socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Christoph Butterwegge, Bettina Lösch u.a.: Kritik des Neoliberalismus

Cover Christoph Butterwegge, Bettina Lösch, Ralf Ptak, Tim Engartner: Kritik des Neoliberalismus. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2007. 298 Seiten. ISBN 978-3-531-15185-4. 12,90 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Mit dem Begriff des Neoliberalismus wird in der Öffentlichkeit und verschiedentlich auch in der Fachwelt eine Politik bezeichnet, die auf eine De-Regulierung der Volkswirtschaften, eine Verminderung der Staatsquoten und eine Bekämpfung des sog. Staatsversagens bei der Wirtschaftspolitik im Globalisierungsprozess abzielt. Die Auseinandersetzung mit dem Neoliberalismus geschieht zum einen vor dem Hintergrund der dramatischen Veränderung von Wirtschaftsordnungen in den industrialisierten Staaten im 20. Jh. Zum andern ist auch jüngst in den meisten Staaten ein sinkendes Zutrauen in die generell wohlfahrtssteigernde Wirkung der Marktkräfte zu beobachten, die eine kritische Analyse der geltenden ordnungspolitischen Grundkonzeptionen notwendig macht.

In Deutschland stellen insbesondere die Wirtschaftspolitiken der NSDAP und der SED tiefe Einschnitte in marktwirtschaftlich ausgerichtete Wirtschaftsordnungen dar. Das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft bildet nach 1945 zunächst in den westlichen, nach 1990 auch in den östlichen Bundesländern die ordoliberale bzw. neoliberale Antwort auf diese planwirtschaftlichen Verwerfungen. Dennoch sind vergleichsweise liberale Wirtschaftskonzepte, in den früh industrialisierten Staaten in Theorie und Praxis bis heute umstritten, v.a. weil soziale Erfolge sich nicht ausreichend eingestellten.

Aufbau und Inhalt

Das vorliegende Buch der vier Autoren versucht, aus Sicht der Sozial-, Politik- und Wirtschaftswissenschaft die Theorie und Praxis des Neoliberalismus kritisch zu hinterfragen.

  1. Dazu werden im ersten Kapitel (68 Seiten) die "Grundlagen des Neoliberalismus" vorgestellt (Ralf Ptak). Dabei wird ein historisch-genetischer sowie ein soziologischer Ansatz verfolgt.
  2. Das 2. Kapitel (45 Seiten) titelt "Privatisierung und Liberalisierung - Strategien zur Selbstentmachtung des öffentlichen Sektors" (Tim Engartner). Hierbei wird die Frage nach der sozialen und öffentlichen Verantwortung der Eigentümer von Produktionsmitteln aufgeworfen. In diesem Kontext werden auch anhaltende Privatisierungstendenzen vormals öffentlicher Unternehmen kritisch hinterfragt. Ferner werden die EU Wirtschaftspolitik sowie die globalen Vereinbarungen im Rahmen des GATT/WTO thematisiert.
  3. Im dritten Kapitel (80 Seiten) werden die "Rechtfertigung, Maßnahmen und Folgen einer neoliberalen (Sozial-)Politik" behandelt. Darin setzt sich der Autor (Christoph Butterwegge) kritisch mit den geltenden Sozialordnungen auseinander.
  4. Im letzten Kapitel (64 Seiten) stellt die Autorin (Bettina Lösch) die These von der "neoliberalen Hegemonie als Gefahr für die Demographie" vor. Hier werden zum einen potentielle Gefahren für die Demographie beleuchtet und zum andern auch alternative Konzepte zum Neoliberalismus vorgestellt.

Zielgruppe

Das Buch wendet sich an einen breiten Leserkreis, der Argumente für die Debatte über den Neoliberalismus sucht. Entsprechend dieser Zielsetzung kommt das Buch mit relativ wenig Fachvokabular aus; es ist flüssig und allg. gut verständlich geschrieben sowie übersichtlich geordnet. Der wissenschaftliche Apparat ist am Ende des Buches nach Themenbereichen gegliedert, was sehr hilfreich ist.

Diskussion

Allerdings findet der interessierte Leser überwiegend negative Kritik am Neoliberalismus. Wenngleich viele der Argumente wissenschaftlich fundiert vorgetragen werden, sucht der Leser nahezu vergebens nach einer positiven Würdigung zumindest der Grundkonzeption. Dies ist etwas unbefriedigend, da das Buch einen wissenschaftlich sehr differenzierten Anspruch hat. Dieses Manko  wird dadurch verstärkt, dass die gewählten Formulierungen in den Überschriften und auch in den Ausformulierungen vielfach eine negative Grundhaltung zum Neoliberalismus vermuten lassen, bevor eine entsprechende Beweisführung erfolgt. Hier hätte man sich eine nüchterne Herangehensweise gewünscht.

Fazit

Dessen ungeachtet kann das Buch aber sehr wohl den Zielgruppen zum Kauf empfohlen werden, da es eine Fülle von Sachargumenten und Quellen für die politische Auseinandersetzung um die Weiterentwicklung regulierter Marktwirtschaften enthält.


Rezension von
Prof.i.V. Dr. Werner Halver
Rhein-Ahr Campus. Lehrbereiche: Volkswirtschaftslehre, Wirtschafts- und Sozialpolitik, Wirtschafts- und Sozialgeographie
E-Mail Mailformular


Alle 2 Rezensionen von Werner Halver anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Werner Halver. Rezension vom 03.11.2007 zu: Christoph Butterwegge, Bettina Lösch, Ralf Ptak, Tim Engartner: Kritik des Neoliberalismus. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2007. ISBN 978-3-531-15185-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5149.php, Datum des Zugriffs 04.04.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung