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Andreas Heuberger: Networking - durch interessante Kontakte zum Erfolg

Cover Andreas Heuberger: Networking - durch interessante Kontakte zum Erfolg. Grundregeln - Prozess - Felder. Cornelsen Verlag GmbH (Berlin) 2007. 182 Seiten. ISBN 978-3-589-23535-3. 14,95 EUR, CH: 26,30 sFr.

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Thema

Tradierte Einbettungen in Gesellungsformen wie Familie, Berufswelt, Nachbarschaften und Freundeskreise zerbröseln in einer sich schnell wandelnden Welt. Wer gut gestützt mithalten will, braucht immer größere Kommunikationsnetze, auf die er zurückgreifen kann. Solche sich zu schaffen, zu erhalten und mit ihnen umzugehen, ist die neue Lebenskunst: Networking genannt. Für den St. Gallener Management-Lehrer Fredmund Malik wird vernetztes Denken in der globalisierten Welt immer wichtiger. Man kann solche wirksame Beziehungspflege und optimale Positionierung lernen, das ist das Anliegen von Andreas Heubergers Buch zum "Networking".

Zielgruppe

So breit gesehen, benötigt Networking jeder. Beziehungspflege und Positions-Festigung sind geschäftlich von nutzen, beruflich wichtig und sogar privat ergiebig. Heuberger gibt in seinem erfreulicherweise oft auch "Netzwerken" genannten "Networking" vielerlei beachtenswerte Empfehlungen von Höflichkeit, Smalltalk, Informationsauswertung und -speicherung über aussagekräftige Selbstdarstellung bis zur Event-Beteiligung.

Autor

Denn die gesamte Netzwerk-Klaviatur beherrscht der Networking-Seminarleiter und studierte Magister Andreas Heuberger, der in Frankfurt selbst zu seiner und anderer Frommen das Rhein-Main-Netzwerk bildete, aus dem Effeff.

Inhalte im Überblick

Guter Umgang und Beziehungspflege: Aus einer Sekundär-Tugend wird offenbar eine Primär-Kompetenz. Das geht von der Empfehlung, eine Mail nicht mit "MfG" zu beenden, bis zur ethischen Forderung, Intrige und Mobbing zu ächten. Natürlich weiß auch Heuberger, dass Beziehungsarbeit und Eigen-Positionierung nicht alles sind. Geschicktes Kommunizieren und Repräsentieren kann nicht Qualifikation, Erfahrung, Fachgespräche, Verlässlichkeit und Zuverlässigkeit ersetzen. Wohl aber dies alles wirkungsvoller zur Geltung bringen: Wenn man es versteht, Verbindungen aufzubauen, zu nutzen, aufrecht zu erhalten, sein Gegenüber richtig einzuschätzen und sich selbst vorteilhaft zu präsentieren. Heuberger warnt vor Hoffnung auf zu schnelle Auftrags-Erfolge. Eher begreift er Networking als Vorsorge für schlechte Zeiten.

Der Autor handelt für den sich zu vervollkommnen suchenden Networker unter anderem ab die formellen und informellen Zusammenschlüsse, Persönlichkeitstypen, Hauptgebiete des Netzwerkens, auf einzelne Berufsgruppen bezogenes Positionieren, Online-Networking, Events und Smalltalk (dem er gar sechs seiner gut 50 Literaturhinweise widmet).

Inhalte im Einzelnen

Heubergers 182 Seiten starkes, nicht immer (aber meist) gut lesbares, mit vielen anschaulichen Beispielen versehenes, typografisch in abwechslungsreicher Gestaltung gearbeitetes Buch ist in 16 leicht verdauliche Einzelkapitel gegliedert; hierbei werden in dieser Rezension einige Zwischentitel in der Folge zur besseren, isolierten Veranschaulichung leicht umformuliert:

  1. Vom Nutzen des Networking: Sich besser zurecht finden, Potenziale gezielter nutzen.
  2. Definitionen und Begriffe: Netzwerk als organisierte Sammlung von Freundschaften und Bekanntschaften.
  3. Persönlichkeits-Typologien: Macht-, Leistungs- und Zugehörigkeits-Orientierte wie Träumer münden schließlich in die Dualität von Extro- und Introvertierten.
  4. Die Hauptgebote des Netzwerkens: Positiv denken, angenehm und nützlich sein, Win-Win-Situationen ermöglichen.
  5. Netzwerk-Positionierungen einzelner Berufsgruppen: Hier werden auch ethisch-moralische Fragen aufgeworfen und der Kategorische Imperativ des Netzwerkens entwickelt, offen und wahrhaftig zu sein (Seite 63: "Lügen haben bei Netzwerkern besonders kurze Beine").
  6. Die Selbst-Positionierung: Behandelt werden die 50-Worte-Methode und das Alleinstellungsmerkmal USP Unique Selling Proposition; gezielt ist Interesse an sich zu wecken.
  7. Typische Kontakt-Anbahnungen und Kontaktprozesse: Wahrnehmung, Kontaktaufnahme, Informationsempfehlung, Zustandebringen eines Termins und Kontaktpflege.
  8. Größe und Qualität von Netzwerken: Intensitätsgrade von Besprechungen, Wichtigkeit von Anzahl, Qualität, Relevanz, Glaubwürdigkeit und Verschiedenartigkeit der Kommunikationspartner.
  9. Einsatz und Ergebnis: Einzusetzen sind Zeit, Geld und Nerven (Geduld), erwarten sollte man nicht immer, Maximalziele zu realisieren, sondern sich zumindest zunächst mit ausbaufähigen Kontakten zufrieden geben.
  10. Formelle Netzwerke: Weltanschauungsgruppen (Rotarier, Lions, Kiwanis, Round Table, Soroptimistinnen), Studentenkorporationen, Ehemalige, Kammern, Branchen, Vereinsmitglieder und Ehrenämtler.
  11. Informelle Netzwerke: Visitenkartenparties, Stammtische, Migrantengruppen, Webseiten-Verlinkung.
  12. Online-Networking: Umgang mit E-Mail, Blog, Webseiten, XING-Internetbörse.
  13. Events: Verhalten bei Veranstaltungen.
  14. Smalltalk: Tipps für Auftreten und Gespräch gegenüber potenziellen Partnern.
  15. Nachbereiten von Kontakten: Möglichst bald das Wesentliche schriftlich (elektronisch) festhalten.
  16. Regionales Networking: Geschieht über multiplikative Kontaktpersonen wie Händler, Wirte; auch entstehen in Gebäuden/auf Flächen still gelegter Großbetriebe Büro- bzw. Gewerbeparks mit gut vernetzbaren oder bereits vernetzten Kleinbetrieben.

Diskussion

Was ist er nun, Heubergers erfolgreicher Networker von heute und morgen? Ein Blender, Schaumschläger, Selbstdarsteller, ein behaupteter Tausendsassa? Nun, wohl eher einer, der zumindest sein Licht nicht unter den Scheffel stellt. Der seinen Köcher weit offen hält für Fänge, die ihm, aber auch seinem Fang, nutzen. Insofern überzeugt in vielen Bezügen Heubergers Behauptung, dass eins und eins unter optimal gestalteten Konstellationen eben "3" und nicht nur "2" werden.

Die Welt wird größer im Sinn von vielgestaltiger und andererseits kleiner im Sinn von schnellerer Erreichbarkeit. Da ist Übersicht vonnöten, die nur über weitreichende und differenzierte Netze herstellbar ist. Hieran sollte jeder zu seinem eigenen Nutzen arbeiten. Heuberger gibt hierzu viele hilfreiche Empfehlungen und Hinweise. Insofern erfüllt sein "Networking" jenseits allen Modernismus'" ein zutiefst humanes Anliegen.

Manche seiner Herleitungen wie die Persönlichkeitstypologien sind zu elaboriert und weit hergeholt (wo er sich dann am Ende auf Seite 30 doch auf das Gegensatzpaar Extro-/Introvertiert beschränkt). So werden auf dieser komplexen Folie auch die förderlichen Strategien in Teil 4 zu engrastrig entwickelt. Einiges ist schlichtweg nur pauschal behauptet wie die Mitteilung, Deutschlands Führungskräfte seien zu großen Teilen  Nicht- bzw. sogar Anti-Netzwerker (Seite 37). Sprachlich befremden mitunter komplizierte Satzungetüme (wie bei der Bewertung von John F. Kennedy und Nelson Mandela auf Seite 47f.) dergestalt: "Für die herausgehobene Position dürften sie auch recht als 'saubere' Netzwerker in unserem Sinne einzustufen sein - relativ zu anderen gesehen, mindestens grosso modo -, auch trotz der mittlerweile offenbaren indirekten Mafia-Kontakte des Ersteren, vom eigenen Bruder bekanntermaßen immerhin 'wettgemacht', und der Nutzung von ANC-Kaderstrukturen bei Letzterem, mindestens entschuldigt durch seine zentral-aktive Rolle bei der Bildung einer südafrikanischen Zivilgesellschaft."

Jenseits dieser Schönheitsfehler, die sich bei einer zweiten Auflage ausmerzen lassen, ist Heubergers Netzwerk-Buch aber eine Fundgrube für strategisch zielgerichtetes Agieren in Wirtschaft und Gesellschaft. Zentral und gut gelungen ist besonders Kapitel 5.3, in dem Heuberger neben der klassischen Unternehmer-Führungsfigur den allseits kommunizierenden Netzwerker herauf ziehen sieht. Positiv zu sehen ist auch die Aufnahme ethisch-moralischer Grundsätze (Seite 63): Offenheit, Zugang für Neue, Maß und Disziplin. Gewinnbringend sind sicherlich die mehrfach eingestreuten Eigen-Übungen für authentisches Kontaktverhalten (Seite 82f.) wie die Online-Tipps und die stets reichhaltige Benennung von Internet-Adressen an Ort und Stelle.

Fazit

Ein brauchbares Buch mit vielen anschaulichen Tipps zur Optimierung eigenen Akteurs-Verhaltens in differenziert-komplexen und konkurrenzlastigen Umfeldern in Wirtschaft und Gesellschaft.


Rezensent
Prof. Kurt Witterstätter
Dipl.-Sozialwirt, lehrte bis zur Emeritierung 2004 Soziologie, Sozialpolitik und Gerontologie an der Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen - Hochschule für Sozial- und Gesundheitswesen; er betreute zwischenzeitlich den Master-Weiterbildungsstudiengang Sozialgerontologie der EFH Ludwigshafen
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Zitiervorschlag
Kurt Witterstätter. Rezension vom 04.12.2007 zu: Andreas Heuberger: Networking - durch interessante Kontakte zum Erfolg. Grundregeln - Prozess - Felder. Cornelsen Verlag GmbH (Berlin) 2007. ISBN 978-3-589-23535-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5469.php, Datum des Zugriffs 18.11.2019.


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