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Sascha Saßen, Manfred Borutta u.a.: Risikomanagement. Führungsstrategien für pflegerische Kernbereiche

Cover Sascha Saßen, Manfred Borutta, Joachim Lennefer: Risikomanagement. Führungsstrategien für pflegerische Kernbereiche. Vincentz Verlag (Hannover) 2007. 287 Seiten. ISBN 978-3-86630-037-8. 28,00 EUR, CH: 47,40 sFr.

Reihe: 10 Basics. Altenheim-Bibliothek.
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Autoren

  • Sascha Saßen ist Krankenpfleger und Dipl.-Pflegewirt. Nach operativer Leitungstätigkeit an einer Universitätsklinik war er zunächst als Unternehmensberater tätig, bevor er in Stabsfunktion Verantwortung für die Unternehmensentwicklung eines rheinländischen Krankenhauses übernahm. Daneben ist Sascha Saßen Doktorand an der privaten Universität Witten-Herdecke und arbeitet als redaktioneller Mitarbeiter bei der Rechtsdepesche für das Gesundheitswesen sowie als Fachdozent und Referent für Pflegemanagementthemen.
  • Manfred Borutta ist Altenpfleger und Dipl.-Pflegewirt. Er verfügt über eine achtjährige Erfahrung in der Arbeit mit gerontopsychiatrisch veränderten und alkoholkranken alten Menschen und arbeitet seit 16 Jahren in der Bildungsarbeit mit Pflegekräften. Seit 2000 ist Manfred Borutta hauptberuflich in der Fort- und Weiterbildung für Pflegekräfte beim Amt für Altenhilfe des Kreises Aachen und nebenberuflich als Lehrbeauftragter an der KFH Köln tätig. Berufsbegleitend studiert er Pflegewissenschaft an der PTHV in Vallendar.
  • Joachim Lennefer ist Fachkrankenpfleger für Psychiatrie mit dem Schwerpunkt Gerontopsychiatrie und Dipl.-Pflegewirt, er arbeitet als Einrichtungsleiter im Seniorenwohnsitz U. Lambertz KG in Monschau-Kalterherberg.

Thema

Es bis auf die Titelseite der größten deutschen Boulevard-Zeitung zu "schaffen", das ist sozialwirtschaftlichen Themen nur selten vergönnt. Die Pflegequalität hatte dagegen noch in diesem Sommer das (allerdings zweifelhafte) Vergnügen, durch den jüngsten Qualitätsbericht des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen diesen Grad der bundesweiten Aufmerksamkeit zu erlangen. Der Berichterstattung zur Folge ist die Qualität der ambulanten wie der stationären Pflege katastrophal. Saßen/Borutta/Lennefer haben mit "Risikomanagement - Führungsstrategien für pflegerische Kernbereiche" ein Buch geschrieben, dass sich mit der Frage auseinandersetzt, wie die tätigkeitsimmanenten Risiken professionellen pflegerischen Handelns beherrscht werden können. Dabei konzentrieren sie sich auf die fünf pflegerischen Kernprozesse, die regelmäßig Gegenstand von Prüfungen und Anlass für Kritik sind:

  1. Sturzprävention,
  2. Dekubitusprävention,
  3. gewaltfreie Pflege,
  4. Prävention von Fehl- und Mangelernährung und
  5. professionelle Fallarbeit.

Aufbau und Inhalt

Saßen/Borutta/Lennefer haben ihr Buch in 10 Kapitel gegliedert.

  1. Nach einer Einleitung durch alle drei Autoren werden im ersten Kapitel durch Manfred Borutta die Grundlagen des Risikomanagement dargestellt. Dabei geht er auf die öffentliche Diskussion der Pflegemängel ein, erläutert den Unterschied zwischen Risiken und Gefahren und begründet vor dem Hintergrund dieser Erläuterung die Konzentration der Autoren auf die genannten fünf pflegerischen Kernprozesse.
  2. Im zweiten Kapitel (Dekubitusprävention) begründet, entwickelt und erläutert Sascha Saßen einen Vorschlag für eine organisationsunabhängige Verfahrensanweisung zur Dekubitusprophylaxe. Bestandteil des Kapitels ist neben der Verfahrensanweisung selbst u.a. auch ein Musterbewegungsplan.
  3. Ähnlich geht Sascha Saßen beim dritten Kapitel (Sturzprävention) vor: Auch hier wird eine organisationsunabhängige Verfahrensanweisung (diesmal zur Sturzprophylaxe) entwickelt.
  4. Joachim Lennefer widmet sich im vierten Kapitel (Mangelernährung - Prävention) einer Verfahrensanweisung zur Prophylaxe von Fehl- und Mangelernährung, bevor sich
  5. Manfred Borutta in Kapitel fünf (Gewaltfreie Pflege) ausführlich mit dem Problem der Gewalt zwischen Pflegefachkraft und zu Pflegendem auseinandersetzt. Wie in den vorangegangenen drei Kapiteln erfolgt auch hier die Entwicklung einer organisationsunabhängigen Verfahrensanweisung (Prüfung der Erfordernis und Anwendung freiheitsentziehender Maßnahmen).
  6. Joachim Lennefer und Manfred Borutta erläutern im sechsten Kapitel (Fallarbeit) Inhalt, Notwendigkeit und Anwendung des Instruments der hermeneutischen Fallarbeit und beschreiben auch hier die entsprechende Verfahrensanweisung.
  7. Unter Co-Autorenschaft von Prof. Dr. jur. Volker Großkopf setzt sich Sascha Saßen im siebten Kapitel (Haftungsrechtliche Aspekte am Beispiel der Problematik von Stürzen) mit der Frage auseinander, welche haftungsrechtlichen Konsequenzen aus den risikobehafteten pflegerischen Prozessen für die Einrichtungen und Dienste resultieren und wie diese Risiken beherrscht werden können.
  8. Darauf aufbauend erläutert Sassen in Kapitel acht (Evidenzbasierte Pflegepraxis) die Führungsaufgabe des "Evidence-based Nursing" sowie ihre Möglichkeiten und Grenzen in der Pflegepraxis.
  9. Wiederum Sascha Saßen setzt sich im neunten Kapitel (Qualitätsmanagement und qualitatives Controlling) mit dem Zusammenhang von Risikomanagement und Qualitätsmanagement auseinander und entwickelt Vorschläge für ein qualitatives, kennzahlbasiertes Controlling.
  10. Im zehnten und letzten Kapitel (Risikomanagement in bestehende Führungskontexte einbauen) werden durch Sascha Saßen Notwendigkeit und Technik der Führung mit Methoden des Qualitäts- und Risikomanagement abschließend und zusammenfassend beschrieben.

Zielgruppe

"Risikomanagement - Führungsstrategien für pflegerische Kernbereiche" wendet sich an Führungsverantwortliche in Pflegeunternehmen. Neben Wohnbereichs- und Pflegedienstleitungen ist das Buch insofern für Qualitätsmanagementbeauftragte, aber auch für Einrichtungsleitungen und Geschäftsführungen von Bedeutung. Darüber hinaus gehören Lehrende an berufsbildenden Pflegeschulen und Hochschulen ebenso zur Zielgruppe, wie Studierende, die sich auf die Übernahme von Leitungsverantwortung in pflegerisch tätigen Unternehmen vorbereiten.

Diskussion

Sascha Saßen, Manfred Borutta und Joachim Lennefer haben mit "Risikomanagement - Führungsstrategien für pflegerische Kernbereiche" ein hervorragendes Buch geschrieben, dessen Lektüre allen Führungsverantwortlichen in der ambulanten und stationären Pflege uneingeschränkt zu empfehlen ist.

Pflegeunternehmen müssen sich gleichzeitig mit wachsendem wirtschaftlichem Druck und immer kritischer werdenden (potentiellen) Kunden auseinandersetzen. Die Beherrschung tätigkeitsimmanenter Risiken wird somit zu einer Überlebensfrage - und diese Frage wird von den Autoren beantwortet. Dabei gelingt der schwierige Spagat zwischen Wissenschaft und Praktikabilität: Die Ergebnisse pflegewissenschaftlicher Forschung werden eben nicht nur allgemeinverständlich erläutert (was alleine schon positiv zu vermerken wäre), sondern auch und vor allem durch organisationsunabhängige Verfahrensanweisungen anwendbar gemacht. Dazu wird immer wieder auf den pflegerischen Alltag Bezug genommen und nicht zuletzt auch der eigene Ansatz problematisiert: Die Grenzen evidenzbasierter Pflegepraxis werden deutlich gemacht, auch wenn diese Verdeutlichung die Struktur insbesondere kleinerer Unternehmen erheblich in Frage stellt.

Fazit

"Risikomanagement - Führungsstrategien für pflegerische Kernbereiche" ist ein im wahrsten Sinne des Wortes wegweisendes Buch, das Führungsverantwortlichen und Lehrenden in der ambulanten und stationären Pflege uneingeschränkt zu empfehlen ist. Die Verbindung aktueller pflegewissenschaftlicher Erkenntnisse mit praxisnahen Umsetzungsmöglichkeiten ist für jedes Pflegeunternehmen von großem Nutzen - im Unternehmen des Rezensenten neue Pflichtlektüre!


Rezensent
Dipl.-Sozialpäd. Thomas Kaczmarek
Geschäftsführer der AWO Seniorendienste Niederrhein gGmbH
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Zitiervorschlag
Thomas Kaczmarek. Rezension vom 28.10.2007 zu: Sascha Saßen, Manfred Borutta, Joachim Lennefer: Risikomanagement. Führungsstrategien für pflegerische Kernbereiche. Vincentz Verlag (Hannover) 2007. ISBN 978-3-86630-037-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5236.php, Datum des Zugriffs 15.11.2019.


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