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Harald Blonski (Hrsg.): Die Vielfalt des Wohnens im Alter

Cover Harald Blonski (Hrsg.): Die Vielfalt des Wohnens im Alter. Modelle, Erfahrungen, Entscheidungshilfen. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2009. 222 Seiten. ISBN 978-3-940529-05-3. 19,90 EUR.
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Thema

Für Mitte dieses Jahrhunderts wird eine Steigerung der Zahl Pflegebedürftiger in Deutschland auf das Eineinhalbfache, dann also 3,5 Millionen Menschen, prophezeit. Damit wird mehr als eine Verdopplung der Zahl von Heimbewohnern/-innen (von jetzt 700.000 auf dann 1,5 Millionen) angenommen. Eine Vorstellung, die bei den Individualisierungsverlusten im Heim nicht gerade hoch stimmt. Verständlich ist es deshalb, dass angesichts der demografischen Entwicklung und des innerfamilialen Wandels (mit der Reduzierung familialer Pflegemöglichkeiten) nach Alternativen zum Heimübertritt gesucht wird. Im jetzt bei Mabuse in Frankfurt erschienenen, von Harald Blonski herausgegebenen Aufsatz-Band „Die Vielfalt des Wohnens im Alter“ finden sich vor allem mit Beiträgen zum Gemeinschaftlichen Wohnen im Alter und zum Betreuten Wohnen Alternativen zur Heimversorgung. Der 222 Seiten starke Sammelband behandelt auch architektonische Fragen des Altenwohnens und die Wohnversorgung von kalendarisch alten Sondergruppen wie Dementen, Abhängigen, Wohnungslosen und von Sterbenden.

Autor

Herausgeber Harald Blonski ist Diplom-(Sozial-)Pädagoge, weitergebildet zum Diplom-Psychogerontologen. Er arbeitet als Organisationsberater und Weiterbildner auf den Gebieten von Qualitätsmanagement, gerontopsychiatrischer Intervention, Beschwerde-Handhabung und Zertifizierung.

Überblick …

Der Band „Die Vielfalt des Wohnens im Alter“ thematisiert die möglichen Wohnformen für alte Menschen. Dabei werden einerseits erste Einschätzungen für neue, zwischen Heim und konventioneller, individueller Wohnstätte angesiedelte Innovationsformen wie Gemeinschaftliches und Betreutes Wohnen sowie Residenzen vorgenommen. Auch architektonische und gartengestalterische Aspekte beim Wohnen im Alter werden angesprochen. Schließlich thematisiert der aus zehn Einzelbeiträgen bestehende Band die Wohnversorgung von Dementen und Wohnungslosen mit Suchtproblemen sowie die Implikationen der Wohnversorgung für Sterbende.

und Inhalte im einzelnen

In der Einleitung wird angesichts der unbefriedigenden Heimsituation die vor allem quantitativ noch unzureichende Entwicklung von Alternativen heraus gearbeitet. An Grundprinzipien seien für neue Wohnformen im Alter zu beherzigen Selbstbestimmung, Autonomie, vorhandenes Umfeld, Bequemlichkeit, Barrierefreiheit und Sicherheit.

Bei aller Vielfalt des Wohnens ist laut zweitem Beitrag auf folgende Gesichtspunkte zu achten: Auf Flexibilität und Bedürfnisorientierung der Angebote, die auch Räume zu Gemeinschaft, Kommunikation, Quartiersnähe, Stille, Spiritualiät und Abschied eröffnen sollten.

Die Architektur von Altenwohnstätten hat neben den Lebensdauerkosten der Objekte auch Nutzerautonomie, Wohlbefinden, Kommunikationsanbahnung und Sicherheit zu berücksichtigen.

Die Gartengestaltung von Altenwohnanlagen soll einen Aufforderungs-Charakter für Bewegung und die Stärkung von Sinneseindrücken entfalten. Sie kann mit Hochbeeten, Niedrighecken und Dachbegrünung den schwindenden Kräften im Alter Rechnung tragen.

Beim Gemeinschaftlichen Wohnen besteht eine Diskrepanz zwischen interessierter Nachfrage und Realisierung. Die Projekte erfordern das Miteinander von Architekten, Banken, Kommunen, sozialen und pflegerischen Diensten sowie Nutzern. Beim Gelingen erhöhen diese Wohnprojekte die sozialen und hauswirtschaftlichen Kompetenzen ihrer Mitglieder. .

Über das Glück, seit 17 Jahren zufrieden in einer Seniorenresidenz zu wohnen, wird ein kurzes Statement abgegeben.

Bei den zu versorgenden Sondergruppen bestehen die Probleme der Wohnungslosen in einer Gemengelage aus Verhaltensauffälligkeiten, Alkoholismus und psychischen Störungen. Es empfehlen sich gesonderte Stationen oder Einrichtungen. Hilfen können sein kontrolliertes Trinken, Tagesstrukturierung, Werkstättenbeschäftigung und Kooperieren mit spezifischen sozialen Hilfsdiensten.

Die Erhöhung des Wohlbefindens bei Wohngruppen Dementer wird mit den Hilfen Tagesstrukturierung, Alltagsbegleitung, Biografiebögen, angrenzendem Garten, Einzelbetreuung und Gruppenaktivitäten erklärt.

Der Umfeldbedarf Sterbender wird anhand der vier Lebensend-Phasen Rehabilitation, Präterminalphase, Terminal- und Sterbephase erhellt. Es wird für Ruhe, Respekt und einen geschützten Raum für den Sterbenden plädiert.

Abschließend werden die Grundidee, die verschiedenen Organisationsformen und die anhand der DIN-Norm 77800 zu erhebenden Qualitätsansprüche an das Betreute Wohnen geschildert. Wichtig ist, dass die sozialen und pflegerischen Nebenleistungen finanziell hinter der Wohnraumgestellung untergeordnet sind, ansonsten das Heimgesetz greifen würde. Bei vielen sehr eingeschränkten Bewohnern sind die Gewichte aber nicht mehr so gelagert, wie sich Betreutes Wohnen darstellt. Gleichwohl wird für das Betreute Wohnen eine hohe Zukunftsattraktivität gesehen.

Diskussion

Die Zielrichtung von Wohnen im Alter wird in einem kurzen Satz einer Autorin deutlich: Hier „kann ich meine kleiner gewordene Welt öffnen und auch schützen“ (Seite 124).

Der von Harald Blonski herausgegebene Sammelband ist erfreulich vielfältig. Selbst Exotisches wie die Gartengestaltung und der Typ der Seniorenresidenz werden behandelt. Auch den Bedarf von Sondergruppen wie denjenigen von Wohnungslosen oder von Dementen zu verorten, macht Sinn. Die Autoren haben sich auch die Mühe gemacht, die von ihnen geschilderten Projekte kritisch zu hinterfragen.

Andererseits leidet der Sammelband wie viele Aufsatzsammlungen am Mangel an durchgängiger Systematik. Doppelbehandlungen kommen immer wieder vor. Dafür stößt man auch an „weiße Fecken“. So vermisst man genuine Beiträge zu Wohnungsumbau und Wohnverbesserung, zu Sturzprophylaxe und Servo-Hilfen, Notrufsystemen, Wohnungstausch, zur Quartiersgestaltung und zu Hausgemeinschafts-Heimen. Insofern war der vom gleichen Autor im Jahre 1997 bei Beltz in Weinheim und Basel verantwortete und herausgegebene Band „Wohnformen im Alter. Ein Praxisberater für die Altenhilfe“ breiter angelegt.

Fazit

Ein Buch für die Altenhilfe am Nerv der Zeit. Möglichkeiten, die demografischen Aufgaben mit brauchbaren Wohnangeboten zu bewältigen, werden aufgezeigt. Der Band könnte mit der Schilderung von möglichen Verbesserungen im bereits vorhandenen Wohnangebot noch vollständiger sein.


Rezensent
Prof. Kurt Witterstätter
Dipl.-Sozialwirt, lehrte bis zur Emeritierung 2004 Soziologie, Sozialpolitik und Gerontologie an der Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen - Hochschule für Sozial- und Gesundheitswesen; er betreute zwischenzeitlich den Master-Weiterbildungsstudiengang Sozialgerontologie der EFH Ludwigshafen
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Zitiervorschlag
Kurt Witterstätter. Rezension vom 16.11.2009 zu: Harald Blonski (Hrsg.): Die Vielfalt des Wohnens im Alter. Modelle, Erfahrungen, Entscheidungshilfen. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2009. ISBN 978-3-940529-05-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5362.php, Datum des Zugriffs 20.10.2019.


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