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Monika Köppel: Existenzgründung in der Sozialen Arbeit. Soziale Arbeit als selbstständiger Leistungserbringer

Cover Monika Köppel: Existenzgründung in der Sozialen Arbeit. Soziale Arbeit als selbstständiger Leistungserbringer. Ein einführender Leitfaden zur Firmen- und Praxisgründung. Lippe-Verlag (Lage) 2007. 187 Seiten. ISBN 978-3-89918-167-8. 19,90 EUR.
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Thema

Soziale Arbeit ist vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Veränderung durch zunehmenden Bedarf an sozialen Dienstleistungen gekennzeichnet. Aufgrund knapper Finanzmittel kann er mit bisherigen Strukturen nicht entsprechend gedeckt werden. Selbstständige Leistungserbringung wird von der Autorin zunehmend als Möglichkeit Sozialer Arbeit betrachtet, "den Aufgaben der Inklusionssicherung und Exklusionsprävention nachzukommen und den Prozess der eigenen Professionalisierung weiter voranzutreiben".

Innerhalb der Lehre und Praxis gibt es erhebliche Wissens- und Informationsdefizite hinsichtlich des Existenzgründerwissens. Dieses Problem will das vorliegende Buch beheben.

Aufbau …

Das Buch gliedert sich in zwei Abschnitte, den (größeren) theoretischen Teil der theoriegeleiteten Exploration und den empirischen Teil, in dem Experten zu Wort kommen. In einem Fazit gibt es eine diskursive Verknüpfung der gewonnenen Erkenntnisse, der umfangreiche Anhang enthält Fragebogen, Interviews und eine Stellungnahme eines Vertreters des Berufsverbandes DBSH.

… und Inhalt

In der Einleitung (1) wird auf die bisherige dichotome Betrachtung des behandelten Themas hingewiesen.

Der theoretische Teil A beginnt mit dem Kapitel 2 "Denotation und Konnotation Sozialer Arbeit" und behandelt die Frage nach dem Gegenstand und dem Umfang Sozialer Arbeit. Es geht in zwei Unterkapiteln um "Leistungsfelder Sozialer Arbeit" und "Anbieterstruktur".

Im nächsten Kapitel (3) wird "Soziale Arbeit im Kontext gesellschaftlicher Entwicklung" dargestellt. Analysiert werden Themen und Hintergrundsfakten wie "Soziale Arbeit als Dienstleistung", "Standortbestimmung sozialer Dienstleistung", "Finanzierungsgrundlagen", "Bedarfe und Versorgungslage", "Gesellschaftlicher und demografischer Wandel", "Morbiditätswandel", "(wirtschafts-)ethische Implikation Sozialer Arbeit", "(Veränderungs-)tendenzen der Sozialleistungslandschaft", "Welfare Mix und Privatisierungsbestrebungen", "New Public Management und Vermarktlichung", ". Besonderheiten sozialer und gesundheitsbezogener Dienstleistung" sowie "Marktmechanismus versus Strukturkonservatismus".

Nach diesen Ausführungen folgt das sehr umfangreiche und viele Themen überspannende Kapitel 4, "Soziale Arbeit als selbstständiger Leistungserbringer". Betont wird, dass die Aufnahme einer in Selbstständigkeit erbrachte Tätigkeit gründlicher Vorbereitung bedarf. Dazu geht die Autorin auf die "Voraussetzungen auf Unternehmerebene / Existenzgründerprofil" ein, streift "Motivation und Identifikation" und "Risikomanagement". Auf knapp vier Seiten wird eines der Kernthemen der Existenzgründung, die "Konzeption und Umsetzung der Unternehmensebene" abgehandelt, von der Geschäftsidee bis zur Entwicklung eines Businessplanes. Die "Positionierung des Unternehmens", "Bedarfsanalyse und Standortwahl", Zielgruppenanalyse/Definition der Angebote" als Themen aus dem Marketing-Bereich werden kurz ausgeführt. Um Aspekte der Unternehmensfinanzen geht es in den vier nachfolgenden Unterkapiteln ("Finanzierung und Rentabilität", "Kapitalbedarf und Finanzierung", "Rentabilität, Liquidität und Gewinn" und "Kennzahlen und Controlling". Weiter thematisiert das Buch das "Kooperations- und Netzwerkmanagement", "Auswahl und Gewinnung der Kooperationspartner" und die "Initiierung von Kooperations- und Netzwerkverbünden". Immer noch in Kapitel 4 werden "Wettbewerbsvorteil, Kundenakquise und Marketing", "Marktanalyse", "Werbestrategien", "Selbstüberzeugung und Selbstwirksamkeit", "Personalauswahl", "Mitarbeiterkompetenzen und Führungsoptionen", "Management- und Unternehmenskultur", "Visionen, Leitbild und Zielvereinbarungen". Ebenfalls in Kapitel 4 werden die "Rechtsformwahl", "Freie Berufe und ihre Besonderheiten", "Gesellschaftsformen", "Qualitätsmanagement" sowie "Qualitätssicherung" angerissen. Eine Zusammenfassung schließt dieses facettenreiche Kapitel und den gesamten Teil der theoretischen Exploration ab.

B. Empirischer Teil: Ausführlich werden in Kapitel 5 - 9 der "theoretische Rahmen der Studie", das "Forschungsdesign", die "methodischen Zugänge" und sämtliche Aspekte einer Studie generell sowie der Studie für das vorliegende Werk theoretisch abgehandelt. Die Darstellung der Ergebnisse (bei 17! ausgewerteten Fragebögen) der empirischen Erhebung ist mit Grafiken angereichert und zusammenfassend wiederholt.

In einem kurzen Fazit C folgt in Kapitel 10 eine "Diskursive Verknüpfung der gewonnenen Erkenntnisse". Literaturhinweise und der Fragebogen sowie Experteninterviews schließen das Buch ab.

Zielgruppen

Das Buch ist weniger an Gründungswillige gerichtet, die auf pragmatische Tipps und Ratschläge für ihren Schritt in die Selbstständigkeit hoffen. Der "einführende Leitfaden" entpuppt sich als Lektüre für Theoretiker und Freunde vieler Fremdworte. Einsteiger in die Materie der Firmen - und Praxisgründung dürften sich etwas schwer tun.

Diskussion

Die Arbeit mutet als Art Diplomarbeit an und verweist auf umfangreiches Theoriewissen.

Für Lesefreundlichkeit sorgen allein die Zusammenfassungen am Ende der Kapitel, wobei das zu umfangreiche und wenig strukturierte Kapitel 4 wie ein "Kessel Buntes" oder eine Mixtura mirabilis auftritt. Ein Stichwortverzeichnis fehlt.

Laut Klappentext sollte das Buch Schritt für Schritt den Weg in die Selbstständigkeit weisen. Das tut es nicht, sondern handelt das Thema theorielastig ab. Da helfen auch die Ergebnisse der Studie wenig für die Praxis. Für Theoretiker ist der Band eine gute Übersicht über sämtliche relevanten Punkte zu dem aktuellen Thema.

Fazit

Das Buch eignet sich, um die innerhalb von Lehre und Praxis festzustellenden erheblichen theoretischen Wissens- und Informationsdefizite zum Existenzgründerwissens zu füllen. Es ist jedoch keine praxisnahe Handweisung.


Rezensentin
Dipl. Vw./Dipl. Soz.Päd. Angela Scheibe-Jaeger
Als Diplom-Volkswirtin und Diplom-Sozialpädagogin freiberuflich in der Weiterbildung, als Sachbuchautorin (Fundraising, Existenzgründung, Sozialökonomie, Sozialmarketing) sowie als Fundraising-Beraterin in München tätig.
Homepage www.scheibe-jaeger.de
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Zitiervorschlag
Angela Scheibe-Jaeger. Rezension vom 28.11.2007 zu: Monika Köppel: Existenzgründung in der Sozialen Arbeit. Soziale Arbeit als selbstständiger Leistungserbringer. Ein einführender Leitfaden zur Firmen- und Praxisgründung. Lippe-Verlag (Lage) 2007. ISBN 978-3-89918-167-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5248.php, Datum des Zugriffs 19.11.2018.


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