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Uwe Flick: Qualitative Sozialforschung

Cover Uwe Flick: Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung. Rowohlt Verlag (Reinbek) 2007. 448 Seiten. ISBN 978-3-499-55694-4. D: 17,95 EUR, A: 15,40 EUR, CH: 26,30 sFr.

Reihe: rororo - rowohlts enzyklopädie - 55694.
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Thema

Qualitative Sozialforschung gewinnt insbesondere in Feldern der Sozial- und Erziehungswissenschaften an Bedeutung. Die Qualitative Sozialforschung erfährt Wandlungsprozesse, es kommen neue Ansätze und Methoden sowie Weiterentwicklungen hinzu. Die Einführung in die qualitative Sozialforschung will Orientierung im zunehmend unübersichtlicher werdenden Feld bieten. Im Vergleich zum Vorgängerwerk "Qualitative Forschung – Theorie, Methoden, Anwendung in Psychologie und Sozialwissenschaften, kommen in vorliegendem Buch Themen wie Dokumentenanalysen und qualitative Online-Forschung hinzu. Andere, bereits im Buch von 2002 enthaltene, Themen sind nun übersichtlich als eigene Kapitel gegliedert.

Aufbau …

Der Autor, Uwe Flick, seit 1997 Professor für Qualitative Forschung an der Alice Salomon Fachhochschule Berlin, Privat Dozent an der Technischen Universität Berlin und Adjunct Professor an der Memorial University of Newfoundland, St. John`s, Kanada (2000-2003), entwickelt in 7 Kapiteln ein Lehrbuch mit unterschiedlichen Schwerpunkten der qualitativen Sozialforschung. Sie sind nach folgenden Themen geordnet:

I.      Rahmen

II.     Von der Theorie zum Text

III.   Forschungsdesign

IV.  Verbale Daten

V.    Beobachtung und mediale Daten

VI.  Vom Text zur Theorie

VII. Geltungsbegründung, Darstellung und Perspektiven qualitativer Forschung

Alle Kapitel sind übersichtlich und mit gleich bleibendem Schema strukturiert. Anfänglich werden Ziele formuliert, die Textbausteine entwickeln theoretische Zusammenhänge und sind mit konkreten anwendungsbezogenen Beispielen aus der Forschungspraxis veranschaulicht. Am Ende werden die wesentlichen Kernpunkte in einem Kasten zusammengefasst und im Anschluss jeweils Übungsaufgaben formuliert. Weiterführende Literatur findet sich immer am Kapitelende.

… und Inhalte

Im ersten Abschnitt gibt der Autor in einem Kapitel eine Orientierung über das Buch, nennt Ziele und spricht explizit Studierende und Lehrende an: "Damit soll einerseits ein Überblick zur Entscheidung für bestimmte Methoden der Erhebung oder Auswertung gegeben werden, der andererseits erlaubt, die Stimmigkeit der einzelnen Methode mit den anderen Bestandteilen des Prozesses zu beurteilen" (S. 19). Er betont, dass sich das Buch je nach Interesse und Vorkenntnissen sowohl als Gesamtwerk von vorn nach hinten, als auch selektiv, also mit spezifischem Forschungsinteresse und konkreten Fragen, lesen lässt. Aktualität, Geschichte und Kennzeichen der Qualitativen Sozialforschung sowie eine Gegenüberstellung von qualitativen und quantitativen Methoden bieten grundlegenden Einblick in die Methode. Ein wichtiges Kapitel zur Ethik qualitativer Forschung rundet den ersten Block des Handbuchs ab. Unter dem ethischen Aspekt werden Themen wie Vertraulichkeit bzw. Anonymität als Forschungsteilnehmer sowie die Zustimmung zur Forschungsteilnahme diskutiert.

Der logische Aufbau des Handbuchs entwickelt sich analog eines Forschungsdesigns, zunächst über theoretische Positionen, Konstruktion und Verstehen von Texten über Fragestellungen und Zugang zum Feld qualitativer Forschung, berücksichtigt Auswahlstrategien und erläutert verschiedene Designs. Die Datenaufnahme wird in Abschnitt IV des Buches entwickelt und führt zunächst in die verbalen Daten, im Folgeabschnitt in die Methoden von Beobachtung und den Umgang mit medialen Daten ein. Dokumentation, Kodierung und Kategorisierung über verschiedene Analyseformen sowie Textinterpretationen beinhaltet der mit 100 Seiten umfassendste Abschnitt VI des Buches: "Vom Text zur Theorie". Ein eigenes Kapitel wird hier dem Computereinsatz in der qualitativen Forschung gewidmet.

Gütekriterien und Qualität qualitativer Forschung jenseits von Kriterien sind Kernbestandteile des letzten großen Abschnittes des Handbuchs. Weiterhin wird auf den notwendigen Forschungspragmatismus in der Ergebnisdarstellung eingegangen, die legitimative und reflexive Funktion des Schreibens erläutert.  Der Autor schließt das Buch mit einem abschließenden Überblick über den Stand der qualitativen Forschung und Zukunftsperspektiven.

Zielgruppe und Diskussion

Das Buch wendet sich gezielt an Studierende und Lehrende der Sozial- und Erziehungswissenschaften, Psychologie, Sozialarbeit, Pflege- und Gesundheitswissenschaften sowie all die Fächer, in denen Sozialforschung gelehrt wird. Explizit werden auch Anfänger im Umgang mit Forschungsmethoden angesprochen. Der im Anfang des Buches versprochene "Werkzeugkasten für die Forschungspraxis" entfaltet ein umfassendes Tableau theoretischer und forschungspraktischer Positionen, die – wie angekündigt – auch selektiv gelesen werden können. Dies ist der konsequenten Strukturierung des Lehrbuches zu verdanken, die eine Orientierung an Themen und Zielen für die Forschungspraxis ermöglicht und somit auch als Nachschlagewerk für bestimmte aufgetretene Fragestellungen verwendet werden kann. Einzelschritte und logische Abläufe im Forschungsprozess werden für Studierende gut lesbar dargestellt, die kritischen Aspekt – also Knackpunkte empirischer Forschung – unterlegt mit Theorie und sehr leserfreundlich mit Beispielen aus der Forschungspraxis versehen.

Das Buch ist gerade für Studierende praktikabel, da die in sich abgeschlossenen Kapitel das Lesen und Arbeiten damit leicht machen. Gleichzeitig erhalten Anfänger ein Lehrbuch, in dem die Grundlagen der qualitativen Sozialforschung übersichtlich beschrieben und an vielen Stellen mit grafischen Darstellungen verdeutlicht werden. Einmalig erscheint der Überblickscharakter des Buches durch komprimierte Darstellung, beginnend mit Zielformulierungen und endend jeweils mit einer kurzen Zusammenfassung sowie weiterführenden relevanten Literaturangaben.

Fazit

Der stringente Aufbau des Buches, orientiert an wichtigen Fragen aus der Forschungspraxis, bietet eine gute Grundlage im komplexen Feld qualitativer Forschung. Dem Ziel, sowohl Anfängern als auch Studierenden und Lehrenden in der Sozialforschung ein einführendes Handbuch zu bieten, wird der Autor gerecht. Das Buch kommt dem Bedürfnis von Studierenden nach kompakten Informationen, die praktikabel umsetzbar sind, entgegen und ist auch autodidaktischen Forschern zu empfehlen.


Rezension von
Prof. Dr. Roswitha Sommer-Himmel
Evangelische Hochschule Nürnberg
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Zitiervorschlag
Roswitha Sommer-Himmel. Rezension vom 14.04.2008 zu: Uwe Flick: Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung. Rowohlt Verlag (Reinbek) 2007. ISBN 978-3-499-55694-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5283.php, Datum des Zugriffs 19.05.2021.


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