socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Kommunikation & Wirtschaft GmbH (Hrsg.): Lernprogramm Betreuung von Demenzkranken

Cover Kommunikation & Wirtschaft GmbH (Hrsg.): Lernprogramm Betreuung von Demenzkranken. Zur gezielten Prävention in der Pflege. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2007. ISBN 978-3-89993-191-4. 59,90 EUR.

Reihe: Lernbibliothek Pflegeprophylaxe.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand

über Shop des Verlags


Thema

Demenzen sind ein zentrales Thema in den Publikationen in den Bereichen der Altenhilfe, Pflege und Versorgung geworden. Entsprechend nimmt auch die Zahl der Veröffentlichungen zu, die sich mit den Aspekten der Aus-, Fort- und Weiterbildung im Feld der Demenzpflege und Demenzbetreuung beschäftigen. Neben Büchern, Broschüren finden nun auch zunehmend die neuen Medien wie Video, CD und DVD teils mit  Computerprogrammen in der meist berufsbezogenen Bildung Verwendung.

Das vorliegende Lernprogramm Betreuung von Demenzkranken als CD-ROM erscheint als so genanntes "Computer Based Training (CBT)" mit dem Anspruch, "mit diesem Kurs kann jeder Mitarbeiter in der Pflege schnell und einfach am Computer nach freier Zeiteinteilung das nötige Grund- und Anwendungswissen   erwerben." (Umschlagtext)

Über die Autoren dieses Lernprogramms werden keine Informationen gegeben.

Inhalt

Das Lernprogramm Betreuung Von Demenzkranken besteht aus den fünf Kapiteln mit den jeweiligen Abschnitten (in Klammern):

  1. Erkrankung (Demenzielle Erkrankungen: Demenz - Alzheimer-Krankheit - vaskuläre Demenz - Verlaufsformen - Symptomatik, Pflegekonzepte: Überblick über Pflegekonzepte - Dementia Care Mapping - Validation - ROT - Böhmsches Pflegemodell - Milieutherapie - Reminiszenz-Therapie - Mäeutik / "Türöffnerkonzept" - flankierende Angebote)
  2. Begegnen (Empathie: Hineinversetzen in die Lebenswelt - Orientierungslosigkeit begegnen, Selbst-Verständnis: eigene Einstellung zu Demenzkranken - eigener Umgang mit Demenzkranken - persönliche Belastungsgrenzen)
  3. Pflegen (Grundbedürfnisse: sich pflegen und kleiden - Essen und Trinken - Ausscheiden - Ruhen, Schlafen, Wachsein, fachgerechte Pflege: Professionalität, Dokumentieren, Rechtliches)
  4. Betreuen (Kommunikation: aggressives Verhalten - enthemmtes Verhalten - Weglaufen und Umherirren -  Anhänglichkeit, Horten, Schreien - genaues Beobachten, Lebenswelt: Orientierung - Aktivität -  Anregung - Emotionalität/Zufriedenheit - Existentielle Erfahrungen - Angehörigenarbeit)
  5. Fördern (Orientierung: Orientierung und Desorientierung - räumliche Orientierung - zeitliche Orientierung - personenbezogen und situativ, Biografie: Biografiearbeit - Fragen zur Biografiearbeit - Erinnerungspflege, Validation: Ziel der Validation - Vorgehen bei der Validation)

Jeder Abschnitt umfasst eine Seite mit wenigen Zeilen Text, Abbildungen oder Grafiken und oft einen weiteren Tipp ("Wichtig").

Zum Abschluss eines jeden Kapitels wird ein so genannter "Wissenstest" bestehend aus einigen Fragen im Multiple-Choice-Verfahren und einem Satzergänzungstest mit einigen Begriffen als Vorgabe angeboten. Wenn 70 Prozent der Antworten richtig beantwortet werden, kann ein Zertifikat über 2 Fortbildungspunkte bei der "freiwilligen Registrierung für beruflich Pflegende" über ein Internetportal beantragt werden.

Diskussion

Die Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Altenhilfe ist berufsbedingt sehr an der Praxis der Pflege und Betreuung orientiert. Ein wesentlicher Aspekt in diesem Bildungsbereich besteht aus dem Verstehen von konkreten Zusammenhängen bei Demenzkranken wie z. B. der Ablehnung einer Pflegehandlung oder das Auftreten einer wahnhaften Verkennung. Wenn nun bestimmte Krankheitsbedingte Reaktionen Demenzkranker durch neuropathologische Prozesse erklärt werden können, dann sind die Voraussetzungen für das Handlungswissen gegeben, wie in bestimmten Interaktionen mit den Betroffenen angemessen umgegangen werden muss. Fortbildung im Umgang mit Demenzkranken besteht somit u. a. aus verschiedenen Wissensebenen, die in einem didaktischen Vermittlungskontext eingebunden sein müssen,  wie z. B.                                                                                           

  • die Ebene der Biologie des menschlichen Verhaltens einschließlich den Aspekten der Stressverarbeitung,
  • die Ebene des neuropathologischen Verhaltens Demenzkranker einschließlich des Wissens um Persönlichkeitsbedingte und lebensgeschichtlich bedeutsame Eigenheiten des einzelnen Bewohners
  • die Ebene eines empirisch belegten Umganges mit den Betroffenen.

Das vorliegende Lernprogramm vermag außer der Darstellung kurzer lexikalischer Stichpunkte und knapper Begriffserläuterungen kein für die Praxis bedeutsames Wissen aus den Feldern der Demenzpflege zu vermitteln. Das Verstehen des Verhaltens Demenzkranker wird auf der Grundlage dieser äußerst dürftigen, teils inhaltlich auch falschen Aussagen nicht geleistet werden können. Viele Hinweise erinnern an Ausführungen über Demenzen aus den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Fazit

Es gilt das betrübliche Fazit zu ziehen, dass hier kein Lernprogramm für die Betreuung Demenzkranker vorliegt. Das Ganze erinnert mehr an ein schmales Taschen- oder Minilexikon ohne praktischen Bezug. Wer sich eingehend das Grund- und Handlungswissen im Bereich der Demenzpflege aneignen möchte, wird aus dieser Veröffentlichung keinen Nutzen ziehen können.


Rezensent
Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind
Gerontologische Beratung Haan
Homepage www.gerontologische-beratung-haan.de
E-Mail Mailformular


Alle 201 Rezensionen von Sven Lind anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Sven Lind. Rezension vom 05.12.2007 zu: Kommunikation & Wirtschaft GmbH (Hrsg.): Lernprogramm Betreuung von Demenzkranken. Zur gezielten Prävention in der Pflege. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2007. ISBN 978-3-89993-191-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5428.php, Datum des Zugriffs 20.10.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung