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Gisla Gniech: Der Mensch ist, was er isst

Rezensiert von Dr. med. Winfried Häuser, 02.09.2002

Cover Gisla Gniech: Der Mensch ist, was er isst ISBN 978-3-540-42788-9

Gisla Gniech: Der Mensch ist, was er isst. Springer (Berlin) 2002. 2. Auflage. 260 Seiten. ISBN 978-3-540-42788-9. 17,95 EUR.

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Das Thema

Essen ist eine der häufigsten Tätigkeiten im Leben: Bei 3 Mahlzeiten pro Tag und einer Lebenserwartung von 75 Jahren nimmt ein Mensch im Leben ca. 80.000 Mahlzeiten zu sich. Bei den alltäglichen Ausgaben der Lebenshaltung stehen Kosten für Essen und Trinken an erster Stelle. Essen und Trinken stillen biologische Bedürfnisse und sichern das körperliche Überleben. Sie befriedigen aber auch Wünsche nach sinnlichen Erlebnissen und sind – ob Galadiner oder Fast Food – ein Gemeinschaftserlebnis. Wir leben in einer Epoche, in der viele Menschen der 3. Welt an den Folgen des Nahrungsmangels und viele Menschen der 1. Welt an den Folgen übermäßiger bzw. unausgewogener Ernährung erkrankt sind. Meldungen über verseuchte Nahrungsmittelprodukte verunsichern den Esser. Ein kritisches Nachdenken über die psychologischen und sozialen Grundlagen unseres Essverhaltens ist daher dringend notwendig.

Die Autorin

Gisela Gniech ist Professorin für Psychologie an der Universität Bremen. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Emotions- und Motivationspsychologie, Sozial- und Umweltpsychologie und Marketingpsychologie. Die Autorin ist weder Ernährungspsychologin noch Ernährungsmedizinerin. Das Buch entstand aus ihrem privaten Interesse an dem Thema und ihrem intensiven Studium der Fachliteratur der Ernährungspsychologie.

Zielgruppe

Alle, die sich mit der Physiologie, Psychologie und Kulturgeschichte des Essens näher beschäftigen wollen. Das Buch setzt keine Fachkenntnisse voraus.

Aufbau und Inhalte

Das Buch besteht aus einer Sammlung von Fakten und Reflexionen über Nahrung, Genuss und Kultur. Nach einer Einführung in die Physiologie der Nahrung (Kapitel 2) folgen Ausführungen über die biologischen und psychologischen Komponenten von Hunger und Sättigung sowie Ekel/Abscheu vor dem Essen (Kapitel 3 und 4). Danach werden die verschiedenen Komponenten der Nahrung wie Geruch, Geschmack und Mundgefühl bei verschiedenen Konsistenzen dargestellt (Kapitel 5-6). Es folgen die sozial bedingten Essensvorlieben, die Verzehrrituale und die Kochkunst (Kapitel 7-8). Danach werden Lebensmittelindustrie und –technik sowie der Symbolwert der Nahrung, z. B. in Film, Literatur und Malerei besprochen (Kapitel 9-10). Danach folgen psychologisch orientierte Kapitel, in denen Esserziehung, der Zusammenhang zwischen Fasten und Essstörungen diskutiert und Diäten kritisch analysiert werden (Kapitel 11-13). Das Buch schließt mit einem Kapitel über die Wechselwirkungen zwischen Essen und seelischem Befinden (Kann man gute Laune essen?) und einer Theorie der Weisheit des Körpers.

Fazit

Das Buch ist eine verständlich geschriebene Einführung in die Biologie, Psychologie und Soziologie des Essens. Es macht "Appetit", sich mit einzelnen Themen näher zu beschäftigen. Die beruflichen Schwerpunkte der Autorin in der Motivationspsychologie spiegeln sich in ausführlichen Darstellungen von psychologischen Experimenten zum Essverhalten wieder, während politisch relevante Themen wie die Vor- und Nachteile von Genmanipulation auf 1,25 Seiten abgehandelt werden. Einige Ausführungen der Autorin zu medizinischen Aspekte der Ernährung entsprechen nicht dem derzeitigen Kenntnisstand: Weder wird die Migräne als Stoffwechselerkrankung begriffen noch ist in der Therapie der Alkoholabhängigkeit " die Gabe von brechauslösenden Substanzen mit Alkohol üblich" . Das Buch ist 2002 in einer 2. Auflage erschienen und beansprucht, den aktuellen Stand der Forschung wieder zu geben. Dieser Anspruch wird nicht erfüllt. Eine Neuauflage, die den Namen verdient, sollte u.a. ein aktualisiertes Literaturverzeichnis (die Autorin führt für die Jahre nach 1995 nur 2 Arbeiten und die aus eigener Feder auf), aktualisiertes Datenmaterial (es wird z. B. der Ernährungsbericht 1992 zitiert) und aktuelle Definitionen von Essstörungen (das von der Autorin verwendete DSM-III-R wurde bereits 1996 durch DSM-IV ersetzt) enthalten sowie die neuen deutschen Rechtschreibregeln berücksichtigen. Dem Thema ist eine rasche 3. Auflage in gemeinsamer Herausgeberschaft von Ernährungspsychologen, Ernährungsmedizinern und Soziologen zu wünschen.

Rezension von
Dr. med. Winfried Häuser
Facharzt für Innere und Psychotherapeutische Medizin – Spezielle Schmerztherapie
Krankenhausarzt in den Bereichen Innere Medizin, Psychosomatik und Schmerztherapie
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Es gibt 17 Rezensionen von Winfried Häuser.

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Zitiervorschlag
Winfried Häuser. Rezension vom 02.09.2002 zu: Gisla Gniech: Der Mensch ist, was er isst. Springer (Berlin) 2002. 2. Auflage. ISBN 978-3-540-42788-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/512.php, Datum des Zugriffs 30.05.2024.


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