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Edgar Sommer: Ich glaube, also bin ich. Credo, ergo sum

Cover Edgar Sommer: Ich glaube, also bin ich. Credo, ergo sum. Cargo Verlag (Schwülper / Hülperode) 2007. 109 Seiten. ISBN 978-3-938693-06-3. 14,80 EUR.
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Inhalt

"Die Sprache ist das Wort", und "Gott ist das Wort"; ist das die logische Fortsetzung einer Wahrheit, oder geht es dabei nicht um die vielfältigen Wahrheiten, die menschlichem Denken und Tun zugrunde liegen? In insgesamt zwanzig Stichworten, die er jeweils in Aussprüche und Behauptungen kleidet, setzt sich der Autor mit den vielfältigen Erscheinungsformen von Glaube, Weltanschauung und Einstellungen auseinander; z. B., indem er die Aussage: "Gott ist der Herr der Zeit" auf den Prüfstand seines Denkens stellt. Da kommen dann so überraschende und nachdenkenswerte Sätze zustande, wie: "Menschen sind wie ihre Götter", aber auch: "Gott ist wahrscheinlich nicht wie wir". Das Dilemma löst er aber - Gott sei Dank - nicht auf, sondern überlässt es den Lesern, ihre eigenen Antworten darauf zu finden. Ob sie in einem, eher fatalistisch anmutendem Antwortangebot zu finden ist, wie: Glauben heißt, Vertrauen in das Schicksal haben; oder in einer eher den Philosophien von traditionellen afrikanischen Religionen entnommenen Auffassung: Der Mensch ist kein Abbild Gottes. Sein Bemühen, gut zu sein, besteht darin, nach den Riten und Tabus der Gemeinschaft danach zu leben - immer sind es anscheinend grundgelegte Bedürfnisse nach Spiritualität und Transzendenz, nach Erkenntnis und Führung, nach Individualität und Kommunikation. Weil das "Rätsel Zeit" etwas mit Glauben, Denken, Fühlen und Agieren zu tun hat, bleibt es nicht aus, dass sich der Mensch auch mit der Frage "Was und warum glaube ich (nicht)?" auseinander setzt. Aber das Problem beginnt damit erst: Wer glaubt, zweifelt nicht! Also ist der Zweifel, die Kritik an Weltanschauungen gegen den Glauben gerichtet? Der Spagat und der schmale Grad sind deutlich erkennbar. Menschen treibt, solange sie existieren, die Frage nach der Zeit, nach Leben und nach dem Tod um. Sie gehen unbedarft mit der Zeit um, wie sie auch Angst vor der Zeit haben. Was blieb und was bleibt ihnen da anderes übrig, als sich nach Übernatürlichem umzuschauen und daraus Mythen, Rituale, Dogmen, Lebensregeln, Gesetze und Normen zu erdenken.

Fazit

Das Büchlein besticht nicht durch hochgelehrte Sprüche, die nicht selten Phrasen sind, sondern durch eine einfache, anspruchsvolle Sprache. Die einzelnen Reflexionen zu den vielfältigen Themen des Daseins werden am Ende weniger mit einem Ausrufezeichen, als einem Fragezeichen gekennzeichnet. Das ist gut und sympathisch. Nur allzu leicht verirren wir uns beim Nachdenken und Aussprechen über Unbeweisbares wie dem Glauben in apodiktischen Aussagen. In Edgar Sommers Nachdenken über den Glauben in unserer säkularisierten Zeit und globalen Welt steckt sowohl die sokratische Erkenntnis: "Ich weiß, das ich nichts weiß", also eine skeptizistische Einstellung zum Leben, als auch eine aus seinen Erfahrungen in der Wüste gewonnene realistische und gleichzeitig optimistische Lebenserwartung, die sich nicht festlegen lässt auf fundamentalistische Erwartungen oder von welcher Ideologie oder Macht auch immer diktierten Ziel-Vorgabe. Liest man die einzelnen Texte, kommt einem der Widerspruch der vielfach philosophisch formulierten Lebensanweisungen in den Sinn: Der Weg ist das Ziel / Das Ziel ist der Weg / Das Ziel ist im Weg!


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 19.09.2007 zu: Edgar Sommer: Ich glaube, also bin ich. Credo, ergo sum. Cargo Verlag (Schwülper / Hülperode) 2007. ISBN 978-3-938693-06-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5192.php, Datum des Zugriffs 15.10.2019.


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