Peggy Holman, Tom Devane (Hrsg.): Change Handbook. Zukunftsorientierte Großgruppen-Methoden
Rezensiert von Dr. med. Winfried Häuser, 19.11.2002
Peggy Holman, Tom Devane (Hrsg.): Change Handbook. Zukunftsorientierte Großgruppen-Methoden.
Carl-Auer Verlag GmbH
(Heidelberg) 2002.
289 Seiten.
ISBN 978-3-89670-291-3.
57,50 EUR.
CH: 97,00 sFr.
Aus d. Amerikanischen v. Astrid Hildenbrand
Mit einem Vorwort von Fritz B. Simon.
Thema
Profit- und Non-Profitorganisationen werden immer mehr mit der Notwendigkeit konfrontiert, umfassende Veränderungen in kurzer Zeit zu vollziehen. Dabei stellt sich die Frage, wie lassen sich unter politischem und/oder ökonomischen Veränderungsdruck effektive Ergebnisse erzielen, die von allen Mitarbeitern getragen werden?
Autor
Führende (nichteuropäische) Organisationsberater zeigen, wie mit systemisch und humanistisch orientierten sozialwissenschaftlichen Methoden unter Thematisierung der wichtigsten Bedürfnisse der Betroffenen Arbeitsvorgänge neu gestaltet und eine gemeinsame Zukunft erschaffen werden können. Jede der 18 dargestellten Methoden dieses "Change-Management" ist von einem führenden Praktiker der jeweiligen Methode beschrieben. Die Autoren sind Unternehmensberater für Profit-Organisationen wie Microsoft oder Hewlett Packard und für Non-Profit-Organisationen wie Krankenhäuser, gemeinnützige Stiftungen oder auch die Republik Südafrika. Die Herausgeber des Buches sind Peggy Holman, Master in Business Administration und Tom Devane, Bachelor und Magister in Finanzwesen.
Zielgruppe
Interne und externe Unternehmensberater, Entscheidungsverantwortliche auf allen Ebenen einer Organisation sowie alle Mitarbeiter von Organisationen, welche in internen Projektgruppen an Veränderungsprozessen beteiligt sind.
Aufbau und Inhalte
Das Buch umfasst 4 Teile. Teil 1 steckt den gesellschaftlichen Rahmen für Veränderungsmethoden ab. Im Teil 2 werden 18 Veränderungsmethoden dargestellt. Dabei werden 3 Kategorien von Veränderungsmethoden unterschieden: Planungs-, Strukturierungs- und Anpassungsmethoden. Dem pragmatischen US-amerikanischem Tenor des Buches gemäß sind die englischsprachigen Bezeichnungen der Methoden wie Preferred Futuring, Whole Scale Change oder Think like an Genius meist nicht ins Deutsche übersetzt. Die Kapitel des Teil 2 sind gleich aufgebaut: Praxisbeispiel, kurze Beschreibung der Methode, Informationen über Merkmale der Methode sowie Ratschläge zur praktischen Anwendung. Nur 3 der Praxisbeispiele sind aus gemeinnützigen Organisationen (z. B. philanthrophische Organisation, Bezirkskrankenhaus). Die dargestellten Methoden sind für unterschiedliche Gruppengrößen (von 20-35 bis zu 1000 + Personen) konzipiert. Teil 3 enthält praktische Vorschläge für die Arbeit mit (Groß-)gruppen in Organisationen, welche auf der Erfahrung aller Autoren beruhen. Teil 4 enthält in Übersichtstabellen eine umfangreiche Vergleichsmatrix der dargestellten Methoden sowie häufig gestellte Fragen zu ihrer Zielsetzung und Prozessabläufen. Der klare praxisorientierte Aufbau und die zahlreichen Übersichtstabellen erleichtern die Orientierung in dem Buch (je nach Interessen des Lesers) und die Lektüre.
Diskussion
Gewünscht hätte ich mir eine über die Einleitung hinausgehende ausführlichere Reflexion über die Übertragbarkeit der vorgestellten Methoden auf europäische, insbesondere deutsche Verhältnisse von Organisationsabläufen. Aus meinem Tätigkeitsbereich kann ich es mir (noch) schwer vorstellen, dass sich das "obere Management" (Geschäftsführung eines Klinikums) für eine der genannten Veränderungsmethoden voll einsetzt – was als Bedingung für die Umsetzung vieler der dargestellten Methoden genannt wird. Auch ein Vorgehen, dass eine aus allen Vertretern der Organisation bestehende Planungsgruppe die formalen und informellen Machtverhältnisse in einem Organigramm festhält, halte ich in deutschen, streng hierarchisch aufgebauten Organisationen für illusorisch. Weiterhin ist mir aus der Lektüre nicht klar geworden, wer in gemeinnützigen Organisationen die teilweise zeit- und personenaufwendigen Veränderungsmethoden initiieren und womit finanzieren soll.
Fazit
Trotz meiner Zweifel bezüglich der Übertragbarkeit und Finanzierbarkeit einiger der dargestellten Methoden in deutsche Verhältnisse im allgemeinen und in Non-Profit-Organisationen im besonderen habe ich das Buch mit Interesse gelesen. Jeder, der mit Veränderungsprozessen in seinem Arbeitsfeld konfrontiert ist, kann neue Ideen für Lösungsmöglichkeiten bei der Lektüre entwickeln. Ich wünsche allen Beschäftigten, dass zunehmend mehr Unternehmensberater Veränderungsprozesse auf dem Hintergrund eines humanistischen und systemischen Menschenbildes begleiten.
Rezension von
Dr. med. Winfried Häuser
Facharzt für Innere und Psychotherapeutische Medizin – Spezielle Schmerztherapie
Krankenhausarzt in den Bereichen Innere Medizin, Psychosomatik und Schmerztherapie
Mailformular
Es gibt 17 Rezensionen von Winfried Häuser.





