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Ishmael Beah: Rückkehr ins Leben. Ich war Kindersoldat

Cover Ishmael Beah: Rückkehr ins Leben. Ich war Kindersoldat. Campus Verlag (Frankfurt) 2007. 272 Seiten. ISBN 978-3-593-38264-7. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 34,90 sFr.

Originaltitel: A long way gone.
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Thema

Das Buch will zum einen den unvorstellbaren Schrecken des Krieges deutlich machen, den weltweit mehr als 250.000 so genannte Kindersoldaten tagtäglich erleben. Zum anderen zeigt es auf, wie ein junger Mensch diesen Horror überwinden und in ein normales Leben zurückfinden konnte.

Autor

Ishmael Beah, 1980 in Sierra Leone geboren, lebt heute in den USA, wo er 2004 einen Abschluss in Politikwissenschaft machte. Er arbeitet für Human Rights Watch.

Aufbau und Inhalt

Es ist ein beeindruckendes Buch, das der inzwischen 27-jährige Beah vorgelegt hat. Es ist ein retrospektives Buch in 21 Kapiteln. Es wurde in den USA geschrieben, wo er umfassende Hilfe in einer neuen Familie fand, ist durchdrungen von leidvollen Erinnerungen, schmerzhaften Erfahrungen und einem großen Verlust.

Ishmael Beah ist 12 Jahre alt, als ihn der Bürgerkrieg in Sierra Leone aus seiner kleinen heilen Kinderwelt herausreißt. Im ersten Kapitel findet der Leser diese kleine Dorfwelt beschrieben, die zwar keine heile, aber eine lebenswerte Welt für den Jungen und seine Familie darstellt. Mit dem 2. Kapitel setzt die Konfrontation mit den Geschehnissen im Rahmen eines Bürgerkrieges ein, die Seite für Seite erhellen, welche furchtbare Wirkung ein Kriegsgeschehen auf die betroffenen Menschen und hier speziell auf Kinder hat.

Als Leser/-in kann man nachvollziehen, wie der Junge über lange Zeit (vergeblich) versucht, seine Angehörigen wieder zu finden und in einer jetzt chaotischen Welt einfach nur zu überleben. Als er schließlich den "Regierungstruppen" in die Hände fällt, ist die Entwicklung zum Kindersoldaten vorprogrammiert. Es ist bedrückend zu lesen, wie alle diese Jungen von der "Armee" instrumentalisiert und zu "Kampfmaschinen" konditioniert werden, denen es auf den einen oder anderen Mord nicht mehr ankommt.

Mit 16 Jahren hat Beah das Glück, in ein von der UN unterhaltenes Rehabilitationszentrum aufgenommen zu werden. Ab dem Kapitel 16 kann nun mitverfolgt werden, welche kolossalen Anstrengungen es erfordert, sich wieder auf ein Leben einlassen zu können, welches nicht mehr von Gehorsam, Drogen und Kämpfen bestimmt ist. Es kostet Beah viele Anstrengungen, anderen Menschen wieder vertrauen zu können. Ein Glücksfall bringt ihn mit Menschen zusammen, die nicht nur an das Gute in ihm glauben, sondern ihm tatkräftig zur Seite stehen, damit er seine positiven Potenziale wieder spüren kann.

Diesen Menschen hat er zu verdanken, dass er 1996 als Gast einer UN-Kinderkonferenz nach New York fahren darf, wo er jene mütterliche Frau kennen lernt, die ihm später hilft, erneut nach Amerika ausreisen zu können, weil sie ihn adoptiert. Zurück in Sierra Leone versetzt ihn der wieder stärker aufflackernde Bürgerkrieg in Angst und Schrecken. Er verliert mit seinem Onkel die letzte Person, die ihm einen familiären Rückhalt bot und entschließt sich 1997, nach Guinea zu fliehen, von wo er mit Hilfe seiner neuen amerikanischen Mutter wieder nach Amerika gelangen kann. Dort gelingt es ihm in den nächsten Jahren mit familiärer und professioneller Unterstützung, die schrecklichen Erfahrungen des Bürgerkriegs aufzuarbeiten und die "Rückkehr ins Leben" zu realisieren.

Zielgruppen

Dieses Buch richtet sich an alle Personen, die nachempfinden wollen, was es heißt, nach einer langen Zeit von Gewalterfahrung und Unterdrückung wieder ein Mensch zu sein, der denken und fühlen kann. Es gehört speziell in die Hände all derer, die sich friedenspädagogischen Ideen verpflichtet fühlen und in ihrem Wirken mit Kindern und Jugendlichen einen Beitrag für eine friedlichere Welt leisten. Wünschenswert - aber wahrscheinlich unrealistisch - wäre, wenn viele Politikerinnen und Politiker dieses Buch zur Kenntnis nähmen. Sie sind es direkt und indirekt, die nicht genug tun, damit der Einsatz von sog. Kindersoldaten nachhaltig geächtet und weltweit unmöglich gemacht wird.

Fazit

Das Buch geht beim Lesen unter die Haut. Es ist spannend geschrieben, oft inhaltlich bedrückend. Seine großartige Aussage ist, dass es - unter günstigen Umständen - möglich ist, auch grauenvolle Erfahrungen zu verarbeiten und bewältigen zu können.


Rezension von
Prof. i.R. Dr. Peter Bünder
Vormals Hochschule - University of Applied Sciences - Düsseldorf, Lehrgebiet Erziehungswissenschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Homepage www.systemische-praxis-bruehl.de
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Zitiervorschlag
Peter Bünder. Rezension vom 08.11.2007 zu: Ishmael Beah: Rückkehr ins Leben. Ich war Kindersoldat. Campus Verlag (Frankfurt) 2007. ISBN 978-3-593-38264-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5010.php, Datum des Zugriffs 29.01.2020.


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