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Sabine Stellamanns: Evaluation interkultureller Trainings

Cover Sabine Stellamanns: Evaluation interkultureller Trainings. Analysen und Lösungsstrategien in Theorie und Praxis. VDM Verlag Dr. Müller (Saarbrücken) 2007. 101 Seiten. ISBN 978-3-8364-0326-9. 49,00 EUR, CH: 79,00 sFr.
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Thema

Im Rahmen der fortschreitenden Globalisierung kommt es zu steigenden internationalen Beziehungen auf der volkswirtschaftlichen Ebene. Unternehmen setzen sich mit Diverstiy Management auseinander, um Vielfalt im Unternehmen effektiv nutzbar zu machen und dadurch Wettbewerbsvorteile zu erhalten. "Die Fähigkeit, interkulturell kompetent zu handeln, gewinnt an Bedeutung für den Erfolg internationaler Tätigkeit" (S.2). Die Messung von interkulturellen Kompetenzen bezogen auf das Erreichen eines Wettbewerbsvorteils gestaltet sich jedoch überaus komplex.

Sabine Stellamanns befasst sich mit der Herleitung und Entwicklung eines Evaluationsinstrumentes für interkulturelle Trainings, das sie in einer eigenen Untersuchung testet. Der Schwerpunkt des Buches liegt dabei auf der Dokumentation der Entwicklung.

Eine weitere Schwerpunktsetzung erfolgt durch die Konzentration auf die Evaluation interkultureller Trainings im Bereich der Wirtschaft, also bezogen auf internationale Kontakte von Unternehmen, insbesondere auf Auslandsaufenthalte von Mitarbeitern.

In diesem Rahmen setzt sich Sabine Stellamanns mit den theoretischen Grundlagen für eine praktisch anwendbare Evaluation auseinander. Dies umfasst eine auf diesen Themenbereich fokussierte Definition von Kultur ebenso wie eine strukturierte Auseinandersetzung mit Evaluationsverfahren in ihren unterschiedlichen Ebenen. Beides wird im Verlauf des Buches stringent zusammengeführt und mündet in die Entwicklung und den Test eines Online-Evaluationsverfahrens für interkulturelle Trainings.

Aufbau und Inhalt

Das insgesamt knapp 100 Seiten umfassende Buch ist im Detail wie folgt aufgegliedert:

  • Das auf die Einleitung folgende zweite Kapitel Einflussfaktor Kultur bietet einen guten Einstieg in die Auseinandersetzung mit dem Kulturbegriff als essenzielle Grundlage der Evaluation interkultureller Trainings. Der Fokus in diesem Kapitel liegt auf der Beschreibung unterschiedlicher Dimensionen und Funktionen von Kultur. Kultur wird hierbei als verhaltensprägend, erlernbar (nicht vererbbar) und sinnstiftend dargestellt. Sabine Stellamanns geht außerdem auf den Effekt ein, dass bestimmte Funktionen von Kultur erst bemerkt werden, wenn man aus ihr heraustritt. Ebendiese Effekte sollen in interkulturellen Trainings thematisiert werden. Abschließend werden in Anlehnung an Hofstede, Trompenaars sowie Lewis und Hall unterschiedliche Konzepte vorgestellt, um dieses Unsichtbare der eigenen Kultur sichtbar zu machen.
  • Nach dieser Auseinandersetzung mit dem Kulturbegriff folgt im dritten Kapitel Zusammentreffen von Kulturen die Darstellung kultureller Überschneidungssituationen. Basierend auf dem im zweiten Kapitel entwickelten Kulturbegriff wird Kultur als Orientierungssystem verstanden, nach dem der Einzelne unbewusst handelt. Das Zustandekommen von interkulturellen Überschneidungssituationen und der Umgang damit wird auf der wirtschaftlichen Ebene diskutiert, also bezogen auf Kontakte zwischen Arbeitskollegen oder auf kulturbedingte Aspekte in Managementprozessen.
  • Das vierte Kapitel Interkulturelle Kompetenz beginnt mit einer Diskussion des Kompetenzbegriffs. Als Fähigkeit zur Selbstorganisation wird Kompetenz von Qualifikationen abgegrenzt. Anschließend befasst sich Sabine Stellamanns mit interkultureller Kompetenz, die sie unterteilt in interkulturelles Wissen auf der kognitiven Ebene, interkulturelle Sensibilität auf der affektiven Ebene und interkulturelle Handlungskompetenzen auf der verhaltensorientierten Ebene. Diese Dreigliedrigkeit wird entlang ihrer Vor- und Nachteile kritisch eingeordnet.
  • Das fünfte Kapitel Interkulturelles Lernen behandelt längere Auslandsaufenthalte und kulturelle Überschneidungssituationen in Arbeitszusammenhängen. Alltägliche Überschneidungssituationen, wie sie mit Nachbarn oder im Urlaub zustande kommen können, werden explizit ausgeschlossen. Ausgehend von der Notwendigkeit, einen Lernbedarf erst bewusst machen zu müssen, werden in Anlehnung an Barmeyer sechs Stufen interkulturellen Lernens dargestellt. Die Unterscheidung zwischen informellem und geplantem interkulturellen Lernen wird ebenfalls diskutiert. Darauf folgt eine Klassifikation verschiedener interkultureller Trainings in informationsorientierte, kulturorientierte, interaktionsorientierte und verstehensorientierte Vorbereitungsmaßnahmen. Diese Klassifizierung dient keiner abschließenden Bewertung, sondern der strukturierten Darstellung der Vor- und Nachteile einzelner Trainings, wobei in der Praxis meist eine Kombination unterschiedlicher Trainingsformen stattfindet.
  • Im sechsten Kapitel Evaluation interkultureller Trainings wird wiederum zunächst grundlegend das Konzept von Evaluation auf allgemeiner Ebene erklärt und anschließend konkret auf interkulturelle Trainings angewandt, der Ausrichtung des Buches entsprechend auf den wirtschaftlichen Bereich hin fokussiert. Evaluation wird dabei untergliedert in die Ebenen Zufriedenheit, Lernen, Verhalten und Organisation.
  • Die Evaluation auf der Ebene des Verhaltens wird im siebten Kapitel Methodische Überlegungen zur Evaluation des Verhaltens ausführlich behandelt. Auch hier wieder zunächst grundlegend und dann konkret auf interkulturelle Trainings angewandt, wobei einzelne Evaluationsmethoden vorgestellt werden (Beobachtung, Beschreibung und komplexe Kompetenzindikatoren). Die Diskussion dieser Aspekte erfolgt sehr reflektiert, indem immer wieder auf die kulturelle Prägung dieser Erfassungsinstrumente hingewiesen wird.
  • Den Abschluss bildet im achten Kapitel die Darstellung der Eigenen Untersuchung. Darin wird an einer Zielgruppe von "100 deutschen, jungen Berufstätigen, die im Rahmen des Parlamentarischen Patenschaftsprogrammes (PPP21) an einem Auslandsjahr in den USA und der entsprechenden Vorbereitung teilgenommen haben" (S.82) und einer Kontrollgruppe von deutschen Studierenden in den USA das entwickelte Evaluationsinstrument getestet und kritisch diskutiert.

Zielgruppen

Laut Klappentext richtet sich das Buch an "Studenten und Forscher, die sich einen ersten Überblick verschaffen wollen" und an "Praktiker der Weiterbildungsbranche und des internationalen Personalmanagements".

Beiden Gruppen kann das Buch hilfreich sein. Erstere seien darauf hingewiesen, dass es sich um eine Veröffentlichung auf der Basis einer Diplom-Arbeit handelt. Insbesondere für Forscher ist der Hinweis auf das Verschaffen eines ersten Überblicks hier zu Recht angefügt. Für Letztere kann das Buch eine gute Unterstützung bei der Entwicklung eines Evaluationsinstrumentes sein oder dabei hilfreich sein, bestehende Instrumente zu prüfen und zu optimieren.

Für beide Gruppen gleichermaßen kann der klar strukturierte und systematische Überblick über die Bereiche Kultur und Evaluation von Nutzen sein. Beide Bereiche, die in sich sehr komplex sind, werden von Sabine Stellamanns gut nachvollziehbar und leicht verständlich diskutiert und so auch für Einsteiger in dem Gebiet greifbar gemacht.

Fazit

Sabine Stellamanns dokumentiert die Entwicklung eines Online-Evaluationsinstrumentes für interkulturelle Trainings, die der Vorbereitung von Auslandsaufenthalten von Mitarbeitern dienen, auf allen Ebenen sehr grundlegend und gut nachvollziehbar. Den Ausgangspunkt bildet eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Kulturbegriff und kulturellen Überschneidungssituationen in Arbeitszusammenhängen. Mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit interkulturellen Lernens, der Frage nach den Möglichkeiten der Evaluation interkultureller Trainings, der Entwicklung und dem anschließenden Test eines solchen Instrumentes folgt das Buch einem stringenten Aufbau.

Das Buch bietet weniger ein fertiges Instrument, das einfach übernommen werden kann als vielmehr einen Einblick in die detaillierte Herleitung sowohl der zu beachtenden kulturellen Faktoren als auch der Aspekte auf Ebene der Evaluation um eine adäquate Evaluation interkultureller Trainings zu gewährleisten.

Diese detaillierte Herleitung bietet die Möglichkeit, das entwickelte und komplett enthaltene Instrument evtl. eigenen Erfordernissen im Unternehmen anzupassen, oder möglicherweise auch vom unternehmerischen auf den sozialen Bereich zu adaptieren, in dem interkulturelle Trainings mit einer anderen Ausrichtung ebenso eine wichtige Rolle spielen.


Rezensentin
Dipl. Päd. Sonja Bandorski
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen im Arbeitsgebiet Interkulturelle Bildung. Arbeitsschwerpunkte: Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration


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Zitiervorschlag
Sonja Bandorski. Rezension vom 22.12.2007 zu: Sabine Stellamanns: Evaluation interkultureller Trainings. Analysen und Lösungsstrategien in Theorie und Praxis. VDM Verlag Dr. Müller (Saarbrücken) 2007. ISBN 978-3-8364-0326-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5162.php, Datum des Zugriffs 19.11.2018.


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