socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Josef Broich, Heike Bänsch u.a.: Theaterpädagogik

Josef Broich, Heike Bänsch, Ulrike Hensel: Theaterpädagogik. Zwölf Beiträge zur aktuellen Diskussion unter erlebnispädagogischen Gesichtspunkten. Edition Erlebnispädagogik (Lüneburg) 2007. 127 Seiten. ISBN 978-3-89569-073-0. 11,80 EUR.

Reihe: Kleine Schriften zur Erlebnispädagogik - Band 35.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Mächtige Methoden

Es gibt mächtige pädagogische Methoden. Ohne Zweifel gehören dazu die Theater- und die Erlebnispädagogik. Diese Verbindung scheint das Ziel dieses schmalen Bandes zu sein, der in den "Kleine(n) Schriften zur Erlebnispädagogik" erschienen ist. Josef Broich ist ohne Zweifel die Leitfigur dieses Buchprojektes, das letztlich als Herausgeberband definiert werden muss. Denn viele Autorinnen und Autoren haben dazu Beiträge geliefert.

Ursprünge

Im ersten Beitrag geht Broich den Ursprüngen der Theaterpädagogik nach. Taucht man tiefer in die Geschichte, dann müsste man auch Goethes "Wilhelm Meister" nennen. "Die Lehrjahre" zeigen die pädagogische Dimension des Theaterspiels auf, in den "Wanderjahren" entwickelt Goethe das nicht nur für die Erlebnispädagogik bedeutsame Prinzip der "Pädagogischen Provinz." Broich geht den Spuren der Theaterpädagogik seit etwa 1920 genauer nach. Dabei nimmt er auch streitbare Bewertungen vor, so z. B. über das Improvisations- und Businesstheater (S. 10). Auch die kritische Anmerkung zu fehlenden Lektoren bei Fachzeitschriften (S. 12) gehört nicht zum Thema. Dennoch ist die Antwort einfach: Lektoren bzw. Qualität kosten Geld - und das wollen Verlage sparen, und das gilt wohl auch für den Verlag, in dem dieses Buch erschienen ist (vgl. z. B. dazu S. 32 f: "Nürnburgring", "Kücken", "hälst"). Im nächsten Kapitel geht es um den "Umgang mit der Rolle." Wer über die Ursprünge nachdenkt, müsste eigentlich bei den Griechen landen, bei den Anfängen des abendländischen Theaters. Auch wenn man die Warnung des Autors vor zu viel Klamauk nachvollziehen kann (S. 19), muss man dennoch vorsichtig sein. Das einfache Bauerntheater auf dem Land befriedigt nicht nur die Schau- und Lachlust, sondern ist immer noch besser als der Zeitvertreib vor dem Fernseher.

Praxisanregungen

Zunehmend wird das Buch praktischer und animiert zum mit- und nachmachen.

  • Der nächste Beitrag "Theater lernen - Theater spielen" beschreibt die Aktivitäten der "Landesarbeitsgemeinschaft Spiel und Theater Nordrhein-Westfalen e. V." Da eröffnen sich einige kostbare Variationen des Theaters wie der "Klinik-Clown", "generationsübergreifende Theaterprojekte" (S. 22) oder ein Theaterprojekt in einer Justizvollzugsanstalt.
  • Das "reisende Zeittheater"(S. 26 - 30), beschrieben von Canip Gündoglu, ist ein weiteres reizvolles Theaterprojekt. Das achtjährige Gymnasium ist eine große Bedrohung für das Theaterspiel in der Schule. "Großes Theater gibt es auf der Bühne, dem Schulhof, dem Fußballplatz …" (S: 31) und im Wald, am See, auf dem Berggipfel, in der Höhle, möchte man ergänzen. Die Spielanregungen sind hoffentlich Anreiz dafür, das Theaterspiel auch zukünftig nicht zu vergessen.
  • Weitere Gedanken machen sich Heike Bränsch über die "Ganztagsschule I" (S. 43 f) und Josef Broich ("Ganztagsschule II") (S. 45 - 58). In diesen Beschreibungen der Praxis und der praktischen Übungen  liegt ein großer Reiz des Buches, dort setzt es Impulse und inspiriert.
  • Nach einigen Anmerkungen zur Evaluation geht Ulrike Hensel der Frage nach, ob Theaterpädagogik "Kunst oder Therapie?" ist. Keines von Beidem, möchte man antworten, obwohl es wohl Beides sein kann. Aber dann ist es keine Pädagogik mehr! Mehr als die Leitfrage beschäftigt die Autorin aber die Frage, was Qualität ist.
  • Der nächste Beitrag bringt einen Überblick zur Theaterpädagogik mit einer umfangreichen Adressenliste.

Das Buch endet mit einem Einblick in den theaterpädagogischen Büchermarkt. Bei der Auflistung der Fachzeitschriften wird auch die "Zeitschrift für Erlebnispädagogik" genannt. Das ist sicherlich kein theaterpädagogisches Magazin, sondern eine altehrwürdige Zeitschrift für das erlebnisorientierte Lernen.

Erlebnispädagogik?

Dies ist aber einer der wenigen Hinweise auf die Erlebnispädagogik, die in diesem Buch nicht mal eine marginale Rolle spielt. Und das muss sie auch nicht. Obwohl man beim Theaterspiel ohne Zweifel sehr viel erlebt, mit Gefühlen und Stimmungen arbeitet, Menschen bewegt, muss dies noch keine Erlebnispädagogik sein. Außer wir einigen uns auf eine Definition, dass überall, wo etwas erlebt wird, wir auch von Erlebnispädagogik sprechen. Dann enden wir in großer Beliebigkeit. Der Hinweis  auf die Erlebnispädagogik im Titel des Buches ist also eher überflüssig. Offensichtlich ist das Buch nicht einfach zu erwerben, amazon jedenfalls bietet dieses Buch nicht an (wohl aber der socialnet-Buchversand, Anmerkung der Redaktion). Auch auf der Website von "edition erlebnispädagogik" enden die Hinweise zur Schriftenreihe "Kleine Schriften zur Erlebnispädagogik" im Jahr 2002.


Rezensent
Prof. Dr. Werner Michl
Homepage www.wernermichl.de
E-Mail Mailformular


Alle 37 Rezensionen von Werner Michl anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Werner Michl. Rezension vom 06.01.2008 zu: Josef Broich, Heike Bänsch, Ulrike Hensel: Theaterpädagogik. Zwölf Beiträge zur aktuellen Diskussion unter erlebnispädagogischen Gesichtspunkten. Edition Erlebnispädagogik (Lüneburg) 2007. ISBN 978-3-89569-073-0. Reihe: Kleine Schriften zur Erlebnispädagogik - Band 35. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5326.php, Datum des Zugriffs 24.09.2017.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Stellenangebote

Erzieher/in für Kindertagesstätte, Köln

Kitaleiter/in, Köln

Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 13 000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!