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Virginia Bell, David Troxel u.a.: So bleiben Menschen mit Demenz aktiv

Cover Virginia Bell, David Troxel, Tonya M. Cox, Robin Hamon: So bleiben Menschen mit Demenz aktiv. 147 Aktivierungsvorschläge nach dem Best-Friends-Modell. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2007. 240 Seiten. ISBN 978-3-497-01905-2. D: 19,90 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 50,50 sFr.

Reinhardts Gerontologische Reihe - 41.
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Thema

Die Pflege und Betreuung Demenzkranker ist mittlerweile in den Pflegeheimen das zentrale Aufgabenfeld geworden. Im Bereich der Betreuung, Beschäftigung und Aktivierung Demenzkranker im Heim sind verschiedene Berufsgruppen involviert: Beschäftigungstherapeuten, Sozialpädagogen, Pflegende und in letzter Zeit zunehmend auch Mitarbeiter aus der Hauswirtschaft. Auch wird der Stellenwert der Betreuung Demenzkranker im Heimbereich unterschiedlich gewichtet. Während die Pflege eine Muss-Leistung darstellt, die zum Standardprogramm der Einrichtungen zählt, wird die Betreuung oft nachrangig eingeschätzt. Das hat u. a. auch zur Folge, dass eine Beständigkeit in der Betreuung in vielen Einrichtungen noch nicht die Regel ist. Je nach Personalbestand werden manchmal nur zwei oder drei Angebote pro Woche für diese Bewohnergruppe durchgeführt.  Auch hinsichtlich der Zielsetzung und Funktion der Betreuung liegen unterschiedliche Positionen vor. Ressourcen aktivieren, Wohlbefinden herbeiführen, Selbstvertrauen stärken, Trainingseffekte erzielen und einiges mehr, das sind oft die angeführten Gründe für die gezielte Betreuung Demenzkranker.

Das vorliegende Buch möchte in diesem Bereich durch eine Vielzahl konkreter Vorschläge und Beispiele Anregungen vermitteln. Die Hauptzielgruppe für diese Aktivitäten besteht aus der Gruppe der Demenzkranken vom Alzheimer-Typ im mittelschweren Stadium der Erkrankung (Seite 13).

Autoren

Virginia Bell arbeitet als Beraterin der Alzheimer-Gesellschaft in Lexington, Kentucky.

David Troxel ist Geschäftsführer der Alzheimer-Gesellschaft in Santa Barbara, Kalifornien. Tonya Cox ist mit Ausbildungs- und Weiterbildungsprogrammen der Alzheimer Gesellschaft von Kentucky / Southern Indiana beschäftigt. Robin Hamon arbeitet als Koordinatorin der Familienhilfe eines Alzheimerzentrums der Universität von Kentucky.

Inhalt

Die 147 Anregungen und Aktivitäten sind in neun Kapiteln untergliedert:

  1. "Zwischen strukturierten Zeiten zusammen sein"
  2. "Eine Lernatmosphäre schaffen"
  3. "Kreativ sein"
  4. "Etwas für andere tun"
  5. "Spiele und Gemeinschaftsaktivitäten"
  6. "Körperpflege als Aktivität"
  7. "Für Männer"
  8. "Zu Hause"
  9. "Aktivitäten am Abend"

Die Aktivierungsvorschläge umfassen das gesamte Spektrum der Interaktion, Kommunikation, Pflege, Gruppen- und Einzelbeschäftigungen. Auch Bastel- und Malangebote sind darunter, ebenso Themenzentrierte Sitzungen mit Bildungselementen wie Berufe, Militärdienst, Fahnen und Flaggen und Geld. Die Aktivierungsvorschläge sind einheitlich in folgende Abschnitte strukturiert:

  • Voraussetzungen mit dem Unterabschnitt Varianten,
  • die so genannte "Best-Friend-Methode" mit  Abschnitten wie Lebensgeschichte, Kunst und Kreativität, Humor und Musik.

Der Umfang eines Aktivierungsvorschlages beträgt ca. 1 ½ Seiten im Buch.

Kritische Würdigung und Fazit                                                                                   

Das Buch ist eine Fundgrube für Mitarbeiter des begleitenden oder sozialen Dienstes in Senioreneinrichtungen oder Seniorentagesstätten. Mit diesen vielen Aktivierungsvorschlägen kann ein ganzes Jahr und mehr Beschäftigung und Aktivierung angeboten werden. Doch nur für Senioren ohne kognitive Einschränkungen oder Demenzkranke im frühen Stadium der Erkrankung sind diese Angebote geeignet, denn sie setzen Kompetenzen voraus, die Demenzkranke im mittleren Stadium nicht mehr zu erbringen vermögen. Auch wären sie bei diesen Angeboten meist überfordert und im Stress, denn es werden ständig Fragen gestellt. Doch Demenzkranken im mittleren Stadium sollten keine Fragen mehr gestellt werden, denn zu diesen geistigen Leistungen, eine Frage zu verstehen und angemessen zu antworten, hierzu fehlt ihnen bereits das geistige Vermögen. Ein ideenreiches und faktenreiches Buch ist hier leider an der Zielgruppe der Demenzkranken im mittelschweren Stadium vorbei konzipiert worden. Es kann daher auch nicht für die Aktivierung in den Heimen empfohlen werden.


Rezensent
Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind
Gerontologische Beratung Haan
Homepage www.gerontologische-beratung-haan.de
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Zitiervorschlag
Sven Lind. Rezension vom 11.01.2008 zu: Virginia Bell, David Troxel, Tonya M. Cox, Robin Hamon: So bleiben Menschen mit Demenz aktiv. 147 Aktivierungsvorschläge nach dem Best-Friends-Modell. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2007. ISBN 978-3-497-01905-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4830.php, Datum des Zugriffs 13.11.2019.


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