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Hans-Wolfgang Hoefert (Hrsg.): Führung und Management im Krankenhaus

Cover Hans-Wolfgang Hoefert (Hrsg.): Führung und Management im Krankenhaus. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2007. 2., vollst. überarbeitete Auflage. 293 Seiten. ISBN 978-3-8017-2083-4. 34,95 EUR.

Reihe: Organisation und Medizin.
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Thema

Gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Veränderungen haben Auswirkungen auf das Gesundheitswesen. Die rasanten Entwicklungen am Gesundheitsmarkt fordern zunehmend unternehmerisches Denken und Managementkompetenzen. Der Ökonomisierungsdruck macht auch vor dem Krankenhaus- und Rehabilitationswesen nicht halt. Das vorliegende Buch beschreibt aktuelle Herausforderungen und potentielle Handlungsstrategien.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist in der Reihe „Organisation und Medizin“ in der zweiten, vollständig überarbeiteten Auflage erschienen. Besonderes Augenmerk wird neben dem Setting Krankenhaus auf das Feld der Rehabilitationskliniken gelegt; das Thema „Management in Zeiten des Ökonomisierungsdruckes“ wird aufgegriffen und in die Darstellungen integriert.

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus einer Einleitung und 5 Teilen.

Die Einleitung (Hans-Wolfgang Hoefert) steht im Zeichen der historischen Entwicklungen im Krankenhauswesen sowie der aktuellen Situation; gesellschaftliche Funktionen werden ebenso diskutiert wie der krankenhaustypische Reduktionismus (z.B. durch Klassifikationssysteme, Fallgruppen, krankheitsbezogene Kommunikation) und das Prinzip „Wettbewerb“ im Zusammenhang mit dem Gesundheitsmarkt. Abschließend werden die Beiträge des Buches kurz skizziert.

Teil 1 des Buches beschäftigt sich mit Führung im Krankenhaus und den dort vertretenen Berufsgruppen. Zu Beginn werden Theorien und Instrumente des Managements sowie Führungstheorien vorgestellt (Hans-Wolfgang Hoefert). Sehr anschaulich werden die allgemeinen Ausführungen auf den ärztlichen Bereich angewandt und Herausforderungen sowie Probleme im Zusammenhang mit Führung krankenhausspezifisch aufgearbeitet. Der nächste Beitrag (Hans-Wolfgang Hoefert) widmet sich der beruflichen Sozialisation der Ärzteschaft, des Verwaltungs- und Pflegepersonals. Die Berufsentwicklungen werden ebenso nachgezeichnet wie die jeweiligen Arbeitssituationen im Krankenhaus. Darauf aufbauend werden im dritten Beitrag des Teils 1 (Hans-Wolfgang Hoefert) Konflikte innerhalb, aber auch zwischen Berufsgruppen im Krankenhaus angesprochen. Wie entstehen Konflikte? Wie können diese bearbeitet werden? Welche „Bilder“ haben die Berufsgruppen, die im Krankenhaus vertreten sind, voneinander? Stehen diese der Kooperation im Wege und wie kann man dem begegnen? Derartige Fragen werden auf dem Weg zur Skizzierung einer Konfliktkultur beantwortet.

Teil 2 des Buches bietet Orientierungskonzepte für das Krankenhaus-Management. Der erste Beitrag (Hans-Wolfgang Hoefert) geht auf das Thema Krankenhaus-Leitbilder ein; besonders aufschlussreich ist dabei die Darstellung einer explorativen Studie, die 20 Krankenhaus-Leitbilder analysiert hat. Der Begriff „Corporate Identity“ (CI) wird diskutiert und in seiner Dimensionalität dargestellt; Spezifika des Settings Krankenhaus, die bei Überlegungen zu CI und Marketing zu bedenken sind, werden beleuchtet. Die Schlagworte „Ganzheitlichkeit“, „Humanität“ und „Patientenorientierung“ werden im zweiten Beitrag (Hans-Wolfgang Hoefert) dieses Abschnittes diskutiert und für das Setting Krankenhaus konkretisiert. Überlegungen werden angestellt, wie diese Idealansprüche, die vor allem im Pflegeberuf vertreten werden, von den anderen Berufsgruppen und auch den Führungskräften getragen werden können.

Teil 3 des Buches widmet sich neuen Steuerungsformen im Krankenhaus. Der erste Beitrag (Klaus Rudolf, Anne Claussen, Peter Doelfs & Martin Härter) steht im Zeichen des Qualitätsmanagements (QM): Warum soll QM im Krankenhaus implementiert werden? Welche Anforderungen muss QM erfüllen? Welche Probleme können sich bei der Einführung eines QM-Systems ergeben? Wer ist für QM im Krankenhaus verantwortlich? Diese Fragen werden allgemein behandelt, um im Anschluss die Einführung von QM im Universitätsklinikum Freiburg zu skizzieren. Dem Thema der Vernetzung zwischen stationärer und ambulanter Versorgung nimmt sich Hans-Joachim Conrad in seinem Beitrag an. Die Rahmenbedingungen und Möglichkeiten der Integrierten Versorgung (IV), der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) sowie regionaler Netzwerke werden – angereichert um praktische Beispiele – umrissen. Der dritte Beitrag (Christoph Klotter) beschäftigt sich mit einem praktischen Beispiel zu Vernetzungsfragen. Nach der Vorstellung eines Adipositas-Interventionsprogramms wird die Bedeutsamkeit interdisziplinärer und vernetzter Zusammenarbeit für diesen Kontext herausgearbeitet. Umsetzungsschwierigkeiten werden beruhend auf eigenen Erfahrungen aufgezeigt.

Teil 4 des Buches fokussiert Rehabilitationskliniken. Nachdem im ersten Beitrag (Hans-Wolfgang Hoefert) zu Beginn ein kurzer Einblick in die Geschichte des Rehabilitationswesens gegeben wird, konzentrieren sich die Ausführungen auf die Positionierung des Rehabilitationswesens am Gesundheitsmarkt und auf die Grenzziehung zum Kurwesen. Besonderheiten, die im Zusammenhang mit Führung und Management derartiger Institutionen zu bedenken sind, werden beschrieben. Rehabilitationskliniken unterliegen ebenso wie Krankenhäuser einem gewissen Legitimationsdruck – Qualitätsmanagement (QM) spielt auch hier eine bedeutsame Rolle, was durch den Beitrag von Erik Farin deutlich wird. Gesetzliche Rahmenbedingungen und im Rehabilitationswesen zur Anwendung kommende QM-Modelle werden umrissen. Letztere werden gegenübergestellt und hinsichtlich ihrer Passung für Rehabilitationskliniken eingestuft. Daraus werden Anforderungen für QM im Bereich der Rehabilitation abgeleitet.

Teil 5 des Buches beschäftigt sich zum Abschluss mit der Entwicklung personeller Kompetenz. Der erste Beitrag (Renate Schwarz-Govaers) geht zunächst auf aktuelle Entwicklungen, die auch das Krankenhaus-Management nicht unberührt lassen, ein: Die Erweiterung der Perspektive von Krankheit hin zu Gesundheit, der lauter werdende Ruf nach Vernetzung oder auch die Forderung nach Kundenorientierung müssen hierbei bedacht werden. Am Beispiel des Pflegberufs werden sodann Veränderungen der Schlüsselqualifikationen (SC) im zeitlichen Verlauf und deren Bedeutung für das Pflegemanagement illustriert. Zuletzt geht Adelheid Kühne auf das Thema Supervision ein. Dabei wird Supervision als wesentlicher Bestandteil der Organisationsentwicklung verstanden, wodurch individuelle, aber auch Gruppenlernprozesse angeregt werden können.

Zielgruppen

Das Buch richtet sich gemäß Herausgeber sowohl an Studierende der Gesundheits- und Pflegewissenschaft als auch an Führungskräfte und Entscheidungsträger im Gesundheitswesen. Dabei werden die unterschiedlichen Berufsgruppen (Verwaltungspersonal, Ärzteschaft, Pflegepersonal) angesprochen.

Fazit

Das Buch bietet ein breites Spektrum an Themen, ohne dabei die notwendige Tiefe der Betrachtung zu verlieren. Die behandelten Bereiche sind natürlich als exemplarisch zu werten und machen Lust auf spezifische Vertiefung. Ist man auf der Suche nach umfassenden Ausführungen zu Aspekten wie etwa Risikomanagement, Change Management oder auch Managementtrainings, wird man in diesem Buch nicht fündig. Besonders gelungen sind die theoretischen, allgemein gehaltenen Abhandlungen zu den einzelnen Themenbereichen und der jeweilige Transfer auf das Setting Krankenhaus. Praktische Beispiele runden den Gesamteindruck positiv ab und machen das Buch sowohl für Praktiker und Praktikerinnen als auch für Studierende zu einer wertvollen Lektüre.


Rezension von
Dr.in Eva Brunner
Mag.a, Arbeitspsychologin
Professur für Angewandte Sozialwissenschaften, Studienbereich Gesundheit und Pflege, Fachhochschule Kärnten
Homepage www.fh-kaernten.at


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Zitiervorschlag
Eva Brunner. Rezension vom 23.02.2009 zu: Hans-Wolfgang Hoefert (Hrsg.): Führung und Management im Krankenhaus. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2007. 2., vollst. überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-8017-2083-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5334.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


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