Suche nach Titel, AutorIn, RezensentIn, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Ute Wiegand-Fleischhacker: Jahrbuch für Frauenbeauftragte Jahrbuch 2007 Hessen

Rezensiert von Ute Wellner, 20.06.2007

Cover Ute Wiegand-Fleischhacker: Jahrbuch für Frauenbeauftragte Jahrbuch 2007 Hessen ISBN 978-3-8029-1550-5

Ute Wiegand-Fleischhacker: Jahrbuch für Frauenbeauftragte Jahrbuch 2007 Hessen. Hilfestellung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Walhalla Fachverlag (Berlin) 2007. 208 Seiten. ISBN 978-3-8029-1550-5. 19,90 EUR.
Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Kaufen beim socialnet Buchversand
Kaufen beim Verlag

Thema

Die Tätigkeit der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten ist vielfältig. Informieren und beraten nehmen einen grossen Teil ihrer Arbeitszeit in Anspruch. Die Themen sind dabei breit gefächert. Die Vorkenntnisse der Frauen variieren ebenfalls stark.  Der überwiegende Teil arbeitet sich selbst auch erst nach einer ersten Anfrage in die speziellen Fragestellungen ein. Gerade zu Themen wie Mutterschutz, Elternzeit und sich anschliessender Teilzeit sind viele Facetten in der Umsetzung möglich. Die Frauenbeauftragten sind in den inzwischen gut 20 Jahren, in denen es diese Funktion gibt, zu Expertinnen geworden. Zahlreiche Broschüren belegen das zusammengetragene Wissen. In vielen Behörden, aber auch im privatrechtlichen Bereich sind sie  diejenigen gewesen, die die Informationen, Gesetze, Verordnungen etc. zusammengeführt haben. Das Ergebnis sind diverse Merkblätter und Muster für Anträge die in vielen Verwaltungen inzwischen zum Standart gehören. Sicher ein Ergebnis der viel diskutierten Querschnittsaufgabe die eine Frauen- oder Gleichstellungsbeauftragte inne hat.

Ute Wiegand-Fleischhacker ist selber langjährig als örtliche Frauenbeauftragte in Hessen tätig gewesen. Das Inkrafttreten des hessischen Gleichberechtigungsgesetzes im Januar 2007 hat sie zum Anlass genommen, ein Jahrbuch zu verfassen. Sie hat hier zusammengefasst, was sie für ihre Praxis gesucht, erfragt, eben sich erarbeitet hat und diese Materie umfassend, anschaulich und praxisnah für andere aufbereitet.

Inhalt

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist das Thema. Im novelierten hessischen Gleichberechtigungsgesetz werden diese Regelungen auf eine breitere Basis gestellt als bisher (Kapitel 1). Neben familiengerechten Arbeitszeiten sind weitere Rahmenbedingungen den Beschäftigten anzubieten. Der Begriff ist auslegungsfähig. Für die Autorin ein Grund, ihr Wissen anderen Kolleginnen, aber auch weiteren Personen zur Verfügung zu stellen.  Rechtliche Regelungen

  • zum Mutterschutz,
  • zu Elterngeld und Elternzeit,
  • zu den Kindererziehungszeiten in der Alterssicherung,
  • zu Teilzeitbeschäftigung und
  • familienpolitscher Beurlaubung

greift sie auf, d.h. vom Wissen um das Bestehen einer Schwangerschaft bis zu Verrentung der in einem Arbeits- oder Dienstverhältnis stehenden Eltern. Neben einer kuzen Einführung in die jeweilige Problematik gibt es Checklisten, was zu beachten, zu erfragen oder zu überlegen ist. Die entsprechenden rechtlichen Regelungen werden erläutert, Auszüge aus den Bestimmungen z.T. direkt im Text eingefügt. Optisch gut erkennbar durch ein hinterlegtes Paragrafenzeichen entlang des Textes. Überhaupt ist das Buch gut visualisiert. Übersichten, Berechnungen oder Beispiele sind in Kästchen hervorgehoben. Praxistipps z.B. als solche gekennzeichnet und im Text grau hinterlegt. Beim Suchen springen einem diese Informationen ins Auge.

Viele Beispiele nennt die Autorin, wo nötig mit entsprechenden Berechnungen von Zeiten oder Geldleistungen. Daneben Hnweise und Praxistipps auch mit Quellenangaben zu Informationen oder Regelungen die im Internet abrufbar sind. In den hervorgehobenen Praxistipps fordert die Autorin immer wieder dazu auf,  bei Entscheidungen (Beispiel Arbeitszeitreduzierung oder Beurlaubungen) in die Zukunft zu gucken. Was bedeutet es heute aktuell für die berufstätige Mutter und welche Konsequenzen zieht die Entscheidung für eine längere Beurlaubung für die beschäftigte Frau nach sich? Ein weiteres Beispiel: Stichwort "Mindestversorgung". Bis zu welchem Prozentsatz an Reduzierung der Arbeitszeit gelten die Regelungen die eine Mindestversorgung gewähren?  Weiter, wie verhält es sich z.B. mit den Beihilferegelungen für Beamtinnen während ihrer Auszeiten? Sichtbar wird auch, dass es nicht grundsätzlich notwendig ist, sich aktuell für lange Zeiten des Ausscheidens aus dem Beruf festzulegen, sondern Anträge vor Ablauf der Zeit immer wieder neu zu stellen. Stichwort: Beurlaubungsvolumen im Auge behalten!

In der Regel startet Wiegand-Fleischhacker mit den Erläuterungen für die Beamtin, anschliessend ergänzt sie ihre Ausführungen um die tariflich Beschäftigte. Damit ist dieses Buch eine Ausnahme. In der Regel finden sich in den Veröffentlichungen umfangreiche Darstellungen zur Situation der Frau im Tarifverhältnis. Das Beamtenrecht wird nur verkürzt formuliert. Hier ist es umgekehrt. M.E. ein Grund das Buch anzuschaffen.

Seit Oktober 2005 gilt ein neuer Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der sogenannte TVöD. Er gilt für die kommunalen Verwaltungen. Dem seit November 2006 geltenden Vertrag für die Länder ist Hessen als eins von zwei Bundesländern nicht beigetreten. Hier fehlt ein deutlicher Hinweis überall dort, wo die entsprechenden neuen Regelungen nun angewendet werden müssen. Die parallele Darstellung von Alt und Neu wäre hilfreich. Insoweit müssen Leserinnen aus den anderen Bundesländern genau lesen und prüfen.

Ein weiterer Grund das Buch zu kaufen: Betroffene trauen sich gegenüber Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Fragen zu formulieren, die sie anderen "Amtspersonen so" nicht stellen. Ein Beispiel dafür: Was bedeutet eigentlich die Zahl 0,0833, wenn es um den Kindererziehungszuschlag beim Beamtenversorgungsgesetz geht? Das haben sich sicher schon einige Beamtinnen und Beamte gefragt, aber nicht nachgefragt! Ute Wiegand-Fleischhacker und ihren Kolleginnen trauten und trauen sich Beschäftigte "solche Fragen" zu stellen - und sie bekommen sie auch beantwortet. Die Antwort findet sich auf Seite 80 des Buches. Aus meiner Sicht ist das ein Phänomen, das die Funktion der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten ausmacht und das sich auch in diesem Buch findet.

Die in der Schnellübersicht im Kapitel  7 angekündigten Musteranträge sind umfassend und hilfreich. Das sich anschliessende "Gemeinsam zum Ziel" hat mich an dieser Stelle irritiert. Die Autorin geht noch einmal auf das Recht der Beteiligung der hessischen Frauenbeauftragten ein und gibt abschliessend fünf Empfehlungen im Umgang mit den entsprechenden Dienststellenleitungen. Dieser Ausflug zwischen Mustern und Gesetzen ist für mich ein Bruch in der sonst so klaren Systematik des Buches. Vor dem Einstieg in Kapitel 2 Rechtliche Regelung zum Mutterschutz hätte ich es als Motivation der "erfahrenen" Frauenbeauftragten an die Kolleginnen verstanden. Bei einer Neuauflage sollte darüber nachgedacht werden, ob es sicht nicht besser am Ende von Kapitel 1 einreiht.

Zielgruppe

Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte im öffentlichen Dienst, Personalverantwortliche und der Personalrat - nicht nur in Hessen. In anderen Bundesländern sind die konkreten gesetzlichen Norm zu prüfen. Zu beachten gilt auch, dass Hessen sich für die Landesbeschäftigten nicht dem neuen Tarifvertrag angeschlossen hat, der TVöD aber in den Kommunen gilt .

Fazit

Das Buch sollte jede Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, die mit diesen Themen umgehen muss, im Büro haben. Sicher ist an einigen Stellen (wie immer) Ergänzungsbedarf, aber m.E  handelt es sich um ein sehr empfehlenswertes Werk. Ich werde es auf meine Literaturliste für die zu schulenden Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten mit aufnehmen.

Rezension von
Ute Wellner
Juristin und Mediatiorin,freiberuflich tätig in Personaltraining, Fortbildung und Mediation. Arbeitsschwerpunkte: Arbeits- und Gleichstellungsrecht, Diskriminierung am Arbeitsplatz (sexuelle Belästigung, Mobbing, AGG)

Es gibt 21 Rezensionen von Ute Wellner.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Ute Wellner. Rezension vom 20.06.2007 zu: Ute Wiegand-Fleischhacker: Jahrbuch für Frauenbeauftragte Jahrbuch 2007 Hessen. Hilfestellung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Walhalla Fachverlag (Berlin) 2007. ISBN 978-3-8029-1550-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4755.php, Datum des Zugriffs 12.08.2022.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht