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Rolf Becker, Wolfgang Lauterbach (Hrsg.): Bildung als Privileg [...] Ursachen der Bildungsungleichheit

Cover Rolf Becker, Wolfgang Lauterbach (Hrsg.): Bildung als Privileg. Erklärungen und Befunde zu den Ursachen der Bildungsungleichheit. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2007. 2., aktualisierte Auflage. 439 Seiten. ISBN 978-3-531-34259-7. 39,90 EUR.

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Thema und erste Einschätzung

Dies ist ein Kompendium aller bildungssoziologischen Fragestellungen zum Problem der Bildungsungleichheit in der Bundesrepublik Deutschland. Ein umfangreiches und lesenswertes Werk, das für alle Fachleute und andere Interessierte eine Fülle von Fragestellungen, Daten, Fakten und Stand der Forschung bereit stellt.

Ein Ergebnis kann schon an dieser Stelle festgehalten werden: der Forschung bleiben eine Vielzahl von Fragen, die es noch zu untersuchen gilt. Ist doch die Datenlage unzureichend und unübersichtlich. Warum sich aber die Herausgeber fast entschuldigen, dass „über die Verteilung von Bildungschancen und über das Zusammenspiel von Bildungssystem, Bildungsstruktur und den Prozess des Erwerbs von Qualifikationen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen (warum nicht die Erwachsenen? KLK)“ (S.418) noch viel zu untersuchen gibt, bleibt eher unerfindlich. Die mangelnde Datenbasis wird ja vielleicht durch das groß angelegte nationale Bildungspanel und mit reichlich 60 Millionen Euro durch die Bundesregierung finanziert bis 2014 beseitigen. Das Panel soll als Längsschnittstudie misst die Kompetenzentwicklung im Lebenslauf und die Faktoren, die sie beeinflussen.

Aufbau und Inhalt

Geht man nun die einzelnen Beiträge des Bandes durch, dann ist es nicht verwunderlich, dass es natürlich Ungleichheiten gibt, die das Bildungssystem vorfindet (Familie, Lebenswelt), die es reproduziert (Selektion) und produziert (Strukturen).

Die Autoren widmen sich allen Aspekten, die hier im einzelnen nicht besprochen werden können. Auffallend ist jedoch das sehr unterschiedliche Quellen für die heran gezogenen Daten ausgewertet werden. Das trifft für die zitierte Literatur ebenso zu wie diverse Studien und amtliche Datenquellen.

  • So bezieht sich Hillmert in seinem Beitrag zur „Soziale(n) Ungleichheit im Bildungsverlauf“ auf die Westdeutsche Lebensverlaufsstudie.
  • Kreyenfeld greift auf Statistiken des statistischen Bundesamtes und den Mikrozensus in seinem Artikel zur „Soziale(n) Ungleichheit und Kinderbetreuung zu;
  • Becker und Lauterbach wiederum ziehen das Sozioökonomische Panel zu Rate, wenn sie den „Nutzen vorschulischer Erziehung und Elementarbildung“ untersuchen.
  • Solga und Wagner greifen auf Daten der Lebensverlaufsstudie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung zu, wenn sie das Thema der „Zurückgelassenen“ analysieren.
  • Diefenbach stützt sich auf Daten aus diversen OECD Studien.

Das heißt nun nicht, dass die anderen Autoren/innen keine Daten verwenden. Diese werden aber aus Sekundärquellen heraus gezogen. Anzumerken ist, dass eine nationale Bildungsberichterstattung erheblich erschwert wird dadurch, dass die unterschiedlichsten Datenquellen, die wenig kompatibel sind, kombiniert und analysiert werden müssen. Es wäre wünschenswert, einheitliche Datensätze zur Verfügung zu haben. Doch da ist noch eine weitere Hürde: der Bildungsföderalismus. Der ist aber nicht nur da eine Hürde. Man braucht ja nur die beispielsweise die Diskussion zur Reform des Übergangs von der Grund- in die diversen Sekundarschulformen zu verfolgen

Damit sind schon einige Beiträge des Buches genannt, Ergänzend sollen hier der Vollständigkeit halber die anderen Beiträge genannt werden.

  • Grundmann u.a. gehen in Ihrem Betrag der Frage nach, ob „Bildung als Privileg oder Fluch“ zu bewerten ist.
  • Becker untersucht den Zusammenhang von „Soziale® Ungleichheit von Bildungschancen und Chancengerechtigkeit“.
  • Diefenbach setzt sich auseinander mit „Bildungschancen und Bildungs(miss)erfolgen von ausländischen Schülern oder Schülern aus Migrantenfamilien im System“. schulischer Bildung.
  • Auch „der Beitrag von Schule und Lehrern zur Reproduktion von Bildungsungleichheit‘“ (Ditton) wird untersucht.
  • Konietzka beschäftigt sich mit der „Berufliche(n) Ausbildung und (dem) Übergang in den Arbeitsmarkt“.
  • Müller und Weber untersuchen die Beteiligung von Arbeiterkindern am Studium.
  • Schömann und Leschke tragen zum umfangreichen Katalog der möglichen Themen mit einer Reflexion zum „Lebenslangen Lernen und sozialer Inklusion“ bei.
  • Müller-Benedict steuert Gedanken zu den Folgen der Bildungspolitik für die Problematik bei.

Jeder Beitrag ist mit einem umfangreichen Literaturverzeichnis versehen, Interessierte Leser können so für eine intensive Beschäftigung mit einem Einzelthema auf die relevante Literatur leicht zurück greifen.

Fazit

So haben wir, wie bereits oben erwähnt, einen Reader, der viele wesentliche Aspekte der Bildungsungleichheit und ihrer Ursachen und Folgen sowohl grundsätzlich theoretisch wie auch empirisch analytisch beleuchtet. Das Ergebnis mag den interessierten Leser nicht überraschen: Es gibt sie, die Ursachen sind vielfältig, ebenso die Strategien und Ansätze des Umgangs damit, sei es nun das Zugangsgerechtigkeit und/oder die Ergebnisgerechtigkeit verbessert – optimiert? werden. Nicht hinweg diskutiert werden kann aber, dass die gesellschaftliche Realität ungleiche Chancen der Lebensverwirklichung bereit hält, ergo das Bildungssystem diese Ungleichheit nicht beseitigen kann – sie ist ihr vorausgesetzt -, auch nicht soll, denn die Selektion wird weiterhin eine seiner Funktionen sein. Es ist ein Manko des Buches, die Aspekte häppchenweise zu präsentieren. Alles kommt vor (s.o.)! Jedoch wird dieser Aspekt zwar angesprochen aber nicht weiter zu thematisiert. Dem wird auch nicht durch die umfassende Einleitung (die wäre fast ein eingenes Buch) und die abschließenden Überlegungen abgeholfen.


Rezensent
Prof. Dr. Karl-Ludwig Kreuzer
Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg
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Zitiervorschlag
Karl-Ludwig Kreuzer. Rezension vom 16.04.2009 zu: Rolf Becker, Wolfgang Lauterbach (Hrsg.): Bildung als Privileg. Erklärungen und Befunde zu den Ursachen der Bildungsungleichheit. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2007. 2., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-531-34259-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/4910.php, Datum des Zugriffs 18.10.2019.


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