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Cecilia A Essau: Depression bei Kindern und Jugendlichen

Rezensiert von Prof. Dr. Joachim Kosfelder, 10.12.2002

Cover Cecilia A Essau: Depression bei Kindern und Jugendlichen ISBN 978-3-8252-2294-9

Cecilia A Essau: Depression bei Kindern und Jugendlichen. Psychologisches Grundlagenwissen. UTB (Stuttgart) 2002. 220 Seiten. ISBN 978-3-8252-2294-9. 19,90 EUR. CH: 37,00 sFr.

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Einführung in das Thema

Die Autorin behandelt ein vergleichsweise 'junges‘ Thema: erst seit ca. 30 Jahren beschäftigt sich die Fachöffentlichkeit mit dem Phänomen depressiver Störungen im Kinder- und Jugendlichenalter. Dem Buch ist – im besten Sinne – die Expertise einer Forscherin anzumerken, die diesen Gegenstand im Rahmen ihrer Habilitation eingehend untersucht hat.

Aufbau und Inhalte

Das Buch ist in drei unterschiedlich gewichtete Teile gegliedert: Der erste und mit 82 Seiten umfangreichste Teil ist mit dem Titel "Merkmale der Depression" überschrieben. Ausführlich behandelt werden hier nicht nur Symptome und Klassifikation depressiver Störungen (Kap. 1) sondern auch diagnostische Verfahren (Kap. 2) und Epidemiologie (Kap. 3). Ebenso differenziert geht die Autorin auch ein auf Aspekte der Komorbidität (Kap. 4), inklusive der diffizilen Frage nach der Abfolge in der Entwicklung komorbider Störungen, sowie auf typische Störungsverläufe (Kap. 6) und deren Prädiktoren. In Kap. 5 wird auch die Versorgungssituation im Gesundheitssystem kurz gestreift.

Der zweite Teil, "Theorien und Risikofaktoren" betitelt, umfasst auf 53 Seiten vier Kapitel. Diese beschäftigen sich mit Genesemodellen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen und psychotherapeutischen Perspektiven (Kap. 7), mit den natürlich vor allem im Kinder- und Jugendbereich bedeutsamen familiären Faktoren (Kap. 8), mit kognitiven Einflüssen (Kap. 9) und mit kritischen Lebensereignissen und deren Bewältigung (Kap. 10).

Der dritte und am wenigsten umfangreiche Teil (33 Seiten) zu "Prävention und Intervention" besteht aus nur einem gleichnamigen Kapitel, das sowohl psychotherapeutische als auch präventive Programme unterschiedlicher Ausrichtung (kognitive Verhaltenstherapie, Psychoanalyse/Tiefenpsychologie, Familientherapie) knapp umreißt und auch auf Fragen der Effektivität eingeht.

Abgerundet wird das Werk durch ein Glossar, ein umfangreiches Literaturverzeichnis und einen Sachindex, der die Suche nach Stichwörtern und Begriffen im Text vereinfacht.

Auch darüber hinaus haben Autorin und Verlag einigen Aufwand betrieben, um den Leserinnen und Lesern die Lektüre zu erleichtern: Dazu zählen eine Vielzahl von Tabellen, Abbildungen und Aufstellungen, grau hinterlegte ‚Kästen‘ zu spezielleren Themen. Zur guten Lesbarkeit und Verständlichkeit trägt auch die durchgehende Marginalienspalte mit Kern- und Schlüsselbegriffen bei, das Verständnis lässt sich anhand der insgesamt 139 Übungsfragen am Ende eines jeden der 11 Kapitel überprüfen.

ZIelgruppen

Mit dieser Ausstattung qualifiziert sich das Lehrbuch für die große Zielgruppe all derer, die in ihrer beruflichen Tätigkeit mit dem Phänomen depressiver Störungen im Kinder- und Jugendlichenbereich zu tun haben. Wer detailliertes und fundiertes Hintergrundwissen zu diesem – mit Lebenszeit-Prävalenzraten von 1 % im Grundschulalter bis zu 18 % bei Jugendlichen! – verbreiteten Störungsbild benötigt, dem ist die Lektüre von Cecilia Essaus Buch unbedingt anzuraten. Dank des aktuellen und großen Überblicks über international vorliegende Studien zu den behandelten Teilaspekten werden auch alle wissenschaftlich an diesem Thema Interessierten profitieren. Wer hingegen als Praktikerin oder Praktiker vor allem konkrete Handlungsvorschläge für den Einzelfall erhofft, wird möglicherweise enttäuscht sein: Fallbeispiele und Kasuistiken finden sich ebenso wenig wie Informationen zur Versorgungsrealität im deutschsprachigen Raum (Verbreitung der Angebote, verschiedene Settings etc.).

Fazit

Die Stärke des Lehrbuchs liegt in der Sammlung und Aufbereitung einer Fülle empirischer Fakten und theoretischer Modelle zu beinahe allen relevanten Facetten des Themas. Eine Schwäche liegt m.E. in der zu geringen Gewichtung und Differenzierung primärpräventiver und therapeutischer Vorgehensweisen, auch wenn dies exemplarisch für einzelne Programmmodule durchaus gut gelungen ist.

Rezension von
Prof. Dr. Joachim Kosfelder
Hochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Es gibt 5 Rezensionen von Joachim Kosfelder.

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ISSN 2190-9245