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Silke Breuninger, Judith Brönneke: Interkulturelle Kompetenz. Grundlagen und Erfassung

Cover Silke Breuninger, Judith Brönneke: Interkulturelle Kompetenz. Grundlagen und Erfassung. VDM Verlag Dr. Müller (Saarbrücken) 2006. 76 Seiten. ISBN 978-3-8364-0119-7. 42,00 EUR, CH: 67,00 sFr.
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Thema und Kontext

In der neuen Phase der Globalisierung des kapitalistischen Weltsystems zwingt die zunehmende Internationalisierung der Arbeits- und Personalstrukturen die Unternehmen zur kulturellen Sensibilisierung. Seit einer gewissen Zeit gehört die "interkulturelle Kompetenz" des führenden Personals zu den geschäftsanbahnenden und -fördernden "weichen" Faktoren. So achtet die Personalauswahl "verstärkt auf die interkulturelle Kompetenz der Bewerber, d. h. die Fähigkeit der Bewerber, sich in Kontaktsituationen mit fremdkulturellen Partnern adäquat verhalten zu können". Allerdings muss die geforderte interkulturelle Kompetenz auch gemessen werden können. Vor diesem Hintergrund zielt das vorliegende Buch darauf, ein "Messinstrument zur Erfassung interkultureller Kompetenz" (S. IV) vorzulegen. 

Aufbau und Inhalt

Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich primär um den Versuch, die psychologisch orientierte Theoriebildung von A. Thomas zur interkulturellen Kompetenz und zur Psychologie des interkulturellen Handelns so zu operationalisieren, dass in Anlehnung an Schulers Multimodales Interview Fragebögen für einen Test entwickelt werden, der schließlich erprobt wurde und mit dem die interkulturelle Kompetenz der Testpersonen festgehalten werden sollte.  Der Arbeit geht es vorwiegend um einen operationalisierbaren und messbaren Begriff von interkultureller Kompetenz, weniger um eine kritische Auseinandersetzung mit solcher Theoriebildung und der Annahme von "Kulturkreisen" (S. VII). Dies geschieht mit folgendem Aufbau der Kapitel:

  • Stand der Forschung
  • Entwicklung eines multidimensionalen Messinstruments zur Erfassung interkultureller Kompetenz
  • Validierung
  • Das Kapitel IV scheint als "Zusammenfassung" gleich hinter das Inhaltsverzeichnis gerutscht zu sein und
  • Diskussion

Diskussion und Bewertung

Die vorliegende Arbeit eignet sich mit Sicherheit als ein "vielversprechendes Instrument zur Auswahl und Entwicklung von Personal" (S. 75) und / oder von "Fach- und Führungskräften für den Auslandseinsatz" (S. 67) einer eurozentristischen Welt, die in ihrem Verhältnis zu den anderen Kontinenten immer schon kulturalisierend vorging und auch nach Aufenthalten außerhalb Europas wiederum immer schon das bestätigt fand, was sie an Vorurteilen auf die Reise mitgenommen hatte. Um nur einige Beispiele aus der vorliegenden Arbeit aufzuführen, die für die kulturspezifischen Testteile ohne weitere Erörterung auf der Grundlage eines höchst fragwürdigen Kulturraummodells von Lewis das Land Brasilien auswählt, eines Kulturmodells, das "die größte kulturelle Distanz für einen Deutschen zu den Kulturräumen Asiens und Lateinamerikas" (S. 23) behauptet:  Der Wissenstest als Teil des multimodalen Messinstruments zur Erfassung interkultureller Kompetenz wird "theoretisch" aus vielen Reiseführern "entwickelt." Zudem waren "zusätzlich die Internetseiten des Auswärtigen Amtes hilfreich"  (S. 25). Auf dieser Grundlage wird dann ein Kulturraum Brasilien konstruiert, den man befragen kann: "Wie heißt das Nationalgericht Brasiliens?" (Was heißt eigentlich Nation im Falle Brasiliens?) oder "von wem wurde Brasilien im Jahre 500 entdeckt?" (Was heißt eigentlich "Entdeckung"?) und selbstverständlich immer im Vergleich zu Deutschland "Wie viele Einwohner hat Brasilien in etwa im Vergleich zu Deutschland" (S. 26-27). Für den situativen Fragebogen wird eine "kritische Interaktionssituation" ausgewählt: "Der Deutsche Kevin verabredet sich mit seiner brasilianischen Freundin Juliane zum gemeinsamen Kochen." Siehe da, Juliane ist "unpünktlicher, als man das in Deutschland kennt" (S. 31-30). Für die Auslandsmotivation werden sechs Motivationstypen konstruiert, die ich aus Platzgründen nicht weiter kommentieren möchte: "Der Legionär, der Karrierist, der Abenteurer, der Neugierige, der Flüchtling und der Global Player" (S. 38f). Um nur den Legionär zu nehmen, den finanzielle Anreize und die Aussicht auf mehr Selbständigkeit im Ausland locken sollen: "Der Motivationstyp 'Legionär' kam deutlich häufiger in der Stichprobe der Experten" vor (S. 72). Das passt doch vortrefflich...

Fazit

Das Buch sei denen empfohlen, die "Fach- und Führungskräfte" für den Einsatz im Ausland auswählen müssen.


Rezension von
Prof. Dr. Gazi Caglar
Professor an der Fakultät für Soziale Arbeit und Gesundheit der HAWK Hildesheim / Holzminden / Göttingen
Homepage www.fh-hildesheim.de/FBE/FBS/PCaglar.htm
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Zitiervorschlag
Gazi Caglar. Rezension vom 18.12.2007 zu: Silke Breuninger, Judith Brönneke: Interkulturelle Kompetenz. Grundlagen und Erfassung. VDM Verlag Dr. Müller (Saarbrücken) 2006. ISBN 978-3-8364-0119-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5018.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


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