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Sabine Gatz, Lioba Schäfer: Themenorientierte Gruppenarbeit mit Demenzkranken

Cover Sabine Gatz, Lioba Schäfer: Themenorientierte Gruppenarbeit mit Demenzkranken. 24 aktivierende Stundenprogramme. Juventa Verlag (Weinheim) 2002. 110 Seiten. ISBN 978-3-407-55867-1. 19,90 EUR, CH: 35,90 sFr.

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Zielsetzung

Bei dem vorliegenden Arbeitsbuch handelt es sich um einen Ideen- und Materialienband für Laien und gerontopsychiatrische Fachkräfte, die in der Familie oder Pflegeeinrichtung mit dementen alten Menschen arbeiten. Die Anregungen sprechen verschiedene Sinne und Erlebnisbereiche an, sie sollen die alten Menschen aktivieren und an spontan nicht mehr zugängliche Erfahrungen erinnern, sie von augenblicklichen Belastungen und Konflikten ablenken und ihnen "möglichst viel Wohlgefühl für den Augenblick" vermitteln (S. 15). Das Gemeinschaftserleben in der Gruppe könnte ein zusätzlicher Gewinn für die alten Menschen sein, wie die Autorinnen - als Diplom-Sozialpädagogin bzw. Diplom-Pädagogin seit Jahren in der gerontopsychiatrischen Arbeit tätig - selbst erfahren haben.

Inhalt und Aufbau des Buches

Das Buch versteht sich als Arbeitsheft, was durch das Din-A-4-Format und den systematischen Aufbau unterstrichen wird. Bewusst wurde auf eine theoretische Einführung in Ursachen und Symptomatik der Demenz oder Abgrenzung von Krankheitsbildern verzichtet. Im Mittelpunkt steht die Aktivierung der überwiegend alten und kognitiv eingeschränkten Menschen, denen der Zugang zum eigenen Erleben verlorengegangen ist und deren Leben von vielerlei Verlusten, Einschränkungen und Kränkungen bestimmt ist.

Jede konzipierte Stunde steht unter einem bestimmten Thema und wird in der Anleitung übersichtlich in "Vorbereitung - Stundenübersicht - Durchführung" gegliedert. Die Themen sind an das Alltagserleben der Zielgruppe angelehnt und beziehen sich etwa auf "Freundschaft" - "Kindheit" - "Tiere" - "Berufe". Durch die alphabetische Reihenfolge der Themen wird noch einmal deutlich, dass es sich hier nicht um ein festes Programm oder einen "Trainingskurs" handelt, sondern um eine Sammlung von themenbezogenen Ideen und Arbeitsanregungen, aus denen jede/r für seine Zwecke und Gegebenheiten etwas zusammenstellen kann. Die Autorinnen betonen (S. 13), dass der vorgeschlagene Stundenverlauf vor allem nach den Fähigkeiten und augenblicklichen Bedürfnissen der TeilnehmerInnen gestaltet werden und die Arbeit mit dementen Menschen von einer wertschätzenden, unterstützenden Grundhaltung getragen sein sollte.

Aufbau einer einstündigen Einheit: Ein festes Begrüßungs- und Einstiegsritual eröffnet die Stunde, dabei wird das Thema des Tages anhand von mitgebrachten Materialien vorgestellt. Es folgen variable Bausteine, die sich auf die Erfahrungsbereiche Sinnliche Wahrnehmung, Bewegung, Kultur und Wissen, Musik-Erleben und Biografie beziehen. Am Ende steht wiederum ein Abschlussritual.

Texte von Geschichten, Gedichten und Liedern sind vollständig angegeben, Bewegungsübungen leicht nachvollziehbar beschrieben. Zusätzlich geben die Autorinnen Hinweise für die Zusammensetzung von Gruppen und den Umgang mit häufig auftretenden Konflikten.

Kritische Beurteilung und Fazit

Die Idee, verschiedene Sinne, Erfahrungen und Gefühle durch die Beschäftigung mit unterschiedlichen Materialien und Anregung verschiedener Erlebensbereiche anzusprechen und die Einzelangebote durch ein gemeinsames Thema zu verknüpfen, gefällt mir gut. Damit wird ein Sinnbezug hergestellt, und durch Assoziationsketten werden mehr persönlich relevante Erinnerungen geweckt. Doch erscheinen mir viele der vorgeschlagenen Übungen und Texte recht anspruchsvoll und stellen meines Erachtens hohe Anforderungen an Konzentration, Ausdauer und insbesondere verbale Fähigkeiten. Auch wirkt das Vorgehen gelegentlich sehr stark gelenkt und aufgabenorientiert, ein Eindruck, der durch die Gesprächsbeispiele (häufig geschlossene Fragen, Wissens- und Zuordnungsaufgaben, Quizcharakter) noch verstärkt wird.

Ich könnte mir vorstellen, dass sich die Anregungen dieses Arbeitsheftes besser als in der Gruppensitzung für persönliche Einzelgespräche, Stärkung von Bindung und Vertrauen zur Betreuungsperson und für die Biografiearbeit nutzen ließen, wobei ich einen erzählenden, assoziativen und weniger leistungsorientierten Gesprächsstil bevorzugen würde.


Rezensentin
Prof.Dr. Almuth Künkel
Fachhochschule Düsseldorf, FB Sozialpädagogik
Dipl.-Psych., Professorin für Entwicklungs- und Alterspsychologie (2004 †)


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Zitiervorschlag
Almuth Künkel. Rezension vom 25.03.2003 zu: Sabine Gatz, Lioba Schäfer: Themenorientierte Gruppenarbeit mit Demenzkranken. 24 aktivierende Stundenprogramme. Juventa Verlag (Weinheim) 2002. ISBN 978-3-407-55867-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/492.php, Datum des Zugriffs 17.11.2019.


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