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Tanja Daniela Klink: Entwicklung eines Governance Modells für Nonprofit-Krankenhäuser

Cover Tanja Daniela Klink: Entwicklung eines Governance Modells für Nonprofit-Krankenhäuser. Eul Verlag (Lohmar) 2007. 262 Seiten. ISBN 978-3-89936-562-7. 48,00 EUR.
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Thema

Tanja Daniela Klink befasst sich in ihrer Dissertation mit dem Governance Modells für Nonprofit-Krankenhäuser. Ziel ihrer Arbeit ist es, moderne Managementkonzeptionen aus dem Bereich der gewerblichen Wirtschaft (insbesondere die Erkenntnisse aus der Diskussion einer guten Corporate Governance) auf gemeinnützige, bedarfsorientierte Krankenhäuser zu übertragen. Dabei erstreckt sich die Analyse insbesondere auf die Rechtsform und die Struktur des Krankenhausträgers, die Ausgestaltung des Geschäftsführungs- und Aufsichtssystems sowie die strategischen Führungs- und operativen Umsetzungsprozesse.

Mit dem gewählten „Governance-Ansatz” wendet Klink ein umfassendes Führungskonzept für Unternehmen an, in der die Ansprüche sämlicher Anspruchs- und Interessengruppen (Stakeholder) einbezogen werden. Das Konzept der Corporate Governance setzt einen Schwerpunkt in normierten, formalen Rahmenbedingungen für sämtliche Management- und Ausführungsprozesse sowie die Überwachung der Geschäftsführung durch das Aufsichtsorgan. Ziel ist die Verbesserung der Effektivität und Effizienz der Krankenhausgeschäftsführung. Zentrales Instrument für die Umsetzung sind geklärte Strukturen für die Gremien sowie Zielvereinbarungen (Kontraktmanagement) auf allen betrieblichen Ebenen.

Autorin

Tanja Daniela Klink hat an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert und war 2000 - 2005 wiss. Mitarbeiterin am Lehrstuhl für personale Versorgungsbetriebe. Die Promotion konnte im Oktober 2006 erfolgen. Mittlerweile arbeitet Klink bei einem Pflegeheimbetreiber.

Entstehungshintergrund

Die dynamisch sich ändernden ökonomischen Rahmenbedingungen für Krankenhäuser in Deutschland bewirken einen Anpassungsdruck gerade auch für Nonprofit-Krankenhäuser. Zu nennen sind etwa die Budgetbegrenzungen zu Beginn der 1990 er Jahre, nicht mehr gesicherte Investitionszuschüsse der Bundesländer und aktuell die Einführung fester Entgelte (DRG-System), gestiegene Erwartungen der Patienten, Mitarbeiter und weiterer Interessenträger sowie die Öffnung des Gesundheitsmarktes (beginnende Absenkung der Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, Rehabilitationseinrichtungen, Medizinische Versorgungszentren, Integrierte Versorgung, Schwerpunkt- und Gemeinschaftspraxen usw.).

Dieser Anpassungsdruck triff gerade bei Nonprofit-Krankenhäuser auf nicht situationsgerechte Managementkonzeptionen

Aufbau

Bei der Monografie von Frau Klink handelt es sich um eine Dissertation. Neben dem kurzen Geleitwort des Doktorvaters Prof. Jörg Bottler beinhaltet die Arbeit ein Vorwort, sowie Verzeichnisse zum Inhalt, zu Tabellen und zu verwandten Abkürzungen. Der Haupttext erstreckt sich auf 242 Seiten. Die Arbeit wird abgeschlossen mit einem 16 seitigen Literaturverzeichnis.

Inhalte

Im ersten Kapitel beschreibt Klink detailliert das Untersuchungsobjekt Nonprofit-Krankenhaus. Dabei verwendet sie einen systemtheoretischen Ansatz. Mit diesem Ansatz gelingt ihr eine systematische und umfassende Darstellung der Elemente, Beziehungen, Strukturen und Verhaltensweisen im gemeinwohlorientierten Krankenhaus.

Im zweiten Kapitel stellt die Autorin die relevanten Einflussgrößen auf die Governance eines Krankenhauses und die damit verbundenen Besonderheiten und Probleme dar. Aus einer Untersuchung der funktionalen und institutionalisierten Umwelteinflüsse leitet sie die verschiedenen “Stakeholder“ (Anspruchs- und Interessengruppen) an ein Nonprofit-Krankenhaus ab. Darüber hinaus gibt sie einen Überblick über die maßgeblichen Überlegungen aus dem angelsächsischen Bereich zum Corporate Governance Modell. Anschließend berichtet Klink über die ersten Ansätze in der deutschen Managementliteratur, mit denen diese Überlegungen auf ein deutsches Corporate Governance Modell übertragen werden. Sie fasst ihre Analyse zusammen mittels der Erörterung von drei Nonprofit Corporate Governance Modellen für Krankenhäuser. Auf S. 69 berichtet sie abschließend über die Fragestellung (z.B. von Alexander und Weiner), ob sich Nonprofit-Krankenhäuser an Corporate Governance Modelle aus der gewerblichen Wirtschaft 1:1 anzupassen hätten. Dies wird verneint, da bei diesen Organisationen Sachziele, Werte und Normen sowie ein besonderes Leitbild und nicht der Profit im Vordergrund stehen. Im Ergebnis sind die Besonderheiten der gemeinwohlorientierten Einrichtungen zu beachten. Elemente der kontraktorientierten Steuerung sind jedoch einzuführen, um ein zweckmäßiges Management sicherstellen zu können (S. 69 f). Klink spricht in diesem Sinne von erfolgreichen Mischmodellen (Hybridmodelle).

Das dritte Kapitel befasst sich mit den relevanten Einflussfaktoren in einem solchen Corporate Governance Modell. Dabei geht Klink von einer Betrachtung der formalen Aspekte aus. Sie erörtert die möglichen Rechtsformen mit ihren jeweiligen Spezifika für die Unternehmensführung. Bei Krankenhäusern ist bei der Diskussion der Organe auf eine Besonderheit hinzuweisen: das aus ärztlicher, pflegerischer und Verwaltungsleitung gebildete sog. Krankenhausdirektorium. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf einen aktuellen Trend: Privatwirtschaftliche Einflüsse in den letzten Jahren haben nach Darstellung von Klink dazu geführt, dass ein starkes kaufmännisches Regime eingeführt wurde (Geschäftsführer einer GmbH bzw. Vorstand einer AG), wodurch das traditionelle Krankenhausdirektorium in den Hintergrund gerückt sei. Darüber hinaus bildet Klink eine Typologie von Stakeholder mit dem Ziel, die relevanten Interessenträger zu identifizieren. In einem empirischen Teil werden Ergebnisse ausgewählter Studien aus der Managementpraxis wiedergegeben und diskutiert. Anschließend werden die Probleme der Organe der Governance von Nonprofit Krankenhäuser aufgezeigt. Im Rahmen des Entscheidungsprozesses ist die Bedeutung eines Ziel und Kennzahlensystems sowie von Zielvereinbarungen herauszustellen.

Im vierten Kapitel entwickelt Klink ein eigenes Corporate Governance Modell für Nonprofit Krankenhäuser. Das Modell orientiert sich am Managementzyklus und wird dementsprechend in eine Planungs-, Realisierungs- und Überwachungsphase eingeteilt. Im Mittelpunkt steht die Gestaltung des gesamten von Nonprofit Krankenhauses. Betrachtet wird der Leitbilderstellungsprozess, in dem die Unternehmensphilosophie geklärt wird. Es folgen die strategische und die operative Managementphase. Zentral sind Zielvereinbarungen innerhalb des Krankenhausbetriebs und verschiedene Aktivitäten zum Umgang mit den Krankenhausstakeholdern.

Diskussion

Klink beginnt ihre Dissertation mit einer breit angelegten Bestandsaufnahme des Untersuchungsobjekts Nonprofit-Krankenhaus. Damit wird der Leser auf die speziellen Anforderungen, die von unterschiedlichsten Interessenträgern im und außerhalb des Unternehmens an das Krankenhaus-Management gerichtet werden, hingewiesen[1].

Neben den Rechtsformen sind des weiteren die verschiedenen Krankenhausträgergruppen zu erörtern. Die diesbezügliche Analyse von Klink ist insofern sehr wertvoll, als die jeweils grundlegenden empirischen Untersuchungen aufgeführt und inhaltlich zusammengefasst dargestellt werden (z.B. die Analyse des Deutschen Krankenhaus-Instituts aus dem Jahre 2002 zu Vor- und Nachteilen unterschiedlicher Rechtsformen für ein Krankenhaus). Solche Ausführungen und Hinweise auf Sekundärliteratur dürften insbesondere bei der Beraterzunft dankbare Abnehmer finden!

Entsprechend breit ist die Analyse der besonderen Aufgaben für das Management und die Aufsichtstätigkeit im Nonprofit-Bereich anzulegen. Zunächst erfolgt eine Bestandsaufnahme der in der Praxis anzutreffenden Sachverhalte (z.B. nicht qualifizierte, nicht professionelle und z.T. überaltert besetzte Aufsichtsgremien). Klink schlägt für die Analyse sämtlicher Einflussgrößen ein Modell vor, dass sich an der systemtheoretischen Analyse orientiert. Für die Umsetzung wird ein kontraktorientierter Ansatz (auf Basis von Zielvereinbarungen auf allen Unternehmensebenen) vorgeschlagen. Über die Zielerreichung in einem komplexen Führungsmodell informieren Kennzahlensysteme bzw. der Ansatz der Balanced Scorecard.

Es werden die maßgeblichen Ansätze zur Umsetzung eines geeigneten Konzepts für die Corporate Governance in Deutschland und im angelsächsischen Schrifttum dargestellt. Interessant ist im Zusammenhang der Bestimmung eines optimalen Führungs- und Aufsichtssystems u.a. der Hinweis, dass sich die traditionelle Divergenz in den amerikanischen Ansatz der Leitung durch ein gemischt besetztes Board und dem in Deutschland traditionell gültigen Trennungsprinzip (Vorstand – Aufsichtsrat) aufzuweichen beginnt (S. 66). Im vorgeschlagenen Führungsmodell spielt der richtige Umgang mit den verschiedenen Stakeholdergruppen eine entscheidende Rolle. Dafür sind z.B. die Gruppen zu identifizieren, die für den Betriebserfolg ein Bedrohungspotential darstellen. Hierzu erstellt Klink z.B. eine 10 seitige Typologie unterschiedlicher Stakeholder (S. 153 – 162). Hinsichtlich der Ziele des Krankenhaus-Personals bietet Klink an anderer Stelle eine siebenseitige Tabelle (S. 197 – 203).

Die Analyse ist nach Auffassung des Rezensenten nahezu vollständig und umfasst alle wesentlichen Aspekte der Krankenhausökonomie. In der Überwachungsphase fehlt allerdings nach Auffassung des Rezensenten die Betrachtung der in der Praxis bedeutsamen Institution des Abschlussprüfers, der ja (z.B. im kommunalen Bereich pflichtweise) neben der Jahresabschlussprüfung die Prüfung der Geschäftsführung vornehmen kann und hier die Möglichkeit hat, Entscheidungshilfen auch zur Struktur und zu den Managementprozessen eines Nonprofit Krankenhauses zu geben.

Obwohl es sich bei Klinks Monografie um eine wissenschaftliche Abhandlung handelt, ist das Buch gut lesbar. Die besonderen Anforderungen an eine gute Unternehmensführung und -aufsicht bei gemeinnützigen Krankenhäusern werden anschaulich präsentiert. Der systematisch durchgehaltene Ansatz, den gesamten Management-Zyklus (von der Planung über die Realisierung und Überwachung) im Blick zu behalten und zunächst das Leitbild, dann strategische und schließlich operative Aspekte zu betrachten, bietet ein strenges Korsett für die Argumentation.

Fazit

Wer sich für die Unternehmensführung bei Krankenhäusern interessiert, sollte unbedingt auf diese Arbeit zurückgreifen. Dies könnten aus dem Krankenhaus selber Nachwuchskräfte, beispielsweise aus dem mittleren Management sein. Oder von außerhalb, z.B. Unternehmensberater. Klink gelingt es, einen systematischen Überblick über die aktuellen Diskussionsfelder im Management zu vermitteln. Schließlich ist Klink in vollem Umfang zuzustimmen, wenn sie postuliert, dass das Leitungs- und Führungsverhalten entscheidend für den Erfolg eines Krankenhauses sei. Und natürlich die Besetzung der Führungs- und Aufsichtsorgane!

Besonders empfehlenswert ist das Buch „Entwicklung eines Governance Modells für Nonprofit-Krankenhäuser“ zudem für solche Leser, die sich für die aktuelle Managementliteratur im angelsächsischen Raum interessieren. Hier finden sie unter den Stichworten „Corporate Governance“ gut lesbare Surveys zur aktuellen Stand der Literatur und Unternehmenspraxis. Ob die 10 seitige Typologie der unterschiedlichen Stakeholder eines Nonprofit Krankenhauses „der Weisheit letzter Schluss“ sein wird, bleibt nach Meinung des Rezensenten abzuwarten. Auf jeden Fall spielen Machtkonstellationen und Anspruchsgruppen im komplexen System Krankenhaus eine nicht unbedeutende Rolle! Bestens für die Prüfung der eigenen Struktur sind schließlich die Anforderungen an den Krankenhausträger, an die Rechtsform und das Krankenhausmanagement (Kapitel 5) geeignet.

Für den unmittelbar auf Anwendungsbezug ausgerichteten Praktiker und Studenten im betriebswirtschaftlichen Grundstudium dürfte die Arbeit dagegen eher zu anspruchsvoll sein. Es handelt sich ja auch um eine Doktorarbeit.


[1] Es ist bedauerlich, dass der ebenfalls systemtheoretisch ausgerichtete Ansatz von Fleßa (vgl. die Rezension zu Grundzüge der Krankenhaus-BWL bzw. die Rezension zu Grundzüge der Krankenhaussteuerung) nicht in die Erörterung von Klink einfließen konnte. Hier liegt offenkundig eine zeitliche Überschneidung bei gegenseitiger Unkenntnis vor!


Rezension von
Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch
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Zitiervorschlag
Friedrich Vogelbusch. Rezension vom 16.04.2009 zu: Tanja Daniela Klink: Entwicklung eines Governance Modells für Nonprofit-Krankenhäuser. Eul Verlag (Lohmar) 2007. ISBN 978-3-89936-562-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5218.php, Datum des Zugriffs 25.05.2020.


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