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Mario Gollwitzer, Jan Pfetsch u.a. (Hrsg.): Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen

Cover Mario Gollwitzer, Jan Pfetsch, Vera Schneider (Hrsg.): Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen. Aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Praxis. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2007. 281 Seiten. ISBN 978-3-8017-2049-0. 26,95 EUR, CH: 43,50 sFr.
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Thema

Das Thema Gewaltprävention ist berechtigterweise in den letzten Jahren sehr aktuell geworden. Ein Grund dafür ist sicherlich die Tatsache, dass Jugendgewalt nicht nur ein Nischen- und Fachkräftethema ist, sondern die Politik, Gesellschaft und Medien gleichermaßen interessiert. Fachkräfte in Wissenschaft und Praxis versuchen aus diesen Gründen mit geeigneten (pädagogischen) Mitteln die Gewalt einzudämmen, zu reduzieren bzw. nicht entstehen zu lassen. Wenn man aber sich mit dem Thema Gewaltprävention beschäftigt, lässt sich sehr bald feststellen, dass dieser Bereich sehr diffizil ist. Es gibt zahlreiche Programme und Projekte, die sich nicht nur nach Schule und Jugendhilfe unterscheiden, sondern nach Primär-, Sekundär- oder Tertiärprävention. Da der Bereich sehr unübersichtlich und "umkämpft" ist, werden die Stimmen derer laut, die nach Wirksamkeit der einzelnen Maßnahmen fragen. Es muss offen angesprochen werden, dass die meisten Maßnahmen und Modelle gut gemeint sind, aber deren Wirksamkeit (noch) nicht überprüft wurde. Der besondere Ansatz dieses Buches besteht darin, dass es explizit versucht, "eine Brücke zwischen Erkenntnissen der Grundlagenforschung und Erfahrungen in Praxis und Anwendung zu bauen und diese aneinander zu testen" (S. 11f.). Um die Gewaltprävention erfolgreich – nicht nur medienwirksam, sondern vor allem fachlich – implementieren zu können, müssen die einzelnen Maßnahmen evaluiert und auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. Und dazu bedarf es in erster Linie intensiverer Forschung; Grundlagenforschung kann dazu sicherlich entscheidend beitragen.

Herausgeber und Entstehungshintergrund

Neben dem Autor Mario Gollwitzer (Junior-Professor an der Universität Koblenz-Landau) sind fünf weiter Herausgeber an dem Band beteiligt. Während Jan Pfetsch als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Luxemburg tätig ist, sind die weiteren Herausgeberinnen und Herausgeber (Vera Schneider, André Schulz, Tabea Steffke und Christiane Ulrich) Studierende der Psychologie an der Universität Trier.

Der folgende Band ist die erweiterte Dokumentation einer Vortragsreihe, die unter dem Titel "Gewaltprävention unter Kindern und Jugendlichen" im Wintersemester 2004/2005 an der Universität Trier stattfand.

Aufbau und Inhalt

Dieses Buch ist in drei wichtige Kapitel – bestehend aus 16 Einzelbeiträgen von  25 Autorinnen und Autoren – aufgeteilt.

Kapitel I trägt den Titel "Brennpunkte der Grundlagenforschung". Es wäre mühsam und jedem einzelnen Aufsatz nicht gerecht, wenn die sieben Beiträge einzeln diskutiert und bewertet würden. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der erste Abschnitt des Bandes Phänomene von Aggression und Gewalt unter Kindern und Jugendlichen auf individueller und gesellschaftlicher Ebene beschreibt und versucht, Erklärungsansätze zu finden (vgl. S. 12f). Im Einzelnen handelt es sich um folgende Beiträge, die sich auf unterschiedliche Präventionsmaßnahmen bzw. Handlungsfelder konzentrieren:

  • Psychologische Aggressionstheorien und ihre Bedeutung für die Prävention aggressiven Verhaltens im Kindes- und Jugendalter (Scheithauer/Hayer)
  • Quo vadis Aggression und Gewalt? – Eine Trendanalyse an Dresdner Schulen (Finze)
  • Mediation in Fällen von Gewalt, Aggression und Mobbing in der Schule (Montada)
  • Lerntheoretische Fehlschüsse in Aggressionsforschung und Gewaltprävention (Sutterlüty)
  • Vorurteile und Rechtspopulismus (Zick/Küpper)
  • Gewalthaltige Computerspiele – Wirkmechanismen und Präventionsansätze (Pfetsch/Steffgen)
  • Cyberbullying: Aggression und sexuelle Viktimisierung in Chatrooms (Katzer/Fetchenhauer)

Das zweite Kapitel besteht aus sechs Aufsätzen und trägt den Titel "Prävention und Intervention – Ansätze und Erkenntnisse der Anwendungsforschung". Hier werden Möglichkeiten zur Eindämmung von Aggression und Gewalt unter Kindern und Jugendlichen diskutiert. Der Schwerpunkt wird allerdings auf die Wirksamkeit spezifischer Interventions- und Präventionsprogramme, wie z. B.

  • "Gewaltprävention in Kindergarten und Grundschule mit Faustlos",
  • "Eltertrainings, …" oder
  • "Politische Programme gegen Jugendgewalt",

gelegt.

Der dritte und letzte Abschnitt des Bandes beinhaltet drei Einzelbeiträge zum Thema "Prävention und Intervention – Erfahrungen aus der Praxis". In diesen Beiträgen werden die konkreten Erfahrungen im Umgang mit Aggression und Gewalt von Kindern und Jugendlichen sowohl vor als auch nach dem aggressiven Verhalten dargestellt. Konkret handelt es sich um die Erfahrungen der "gewaltpräventiven Schulsozialarbeit", "Gewaltprävention in der Jugendhilfe" und das "Präventionsverständnis des Weißen Ring".

Zielgruppen  

Praktikerinnen und Praktiker (Schule und Jugendhilfe), die mit gewalttätigen und gewaltbereiten Kindern und Jugendlichen arbeiten sowie Lehrende und Studierende an den Hochschulen.

Diskussion

Zwei Sachverhalte, die mir außerordentlich gut gefallen haben, möchte ich besonders hervorheben: Alle Autorinnen und Autoren wählen eine Sprache, die durch Klarheit und Präzision besticht. Darüber hinaus ist mir der konstruktiv-sachliche Stil aufgefallen, der sich als roter Faden durch alle Beiträge zieht. Vor allem im ersten Kapitel räumen die Herausgeberinnen und Herausgeber zwei Bereichen Platz ein, die in der Öffentlichkeit nicht nur  ideologisch diskutiert werden, sondern auch wenig erforscht sind: nämlich "gewalthaltige Computerspiele" und "Cyberbullying". In beiden Beiträgen diskutieren die Autorinnen und Autoren die Phänomene sachlich und erläutern, welche mannigfaltigen Präventionsmaßnahmen wirksam sein können bzw. sind. Dieses Vorgehen ist bezeichnend für das gesamte Buch. Dass die Förderung der jungen Menschen im Wissenschaftsbetrieb zu kurz kommt, ist mittlerweile hinreichend bekannt. Mario Gollwitzer (selbst Jahrgang 1973) beweist mit dieser Arbeit, die er mit vier Studierenden der Psychologie herausgibt, wie die Förderung der Studierenden eindrucksvoll funktionieren kann.

Fazit

Resümierend lässt sich folgendes über dieses Buch sagen: Ein Band, den ich allen wärmstens empfehle, die sich nicht nur theoretisch mit dem Thema beschäftigen. Insbesondere allen Praktikerinnen und Praktikern, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sei dieses hervorragende, praxisnahe und übersichtliche Buch nahe gelegt.


Rezension von
Prof. Dr. Ahmet Toprak
Professor für Erziehungswissenschaften an der Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften
Homepage www.soziales.fh-dortmund.de
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Zitiervorschlag
Ahmet Toprak. Rezension vom 21.06.2008 zu: Mario Gollwitzer, Jan Pfetsch, Vera Schneider (Hrsg.): Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen. Aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Praxis. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2007. ISBN 978-3-8017-2049-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5130.php, Datum des Zugriffs 25.11.2020.


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