Manfred Wolfersdorf: Depressionen verstehen und bewältigen
Rezensiert von Dr. med. Winfried Häuser, 22.07.2002
Manfred Wolfersdorf: Depressionen verstehen und bewältigen. Springer (Berlin) 2002. 3., neu bearbeitete Auflage. 164 Seiten. ISBN 978-3-540-42789-6. 16,95 EUR.
Einführung
Depressionen betreffen jeden. Jede 4. Frau und jeder 10. Mann erkrankt mindestens einmal in ihrem/seinen Leben an einer behandlungsbedürftigen Depression. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Leser selbst oder in seinem Familienkreis von der Erkrankung betroffen wird, ist daher groß. Bis zu 10% der Patienten in der hausärztlichen Praxis sind behandlungsbedürftig depressiv. Maximal der Hälfte der Depressionen werden jedoch in der hausärztlichen Praxis erkannt und nur ca. 25% angemessen behandelt. Im Zeitalter des "mündigen Patienten" sind daher Informationen über die Symptome eines Krankheitsbildes, seine Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene und Angehörige lebenswichtig. Dem Springer Verlag ist es gelungen, eine Reihe über die wichtigsten psychischen Störungen herauszugeben, in der Experten aus der therapeutischen Praxis einfühlsam und verständlich Verstehen und Bewältigung von psychischen Störungen wie Ängsten oder Depressionen fördern.
Aufbau und Inhalte
In den Kapiteln 1 bis 3 werden die typischen Symptome der Depression dargestellt. Im Kapitel 4 werden die Formen, in Kapitel 5 die Ursachen der Depression und in den Kapiteln 7-15 die Behandlungsmöglichkeiten (Medikamente; Psychotherapie; Verhalten von und gegenüber Ärzten, Angehörigen, Arbeitsgebern) aufgeführt. Das letzte Kapitel widmet sich der Frage, ob eine Depression auch positive Seiten haben kann. Das Buch schließt mit einem Anhang, in dem Depressionsstationen in Abteilungen für Psychiatrie und Psychotherapie in deutschen und schweizerischen Krankenhäusern aufgeführt sind sowie einem Überblick über die wichtigsten Psychopharmaka (Beruhigungsmittel, Antidepressiva und Schlafmittel).
Zielgruppen und Verwendungsmöglichkeiten
Das Buch wendet sich an Betroffene selbst, ihre Partner, Angehörigen, Freunde und Kollegen. Auch aufgrund zahlreicher Fallbeispiele ist das Buch gut lesbar und verständlich. Da sich die meisten Patienten mit körperlichen Beschwerden beim Hausarzt mit körperlichen Beschwerden vorstellen, eine körperliche Erkrankung befürchten und ihnen ihre Depression oft gar nicht bewusst ist, hätte ich mir als Internist und Psychotherapeut gewünscht, dass der Autor mehr auf die körperlichen Beschwerden der Depression und die Möglichkeiten der hausärztlichen Behandlung eingeht. Die Information über die Erkrankung, ihre Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten ist der erste Schritt der Therapie und der Hilfe zur Selbsthilfe. Das Buch ist kein Selbsthilfebuch auf der Basis der kognitiven Verhaltenstherapie, mit dessen Hilfe Betroffene eigenständig depressionsverursachende Gedanken und Verhaltensweisen erkennen und ändern können – der zweite mögliche Schritt in der Behandlung leichter Depressionen. Mittelschwer und schwer Depressive sind in der Regel nicht in der Lage, die Informationen des Buches aufzunehmen und bedürfen kurzer persönlicher Erklärungen durch den behandelnden Arzt.
Der Autor
Der Autor, Professor Dr. med. Manfred Wolfersdorf, ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin. Er ist Mitbegründer der ersten Depressionsstation Deutschlands (gegründet 1976) und zur Zeit ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Bayreuth. Er ist ein national und international anerkannter Depressions- Experte.
Fazit
Das Buch ist als Informationsbuch für Betroffene und Angehörige uneingeschränkt zu empfehlen. Es ist Bestandteil der Patienteninformationsbibliothek unserer Abteilung und sollte auf jeder psychiatrischen bzw. psychosomatischen Station und Praxis den Patienten und ihren Angehörigen zur Verfügung stehen.
Rezension von
Dr. med. Winfried Häuser
Facharzt für Innere und Psychotherapeutische Medizin – Spezielle Schmerztherapie
Krankenhausarzt in den Bereichen Innere Medizin, Psychosomatik und Schmerztherapie
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