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Joachim Armbrust: Streit unter Geschwistern

Rezensiert von Michael Schnabel, 06.05.2008

Cover Joachim Armbrust: Streit unter Geschwistern ISBN 978-3-332-01937-7

Joachim Armbrust: Streit unter Geschwistern. So lösen Eltern erfolgreich Konflikte. Urania Verlag (Berlin) 2007. 128 Seiten. ISBN 978-3-332-01937-7. D: 12,95 EUR, A: 13,40 EUR, CH: 22,80 sFr.

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Thema

Jeder kennt sie – die biblische Erzählung von Kain und Abel. Die zwei Brüder geraten so heftig in Streit, dass Kain seinen Bruder Abel erschlug. Diese Erzählung wurde in der Psychologie oft aufgegriffen und als Urkonflikt zwischen Geschwistern interpretiert. So raue Sitten herrschen in der Regel heute nicht in unseren Kinderzimmern, aber Konflikte unter Geschwistern haben nichts an Aktualität eingebüßt. Denn grundsätzlich ist das Zusammenleben von Geschwistern mit Spannungen, Aggressionen und Konflikten durchsetzt. Für viele Eltern sind solche Auseinandersetzungen unter ihren Kindern sehr anstrengend und nervenaufreibend. Der Autor Joachim Armbrust bietet in seiner Veröffentlichung den Eltern Erklärungen und Hilfen, wie sie solche krisenhaften Zeiten mit ihren Kindern bewältigen können.

Aufbau ...

Die Veröffentlichung "Streit unter Geschwistern" reiht sich in die typischen Erziehungsratgeber ein. Sie macht die Entstehungsbedingungen und Auslösesituationen von Konflikten zwischen Geschwistern deutlich und zeigt Lösungswege, wie Eltern mit ihren Kindern Streitereien regeln können. Folgende Abschnitte erschließen das Thema mit all seinen Verknüpfungen:

  1. Die gemeinsamen Wurzeln von Geschwisterkindern
  2. Die familiäre Grundatmosphäre
  3. Die Geschwister
  4. Der Alltag und seine Konflikte
  5. Handlungsvorschläge für den Alltag.

... und Inhalt

Im ersten Abschnitt wird der Prozess des Zusammenwachsens eines Paares in der neu gegründeten Familie erläutert. Es müssen von beiden Partnern die aus den Herkunftsfamilien erworbenen Verhaltensweisen, Anschauungen und Wertvorstellungen diskutiert und zusammengeführt werden. Eine enorme und langwierige  Aufgabe! Noch dazu, weil die Ehepartner den Erfahrungen aus den eigenen Familien oft auch ambivalent gegenüberstehen und selbst erst ausgereifte Standpunkte finden müssen. Verschlimmert wird diese Ausgangslage noch dadurch, weil überkommende Werte und Einstellungen durch gesellschaftliche Veränderungen noch zusätzlich in Frage gestellt werden.

Solche Verhandlungen sind in jeder Familie für die Entwicklung von gemeinsamen Erziehungsvorstellungen und Rollenerwartungen grundlegend. Auf diese Weise sollen sich die Ehepartner eine Beziehungs- und Kommunikationskultur erarbeiten, die wiederum den Orientierungsrahmen für den Umgang miteinander vorgeben. Daher spricht der Abschnitt zwei Elemente einer familiären Grundatmosphäre an, die Konflikte und Krisen begünstigen oder auch verhindern können. So zum Beispiel Ideale und Werthaltungen, die für das Familienleben von Bedeutung sind, oder auch eine Familienstreitkultur und Vorstellungen von Leiblichkeit. Diese Orientierungspunkte tragen dazu bei, wie in Familien Konflikte angegangen und ob sie zu Erfolg versprechenden Lösungen führen werden.

Der dritte Abschnitt rollt die verschiedenen Aspekte der Geschwisterproblematik auf: Zunächst zeigt der Autor, welche Auswirkungen der Platz in der Geschwisterreihe für die Beziehungen in der Familie haben kann und wie diese Positionen Konflikte erzeugen. Weiterhin wird gezeigt, wie eine solche Zuordnung in den verschiedenen Lebensabschnitten der Kinder krisenhaft werden kann. Entlastung und zugleich Schwierigkeiten können durch unterschiedliche Bündnisse in den Familien entstehen; beispielsweise wenn sich Kinder gegen die Eltern, ein Elternteil und Kinder gegen den anderen Elternteil zusammentun, und Kinder untereinander Gruppen bilden.

Wie der Familienalltag mit Konflikten durchsetzt ist und wie Lösungen erreicht werden, zeigt der Abschnitt vier. Zunächst gibt der Autor Einblicke in die Vielgestaltigkeit von Konflikten unter Geschwistern. In einem umfangreichen Modell wird gezeigt, wie Eltern die Konflikte ihrer Kinder angehen und zufrieden stellende Lösungen erreichen können. Viele Beispiele zeigen konkret und praktisch, welche Verhaltensweisen eine Lösung anbahnen können und welche Reaktionen der Eltern eher Lösungen verhindern. Handlungsvorschläge für schwierige Situationen sollen die Eltern dazu befähigen, dass schon im Vorfeld Konflikte entschärft werden. Ein Modell in zwölf Schritten führt vor Augen, auf welchem Weg Konfliktlösungen zur Zufriedenheit aller Beteiligten zu erzielen sind.

Das abschließende Kapitel gibt viele Anregungen, wie das Familienleben harmonisch gestaltet werden kann und somit Konflikte unter Geschwistern erst gar nicht entstehen; beispielsweise das gemeinsame Spielen, Erzählen und Vorlesen, Rituale und ein regelmäßig durchgeführter Familienrat.

Diskussion

Im Stile eines Ratgebers für Eltern werden viele praktische Regeln, anschauliche Beispiele und Impulse für  eine weiterführende Reflexion geboten. Die Ausführungen sind klar und verständlich abgefasst und dürften sicherlich die Eltern zu Diskussionen anregen. Grundregeln für das praktische Verhalten sind besonders herausgestellt und farbig hervorgehoben. Die Ausführungen sind übersichtlich und klar gegliedert.

Der Autor ist bemüht komplexe Zusammenhänge und Beziehungsstrukturen in den Familien aufzuhellen, die Spannungen und Streit unter Geschwistern auslösen können. Dadurch werden die Ausführungen zur Familiensituation übertrieben umfänglich und der Leser muss sich erst durch die halbe Publikation durcharbeiten bis er zu den konkreten Fragen des Geschwisterstreits gelangt. Eine Fundierung der Aussagen durch wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Geschwisterforschung hätte der Veröffentlichung noch zusätzliche Überzeugungskraft verliehen. So bleiben die Überlegungen mehr im Bereich des Erfahrungswissens. Der sehr engagierte Leser findet in dieser Veröffentlichung auch keine weiterführenden Literaturangaben.

Moderne Ratgeberliteratur zeichnet sich durch eine ansprechende Aufbereitung aus. Leider fehlt diesem Praxisbuch die Anschaulichkeit, die Grafiken und Bilder erreichen könnten. Ein hochaktuelles Thema, das im Hemd daherkommt!

Fazit

Die Veröffentlichung zeigt Eltern Zusammenhänge und Hintergründe, wie sich Streit unter Geschwister einstellen kann, und zugleich werden Strategien deutlich, die Wege zur Konfliktlösung beschreiben. Durch viele Beispiele und praktische Anweisungen werden Eltern auf die konkreten Anforderungen im Familienalltag vorbereitet.

Rezension von
Michael Schnabel
Staatsinstitut für Frühpädagogik, München

Es gibt 45 Rezensionen von Michael Schnabel.

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Zitiervorschlag
Michael Schnabel. Rezension vom 06.05.2008 zu: Joachim Armbrust: Streit unter Geschwistern. So lösen Eltern erfolgreich Konflikte. Urania Verlag (Berlin) 2007. ISBN 978-3-332-01937-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4809.php, Datum des Zugriffs 02.12.2022.


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