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Ute B. Schröder, Claudia Streblow (Hrsg.): Evaluation konkret. Fremd- und Selbstevaluationsansätze anhand von Beispielen aus Jugendarbeit und Schule

Cover Ute B. Schröder, Claudia Streblow (Hrsg.): Evaluation konkret. Fremd- und Selbstevaluationsansätze anhand von Beispielen aus Jugendarbeit und Schule. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2007. 204 Seiten. ISBN 978-3-86649-016-1. 19,90 EUR.
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Thema

Obwohl Evaluation in deutschen Schulen noch nicht verbreitet ist, sehen die Herausgeberinnen im Zuge der Diskussion rund um die Qualitätssicherung in Kinder- und Jugendarbeit einen verstärkten Handlungsbedarf für die soziale und pädagogische Praxis. Anhand ihrer Erfahrungen aus der Stiftungsarbeit (Deutsche Kinder- und Jugendstiftung) wollen sie Vorurteile abbauen und für Evaluation "ermutigen" und werben.

Aufbau und Überblick

In sieben Beiträgen rund um das Thema Evaluation werden Fremd- und Selbstevaluationsansätze anhand konkreter Beispiele in Jugendarbeit und Schule vorgestellt. Von betrieblicher Peer-Mediation für einzelne Jugendliche in verschiedenen Betrieben- immerhin werden " in allen Unternehmen durchschnittlich zwölf Prozent der Arbeitszeit durch Konflikte verbraucht", über konstruktive Konfliktbearbeitung in der Schule, Selbstevaluation , Überprüfung der Zusammenarbeit zwischen Basketballgruppe und Polizei, dialogorientierter Evaluation von Stiftungsarbeit bis hin zur nutzenorientierten Auswertung von Modellprogrammen reicht der Überblick. Es werden Fallbeispiele, Ergebnisse und verständliche Handlungsanweisungen dargeboten.

Einzelne Beiträge

Der Beitrag von Ute B. Schröder und Volker Kohle leistet einen Einstieg in das Handwerkszeug Evaluation. Als Standards für Evaluationen werden Nützlichkeit, Durchführbarkeit, Fairness und Genauigkeit identifiziert. Mit Evaluation kann man die pädagogische und soziale Praxis (an)erkennen, entwickeln, planen, steuern, den Dialog und die Reflexion fördern, überprüfen sowie kontrollieren. Die Autoren fordern, dass die Ausgestaltung von Evaluation "relevante Anwendungsbereiche und unterschiedliche Interessenlagen der verschiedenen Akteure abdecken, zur Erhöhung von Akzeptanz führen", aber sich gleichzeitig vor einer "Überfrachtung" hüten sollte.

Fritz Walter stellt in seinem Beitrag den Appreciative-Inquiry-Ansatz - auf Deutsch: wertschätzende Erkundung - vor. Aus der Erkenntnis, dass bei defizitorientierter Beratung Energie verschwendet und Menschen entmutigt werden, folgt, dass die (An)Erkennung des Problems der erste Schritt zur Lösung ist. Wie funktioniert nun die wertschätzende Erkundung?  Ganz einfach, in vier Arbeitsschritten, dem 4-D-Zyklus. Die vier D stehen für

  1. Discovery (Erkunden/Wertschätzen),
  2. Dream (Träumen),
  3. Design (Gestalten) und
  4. Destiny (Umsetzung).

Bei British Airways wurde zum Beispiel nicht "das Problem fehlender Gepäckstücke bei Ankunft der Passagiere" als Agenda behandelt - das wäre die klassische problemorientierte Vorgehensweise - , sondern die affirmative Zielformulierung lautete "herausragende Erlebnisse bei der Ankunft von Passagieren". Mit der wertschätzenden Erkundung gelingt es, den Blick auszuweiten auf Faktoren, die normalerweise nicht berücksichtigt werden, und sie bietet damit die Chance, neue und divergente Lösungen zu finden.

Claudia Streblow zeigt anhand der reichhaltigen Evaluationspraxis der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, dass alle Akteure, die an der Umsetzung von pädagogischen Programmen beteiligt sind, mit der dialogorientierten Evaluation ein Instrumentarium erhalten, durch das überprüft werden kann, ob das, was ihnen wichtig ist, Anerkennung findet. Zum Selbstverständnis der Stiftung gehört es, jedes ihrer Programme auf Wirksamkeit hin zu evaluieren. Für das Jahr 2005 bedeutete dies: zehn laufende, drei abgeschlossene externe Evaluationen, fünf in Vorbereitung und drei Workshops zur (Selbst)Evaluation. Es gab auch Programme, die von einer externen Evaluation in eine interne Begleitung durch Evaluation überführt wurden. Aus der Sicht eines jugendlichen Forschers heißt Evaluation, "dass man sich coole Projekte anschaut, sie dann anderen Schülern zeigt, die sie nachmachen können. Eine ganz coole Idee."

Fazit

Die facettenreichen Praxisbeispiele belegen, wie viel Potenzial in Evaluation steckt, um soziale und pädagogische Praxis zu verbessern. Sie sprechen für sich selbst und können gleichsam als Handlungsanleitung genutzt werden, die Richtung Evaluation einzuschlagen. Evaluation konkret - wird in diesem Buch - einfach gemacht - geschafft!


Rezensentin
Dr. Cornelia Alban


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Zitiervorschlag
Cornelia Alban. Rezension vom 26.12.2007 zu: Ute B. Schröder, Claudia Streblow (Hrsg.): Evaluation konkret. Fremd- und Selbstevaluationsansätze anhand von Beispielen aus Jugendarbeit und Schule. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2007. ISBN 978-3-86649-016-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5240.php, Datum des Zugriffs 22.07.2018.


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