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Johanna Müller-Ebert: Trennungskompetenz in allen Lebenslagen. Vom Loslassen, Aufhören und neu Anfangen

Cover Johanna Müller-Ebert: Trennungskompetenz in allen Lebenslagen. Vom Loslassen, Aufhören und neu Anfangen. Kösel-Verlag (München) 2007. 287 Seiten. ISBN 978-3-466-30761-6. 17,95 EUR.
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Thema und Titel

Es gibt Bücher, die werden allein wegen ihres Titels von den einen zur Kenntnis genommen und den anderen gemieden. All jenen, denen der Titel zu "reißerisch" erscheint, sei Zweierlei gesagt: Autor(innen) sind nicht immer Herr(inn)en über Titel; Lektor(inn)en reden da mehr oder minder stark - und in anderen Kategorien denkend - mit. Und: Dieses Buch hat auch den Gebildeten unter den Verächtern des "Reißerischen" viel zu geben. Geschrieben wurde es von einer Dipom-Psychologin, Psychotherapeutin und Wissenschaftlerin, die uns vor einigen Jahren (Müller-Ebert 2001) eindrücklich vor Augen führte, wie wenig professionell wir "Beziehungsarbeiter(innen)" eigentlich das Beenden einer Beratung oder Therapie gestalten. Mit Bezug auf jenes Buch und in Ergänzung sowie Unterscheidung dazu, könnte man die vorliegende Arbeit einfach mit dem Titel "Das Buch vom Trennen im Alltag" versehen. Aber es ist natürlich auch ein Buch übers Anfangen. Anfangen und Aufhören sind Vorder- und Rückseite derselben Medaille. Wir können nur (wieder) gut neu anfangen, wenn wir zuvor gut aufgehört haben.

Aufbau …

Das Buch besteht im Kern und ganz überwiegend aus drei Teilen, denen eine ausführliche Einleitung vorangestellt und denen ein Anhang folgt, der aus verschiedenen Partien besteht: Danksagung, lehrreichen (!) Anmerkungen, Literaturhinweisen - sowie einem Test (mit Auswertung) "Welcher Trennungstyp bin ich", den jede(r) mit all der Klugheit behandeln wird, mit sie/er auch sonst an Test heran geht (oder einen großen Bogen um sie macht, so wie der Rezensent).

… und Inhalt

  1. In Teil 1: Vom Binden und Trennen lesen wir, wie die Thematik Beenden / Trennen / Abschied nehmen immer auch mit der Dynamik und dem jeweils bevorzugten Bindungsstil verknüpft ist und wie sich aus dem Wechselspiel von Binden und Trennen - unter dem Einfluss von Erziehung - unterschiedliche Trennungsmuster entwickeln können.
  2. Teil 2: Geschichten vom Aufhören und Loslassen im Alltag beinhaltet viele Beispielgeschichten zur Trennungs-Thematik; und dies zu solch unterschiedlichen Bereichen wie Sachen, Überzeugungen, Beziehungen, Beruf, Heimat und Zeit. Zeit? Ja, die Autorin wirft dabei einen erfrischend neuen Blick auf so altbekannte Dinge wie etwa das notorische Zu-Spät-Kommen, das schon viele davon Betroffene - auch Pädagogen und Therapeuten - zum (Ver-)Zweifeln gebracht hat.
  3. Mit Teil 3: Trennungsrituale - Trennungshandlungen - Trennungsgesten kommt der Hauptteil des Buches zum Abschluss. Und das ist denn auch der richtige Ort zur Darstellung von Strategien - insgesamt acht - zum Erlernen von Trennungskompetenz. Nicht alle sind gänzlich neu, aber es ist das Bündel, das die Originalität ausmacht. Und wem der Glaube an Typologie nicht gänzlich ausgetrieben wurde (wie dem Rezensenten), was für ein Trennungstyp sie/er ist. Was ich an dieser Typologie für besonders bemerkenswert halte, ist die Unterscheidung von Trennungstypen des Festhaltens und jenen des Flüchtens. Diese Unterscheidung ist ein Unterschied, der einen Unterschied macht.

Fazit

Für wen ist das Buch "angezeigt"? Für uns alle. Denn Trennen ist alltäglich und das gute Gestalten des Aufhörens ist für jede(r) eine immer wieder kehrende Aufgabe. Dass wir die immer in bester Manier bewältigen, können nur die Unkritischen unter uns annehmen. Und für wen ist das Buch geeignet? Für den professionellen Beziehungsarbeiter allemal, aber auch für den interessierten "Laien", denn das Buch ist mehr ein Geschichten- als ein Lehrbuch; und wo es eher diesen letzten Charakter hat, ist es niemals belehrend und durchweg frei von jenem (pseudo-)intellektuellen Imponiergehabe, das meint, sich in vielen unverständlichen Fremdwörtern ausdrücken zu müssen. In welcher Weise die einzelnen Geschichten, die Buch erzählt, für einzelne Leser(innen) Lehr-reich sind, hängt stark von deren jeweiliger Lebenslage und -situation ab. Die kann sich ändern, mitunter schneller als man/frau glaubt; nicht zuletzt deshalb ist dieses Buch eines zum Immer-wieder-mal-Lesen.

Ergänzender Literaturnachweis:

Müller-Ebert, Johanna: Trennungskompetenz. Die Kunst, Psychotherapien zu beenden. (Stuttgart) Klett-Cotta, 2001


Rezensent
Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Heekerens
Hochschullehrer i.R. für Sozialarbeit/Sozialpädagogik und Pädagogik an der Hochschule München
Homepage de.wikipedia.org/wiki/Hans-Peter_Heekerens
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Zitiervorschlag
Hans-Peter Heekerens. Rezension vom 19.11.2007 zu: Johanna Müller-Ebert: Trennungskompetenz in allen Lebenslagen. Vom Loslassen, Aufhören und neu Anfangen. Kösel-Verlag (München) 2007. ISBN 978-3-466-30761-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5430.php, Datum des Zugriffs 15.10.2019.


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ISSN 2190-9245

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