Umgang mit der Schulfähigkeit im Rahmen des deutschen Schulsystems und Hinweise zu möglichen sinnvollen Modifikationen, wie auch Konsequenzen für Unterricht und Schulfähigkeitsdiagnostik.
Als Testverfahren zur Schulfähigkeitsdiagnostik werden vorgestellt: der Göppinger sprachfreie Schuleignungstest (GSS), der Kettwiger Schuleignungstest (KST), das Kieler Einschulungsverfahren (KEV), der Reutlinger Test für Schulanfänger (RTS) und der Beobachtungsbogen für Erzieherinnen zur Diagnose der Schulfähigkeit (BEDS).
Dieses Kapitel schließt mit einem Absatz zur Förderung und Prävention. Hier werden neben Trainingsprogrammen für spezielle Bereiche auch grundsätzliche Forderungen an Kindergarten und Schule benannt.

Inhalt von Kapitel 12 (K. A. Heller, H. Rindermann) ist die Hochbegabungsdiagnostik. Der Begriff der Begabung wird kritisch diskutiert. Hochbegabungsdiagnostik wird als abhängig vom Verwendungszweck, z. B. Zuweisung zu Förderprogrammen für spezifische Lerninhalte, beschrieben. Neben kognitiven müssen hierbei immer auch nichtkognitive Persönlichkeitsmerkmale berücksichtigt werden, z. B. auch in Zusammenhang mit Underachievern. Im Weiteren wird das Münchner Hochbegabungsmodell und die Münchner Hochbegabungstestbatterie (MHBT), die auf dem Modell basiert, vorgestellt. Methodische Probleme der Hochbegabungsdiagnostik, hier die Maßstabsproblematik und insbesondere mögliche Entscheidungsstrategien und Fehlerrisiken i. S. einer Über- oder Unterschätzung der Probanden, werden besprochen. Die Darstellung des „Modells sukzessiver Entscheidungsstrategien bei Hochbegabtendiagnostik“ (Heller 2000) rundet dieses Kapitel ab.

In Kapitel 13 (H. Rindermann, V. Kwiatkowski) zur Schulleistungsdiagnostik gehen die Autoren zunächst auf den Unterschied zwischen Schulleistung, ein eigentlich häufig falsch verwendeter Begriff, beinhaltet er doch die Leistung der Schule, und Schülerleistung ein. Determinanten von Schülerleistung bilden nicht nur die kognitiven Fähigkeiten, sondern auch zahlreiche andere nichtkognitive Variablen. Im Folgenden wird die Bedeutung des Konstrukts der Schülerleistung für lebensweltlich relevante Zusammenhänge beschrieben. In diesem Kontext gehen die Autoren auf Vor- und Nachteile von Lehrerurteilen und Leistungstests ein und plädieren für zentrale Abschlussprüfungen.
Die Zielsetzung und Informationsgewinnung durch Diagnostik von Schülerleistungen, mündliche und schriftliche Prüfungen, fächer- und/oder curriculumsnahe oder länderübergreifende Schulleistungstests wird dargestellt und folgende Testverfahren beschrieben: der Allgemeine Schulleistungstest für 2. Klassen (AST 2), der Hamburger Schulleistungstest für 4. und 5. Klasse (HST 4/5) und der Rechentest (RT 9+), weitere Verfahren finden sich als Auflistung. Diese können teilweise als veraltet gelten, dafür werden aktuelle gängige Verfahren, wie die Hamburger Schreibprobe (May 2010) nicht erwähnt. Internationale Studien zur Überprüfung der der schulrelevanter Fertigkeiten, TIMMS und PISA werden ebenfalls kurz angesprochen.
Das Kapitel schließt mit einigen Angaben zur Förderung, wobei eher allgemeine Voraussetzungen für einen erfolgreichen Schulbesuch genannt werden, nicht aber konkrete Fördermaterialien oder -ansätze.

Das letzte vierzehnte Kapitel (H. Rindermann, V. Kwiatkowski) ist der Diagnostik von Teilleistungsstörungen gewidmet. Die Definition erfolgt anhand der Kriterien des ICD-10 mit der sog. Normalitäts- und der Diskrepanzannahme, die im Anschluss kritisch diskutiert wird. Aktuelle Erklärungsansätze zu den Ursachen der Lese-Rechtschreib-Schwäche werden kurz vorgestellt.
Die Angaben zur Diagnostik nennen vor dem Hintergrund der Diskrepanzannahme die Notwendigkeit der Durchführung eines Intelligenztests. Im Weiteren gehen die Autoren kurz auf die Möglichkeiten ein, Schwierigkeiten bereits vor dem Schuleintritt zu erkennen und nennen in diesem Zusammenhang das Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese- und Rechschreibschwierigkeiten (BISC) und den Osnabrücker Test zur Zahlbegriffsentwicklung (OTZ). Ausführlicher werden der Zürcher Lesetest (ZLT), der Diagnostische Lesetest zur Frühdiagnose von Lesestörungen (DLF 1-2), der Salzburger Lese- und Rechtschreibtest (SLRT) und die Würzburger-Leise-Leseprobe (WLLP) für den Bereich der Schriftsprache und die Zareki R -Neuropsychlogische Testbatterie für Zahlenbearbeitung und Rechnen bei Kindern vorgestellt.

Auch dieses Kapitel schließt mit Angaben zur Förderung und Prävention.

Fazit

Das Buch von Quaiser-Pohl und Rindermann füllt für den deutschsprachigen Raum eine Lücke, da kaum aktuelle Publikationen vorliegen, die einen Überblick über entwicklungsdiagnostische Testverfahren bieten. Es ist gedacht als Lehrbuch für Psychologen, Pädagogen, Mediziner, wie auch für interessierte Praktiker und wird diesem Anspruch in weiten Teilen gerecht. Die übersichtliche Aufteilung nach diagnostischen Fragestellungen erlaubt dem Leser, sich auch nur mit dem jeweils interessierenden Inhalt zu beschäftigen und ermöglicht ihm dabei, sich einen Überblick über verschiedene diagnostische Verfahren zu unterschiedlichsten Fragestellungen zu verschaffen. Damit ist das Buch auch geeignet als eine Art „Nachschlagewerk“. Dazu tragen nicht zuletzt die Tabellen mit zusätzlichen Kurzinformationen zu Verfahren, die nicht besprochen wurden bei, die allerdings leider nicht für alle Inhaltsbereiche zur Verfügung stehen. In jedem Fall werden aber weitere Verfahren zu einem Inhaltsbereich genannt. Für einige Bereiche erfolgen zusätzlich Hinweise zur Prävention und zu konkreten Förderprogrammen. Die Angabe zu weiterführender Literatur ermöglicht eine Vertiefung der einzelnen Themen. Hervorzuheben ist nicht zuletzt das Kapitel zur Identitätsdiagnostik‚ da dieses Thema häufig ausgespart wird.

Für Studierende besonders hilfreich erscheint das Kapitel zur Gestaltung der diagnostischen Situation. Hier wird neben Hinweisen zu einer gelungenen Art und Weise der Testdurchführung explizit auch auf mögliche Fehler hingewiesen, was dazu beitragen kann, eben genau das zu vermeiden. Was die statistischen Kenntnisse des Lesers anbetrifft, setzen die Autoren allerdings vieles voraus, über das Pädagogen und Lehrer durch ihr Studium nicht verfügen dürften, und was auch durch die Angaben im zweiten Kapitel nicht kompensiert werden kann.
Die Auswahlkriterien für die detailliert vorgestellten Tests werden leider nicht genannt, dies erschiene um so hilfreicher, da nicht alle Verfahren als aktuell zu bezeichnen sind. In diesem Zusammenhang erschiene es sinnvoll, die Bedeutung der Aktualität der Normierung stärker zu betonen, denn es wird nicht immer auf veraltete Normen der besprochenen Testverfahren hingewiesen. Auch erfolgt nicht in allen Fällen eine kritische Bewertung der vorgestellten Testverfahren, die aber gerade für mit einem Test nicht vertraute Leser beziehungsweise Anwender sehr nützlich wäre.


Rezensentin
Dr. Inge Brachet
Gastprofessorin an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Diagnostik und Psychologie im Förderschwerpunkt Lernen
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Zitiervorschlag
Inge Brachet. Rezension vom 01.11.2010 zu: Claudia Quaiser-Pohl, Heiner Rindermann: Entwicklungsdiagnostik. UTB (Stuttgart) 2010. ISBN 978-3-8252-2880-4. Reihe: UTB M (Medium-Format). In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4747.php, Datum des Zugriffs 25.06.2019.


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