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Rosemarie Portmann (Hrsg.): [...] Gewaltprävention für Schule und Jugendarbeit

Cover Rosemarie Portmann (Hrsg.): Brutal daneben. Ratgeber Gewaltprävention für Schule und Jugendarbeit. Universum Verlag (Wiesbaden) 2007. 144 Seiten. ISBN 978-3-89869-189-5. 19,80 EUR.

PraxisReihe Jugend und Bildung.
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Thema

Immer wenn Extremfälle - wie der aktuelle Fall aus München, wo zwei junge Männer in der U-Bahn einen Rentner brutal zusammenschlagen haben - bekannt werden, neigt auch die Politik, erkannt zu haben, dass gehandelt werden muss. Allerdings bleiben die Handlungsalternativen lediglich beim abstrakten und diffusen Fordern, die in erster Linie Restriktion oder härtere Strafen beinhalten, ohne in die unbeliebten und langwierigen Präventionsprojekte zu investieren. Wer in den deutschen Schulhöfen, Strassen und U-Bahnen ein besseres Klima erreichen möchte, sollte nicht beim Sonntagreden die Lehrkräfte, Soziaarbeiterinnen/Sozialarbeiter und Jugendliche defizitär brandmarken, sondern nachhaltig in bessere Rahmenbedingungen - Bildung und Ausbildung der Jugendlichen und in bessere Arbeitsbedingungen der Fachkräfte - investieren. Die Gewalt kommt nicht von Heute auf Morgen aus heiterem Himmel auf die Strassen bzw., wie der konkrete Fall zeigt, in die U-Bahn. Bis zur Anwendung der Gewalt ertragen die Betroffenen viele Demütigungen, Respektlosigkeiten, eigene Gewalterfahrungen, Diskriminierungen etc. Mit der Anwendung der Gewalt können sich Kinder, Jugendliche und Heranwachsende Respekt verschaffen, den sie an anderer Stelle nicht erfahren haben. Mit der Forderung nach höheren Strafen oder Verschärfung des Jugendstrafrechtes wird man die Jugendgewalt nicht lösen. Die U-Bahn-Schläger von München werden ihre verdiente Strafe bekommen, denn das Jugendstrafrecht ist, wenn es richtig und konsequent angewendet wird, hart genug. Es fehlt in Deutschland nicht an harten Strafen und Sanktionen, sondern an flächendeckenden Präventionskonzepten. Ausgerechnet in die Gewaltprävention wird nicht investiert, im Gegenteil es wird kräftig gespart. Den Fachkräften in Deutschland ist es seit Jahrzehnten bekannt, dass es zahlreiche (gewalt-)präventive Maßnahmen und Projekte gibt. Die Umsetzung dieser Maßnahmen ist regional unterschiedlich, weil nicht ausreichende Ressourcen (Personal und finanzielle Mittel) zur Verfügung gestellt werden. Für engagierte pädagogische Fachkräfte legt Rosemarie Portmann ein Buch vor, das Mut macht, mit eingeschränkten Mitteln erfolgreich zu arbeiten.

Autorin

Rosemarie Portmann ist Diplom-Psychologin. Sie arbeitete jahrelang im schulpsychologischen Dienst des Schulamtes der Stadt Wiesbaden, ist in der Fortbildung für Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie Lehrerinnen und Lehrern tätig und Autorin zahlreicher Publikationen zu den Themen Demokratieerziehung und Gewaltprävention.

Aufbau und Inhalt

Der vorliegende Band besteht aus drei Teilen, die auf 15 Kapiteln verteilt sind.

  1. Der erste Teil des Bandes trägt den Titel "Gewalt und Extremismus unter Jugendlichen". In einer klaren und unkomplizierten Sprache stellt Rosemarie Portmann die wichtigsten Begriffe, die in der Gewaltforschung diskutiert werden, vor. Die von der Autorin vorgestellten Begriffe reichen von klassischen Begriffen wie physische und psychische Gewaltanwendung, Mobbing, Vandalismus bis zu neuen Formen der Gewalt unter den Jugendlichen, wie z.B. Happy Slapping (fröhliches Schlagen). Ein weiteres wichtiges Kapitel in diesem ersten Teil diskutiert das Phänomen, ob Jugendliche gewalttätiger geworden sind oder nicht. Hier geht Portmann nicht nur auf die geschlechtspezifischen Unterschiede ein, sondern brisante Themen wie "Junge Migranten und Gewalt" oder "Rassistische Gewalt" werden aufgegriffen. Das letzte Kapitel des ersten Teils gibt einen prägnanten Überblick zum Themenkomplex Strategien gegen Gewalt und Extremismus.
  2. Der zweite Abschnitt des Buches ist in sechs Kapiteln zusammengefasst und trägt den Titel "Bevor es zu spät ist - Prävention". In diesem zweiten Abschnitt geht die Autorin in erster Linie auf die Primärprävention ein, was aus meiner Sicht auch sehr gut und hilfreich ist. Portmann geht auf die zentralen primärpräventiven Maßnahmen, wie z.B. Analyse der Situation, Förderung der Sozialkompetenzen oder Einführung der konstruktiven Konfliktregelungen, ein.
  3. Der dritte und letzte Teil des Buches - verteilt auf fünf Kapiteln - nennt sich "Wenn es zu spät ist - Intervention und Sanktion". Hier werden nicht nur die ordnungsrechtlichen Sanktionsmechanismen vorgestellt, sondern auch pädagogische Maßnahmen, wie z. B. Täter-Opfer-Ausgleich, der in der Literatur der Sekundärprävention zugeordnet wird.  

Zielgruppen

Zielgruppen des folgenden Buches sind in erster Linie Praktikerinnen und Praktiker aus dem Bereich Schule (Lehrkräfte und Schulsozialarbeit) sowie sozialpädagogisches Fachpersonal aus der Jugendarbeit.

Fazit

Ein übersichtliches, praktisches und sprachlich hervorragend geschriebenes Buch, das ich allen im Bereich der Gewaltprävention tätigen Fachkräften uneingeschränkt empfehlen möchte. Die Aufteilung eines so komplexen Themenspektrums ist Rosemarie Portmann sehr gut gelungen. Man merkt in jeder gelesenen Zeile, dass die Autorin ihr Handwerk in bestechender Schärfe und Genauigkeit versteht. Mir bleibt nicht anders zu sagen, außer dem Buch eine breite und intensive Rezeption zu wünschen.


Rezension von
Prof. Dr. Ahmet Toprak
Professor für Erziehungswissenschaften an der Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften
Homepage www.soziales.fh-dortmund.de
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Zitiervorschlag
Ahmet Toprak. Rezension vom 22.01.2008 zu: Rosemarie Portmann (Hrsg.): Brutal daneben. Ratgeber Gewaltprävention für Schule und Jugendarbeit. Universum Verlag (Wiesbaden) 2007. ISBN 978-3-89869-189-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5335.php, Datum des Zugriffs 29.03.2020.


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