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Bernd (Hrsg.) Maelicke: Veränderungsmanagement in der Sozialwirtschaft

Cover Bernd (Hrsg.) Maelicke: Veränderungsmanagement in der Sozialwirtschaft. Edition SocialManagement Band 14. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2000. 266 Seiten. ISBN 978-3-7890-6738-9. 40,00 EUR.
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Veränderungsdruck in der Sozialwirtschaft

Im September 1999 führten die BAG der freien Wohlfahrtspflege, die Bank für Sozialwirtschaft und der Nomos-Verlag in Kassel einen zweitägigen Kongress zum "Veränderungsmanagement in der Sozialwirtschaft" durch. Als Referenten traten Manager aus dem Nonprofit- und dem Profit-Bereich, Politiker, Berater und Hochschullehrer auf. Entsprechend heterogen fällt auch die von Bernd Maelicke herausgegebene Tagungsdokumentation aus.

Anlass der Tagung war der stetig wachsende Druck auf die Sozialwirtschaft: gewerbliche Konkurrenz, Umstellung der Finanzierung von Selbstkostenerstattung auf "angemessene" Entgelte, Rückgang öffentlicher Förderung sowie ständiger Wandel rechtlicher Rahmenbedingungen. Der Harmonisierungsprozess der EU beschleunigt diese Trends zusätzlich. Viele sehen diese Veränderungen als Bedrohung an, der man sich möglichst lange widersetzt. Doch einige Träger sehen auch die Chancen, die in vorausschauend gestalteten Anpassungsprozessen, ja bewusster Mitgestaltung der künftigen Marktverhältnisse liegen. Die Tagungsdokumentation beleuchtet sehr vielfältig die Aspekte der erforderlichen Veränderungen und ihrer planvollen Gestaltung.

Zahlreiche Facetten des Change Managements

Die Beiträge der AutorInnen reichen von dem wörtlichen Abdruck der Rede über wissenschaftliche Aufsätze mit Fußnotenapparat bis zu unkommentierten Folien. Inhaltlich reicht das Spektrum von der Auffassung der Bundesregierung (parlamentarische Staatssekretärin Dr. Edith Niehuis) zur Entwicklung der Branche über Sanierungserfahrungen der Lufthansa (Vorstandsmitglied Dr. Heiko Lange) bis zu aktuellen Entwicklungen in der Finanzierung sozialer Dienste (DPWV-Landesverband Berlin, Geschäftsführer Oswald Menninger). Auf einige interessante Artikel oder typische Aspekte wird hier kurz eingegangen.

Rainer W. Wieschollek von Ernst & Young ("Strategische Unternehmensplanung ist gefordert") führt fundiert in die Notwendigkeit und Verfahrensweisen der strategischen Planung ein. Der Beitrag zeigt, dass ein Transfer von Instrumenten und Sichtweisen aus dem Profit- in den Non-Profit-Bereich nicht so einfach ist. Für die erfolgreiche Organisation in der Sozialwirtschaft fordert der Autor größere Effizienz und höhere Qualität als bei dem Wettbewerber. Hier drängen sich zwei kritische Einwände auf:

  1. Es entspricht weder der praktischen Erfahrung noch ist dies theoretisch fundiert, dass eine höhere Effizienz bzw. Qualität für das Überleben erforderlich ist. Ganz abgesehen von Seibels Thesen zum "Funktionalen Dilettantismus" dürfte für den Fortbestand in den meisten Fällen eine durchschnittliche oder allgemeinen Standards genügende Qualität und Effizienz das Überleben sichern.
  2. In dem Aufsatz wird mit keinem Wort die Wertebasis der Wohlfahrtsverbände und ihrer Mitglieder erwähnt. Gerade im Rahmen der strategischen Planung spielt die Abwägung zwischen ökonomischen und ideellen Zielen bzw. die ökonomisch erfolgreiche Plazierung auf Grund ideologischer Differenzierung gegenüber dem Wettbewerber eine ausschlaggebende Rolle.

Bei der vorgestellte Umweltanalyse wären wichtige, für die Sozialwirtschaft typische Umweltsegmente zu ergänzen: u.a. Angehörige, Vermittler (z.B. einweisende Ärzte) und Mitglieder.

Dass die Diskussion in der Branche schon weiter ist, zeigen die beiden folgenden Beiträge. Dr. Albert Hauser vom Caritasverband München/Freising ("Den Wande gestalten - Das "Münchener Modell") beschreibt aus der Praxis einen Entwicklungsprozess, der auf breiter Beteiligung der Mitarbeiter aufbaute und seinen Ausgang in der wertegeleiteten Entwicklung eines Leitbildes hatte. Hervorzugehen sind bei dem Prozess die konsequente Umsetzungsorientierung und die laufende Prozessevaluation. Auch Dr. Bernd Maelicke ("Non-Profit-Organisationen im Übergang zu Sozialwirtschaftlichen Organisationen") betont, dass die sozialwirtschaftlichen Organisationen "weiterhin durch soziale und sozialpolitische Zielsetzungen und Rahmenbedingungen geprägt" sind.

Prof. Dr. Franz Peter Lang und Frank Thielemann ("Wissensmanagement und neue Informationstechnologien") behandeln einen weiteren wichtigen Aspekt der globalen Entwicklung, aber auch der konkreten betrieblichen Anforderungen in sozialen Organisationen. Zwar wird das Thema systematisch und kompetent aufbereitet, aber die Darstellung bleibt sehr theoretisch. Der Praktiker findet in den Ausführungen weder Beispiele noch konkrete Anwendungsbereiche, wie z.B. Intranet. Ein ergänzendes Anwendungsbeispiel wurde laut Mitteilung des Autors nicht in den Band übernommen.

Sehr konkret und von praktischen Erfahrungen geprägt stellt Dr. Dietrich Rometsch von der BFS Service GmbH ("Der Dritte Sektor als Gegenstand europäischer Politik") die Chancen und Konfliktpotentiale des europäischen Einigungsprozesses dar. Die sozialpolitischen Thesen verdienen unbedingt auch heute noch Beachtung.

Viele Änderungsprozesse werden durch meist externe Beratung begleitet. Dr. Berthold Becher ("Beratung bei Veränderungsprozessen sozialwirtschaftlicher Organisationen") stellt wichtige Aspekte für die Beraterauswahl dar. Welche Ziele verfolgt die Organisation? Soll der Berater ein Konzept erstellen oder einen Prozess begleiten? Handelt es sich um eine Krisensituation? Wie finde und beurteile ich geeignete Berater?

Fazit

Die Problematik jedes Tagungsbandes liegt in der Heterogenität der Beträge, die hier weder inhaltlich noch formal auf einander abgestimmt sind. Während der Kongressbesuch zwei Tage Zeit kostet, kann ein weniger relevanter Beitrag schnell überblättert werden. Jeder an politischen, betriebswirtschaftlichen und theoretischen Aspekten der strategischen Planung in sozialen Organisationen interessierte Leser wird sicher mehrere aktuelle und qualifizierte Beiträge finden. Die sehr unterschiedlichen Perspektiven sowie fachlichen Hintergründe der Autoren laden jedenfalls zum Blättern und Lesen ein.


Rezensent
Dipl.-Kfm. Christian Koch
Geschäftsführer der socialnet GmbH und selbständiger Unternehmensberater für Nonprofit-Organisationen
Homepage www.npoconsult.de
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Zitiervorschlag
Christian Koch. Rezension vom 01.04.2001 zu: Bernd (Hrsg.) Maelicke: Veränderungsmanagement in der Sozialwirtschaft. Edition SocialManagement Band 14. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2000. ISBN 978-3-7890-6738-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/49.php, Datum des Zugriffs 21.09.2017.


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