Kommunikation & Wirtschaft GmbH (Hrsg.): Lernprogramm Betreuung von Demenzkranken
Rezensiert von Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind, 05.12.2007
Kommunikation & Wirtschaft GmbH (Hrsg.): Lernprogramm Betreuung von Demenzkranken. Zur gezielten Prävention in der Pflege. Schlütersche Fachmedien GmbH (Hannover) 2007. ISBN 978-3-89993-191-4. 59,90 EUR.
Reihe: Lernbibliothek Pflegeprophylaxe.
Thema
Demenzen sind ein zentrales Thema in den Publikationen in den Bereichen der Altenhilfe, Pflege und Versorgung geworden. Entsprechend nimmt auch die Zahl der Veröffentlichungen zu, die sich mit den Aspekten der Aus-, Fort- und Weiterbildung im Feld der Demenzpflege und Demenzbetreuung beschäftigen. Neben Büchern, Broschüren finden nun auch zunehmend die neuen Medien wie Video, CD und DVD teils mit Computerprogrammen in der meist berufsbezogenen Bildung Verwendung.
Das vorliegende Lernprogramm Betreuung von Demenzkranken als CD-ROM erscheint als so genanntes "Computer Based Training (CBT)" mit dem Anspruch, "mit diesem Kurs kann jeder Mitarbeiter in der Pflege schnell und einfach am Computer nach freier Zeiteinteilung das nötige Grund- und Anwendungswissen erwerben." (Umschlagtext)
Über die Autoren dieses Lernprogramms werden keine Informationen gegeben.
Inhalt
Das Lernprogramm Betreuung Von Demenzkranken besteht aus den fünf Kapiteln mit den jeweiligen Abschnitten (in Klammern):
- Erkrankung (Demenzielle Erkrankungen: Demenz - Alzheimer-Krankheit - vaskuläre Demenz - Verlaufsformen - Symptomatik, Pflegekonzepte: Überblick über Pflegekonzepte - Dementia Care Mapping - Validation - ROT - Böhmsches Pflegemodell - Milieutherapie - Reminiszenz-Therapie - Mäeutik / "Türöffnerkonzept" - flankierende Angebote)
- Begegnen (Empathie: Hineinversetzen in die Lebenswelt - Orientierungslosigkeit begegnen, Selbst-Verständnis: eigene Einstellung zu Demenzkranken - eigener Umgang mit Demenzkranken - persönliche Belastungsgrenzen)
- Pflegen (Grundbedürfnisse: sich pflegen und kleiden - Essen und Trinken - Ausscheiden - Ruhen, Schlafen, Wachsein, fachgerechte Pflege: Professionalität, Dokumentieren, Rechtliches)
- Betreuen (Kommunikation: aggressives Verhalten - enthemmtes Verhalten - Weglaufen und Umherirren - Anhänglichkeit, Horten, Schreien - genaues Beobachten, Lebenswelt: Orientierung - Aktivität - Anregung - Emotionalität/Zufriedenheit - Existentielle Erfahrungen - Angehörigenarbeit)
- Fördern (Orientierung: Orientierung und Desorientierung - räumliche Orientierung - zeitliche Orientierung - personenbezogen und situativ, Biografie: Biografiearbeit - Fragen zur Biografiearbeit - Erinnerungspflege, Validation: Ziel der Validation - Vorgehen bei der Validation)
Jeder Abschnitt umfasst eine Seite mit wenigen Zeilen Text, Abbildungen oder Grafiken und oft einen weiteren Tipp ("Wichtig").
Zum Abschluss eines jeden Kapitels wird ein so genannter "Wissenstest" bestehend aus einigen Fragen im Multiple-Choice-Verfahren und einem Satzergänzungstest mit einigen Begriffen als Vorgabe angeboten. Wenn 70 Prozent der Antworten richtig beantwortet werden, kann ein Zertifikat über 2 Fortbildungspunkte bei der "freiwilligen Registrierung für beruflich Pflegende" über ein Internetportal beantragt werden.
Diskussion
Die Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Altenhilfe ist berufsbedingt sehr an der Praxis der Pflege und Betreuung orientiert. Ein wesentlicher Aspekt in diesem Bildungsbereich besteht aus dem Verstehen von konkreten Zusammenhängen bei Demenzkranken wie z. B. der Ablehnung einer Pflegehandlung oder das Auftreten einer wahnhaften Verkennung. Wenn nun bestimmte Krankheitsbedingte Reaktionen Demenzkranker durch neuropathologische Prozesse erklärt werden können, dann sind die Voraussetzungen für das Handlungswissen gegeben, wie in bestimmten Interaktionen mit den Betroffenen angemessen umgegangen werden muss. Fortbildung im Umgang mit Demenzkranken besteht somit u. a. aus verschiedenen Wissensebenen, die in einem didaktischen Vermittlungskontext eingebunden sein müssen, wie z. B.
- die Ebene der Biologie des menschlichen Verhaltens einschließlich den Aspekten der Stressverarbeitung,
- die Ebene des neuropathologischen Verhaltens Demenzkranker einschließlich des Wissens um Persönlichkeitsbedingte und lebensgeschichtlich bedeutsame Eigenheiten des einzelnen Bewohners
- die Ebene eines empirisch belegten Umganges mit den Betroffenen.
Das vorliegende Lernprogramm vermag außer der Darstellung kurzer lexikalischer Stichpunkte und knapper Begriffserläuterungen kein für die Praxis bedeutsames Wissen aus den Feldern der Demenzpflege zu vermitteln. Das Verstehen des Verhaltens Demenzkranker wird auf der Grundlage dieser äußerst dürftigen, teils inhaltlich auch falschen Aussagen nicht geleistet werden können. Viele Hinweise erinnern an Ausführungen über Demenzen aus den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts.
Fazit
Es gilt das betrübliche Fazit zu ziehen, dass hier kein Lernprogramm für die Betreuung Demenzkranker vorliegt. Das Ganze erinnert mehr an ein schmales Taschen- oder Minilexikon ohne praktischen Bezug. Wer sich eingehend das Grund- und Handlungswissen im Bereich der Demenzpflege aneignen möchte, wird aus dieser Veröffentlichung keinen Nutzen ziehen können.
Rezension von
Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind
Gerontologische Beratung Haan
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