Waleed Anthony Salameh: Humor in der integrativen Kurzzeittherapie
Rezensiert von Stephanie Baumgart, Prof. (em) Dr. Herbert Effinger, 04.01.2008
Waleed Anthony Salameh: Humor in der integrativen Kurzzeittherapie. Ein interaktives Übungsbuch. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2007. 254 Seiten. ISBN 978-3-608-93754-1. 24,50 EUR. CH: 43,00 sFr.
Einblick
"Humor in der Integrativen Kurzzeittherapie." - mit diesem Titel fordert W. A. Salameh sicherlich nicht nur eine Anzahl von TherapeutInnen und BeraterInnen heraus. Walleed Anthony Salameh ist ein international anerkannter Psychotherapeut in dem Bereich des therapeutischen Humors. In seinem von Kurt Neff übersetzten, interaktiven Übungsbuch widmet er sich der Frage, ob Humor hilfreich oder kontraproduktiv ist und folglich einen therapeutischen oder beraterischen Prozess fördern oder behindern kann. Der Verfasser wendet sich sowohl an TherapeutInnen und BeraterInnen als auch direkt an potentielle KlientInnen. Mit etlichen Tabellen, Cartoons, Übungen, Lachtests animiert er zum ständigen Mitdenken und Mitlachen.
Salameh stellt seine von Ihm bereits in den achtziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts entwicklelte Therapie und Beratungsform, die "Integrative Short-Term Psychotherapy" (ISTP), vor. Diese soll effizient, effektiv und für die Klienten emotional angenehm zugleich zu sein. Humor und Lachen spielen darin eine fundamentale Rolle. Er zeigt auf, wie Therapie und Humor miteinander verflochten werden können. Dabei möchte der Autor nichts Geringeres bewirken, als den Leser mit Hilfe von sieben Handlungsschritten zu einer "radikalen Neuausrichtung" der Therapie- und Beratungsarbeit sowie zur "Förderung von Persönlichkeitswachstum (…) bewegen". (S. 25)
Überblick
Salameh wählt ein Sieben-Schritte-Vorgehen, in welchem sich die ersteren drei Kapitel vorrangig der Theorie und die letzteren vier der Praxis widmen.
- In seinem ersten Schritt zeigt Salameh Ergebnisse der Grundlagenforschung über Humor und Lachen und geht auf deren Bedeutung für den Therapie- und Beratungsprozess ein. Der Autor stellt zunächst seine Definition vom therapeutischen Humor vor. Anschließend zeigt er die Funktionen und Kennzeichen des therapeutischen Lachens und Humors auf.
- Daran anknüpfend erläutert er im zweiten Schritt sein theoretisches Modell der "Integrative Short-Term Psychotherapy (ISTP)" und zeigt, wobei und wie Humor helfen kann und wo seine Grenzen liegen.
- Schritt drei befasst sich mit dem Anfangsstadium in der Therapie, der Ersteinschätzung, wobei deren Grundlagen, Risiken und Bedeutung aufgezeigt und Tipps für die Durchführung gegeben werden.
- Salameh widmet sich im vierten Schritt Cartoons, Videos und anderen audiovisuellen Medien und stellt die von ihm entwickelte "Autobiographie-Cartoons-Therapie" sowie die alternative Humorvideo-Therapie vor. Der Autor nutzt die Medien als Hilfsmittel zur Selbsterforschung. Sie werden eingesetzt, um die emotionale Lebensgeschichte der KlientInnen zu rekonstruieren.
- Der fünfte Schritt gibt Anleitung, selber Techniken zu entwickeln, um die tägliche "Humorproduktion" zu steigern. Salameh stellt der Leserschaft Humor- und Lachproduktionstechniken als Hilfsmittel zur Verfügung, um sie zu sachverständigen Humoristen heranzubilden, wobei er die Aufforderung gibt, selbst aktiv zu werden.
- Im sechsten Schritt stellt er verschiedenartige Lachtests als ein Instrument der Steigerung des eigenen Humor- und Lachpotentials vor.
- Im siebten Schritt widmet er sich verschiedenen Blockadehaltungen gegenüber Humor und Lachen. Ziel dieses Kapitels ist es, einen "scharfen Trennstrich zu ziehen zwischen den gesunden und den destruktiven Spielarten von Humor und Lachen". (S. 237)
Ausblick
Salameh bezieht eine Vielzahl von Methoden wie Witze, Cartoons, Anekdoten, Geschichten und stilistischen Figuren in seine Ausführungen ein. Durch den Registerwechsel von präziser Wissenschaftssprache zu lockerer Umgangssprache erweist sich dieses Buch als gut lesbar. Dadurch eignet es sich nicht nur für Fachleute, sondern auch für den Leser, der sich diesem Gegenstand erstmals nähert. Salameh gelingt es, sein Anliegen zu verdeutlichen und der Leserschaft nahe zu bringen. Er appelliert an Verstand und Gefühl seiner Leserschaft und regt zum Nach-, Mit- und Weiterdenken über die von ihm aufgezeigte Thematik an. Die Leserinnen und Leser werden mit unterschiedlichen Formen und Arten des Humors in Kontakt gebracht. Sie können für sich selbst prüfen, was zur eigenen Persönlichkeit und ihrem eigenen Interventionsstil passt und zeigt, wie man diesen entwickeln kann. Wer sich auf seine Gedanken einlässt, kann die Kraft des Humors in sein (berufliches) Leben einbeziehen und sich eine humorvolle Lebensphilosophie aneignen.
Fazit
Das Buch zeigt eindrücklich, wie Humor und Therapie vereinbart werden können und wie "das Humor- und Lacherlebnis als willkommener Energiespender, motivierender Kick und handfester Vorgeschmack noch bevorstehender Veränderungen wirkt". (S. 26) Dabei setzt Salameh kein umfassendes fachspezifisches Wissen voraus, weshalb sich das Fachbuch für alle Praktizierende jeglicher Helferberufe eignet.
Rezension von
Stephanie Baumgart
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Prof. (em) Dr. Herbert Effinger
Diplomsozialpädagoge (DBSH, Supervisor (DGSv), Case Management Ausbilder (DGCC), Professor für Sozialarbeitswissenschaft/Sozialpädagogik an der Evangelischen Hochschule Dresden
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