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Reinhard Busse, Jonas Schreyögg u.a. (Hrsg.): Management im Gesundheitswesen

Rezensiert von Prof. Dr. rer. pol. Hildebrand Ptak, 26.08.2013

Cover Reinhard Busse, Jonas Schreyögg u.a. (Hrsg.): Management im Gesundheitswesen ISBN 978-3-642-34794-8

Reinhard Busse, Jonas Schreyögg, Tom Stargardt (Hrsg.): Management im Gesundheitswesen. Das Lehrbuch für Studium und Praxis. Springer Medizin (Heidelberg) 2013. 3., vollst. überarb. und erweiterte Auflage. 479 Seiten. ISBN 978-3-642-34794-8. D: 59,95 EUR, A: 61,63 EUR, CH: 75,00 sFr.
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Thema und Zielsetzung

Das Buch versteht sich als ein Grundlagenwerk für die Lehre und für die Ausbildung an Universitäten, Hochschulen, Bildungseinrichtungen sowie für die betriebliche Weiterbildung. Es erscheint bereits in der dritten Auflage und befasst sich mit den wesentlichen Grundlagen des deutschen Gesundheitswesens, mit den unterschiedlichen Leistungserbringern im deutschen Gesundheitswesen, einschließlich den Krankenkassen, sowie der Pharmaindustrie. Alle Beiträge wurden so gegliedert, dass sie sich jeweils auf die Krankenversicherungen (gesetzliche Krankenkassen und private Krankenversicherungen), die stationäre Krankenhausversorgung, die ambulante ärztliche Versorgung sowie auf die Integrierte Versorgung und auf die Arzneimittelindustrie beziehen. Im ambulanten Sektor werden dabei wegen bereits vorliegender Untersuchungen unter anderem die ambulanten Pflegedienste und der Heimbereich begründet ausgeschlossen. Bei diesem Werk ist die Themenbereite, aber auch die Tiefe eines jeden Beitrags explizit hervorzuheben. So wurden die jeweiligen Einzelbeiträge des Buches von insgesamt 55 Autorinnen und Autoren verfasst, inhaltlich und optisch gut aufbereitet und mit vertiefender aktueller Fachliteratur belegt. Die Herausgeber unterteilten das Buch in fünf große Sachbereiche: in das Leistungsmanagement, das Kundenmanagement, das Finanzmanagement, das Personalmanagement sowie das Informationsmanagement nebst Controlling. Da jeder Beitrag in sich geschlossen ist, kann der Leser sich nach eigener Wahl einzelne Beiträge heraussuchen, ohne die vorherigen oder die nachfolgenden Fachbeiträge unbedingt gelesen haben zu müssen. Die Herausgeber nennen diese Struktur einen "…matrixorientierten Aufbau…", der zum öfteren Gebrauch dieses umfangreichen Nachschlagewerkes einlädt, wenn der interessierte Leser sich z.B. lediglich über Finanzierungsfragen im stationären Sektor oder über einen anderen Einzelbeitrag informieren möchte. Neben wissenschaftlichen Abgrenzungsfragen z.B. zwischen der überwiegend volkswirtschaftlich orientierten Gesundheitsökonomie, dem betriebswirtschaftlich orientiertem Management im Gesundheitswesen und der Gesundheitssystemforschung trägt das Buch wesentlich dazu bei, die große Spannbreite dieser neuen Wissenschaftsdisziplin aufzuzeigen und die Vernetzungen mit anderen Disziplinen zu verdeutlichen. Somit leistet es einen wertvollen wissenschaftlichen Beitrag zur Ausformung einer neuen entscheidungsorientierten Disziplin, die disziplinübergreifende Anleihen aus z.B. den Wirtschaftswissenschaften, der Medizin, Pharmazie, Informatik, Psychologie, Statistik u.a. angemessen und gut verständlich in sich vereinigt.

Herausgeber

  • Prof. Dr. med. Reinhard Busse, MPH FFPH: Lehrstuhl für Management im Gesundheitswesen an der Technischen Universität Berlin, ist Associate Director for Research Policy des European Observatory on Health Systems and Polocies und Fakultätsmitglied an der Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • Prof. Dr. rer. oec. Jonas Schreyögg: Lehrstuhl für Management im Gesundheitswesen am Hamburg Center for Health Economics der Universität Hamburg und affiliiert an der Standford University
  • Prof. Dr. rer. oec. Tom Stargardt: Lehrstuhl für Health Care Management am Hamburger Center for Health Economics der Universität Hamburg

Entstehungshintergrund

Das Buch liegt hiermit in der dritten Auflage vor, nach dem die erste Auflage 2006 veröffentlicht wurde.

Der Verteilungskampf um begrenzte Ressourcen wie z.B. um Steuereinnahmen und um Krankenversicherungsbeiträge bei weiter steigenden Fällen in Krankenhäusern, einer zunehmenden Konkurrenz unter den Leistungsanbietern sowie die bekannte demographischen Entwicklung und die Fachkräfteproblematik scheinen allen Beteiligten mehr einschlägiges Managementwissen abzuverlangen. Das zum Teil langjährige und gut gepflegte Spezialistendasein, in dem ausschließlich der eigene Verantwortungsbereich zählte, wurde spätestens seit Einführung der DRG im stationären Bereich vor über zehn Jahren von einem Denken und Handeln in wertschöpfenden kostenstellen- und zuständigkeitsübergreifenden Prozessen abgelöst. Hoch komplexe Zusammenhänge, bei i.d.R. gedeckelten Preisen, verstärkten die Notwendigkeit beim Personal aller Führungsebenen, Prozesse umfassender und in ihrer Wirkung zusammenhängend erfassen und beurteilen zu können und das alles bei möglichst durchgängiger Kostenkontrolle. Insofern ist umfassendes ökonomisches Managementwissen, unabhängig von der eigenen Profession, unabdingbar. Das Buch leistet dazu einen guten Beitrag.

Aufbau…

Das Buch umfasst mit sämtlichen Verzeichnissen 489 Seiten, ohne Verzeichnisse 464 Seiten und enthält 114 hilfreiche Abbildungen. Die drei Herausgeber sind mit Kurzvita und Bild dem Inhaltsverzeichnis vorangestellt. Es schließt sich das übersichtliche und gut strukturierte Inhaltsverzeichnis an, das dem Leser eine schnelle Orientierung ermöglicht. Ab Kapitel 2 werden die Kapitel 2 bis 6 stets nach der gleichen Grundstruktur unterteilt: Zuerst wird in die Thematik eingeführt und der thematische Rahmen skizziert sowie einschlägige methodische Grundlagen dargelegt. In Folge werden die Themen der fünf Kapitel jeweils auf die Krankenkassen und -versicherungen, die Krankenhäuser, die Arztpraxen und die Ärztenetze, die Integrierte Versorgung sowie auf die Arzneimittelindustrie projiziert und vertiefend analysiert. Die jeweiligen übergeordneten Kapitel schließen mit einer Fallstudie oder mit zwei Fallstudien ab. Das jeweilige Literaturverzeichnis ist direkt am Ende des Beitrages zu finden. Ein umfassendes Stichwortverzeichnis erleichtert dem Leser das gezielte Nachschlagen. Ein Glossar ist nicht vorhanden. Vielleicht könnten die Herausgeber über Kurzzusammenfassungen am Ende eines Beitrages, wie in einigen wenigen Einzelbeiträgen geschehen, nachdenken,- ggf. in einer nächsten 4. Auflage.

… und Inhalt

Zunächst führt ein gemeinschaftlich verfasster Beitrag zweier Herausgeber im Kapitel 1 allgemein in den Buchaufbau, in die fachliche Relevanz und in die thematische Abgrenzung des Werks ein. Sie legen den folgenden Grundaufbau eines jeden übergeordneten Kapitels begründet dar: Dem Leistungsmanagement im Kapitel 2 folgt das Kundenmanagement im Kapitel 3, dann das Finanzmanagement im Kapitel 4 sowie das Personalmanagement im Kapitel 5 und das Informationsmanagement und Controlling im Kapitel 6.

Im Kapitel 2, mit über 150 Seiten das umfangreichste Kapitel, beschäftigen sich die AutorInnen mit zahlreichen Gesundheitsdienstleistern aus Dienstleistungserstellungs-/Produktionssicht, mit Dienstleistungsanbietern und Institutionen der unterschiedlichen Sektoren, mit Versicherungen sowie mit der Arzneimittelindustrie. In diesem Kapitel werden sehr anschaulich und verständlich die grundsätzliche Verortung sowie die Aufgaben der beteiligten Dienstleistungsanbieter im Gesundheitswesen der Bundesrepublik Deutschland generell dargelegt. Dies wird durch aussagekräftige Tabellen, Strukturbilder und hilfreiche Abbildungen verdeutlicht. Das Kapitel wird mit zwei Fallstudien abgeschlossen. In der ersten Fallstudie wird die "Integrierte Versorgung Gesundes Kinzigtal" vorgestellt, die 2005 gegründet wurde und bis heute trotz Finanzierungsschwierigkeiten weiter existiert und es wird der Frage nach der Übertragbarkeit dieses Modells auf andere Versorgungsregionen nachgegangen. Die zweite Fallstudie stellt die Nutzung individualvertraglicher Regelungen im Arzneimittelbereich der "Techniker Krankenkasse" in den Vordergrund, um sich u.a. im Wettbewerb besser positionieren zu können.

Im Kapitel 3 werden dann die gleichen Gesundheitsdienstleister nunmehr aus Marketingsicht beleuchtet. In der Einführung verdeutlicht Schreyögg, daß im heutigen Gesundheitswesen das Marketing, im Vergleich zur Konsumgüterbranche, aus branchenspezifischen Gründen noch unterentwickelt ist. Das Marketing sucht seit ca. 40 Jahren im Gesundheitswesen nach einem eigenen Weg und kann sich aufgrund von diversen Restriktionen nur eingeschränkt entwickeln. Somit ist der oft behauptete Paradigmawechsel lediglich in unterschiedlichen Ausprägungen bei den Anbietern von Gesundheitsdienstleitungen angekommen. Obwohl mit leicht geänderten Marketinginstrumenten aus der privaten Konsumgüterwirtschaft auch in der Gesundheitswirtschaft gearbeitet wird, wäre es spannend gewesen, die Rolle des Patienten als wahren Kunden oder/und als Verbraucher aus verbraucherpolitischer Sicht noch weiter zu diskutieren. Zwei Fallstudien, eine setzt sich mit dem Kundenmanagement am Beispiel des Norddeutschen Herznetzes auseinander und die zweite zeigt den durchaus kritischen Trend im Generikamarkt sowie die Konsequenzen für die Versicherten und die Anbieter auf, schließen das dritte Kapitel ab.

Kapitel 4 beinhaltet Aspekte des Finanzmanagements der o.a. Bereiche unseres Gesundheitswesens. Die grundlegenden gesetzlichen und privaten Krankenversicherungsstrukturen, ergänzt um die anteilige Steuerfinanzierung, münden in der komplexen DRG-abhängigen Krankenhausfinanzierung nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz ein. Dem Leser werden in diesem Kapitel anschaulich die unterschiedlichen Erlöskomponenten einer Klinik mit Zu- und Abschlägen verdeutlicht. Grundsätzlich wird deutlich, daß im Gesundheitswesen tätige Betriebe, wie z.B. die Arzneimittelindustrie, auch den BASEL-II Kriterien unterworfen ist, so wie privatwirtschaftliche Betriebe anderer Branchen auch. Am Beispiel eines 350-Betten Krankenhauses in Niedersachsen werden in der kapitelabschließenden Fallstudie insbesondere die finanzwirtschaftlichen Synergien von einer Zusammenlegung mehrer Betriebseinheiten an einem Standort sowie anderer organisatorischer Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit dargelegt und mit Zahlen belegt.

Die Bedeutung des Personalmanagements in den o.a. Gesundheitsbetrieben legen AutorInnen im Kapitel 5 dar. Die Autoren Stargardt und Tiemann weisen bereits in ihrem einführenden Beitrag auf die sich verschärfende Personalknappheit bei Ärzten und beim Pflegepersonal eindeutig hin. Das Führungspersonal müsse sich demnach der strategischen Bedeutung des Personalmanagements bewusster werden. Auch gehört das Personalmanagement in die Ausbildung von Führungskräften verpflichtend integriert, denn gut ausgebildetes und hoch motiviertes Personal ist ein entscheidender Wettbewerbsfaktor oder wird es noch werden. So weist auch die Toolbox des Demographiemanagements das Wissensmanagement als einen für die Zukunftssicherung eines Betriebes wichtigen neuen Managementbereich aus. Insofern sind die in diesem Kapitel dargelegten Managementbereiche zur Zukunftssicherung eines Betriebes unerlässlich. Bei der abschließenden Fallstudie dieses Kapitels wird über ein in einer Krankenkasse bereits seit Jahren eingeführtes Programm zur Auswahl sowie über die Personalentwicklung von Führungskräften berichtet.

Im Fokus des Kapitels 6 stehen das Controlling in unterschiedlicher Ausprägung sowie die Balanced Scorecard. Der Nutzen einer BSC mit vier Perspektiven wird am Beispiel einer Krankenversicherung umfassend dargestellt. Die Verfasser Fleßa und Weber stellen das strategische und das operative Controlling sowie ausgewählte Controllingmethoden im Krankenhaus vor. Sie untersuchen z.B. die Auswirkungen von immer kürzeren Liegezeiten auf die dadurch erzielten Erlöse pro Tag, weiterhin die finanzwirtschaftliche Bedeutung im Falle einer Unterschreitung der unteren und eine Überschreitung der oberen Verweildauern, Ausgleichsregelungen bei Mehr- und Minderleistungen sowie ausgewählte strategische Controllingprobleme. Es wird dem Leser deutlich, daß ein Krankenhausbetrieb, aber auch sonstige Betriebe kleinerer Größe nicht auf Controlling verzichten können. Die kapitelabschließende Fallstudie am Beispiel der Berliner Charité beschäftigt sich mit dem Management by Objectives und zeigt dabei die Steuerungsproblematik auf Klinikebene pragmatisch auf.

Diskussion

Das Werk gibt einen guten und umfassenden Überblick über Krankenkassen/ -versicherungen, Krankenhäuser, Arztpraxen, Integrierte Versorgung und über die Arzneimittelindustrie. Ein umfangreiches Autorenteam aus Fachleuten sorgt für die einschlägige und für eine gut aufbereitete Bearbeitung der Themen. Die Fallstudien am Ende eines Kapitels sind verständlich und spiegeln praxisorientierte Problembereiche wider, die für das Verständnis hilfreich sind. Der Leser kann mit Hilfe des Buches sein Wissen gezielt vertiefen. Dies wird umso intensiver möglich sein, desto umfangreicher die einschlägigen volks- aber insbesondere betriebswirtschaftlichen Vorkenntnisse der Leser bereits sind. Die Reihenfolge sowie der Aufbau der insgesamt sechs Kapitel ist gelungen. Jedes Kapitel ist sein Geld wert!

Fazit

Das Buch ist zu empfehlen. Insbesondere sollten Studierende, Managementnachwuchs, sowie am Gesundheitswesen Interessierte dieses umfassende Werk besitzen, die sich einen fundierten Überblick über zahlreiche Marktteilnehmer im Gesundheitswesen der Bundesrepublik Deutschland verschaffen wollen. Es ist als umfassendes Grundlagenwerk eine Bereicherung der bisher am Markt angebotenen einschlägigen Literatur, die sich oft nur auf ausgewählte Teilbereiche des Gesundheitswesens beschränkt. Es gelingt den Herausgebern damit gut, ein kompliziertes Geflecht von privaten und öffentlichen Betrieben, von Behörden und Institutionen, von Staat und Gesellschaft verständlich zu ordnen, aufzuarbeiten und klammerartig auf 464 Seiten sinnvoll zusammenzufassen. Diese nicht einfache Herausforderung ist den Herausgebern sehr gut gelungen. Das Buch gehört in jede Fachbibliothek.

Rezension von
Prof. Dr. rer. pol. Hildebrand Ptak
Evangelische Hochschule Berlin -Betriebswirtschaftslehre und Management im Gesundheitswesen-
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Es gibt 8 Rezensionen von Hildebrand Ptak.

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Zitiervorschlag
Hildebrand Ptak. Rezension vom 26.08.2013 zu: Reinhard Busse, Jonas Schreyögg, Tom Stargardt (Hrsg.): Management im Gesundheitswesen. Das Lehrbuch für Studium und Praxis. Springer Medizin (Heidelberg) 2013. 3., vollst. überarb. und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-642-34794-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5262.php, Datum des Zugriffs 28.05.2022.


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