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Daniel Walter, Christiane Rademacher u.a.: Grundlagen der Selbstmanagementtherapie bei Jugendlichen

Cover Daniel Walter, Christiane Rademacher, Stephanie Schürmann, Manfred Döpfner: Grundlagen der Selbstmanagementtherapie bei Jugendlichen. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2007. 158 Seiten. ISBN 978-3-8017-1901-2. 44,95 EUR, CH: 72,00 sFr.
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Selbstmanagementtherapie

Selbstmanagementtherapie ist eine Methode der Verhaltenstherapie. Seinem Begründer Frederick Kanfer ging es dabei weniger um die Anwendung bestimmter Selbstregulationsmethoden, sondern um eine generelle Therapeutenhaltung und ein 7-phasiges Prozessmodell für die systematische Umsetzung von Veränderungen in die Praxis. Die Methode der Selbstmanagementtherapie wird zum Fundament eines Therapieprogramms, das es erlaubt, sowohl spezielle Grundlagenprobleme bei der therapeutischen Arbeit mit Jugendlichen sowie individuelle Schwierigkeiten der Heranwachsenden zu bearbeiten.

Verhaltenstherapie im systemischen Kontext

Die vier Autoren/-innen/Herausgeber/-innen Daniel Walter, Christiane Rademacher, Stephanie Schürmann und Manfred Döpfner gehören zu einer Forschungsgruppe, die sich mit der Entwicklung und Evaluation des Therapieprogramms für Jugendliche mit Selbstwert-, Leistungs- und Beziehungsstörungen (SELBST) beschäftigen. Das Programm ist Resultat und logische Konsequenz jahrelanger Arbeit mit Jugendlichen in der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität zu Köln. Aus diesem reichhaltigen Erfahrungshintergrund entsteht ein Interventionsansatz, der verhaltenstherapeutische Grundlagen im systemischen Kontext der Familien, Peer Groups und schulischen Institutionen zu implementieren sucht.

Aufbau

Makroebene. Das Therapieprogramm folgt einem modularen Aufbau mit einem festen Rahmen und variablen Interventionsbausteinen. Band 1 vermittelt dem/der interessierten Leser/-in das 7-phasige Prozessmodell der Selbstmanagementtherapie in Anlehnung an Kanfer. Es stellt damit den sowohl theoretischen, als auch praktischen therapeutischen Rahmen da. Band 2-5 beinhalten die variablen Interventionsbausteine (Leistungsprobleme, Familienprobleme, Gleichaltrigenprobleme und Selbstwertprobleme).

Mikrobene. So vielfältig wie die problematischen Situationen von Jugendlichen sind, so umfangreich sind die notwendigen Informationen zur Durchführung des Therapieprogramms SELBST. Das Buch wurde daher in 3 Kapitel strukturiert.

  • Das 1. Kapitel umfasst organisatorische Grundlagen (wie z.B. diagnostische Einordnung [ICD-10], Indikationen, Setting und Struktur der Sitzungen etc.)
  • Das 2. Kapitel beinhaltet das Therapiemanual für den Rahmen des Programms.
  • Das 3. Kapitel stellt, neben den vielen praktischen Kurzbeispielen in Kapitel 1 und 2, den Fall "Mirko" und "Fabian" ausführlich dar.

Zum Inhalt des 1. Kapitels

In diesem Kapitel werden Hintergrundinformationen und theoretische Grundlagen von SELBST vermittelt. Das Programm setzt sich auf der vertikalen Ebene aus der Selbstmanagementtherapie von Kanfer zusammen:

  1. Screening der Eingangbeschwerden, Beziehungsaufbau, Informationsvermittlung
  2. Multimodale Diagnostik, Probleme & Kompetenzen, Belastungen & Ressourcen
  3. Problemanalyse, Erarbeitung eines Störungskonzeptes
  4. Zielanalyse, Stärkung der Änderungsmotivation, Interventionsplanung
  5. Durchführung von Interventionen
  6. Zwischenevaluation, Zielerreichung
  7. Stabilisierung, Rückfallprävention

Auf der horizontalen Ebene umfasst das Modell die verschiedenen Interventionsbereichen, die sich als relevant für die Zielgruppe erwiesen haben:

  • Familienprobleme
  • Gleichaltrigenprobleme
  • Selbstwertprobleme
  • Leistungsprobleme

Als Zielgruppe werden Jugendliche im Alter zwischen 12 und 18 Jahren angegeben, wobei der Entwicklungsstand des/der Klienten/-in als bedeutsamer gegenüber dem biologische Alter eingestuft wird.

Die Autoren/-innen räumen auf der Basis empirischer Untersuchungen mit dem Mythos der Adoleszenz als große generelle Identitätskrise und Katastrophenzeit auf. Dennoch gibt es eine Reihe von Jugendlichen, die die Entwicklungsaufgaben ihrer Zeit nur schlecht meistern und durch fehlende Behandlungsmotivation oft schon einen langen Leidensweg hinter sich haben.

Daraus abgeleitet werden Interventionen da angesetzt, wo Probleme auftauchen.

Die Rolle des/der Therapeut/-in wird innerhalb von SELBST als Coach des Jugendlichen definiert, der auf der Basis der motivierenden Gesprächsführung nach Miller & Rollnick (2002) arbeitet.

Der Schwerpunkt des 1. Kapitels liegt auf der Diagnostik und Verlaufskontrolle. Alle notwendigen Testverfahren und Explorationsübersichten, werden ausführlich dargestellt.

Zum Inhalt des 2. Kapitels

Kapitel 2 gliedert sich in die Themen der vertikalen Ebene des Therapieprogramms. Jedes Thema ist gleich strukturiert. Der Aufbau umfasst einen Kasten am Anfang des Unterkapitels, der Inhalt und Ziele des Behandlungsschritts zusammenfasst, Anzahl der Sitzungen, Materialien und Instrumente, Ablauf der Phase, Job der Woche sowie mögliche Schwierigkeiten, die erfahrungsgemäß häufig in der entsprechenden Phase auftreten. Darüber hinaus wird der Umgang mit den Therapiematerialien (die auf einer CD dem Band beiliegen) beschrieben.

Zum Inhalt des 3. Kapitels

Zwei ausführliche Beispiele runden das Buch ab. Der Fall "Fabian" ist an die psychotherapeutische Antragsstellung adaptiert, um die Anwendung von SELBST im Rahmen psychotherapeutischer Interventionen dazustellen.

Zielgruppe

Das Therapieprogramm SELBST wird von den Autoren/-innen nicht explizit einer bestimmten Zielgruppe zugeordnet. Da es sich jedoch um einen kognitiv-behavioralen verhaltenstherapeutischen Ansatz handelt, sind psychotherapeutische Fähigkeiten für die Durchführung des Programms unerlässlich.

Diskussion

SELBST bietet einen alternativen Behandlungsansatz für Jugendliche. Die Vorgehensweise ist stark strukturiert und aus Therapeutensicht gut durchführbar. Die CD bietet alle notwendigen Materialien, so dass der/die geübte Therapeut/-in sofort damit arbeiten kann. Darüber hinaus steht und fällt der therapeutische Erfolg allerdings mit der Fähigkeit motivierende Gesprächsführung und Coachingfähigkeiten einsetzen zu können.

Fazit

Das Selbstmanagementtherapieprogramm (SELBST) stellt eine echte Alternative zur Behandlung von Jugendlichen dar. Es ist problemspezifisch, ressourcenorientiert und systemisch (in Bezug auf Ausbildungsinstitutionen und Familie). Im Mittelpunkt des Programms steht der Jugendliche. Neben der Fokussierung seiner spezifischen Problematik, richtet sich das Programm sowohl in seinem Ablauf, als auch in seiner inhaltlichen Ausrichtung, nach der häufig vorkommenden mangelnden Therapiemotivation von Jugendlichen. Mit Hilfe motivierender Gesprächsführung und der Therapeutenrolle des Coach wird versucht, ein Therapieauftrag vom Jugendlichen selbst zu bekommen.

Die dargestellten Grundlagen (Band 1) lassen im Leser Vorfreude auf die restlichen Interventionsbausteine wachsen.


Rezension von
Dr. Kirsten Oleimeulen
Psychologin – Familienberaterin, akkreditierte Psychologin für Gesundheitspsychologie und Prävention (BDP), systemische Familientherapeutin und Supervisorin, online-Beraterin
Homepage www.oleimeulen.info


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Zitiervorschlag
Kirsten Oleimeulen. Rezension vom 15.10.2007 zu: Daniel Walter, Christiane Rademacher, Stephanie Schürmann, Manfred Döpfner: Grundlagen der Selbstmanagementtherapie bei Jugendlichen. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2007. ISBN 978-3-8017-1901-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5096.php, Datum des Zugriffs 04.08.2020.


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