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Marcus Aulmann: Innovationsmanagement im Krankenhaus

Cover Marcus Aulmann: Innovationsmanagement im Krankenhaus. Wettbewerb - Innovationen - Zukunft. VDM Verlag Dr. Müller (Saarbrücken) 2006. 114 Seiten. ISBN 978-3-86550-498-2. 49,00 EUR, CH: 76,00 sFr.
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Thema

Dies kleine Bändchen befasst sich auf knapp über 100 Seiten mit den Herausforderungen für Krankenhäuser, die sich aus dem aktuellen Umbau des Gesundheitssystems ergeben. Zentral wird untersucht, wie sich der Abbau der Kapazitäten - Experten sprechen von einem Bedarf, die aufgestellten Betten um 25% bis zum Jahre 2015 zu reduzieren - in einem kompetitiven Wettbewerbsumfeld vollziehen wird. Nach jahrzehntelangen Kostenreduzierungsbemühungen stellt die Einführung der Vergütung nach DRG"s (diagnosebasierte Fallpauschalen) ein neues Paradigma für die Finanzierungsseite der Krankenhäuser mit einschneidenden Folgen dar.

Betriebswirtschaftliche Überlegungen stehen demnächst im Blickpunkt. Die Behauptung bzw. der Ausbau der Marktposition, die eigenständige Stellung des Krankenhauses im Privatisierungs- und Konzentrationsprozess sind neue Ziele, die sich so in der Vergangenheit nicht als Aufgaben für das Krankenhausmanagement gestellt haben.

Marcus Aulmann kommt aus dem Krankenhausmanagement und hat in seiner langjährigen Tätigkeit diesen Prozess miterlebt und aktiv gestaltet. Sein Buch stellt die Herausforderungen und Handlungsfelder systematisch zusammen. Empfehlungen für das Krankenhausmanagement leiten sich aus der Analyse ab.

Aufbau und Inhalt

Nach den einleitenden Definitionen zum Krankenhaus und den dort erbrachten Produkten und Dienstleistungen (erstes und zweites Kapitel) stellt Aulmann im dritten Kapitel die makroökonomische Entwicklungen im internationalen und nationalen Gesundheitswesen dar, Für Krankenhäuser ergeben sich die Megatrends der demographischen Entwicklung und Migration, der "Sieg der Wettbewerbsgesellschaft", der medizinische Fortschritt und die Globalisierung. Darüber hinaus ist für die Krankenhausvielfalt festzustellen, dass die kommunalen Krankenhäuser nicht mehr wie in der Vergangenheit mit auskömmlichen Betriebskostenzuschüssen und Eigenanteilen bei Investitionen ausgestattet werden. Es zeichnet sich nach Aussage von Prognosen ein deutlich höherer Anteil an privaten Krankenhäusern ab (vorausgesagt wird ein Anteil von bis zu 50% für börsennotierte Krankenhäuser). Bezüglich der Finanzierung gilt, dass die Abkehr vom traditionellen Kostendeckungsprinzip und die Einführung der Vergütung nach diagnosebasierte Fallpauschalen ab 2009 zu einer landesweit einheitlichen Vergütung führen. Für bisher überdurchschnittlich ausgestattete Krankenhäuser ergibt sich hieraus unausweichlich eine Absenkung der Budgets. Neben diesem neuen Paradigma ist für die Finanzierungsseite bedeutsam, dass die Finanzmittel der öffentlichen Hand zurückgehen und dadurch auch bei der Investitionsfinanzierung neue Wege erforderlich sind.

Im vierten Kapitel werden Aspekte des Wettbewerbs und der Wettbewerbsfähigkeit besprochen. Dabei wird neben dem allgemeinen Krankenhausmarkt die Sicht der Patienten, der Kostenträger, der anderen Sektoren des Gesundheitsmarktes und der Industrie erörtert. Hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit werden die Erfolgsfaktoren für die Krankenhäuser dargestellt.

Das fünfte Kapitel widmet sich dem Thema der Innovation. Neben den Produkt- und Prozessinnovationen sind im Krankenhaus die organisatorischen und die sozialen Innovationen von besonderer Bedeutung. Aulmann arbeitet die besonderen Merkmale und daran anschließend die Ziele der Innovation heraus.

Die Kapitel 6 (Innovationsmanagement), 7 (Organisation von Innovationen) und 8 (Innovationsmanagement in Beziehung zu anderen Managementansätzen) stellen die Managementkonzepte für ein Innovationsmanagement im Krankenhaus umfassend dar. Mit den Kapiteln 9 (Innovationen und Innovationsmanagement in deutschen Krankenhäusern), 10 (Entwicklung einer Innovationsstrategie in einem Krankenhaus) und 11 (Der Innovationsprozess in einem Krankenhaus) finden sich bei Aulmann praktisches Erfahrungswissen für die Implementierung der zuvor dargestellten Managementansätze. Die Schlusskapitel 12 und 13 zeigen die Auswirkungen des Innovationsmanagements auf die Wettbewerbsfähigkeit eines Krankenhauses und schließen mit einem kurzen Schlussresümee.

Das Buch verfügt über ein ausführliches Literaturverzeichnis zum Thema, die 141 Literaturstellen geben einen guten Einblick in das aktuelle Schrifttum zu diesem Thema und sind schon für sich eine Empfehlung wert!

Diskussion

Das Buch stellt knapp aber umfassend die Thematik dar. Die einleitenden Definitionen und die Darstellung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Krankenhäuser beinhalten eine knapp gehaltene Darstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen und ermöglichen einen gerafften Überblick über die maßgebliche Diskussion in der aktuellen Literatur. Die statistischen Angaben sind den Jahresgutachten und den Geschäftsberichten der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) entnommen.

Die Darstellung des sich ändernden Umfelds (neue Rolle des Wettbewerbs, die Bedeutung der Qualität, Bindung der einweisenden niedergelassenen Ärzte, Bedeutung der industriellen Medizintechnik und Informationstechnologie) und die sich den Krankenhäusern neu stellende Frage nach den betrieblichen Erfolgsfaktoren sind aus der praktischen Erfahrung des Autors ein lesenswertes Kompendium der aktuellen Handlungserfordernisse.

Zentral für Aulmann ist die Fähigkeit, sich an gegenwärtige und zukünftige Entwicklungen anzupassen und eine effiziente, wettbewerbsfähige Patientenversorgung zu organisieren. Dafür sind transparente Kosten- und Leistungsverhältnisse mit einer entsprechenden Kommunikation der Verantwortlichen untereinander zu gewährleisten und eine entsprechende organisatorische Umsetzung (Motivation der Mitarbeiter im Krankenhaus).

Zentral für Aulmann sind die Ausführungen zur Innovation. Seine Ausführungen zu den Arten von Innovationen (Produkt- und Prozessinnovationen, organisatorische und soziale Innovationen) und zu den besonderen Merkmale und Zielen der Innovation stellen die theoretischen Aspekte nachvollziehbar dar.

Zum Innovationsmanagement führt Aulmann aus, dass es sich nicht um "Geistesblitze von Genies" handelt, sondern dass eines professionelles Managements, verbunden mit harter Arbeit, bedarf, um Unternehmen innovativ auszurichten.

Die Organisation von Innovationen und das Innovationsmanagement werden umfassend dargestellt, wobei der Autor auch hier seinem Stil der knappen Darstellung treu bleibt. Die Bezugnahme auf die derzeit in der Unternehmens(beratungs)praxis diskutierten Managementansätzen (Business Process Reengineering, Benchmarking Human Resources Management usw.) überzeugen ebenfalls durch die übersichtsartige, transparente Darstellung.

Die Darstellung der Managementkonzepte für das Innovationsmanagement im Krankenhaus in deutschen Krankenhäusern orientiert sich am aktuellen Rechtsrahmen und diskutiert die Innovationsfelder Optimierung des Leistungsspektrums, Prozesse, medizinische Ausstattung, IT, Zentrenbildung, Changemanagement, Kooperationen, Beschaffung und Finanzierung. Neben diesen Produkt- und organisatorischen Innovationen werden auch die sozialen Innovationen erörtert. Dabei spielen erfolgsabhängige Vergütungsmodelle, konkurrenzfährige Arbeits(zeit)bedingungen, eine hochprofessionelle Personalentwicklung und ein Personalmarketing eine zentrale Rolle.

Für ein konkretes Beispiel - den Innovationsprozess in einem Krankenhaus - stellt Aulmann sein praktisches Wissen und seine Erfahrungen dar, wie ein ganzheitlicher Strategie- und Innovationsprozess geplant, organisiert und durchgeführt werden kann.

Zielgruppen

Das Buch ist wie folgt für die Zielgruppen Studenten, Praktiker und Krankenhäuser zu beurteilen:

  • Für Studenten gibt das Buch einen raschen Einblick in die aktuelle Problemlage des Krankenhausmanagements.
  • Für Praktiker werden die aktuellen Herausforderungen übersichtlich systematisiert. Eine Einordnung von Einzelaspekten, beispielsweise wenn die Geschäftsführung einen aktuellen Unternehmensberatungsansatz einordnen und bewerten will, wird möglich.
  • Für Krankenhäuser ist das Buch empfehlenswert, da der Aspekt der Innovation und des Veränderungsmanagements unzweifelhaft auf der Agenda stehen.

Fazit

Der Vorteil des Buches ist die knappe und geraffte Darstellung der Themenfelder Innovation und aktuelle Handlungserfordernisse im Krankenhausmanagement. Seine Ausführungen sind übersichtlich und ermöglichen über die in Fußnoten wiedergegebenen Literaturmeinungen eine weitergehende Beschäftigung mit dem Thema. Die Kürze des Buches bedeutet naturgemäß aber auch, dass Aulmann viele Themenstellungen nur anreißen kann. Es handelt sich eben nicht um ein ausführliches betriebswirtschaftliches Lehrbuch, sondern um eine praxisorientierte Darstellung der aktuellen Handlungserfordernisse.

Das Buch hat insbesondere im gegenwärtigen Zeitpunkt der Endphase der Einführung der DRG"s seine Daseinsberechtigung. Inwieweit es noch in 5 Jahren aktuell sein wird, ist bezüglich der konkreten gesundheitspolitisch und sozialrechtlich eingebundenen Empfehlungen der zukünftigen Reform des Gesundheitswesens ausgeliefert. Seine Ausführungen zur Rolle und Bedeutung von Innovationen werden aber auf jeden Fall auf mittlere Frist ihre Bedeutung behalten.


Rezension von
Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch
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Zitiervorschlag
Friedrich Vogelbusch. Rezension vom 19.02.2008 zu: Marcus Aulmann: Innovationsmanagement im Krankenhaus. Wettbewerb - Innovationen - Zukunft. VDM Verlag Dr. Müller (Saarbrücken) 2006. ISBN 978-3-86550-498-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5132.php, Datum des Zugriffs 25.05.2020.


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