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Stiftung Hospital St. Wendel. Abteilung Jugend- und Familienhilfe (Hrsg.): Von der Kritik zur Akzeptanz (Familienaktivierung)

Cover Stiftung Hospital St. Wendel. Abteilung Jugend- und Familienhilfe (Hrsg.): Von der Kritik zur Akzeptanz - Zehn Jahre Familienaktivierung in der Jugendhilfe der Stiftung. Stiftung Hospital St. Wendel. Abteilung (St. Wendel) 2007. 155 Seiten. ISBN 978-3-00-021679-4. 12,00 EUR.
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Vorbemerkung des Rezensenten

Der Direktor der Stiftung Hospital St. Wendel, Karl Kasper, ist der Schwager des Rezensenten. Wirtschaftlich bestehen keinerlei Beziehungen zwischen beiden. Die Motivation für die Rezension folgt reinen fachlichen Interessen an dem Thema des Buches und ist ausdrücklich selbstbestimmt.

Thema

Das vorliegende Buch ist eine Gemeinschaftsproduktion unterschiedlicher Autoren, die alle mit der Praxis von Familienaktivierung auf dem Hintergrund ihrer pädagogischen Arbeit verbunden sind. Sie sind ca. zur Hälfte Mitarbeitende der Stiftung Hospital und haben alle eine Ausbildung in Familienaktivierungsmanagement durchlaufen. Daneben kommen auch Fachleute, Wissenschaftler und stellvertretend Klienten zu Wort.

Nach telefonischer Auskunft des Direktors der Stiftung Hospital ist die Veröffentlichung wissenschaftlich vom Institut für Regionale Sozialforschung (FOREG) der Universität Trier – Dr. M. Schenk - begleitet. Außerdem haben an der Erstellung zwei Journalisten mitgearbeitet. Beides macht deutlich, dass es der Stiftung Hospital neben der Darstellung der eigenen Arbeit, auch um die Veröffentlichung eines Fachbuches geht, in dem die Möglichkeiten und Grenzen der Familienaktivierung auf dem Hintergrund von unterschiedlicher Angebote diskutiert und reflektiert werden. Dabei gelingt es dem Herausgeber, auch Stimmen aus der regionalen Jugendhilfelandschaft (z.B. Jugendamtsleiter) einzufangen. Sie beschreiben aus Sicht der öffentlichen Träger den konkreten Nutzen von familienaktivierden Maßnahmen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich neben dem Gruß- und Vorwort in insgesamt 17 fachliche Beiträge. Einzelne Beiträge dienen der reinen Falldarstellung auf dem Hintergrund von Interviews mit Klienten, die entsprechend journalistisch aufbereitet sind. Die fachlichen Beiträge sind wie folgt überschrieben:

  • Ziel- und Wirkungsorientierung – Vom Familienaktivierungsmanagement zu den "Familienaktiverenden Hilfen" – Eine nicht nur "jugendhilfepolitische" Standortbestimmung nach 10 Jahren Erfahrung aus der Praxis von Erich Klein (Leiter der Bereiche "Ambulante Familienhilfe, Tagesgruppen, Jugendarbeit und Sozialraumarbeit")
  • Experte für die Familie ist die Familie – 10 Jahre FAM und FAM-Clearing von Jörg Lorson (Projektleiter des FAM – Clearingbereichs)
  • Alles ist möglich! Flexible Hilfen "Flex" von Jutta Kämmler (Projektleiterin für "Flexible Hilfen, Aufsuchende systemische Familientherapie und Pflege- und Herkunftselternberatung"
  • Die Bedingungen für Kinder und junge Leute werden nicht besser - Interview mit Peter Klesen (Amtsleiter und Abteilungsleiter des Sozialen Dienstes des Jugendamtes vom Stadtverband Saarbrücken)
  • Der FAM-Ansatz wird weiterentwickelt - Interview mit Klaus G. Ruffing (Leiter des Jugendamtes des Saarpfalz – Kreises in Homburg)
  • Aufsuchende systemische Familientherapie – im Rahmen der ambulanten Hilfen von Wolfgang Schwede (Mitarbeiter im Team der Flexiblen Hilfen)
  • Familienaktivierung in der Sozialraumarbeit von Marianne Quetting (Leiterin des Familienberatungszentrums in Landsweiler – Reden)
  • "Ich schätze das Hospital als innovativen Träger" - Interview mit Volker Kümmel (Leiter des Kreisjugendamtes Neunkirchen)
  • FAM im Neunkirchener Modell – Evaluation von Dr. Manfred Schenk (s.o.)
  • Netzwerk – ein Konzeptbeispiel aus der Ausbildung "Familienaktivierung" von Wolfgang Schwede (s.o.)
  • Familienaktivierung in der Tagesgruppenarbeit von Astrid Schmitt-Jochum (Projektleiterin Tagesgruppen)
  • Wie alles begann – Von der Elternarbeit zur Familienaktivierung im stationären Jugendhilfekontext von Bärbel Hofer (Projektleiterin Stationärer Bereich)
  • Ergebnisse der bundesweiten FAM-Evaluation von Dr. Manfred Schenk

Diskussion

In den Überschriften der einzelnen Beiträge wird die ganze Bandbreite der Einsatz-möglichkeiten einer familienaktivierenden Ausrichtung bzw. Grundhaltung deutlich. Neben der Familienaktivierung ist den Autoren der Aspekt der Sozialraumorien-tierung wichtig.

Die verschiedenen Praxisbeiträge von Klienten (aufbereitet durch eine Journalistin) verdeutlichen dem Leser die Wirkweise von FAM sehr anschaulich. Durch die Praxisbeiträge wird das Buch sehr lebendig und die Klienten sind indirekt einbezogen, was die familienaktivierende Grundhaltung der Mitarbeitenden in der Stiftung Hospital unterstreicht. Auch die von den pädagogischen Fachleuten aufbereiteten Fallbesprechungen unterstützen dabei, die Handlungsmöglichkeiten von FAM besser zu verstehen und nachzuvollziehen.

Aus 10 Jahren Erfahrung mit FAM wird deutlich, dass entsprechende Anschlussmaßnahmen von Bedeutung sind, die ebenfalls von einer familienaktvierenden Grundhaltung geprägt sein müssen. Dazu gibt der Beitrag von Jutta Kämmler einen besonderen Einblick.

Besonders erwähnenswert ist der Bericht über die Sozialraumorientierung im Landkreis Neunkirchen. Hier wird ein innovatives Modell im Rahmen von Familienberatungszentren vorgestellt und die Prinzipien der Sozialraumorientierung erarbeitet. Daran schließt ein Interview mit dem Kreisjugendamtsleiter des Landkreises Neunkirchen und eine wissenschaftliche Evaluation (FOREG) an. Die Evaluation zeigt, dass die Wirksamkeit von FAM gegeben ist und Unterbringungen in ca. 2/3 der Fälle bis zu zwei Jahren nach FAM nicht erfolgt. Ebenso wird deutlich, dass es wichtig ist, Folgemaßnahmen die sich ebenfalls an familienaktivierenden Haltungen orientieren in Familien zu installieren. Durch diese drei Beiträge rundet sich das Bild des Neunkirchner Modells ab.

Im Artikel über FAM in der Tagesgruppenarbeit ist sehr gut beschrieben, welche Veränderung eine familienaktivierende Ausrichtung auch in einem teilstationären Bereich bewirken kann.

Besonders interessant für den Leser ist die wissenschaftliche Untersuchung am Schluss des Buches unter dem Titel "Ergebnisse der bundesweiten FAM-Evaluation". Hier wird deutlich, dass es der Stiftung Hospital und dem Dachverband Familienaktivierungsmanagement e.V. sehr am Herzen liegt, die FAM Konzepte wissenschaftlich evaluieren zu lassen und damit eine fachlich breit angelegte Diskussion zu ermöglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass bei 72,1 % der Familien nach zwei Jahren keine Unterbrinung zu verzeichnen ist. Damit ist von einer deutlichen Stabilisierung der Familien zu sprechen.

Zielgruppe

Das Buch ist meines Erachtens für allen pädagogischen Fach- und Leitungskräfte in Jugendhilfeeinrichtungen und Auszubildende und Studierende geeignet.

Fazit

Ein Buch aus der Praxis für die Praxis. Das Besondere an der Veröffentlichung ist, dass eine Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung den eigenen Lern- und Entwicklungsprozess im Zusammenhang mit dem Konzept Familienaktivierung auf der Grundlage von unterschiedlichen Leistungsbereichen beschreibt, reflektiert und fachlich in die deutsche und regionale Jugendhilfelandschaft einordnet. Dabei hat die Stiftung Hospital die Entwicklung in Deutschland im Bereich der Familienaktivierung maßgeblich initiiert und weiterentwickelt. Im Buch wird deutlich, wie positiv und intensiv die ressourcen- und lösungsorientierte Haltung allen Autoren zu eigen ist und damit aller Voraussicht nach auch den Klienten zugute kommt.

Wer ein Methodenbuch erwartet, wird hier nicht fündig. Methoden werden nur benannt, doch nicht in ihrer Gänze dargestellt. Leser die daran Interesse haben, sei das Buch von G.Gehrmann und K.D. Müller " Familie im Stadtteil - Prävention familiärer Gewalt gegenüber Kindern ", Walhalla 2008, empfohlen.


Rezensent
Dipl. Soz.-Arb. Bertram Kasper
Dipl. Supervisor und Supervisor (DGSv), Krisen- und Business Coach, Coaching- und Trainerausbilder, profilingvalues® Partner
www.gisa-marburg.de
Homepage www.focus-fuehren.de
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Zitiervorschlag
Bertram Kasper. Rezension vom 12.05.2008 zu: Stiftung Hospital St. Wendel. Abteilung Jugend- und Familienhilfe (Hrsg.): Von der Kritik zur Akzeptanz - Zehn Jahre Familienaktivierung in der Jugendhilfe der Stiftung. Stiftung Hospital St. Wendel. Abteilung (St. Wendel) 2007. ISBN 978-3-00-021679-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5200.php, Datum des Zugriffs 18.10.2019.


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