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Jost Reischmann: Weiterbildungs-Evaluation

Cover Jost Reischmann: Weiterbildungs-Evaluation. Ein Lehrbuch für die Praxis mit zahlreichen Übungsaufgaben. Luchterhand Verlag (München) 2002. 316 Seiten. ISBN 978-3-472-05231-9. 25,00 EUR.

mit CD-ROM zur Auswertung von Kursbeurteilungen (Demoversion für bis zu neun KursteilnehmerInnen).
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Einführung in das Thema

In Zeiten begrenzter finanzieller Ressourcen wird es immer wichtiger zu wissen, was – häufig teure – Weiterbildungsveranstaltungen bringen, so dass der Ruf nach Evaluation immer lauter wird. Hieran knüpft das Buch an, indem es DozentInnen und VeranstalterInnen von Weiterbildungsveranstaltungen Anleitung zur (Selbst-) Evaluation gibt.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil erklärt Reischmann, was Evaluation ist, diskutiert, wozu sie gut sein kann und gibt eine Art "Schnupperkurs" in Evaluation, indem er einige Verfahren vorstellt, die man auch ohne detaillierte Methodenkenntnis einsetzen kann, um so ein Gefühl für die Sache zu bekommen.

Der zweite Teil gibt einen vertieften Einblick. Er knüpft an der Weiterbildungspraxis an, in der Evaluation häufig kritisch beäugt wird oder mühsam gewonnene Daten in der Schublade verschwinden. Es werden verschiedene Typen und Ansatzpunkte von Evaluation vorgestellt und anhand von Beispielen anschaulich gemacht. Als vier klassische Verfahren der Evaluation erläutert Reischmann Befragung, Beobachtung, Tests und Materialanalysen, geht auf sozialwissenschaftliche Gütekriterien ein und diskutiert, welche Rolle sie bei Weiterbildungsevaluationen spielen.

Im dritten Teil wird es praktisch: Es geht um die Planung und Durchführung von Evaluationen, immer verbunden mit der Aufforderung es auch zu versuchen. Dabei hangelt Reischmann sich am zeitlichen Ablauf einer Evaluation entlang: des Herausarbeitens der Ziele auf die eine Weiterbildungsveranstaltung hin evaluiert werden soll, der Konstruktion eines Untersuchungsinstrumentes, der Erhebung und Auswertung der qualitativen oder quantitativen Daten, der Interpretation der gewonnenen Daten und dem Schreiben des Evaluationsberichtes während und zum Abschluss der Evaluation.

Alle drei Teile beinhalten zahlreiche Übungsaufgaben, zu denen es im Anhang Lösungen und Lösungsvorschläge gibt. Der Anhang beinhaltet außerdem ein Glossar, in dem Fachbegriffe erläutert werden, die Standards für Evaluation der Deutschen Gesellschaft für Evaluation, kommentierte Internetadressen, ein Literatur- und ein Stichwortverzeichnis.

Dem Buch liegt außerdem eine CD-ROM mit einer Demoversion mit einem von Reischmann entwickelten Kursbeurteilungsbogen und dem dazugehörigen Auswertungsprogramm bei, das für Kurse mit bis zu neun Personen anwendbar ist.

Tauglichkeit für potenzielle LeserInnen

Man schlägt das Buch auf – und steht einem Lehrer gegenüber. Reischmann spricht seine LeserInnen unmittelbar an und kennt sich offenbar gut im Alltag von Weiterbildungsdozentinnen aus. Er untermalt die Theorie der Evaluation mit zahlreichen Beispielen aus der Praxis und macht auch nicht vor den eigenen Fehlern Halt, so dass auch seine LeserInnen aus ihnen lernen können. Überhaupt behandelt er Fehler nicht als Fehler, sondern als Erkenntnisse, die sinnvolle Richtungswechsel bewirken. Nur dokumentieren muss man sie! Und dass auch der Herr Professor Fehler macht, ermutigt dazu, selbst das Risiko einzugehen, eine Evaluation durchzuführen, bei der man Fehler machen kann.

Reischmann erklärt nicht nur, wie Evaluation geht, sondern er versucht auch Lust auf sie zu machen, ohne dabei die Mühen, die Evaluation bereitet, unter den Teppich zu kehren. Ebenso wenig scheut er sich, auf die Bedeutung, die Intuition (oh Unwort im Wissenschaftsbereich!) insbesondere bei der Auswertung von qualitativen Daten hat, einzugehen.

Mit seinen zahlreichen Übungsaufgaben, die gerne auch witzig daher kommen, veranlasst Reischmann seine LeserInnen immer wieder dazu inne zu halten und das Gelesene zu verdauen, statt nur hindurch zu galoppieren. Und hinterher hat man sich ein Fachbuch mit dichter Information einverleibt, es wahrscheinlich sogar zu einem großen Teil verstanden und sich dabei auch noch ein wenig vergnügt. Ich habe auch zu Zeiten darin gelesen, wo ich sonst lieber in der Zeitung herumblättere und auch mein Mann hat seine Nase hineingesteckt und sich hier und dort festgelesen. Nur weil es interessant war.

Trotzdem ein Kritikpunkt: In der Verlagsankündigung ist keine Rede davon, dass es sich bei der CD-ROM um eine Demoversion handelt. So war ich etwas enttäuscht, als ich sah, dass sich mit ihr nur Daten von bis zu neun KursteilnehmerInnen auswerten lassen. Welcher Kurs findet schon mit neun TeilnehmerInnen statt? Und als das Auswertungsprogramm auf meinem Bildschirm erschien, bekam ich erst einmal einen Schreck, weil es mich an Statistikprogramme aus der Vor-Windows-Zeit erinnerte. Ich fand es dann aber doch leicht zu handhaben (auf jeden Fall mit meiner Erfahrung aus besagten Zeiten), wenn auch grafisch absolut nicht ansprechend.

Sehr hilfreich und erwähnenswert ist noch der ausführliche Anhang, bei dem ich insbesondere die Internetadressen schätze.

Mich hat das Buch in vielerlei Hinsicht inspiriert und ich bin mir sicher, dass es auch für Evaluationen in anderen pädagogischen Bereichen wertvoll ist.

Fazit

Alles in Allem ein Buch, das Mut macht, Evaluationen durchzuführen, und das entsprechende Handwerkszeug vermittelt. Trotz inhaltlicher Dichte gut zu lesen!


Rezensentin
Dr. Anke Meyer
Fachschule für Sozialpädagogik, Fachoberschule für Sozial- und Gesundheitswesen
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Zitiervorschlag
Anke Meyer. Rezension vom 23.12.2002 zu: Jost Reischmann: Weiterbildungs-Evaluation. Ein Lehrbuch für die Praxis mit zahlreichen Übungsaufgaben. Luchterhand Verlag (München) 2002. ISBN 978-3-472-05231-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/548.php, Datum des Zugriffs 15.10.2019.


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