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Udo Kuckartz, Thorsten Dresing u.a.: Qualitative Evaluation

Cover Udo Kuckartz, Thorsten Dresing, Stefan Rädiker, Claus Stefer: Qualitative Evaluation. Der Einstieg in die Praxis. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2007. 119 Seiten. ISBN 978-3-531-15366-7. 12,90 EUR.
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Thema

Qualitative Forschung scheint in vielen Bereichen an Bedeutung zu gewinnen. Die strikte Trennung quantitativer und qualitativer Methoden weicht sich zunehmend auf und macht Platz für ein integratives Methodenverständnis im Sinne der Mixed Methods (Creswell & Plano Clark, 2007). Entsprechend dieser Entwicklung zeigt das Buch "Qualitative Evaluation. Ein Einstieg in die Praxis." Möglichkeiten der Kombination quantitativer und qualitativer Evaluation in der Bewertung universitärer Lehre auf. Dabei wird die detaillierte Beschreibung qualitativer Evaluation fokussiert und ein überzeugender Beleg für ihren "Mehrwert" (S. 19) geliefert.

Entstehungshintergrund

Im Zuge der Jahrestagung der Gesellschaft für Evaluation (DeGEval) 2005 entstand die Idee für das vorliegende Projekt. Die Ziele für die qualitative Evaluation - praxisnahe Darstellung, Zeitbudgetierung in einem vertretbaren Rahmen - wurden bereits damals festgelegt. Universitäre Lehre als Evaluationsgegenstand sollte dabei möglichst viele Kolleg/-innen aufgrund eigener Erfahrungen und der starken Präsenz der Thematik ansprechen.

Aufbau und Inhalt

Die Autoren unterteilen das Buch in 6 Kapitel.

Kapitel 1 führt in das Evaluationsvorhaben ein: Die Idee, die quantitative Evaluation einer universitären Lehrveranstaltung durch eine qualitative zu ergänzen, wird vorgestellt. Argumente wie Gegenstandsangemessenheit, vertieftes Verständnis für den Forschungsgegenstand oder Methodenmix finden Eingang in ein Plädoyer für qualitative Evaluation. Durch die Festlegung des Zeitbudgets auf 100 Stunden soll ein Beleg dafür erbracht werden, dass qualitative Evaluation auch mit überschaubarem Aufwand zu bewerkstelligen ist.

Kapitel 2 stellt "Step by Step" die sieben Schritte qualitativer Evaluation vor:

  1. Zu Beginn wird der Evaluationsgegenstand - die universitäre Lehrveranstaltung - festgelegt und beschrieben. Die Evaluation bezieht sich einerseits auf das individuelle Lernverhalten der Studierenden und Verbesserungsvorschläge für die Lehrveranstaltung, andererseits soll sie Aufschluss darüber geben, welchen "Mehrwert" die qualitative Evaluation hat.
  2. Im zweiten Schritt werden die Instrumente erläutert: Die Entwicklung eines Interviewleitfadens sowie eines standardisierten Kurzfragebogens wird intersubjektiv nachvollziehbar dargestellt.
  3. Schritt 3 beschäftigt sich mit der Phase der Datenerhebung: Das Vorgehen bei der Rekrutierung der Interviewpartner/-innen, der Durchführung und Aufnahme der Interviews wird erklärt. Empfehlungen für die Auswahl des adäquaten Aufnahmegerätes und für die Transkription finden Eingang in diesen Abschnitt, an einem Beispiel wird die praktische Umsetzung verdeutlicht. Auch hilfreiche Hinweise für den Import der Texte in MAXQDA werden gegeben. Wie man die Variablen aus dem Kurzfragebogen im Analyseprogramm zu den Verbaldaten ergänzen kann, ist ebenso detailliert nachzulesen.
  4. Eine erste Datenexploration sowie fallweise Zusammenfassungen als Grundlage für die Diskussion im Evaluationsteam werden im Schritt 4 behandelt.
  5. Schritt 5 steht ganz im Zeichen der Erstellung des Kategoriensystems für die Kodierung der Interviews: Die Entwicklung der Kategorien wird unter der Prämisse der Nachvollziehbarkeit genau geschildert, unterschiedliche Möglichkeiten der Kodierarbeit in Teams werden präsentiert und das gewählte Vorgehen genau beschrieben.
  6. Im sechsten Schritt wird die Frage, wie man von den kodierten Interviewsequenzen zu dem Text für den Evaluationsbericht kommt, beantwortet. Dabei werden hilfreiche Tools des Auswertungsprogramms MAXQDA (z.B. Liste der Codings, Visualisierungstools) ins Treffen geführt.
  7. Zum Abschluss (Schritt 7) werden die Ergebnisse in Hinblick auf die Evaluationsziele diskutiert. Verbesserungsmaßnahmen werden abgeleitet und hinsichtlich ihrer Realisierbarkeit besprochen. Der Fertigstellung des Evaluationsberichts und der Rückmeldung an den Lehrveranstaltungsleiter wird ebenso Raum gegeben.

Das zweite Kapitel mit der Darstellung der 7 Schritte qualitativer Evaluation stellt gewiss das Kernstück des Buches dar. Es glänzt nicht nur durch starke Praxisorientierung, sondern auch durch hilfreiche Literaturhinweise zu jedem einzelnen Schritt.

Kapitel 3 widmet sich ganz dem Thema des "Mehrwerts" qualitativer Evaluation: Zu Beginn werden die Ergebnisse der quantitativen Evaluation, an der alle Studierenden teilnehmen konnten, vorgestellt und kritisch diskutiert. Eingehend wird der Mehrwert der qualitativen Evaluation beschrieben und mittels Mind Map visualisiert. Ausgehend von dem Anwendungsbeispiel der Evaluation universitärer Lehre werden weitere mögliche Felder, in denen qualitative Evaluation Eingang finden sollte, aufgezeigt.

Kapitel 4 ermöglicht einen detaillierten Einblick in das beschriebene Evaluationsprojekt: Es bietet eine Nachlese besonderer Art - ein transkribiertes Interview, ein kodiertes Interview sowie Ergebnistexte sind hier dargestellt.

Kapitel 5 liefert eine Zusammenschau von unterschiedlichen Literaturquellen und Internetseiten zum Thema Evaluation.

Kapitel 6 stellt die 7 Schritte qualitativer Evaluation inklusive der einzuplanenden Zeitressourcen in Form einer Checkliste dar - ein hilfreiches Werkzeug für jene Leser/-innen, die ein qualitatives Evaluationsprojekt planen und realisieren wollen.

Zielgruppen

Laut den Autoren richtet sich das Buch vorrangig an Personen, die selbst eine qualitative Evaluation realisieren wollen. Das Werk ist ein idealer Leitfaden für Evaluationsvorhaben im Bereich der Sozialwissenschaften, potentielle Anwendungsfelder sind beispielsweise Bildung, Gesundheit oder auch Umwelt. Die Darstellung qualitativer Evaluation anhand des Beispiels der universitären Lehrevaluation macht das Buch zu einem wertvollen Input für Maßnahmen des Qualitätsmanagement an Hochschulen.

Fazit

Das Buch zielt darauf ab, qualitative Evaluation von der Festlegung der Evaluationsziele bis zur Berichtslegung mit hohem praktischem Bezug darzustellen. "Berührungsängste" werden durch die präzise Beschreibung aller Schritte abgebaut. Die Festlegung des Zeitbudgets auf 100 Stunden und die Angabe der einzuplanenden Zeitressourcen für die einzelnen Evaluationsschritte nehmen Kritiker/-innen, die qualitative Evaluation als zu zeitaufwändiges Unterfangen bezeichnen, den Wind aus den Segeln. Ein Buch, das Mut zur qualitativen Evaluation macht!

Literatur

  • Kuckartz, U., Dresing, T., Rädiker, S. & Stefer, C. (2007). Qualitative Evaluation. Ein Einstieg in die Praxis. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Creswell, J. W. & Plano Clark, V. L. (2007). Designing and conducting mixed methods research. Thousand Oaks: Sage.

Rezension von
Dr.in Eva Brunner
Mag.a, Arbeitspsychologin
Professur für Angewandte Sozialwissenschaften, Studienbereich Gesundheit und Pflege, Fachhochschule Kärnten
Homepage www.fh-kaernten.at


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Zitiervorschlag
Eva Brunner. Rezension vom 25.02.2008 zu: Udo Kuckartz, Thorsten Dresing, Stefan Rädiker, Claus Stefer: Qualitative Evaluation. Der Einstieg in die Praxis. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2007. ISBN 978-3-531-15366-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5025.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


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